32 Handhabe; entscheidend für den Erfolg ist die durch eingehende Kontrolle gesicherte Durchführung. Der Umstand, daß bei der Sanierung des Hausgewerbes der Hausarbeiter und nicht der Unternehmer die Lasten zu tragen hat, und die ärmliche Lebenshaltung der Hausarbeiter ziehen jeder Besserung auf diesem Gebiete enge Grenzen, will man nicht die Heimarbeit überhaupt ausräuchern. Stets wird die Wirklichkeit weit, weit hinter den Forderungen des Gesetzes zurückbleiben, das feinen zwingenden Charakter hier überhaupt fast abstreift und zu einer moralischen Forderung wird. Selbst auf dem Lande entspricht nur ein sehr geringer Hundertsatz der Betriebe den Bestimmungen der Verord nung; um wieviel schlimmer sind die Verhältnisse in den Städten? Dr. Altmann-Gottheiner berichtet, daß von etwa 100 untersuchten Betrieben in Niederbaden kaum ein einziger einwandfrei im Sinne der Verordnung war; ich selbst fand in dem günstiger gestellten, weil mehr agrarischen Oberland nur selten eine eigene Werkstatt; zumeist wurde im gleichen Raume gewohnt, im Winter gekocht, sehr häufig auch geschlafen. Es war erträglich, wenn Sauberkeit herrschte; schauerlich, wo die Arbeit in einer schlecht gehaltenen, engen und mangelhaft gelüfteten Wohnung verrichtet wird?) Das großherzoglich badische Gewerbeaufsichtsamt berichtet arrs dem Jahre 1913, daß von den inspizierten Hausarbeitern nnr 60 in *) So traf ich in einem badischen Dorfe folgende Verhältnisse: In einem alten Wachtturme, der im Lichten etwa 4 Quadratmeter maß und der Gemeinde als Armenhaus diente, rippte eine Frau, augenscheinlich die Dorfprostituierte, Tabak. Der Boden, auf dem die Blätter herumlagen, bestand aus löchrigen, lose nebeneinander auf die Erde gelegten Brettern; zwei Betten, in denen Mann, Frau und 6 Kinder nachts im Winter kam pierten, ein Tisch, ein Ofen und zwei Stühle machten das Mobiliar aus. Im Sommer schliefen die Kinder um so luftiger auf dem unverschaltcn Dachraum, zu dem man über eine von außen angestellte Leiter durch ein ausgebrochenes Loch in der Mauer kriechen konnte. Die abgetragenen Lumpen des ganzen Dorfes schienen in der Behausung zusammengehäuft zu sein; da ein Schrank fehlte, lagen sie auf der Erde, und ihr Geruch vermischte sich mit dem Dunste ungelüfteter Betten, verbrauchter Luft und Tabaksgeruch. Nicht besser sah's im benachbarten Wachtturm aus, den sich ebenfalls ein Tabakarbeiter als Wohnung hergerichtet hatte.