38 zeitweilig am Körper mit eiternden, schwer zu heilenden Geschwüren bedeckt waren. Die Wohnungsverhältnisse waren äußerst beschränkt und so ungünstig, daß die Erkrankungen der Kinder erklärlich er schienen. Ueber die Gesundheitsschädlichkeit der T a b a k i nd u st r i e liegen widersprechende Gutachten vor; ich habe diese Frage ein gehend in meinem Buch „Die Heimarbeit'") erörtert; weitere seit dem angestellte persönliche Untersuchungen haben mich in der Auf- fasiung bestärkt, daß die Beseitigung der Heimarbeit in dieser In dustrie sowohl vom Standpunkt des Herstellers wie des Verbrauchers zu befürworten ist; besondere Schwierigkeiten für die Hausarbciter würden sich kaum ergeben, da auch in kleine Dörfer leicht Filialen gelegt werden können und die Arbeitszeit in diesen Werkstätten sich zumeist den Bedürfnissen des Haushalts wohl anpassen läßt. Auch das Interesse des Unternehmers geht eher auf den geschlossenen Betrieb. Die in Thüringen neu eingeführte Tabakindustrie wird größtenteils von vornherein als Werkstattbetrieb eingerichtet, an dererseits wird allerdings gerade während des Krieges, der eine starke Ausdehnung des Gewerbes mit sich brachte, von erheblicher Vermehrung der Hausarbeit berichtet. Die Tabakindustrie leitet zu jenen Hausgewerben über, deren Beseitigung nicht sowohl im Interesse des Arbeiters als des Verbrauchers wünschenswert ist — den Nahrungs - und Genußmittelindustrien. Es ist viel zu wenig be kannt, daß als Heimarbeit in großem Umfang Gemüse und Obst für Konservenfabriken vorbereitet, Schokolade, Bouillonwürfel und Bonbons verpackt, Mandeln abgezogen, ja daß Pfefferkuchen, Marzi- panfigürchen, Heringssalat und Rollmops mit Remouladensaucc in Küchen, Wohn- und Schlafstuben zubereitet werden, die sich jeg licher Kontrolle entziehen. Hiergegen gibt es nur ein Radikalmittel — gänzliches Verbot, für das die Sozialdemokratie jederzeit ein getreten ist. Da das Hausarbeitgesetz sich in erster Linie an den Haus arbeiter wendet >und ohne seinen guten Willen und sein Verständ- i) Gaebel, Die Heimarbeit, Jena 1913, S. 91 ff.