65 Räumen des Unternehmers werde nur noch die Zurichtung besorgt, dann gehe die Arbeit an Hausindustrielle oder an Zwischenmeister, die sie ausführen. Der Konkurrenzkampf der Unternehmer sei die hauptsächlichste Ursache dieser Veränderung. Um Arbeit zu er halten, würden die Preise so niedrig als möglich gestellt. Da trotz dem verdient werden soll, eine Ersparnis an Material aber mei stens ausgeschlossen sei, so würden vornehmlich die Löhne der Ar beiter gekürzt. Dieses Bestreben werde unterstützt durch die Un zahl Arbeitsloser, welche im Sattlergewerbe vorhanden seien. Der Arbeitgeber vermöchte deshalb die Löhne nach Belieben niedrig zu bemessen; er fände noch immer genügend Arbeitslose, die zur Tätig keit bei ihm bereit seien. Da während der Arbeitszeit ein irgend wie ausreichender Lohn nicht zu verdienen sei, werde der Arbeiter genötigt, Arbeit mit nach Hause zu nehmen, um dort nach Feier abend weiterzuarbeiten. Da so der Arbeitgeber an Miete, Licht, Feuerung, Kassenbeiträgen und dergleichen spare, werde er ver führt, nur noch Heimarbeiter und Zwischenmeister für sich anzu werben. Die Denkschrift fand in der Presse günstige Ausnahme, da gegen verharrten die Behörden damals noch auf einem ablehnen den Standpunkte. Sie hielten es nicht für richtig, für die Ge schäftsbetriebe der liefernden Unternehmer Verfügungen zu erlassen. In einem Schreiben wurde allerdings angedeutet, daß künftig nur solche Arbeitgeber zur Anfertigung von Sattlerarbeiten heran gezogen werden würden, die Gewähr für auskömmliche und an gemessene Löhne ihren Arbeitern böten. Es ist bereits angedeutet, daß der erste Berliner Tarifvertrag nur von kurzer Dauer war. Der Versuch der Vertragserneuerung scheiterte. Erst Frühjahr 1904 kam es wieder zu einer VerstäM- gung über einen sogenannten Höchstlohntarif. Bemerkenswert ist in diesem, daß wiederum das Zwischenmeistersystem in und außer halb des Betriebes verworfen wurde. Dann aber ging man noch einen Schritt weiter und verbot die Beschäftigung von Arbeit nehmern unter 45 Jahren als Heimarbeiter. Die Erneuerung des Tarifes zerschlug sich im Herbst 1906. Erst Frühjahr 1910 ge- Leimarbeit im Kriege. 5