67 5* Durch die Lohnsteigerung in den neuen Betrieben wurden die Inhaber der alten Militärausrüstungsfabriken beeinträchtigt, weil mancher ihrer Arbeiter mit der Aussicht auf höheren Lohn in die neuen Betriebe eintrat. Die alten Firmen empfanden das Ver halten der neuen Betriebe als unlauteren Wettbewerb. Sie wandten sich daher an das Kriegsministerium, welches ihren Be- schwerden Folge gab und am 9. Oktober verfugte, daß den Firmen, welche durch Angebot höherer Löhne anderen Firmen Arbeitskräfte abspenstig machen, die Verträge der Heeresverwaltung entzogen werden sollen. Um ihre Interessen wahrzunehmen, gründeten die Fabrikanten ferner einen Kriegslederansrüstungsverband, der seine Mitglieder verpflichtet, die Tariflöhne mit einem Zuschlage bis 33Vs Prozent zu zahlen. Wenn die Anordnung des Kriegslederausrüstungsverbandes ganz allgemein befolgt würde, so bedeutete dies für alle die Be triebe, welche jetzt höhere Löhne gewähren, eine in vielen Fällen erhebliche Lohnherabsetzung. Zu dieser Frage ist in der Sattler und Portefeuillerzeitung Stellung genommen. Vorstand des Satt ler- und Portefeuillerverbandes und Tariftommission machten be- kannt, daß sie an den Lohnsestsetzungen des Kriegslederansrüstungs- verbandes nicht mitgewirkt haben. Ueberdies wurde in einem län- geren Artikel erklärt, daß sich die Arbeiterschaft entschieden gegen den Abschluß des Kriegslederausrüstungsverbandes wende und zwar aus folgenden Gründen: Nach Ansbruch des Krieges seien fast alle Lederwarenfäbriken geschlossen und die Arbeiter entlassen wor- den, so daß der Sattler- und Porteseuillerverband in den ersten acht Wochen des Krieges über 109 009 Mark Arbeitslosenunterstützung zahlen mußte. Erst in der zweiten Hälfte des September sei der Bedarf an Militärausrüstungsgegenständen so gestiegen, daß auch Lederwarenfabriken Beschäftigung erhielten. Die Portefeniller und Täschner hätten die neue Arbeit erst erlernen müssen, und in der ersten Zeit nur 12—24 Mark in 60—70 stündiger Arbeitszeit verdient. Ter Berliner Militärsattler-Tarif könne fiir die Kriegs arbeiten nicht in Betracht kommen, denn er berücksichtige nur die