68 Verhältnisse geübter Militärsattler auf Friedensarbeit. Aus diesen Gründen seien in den neuen Betrieben höhere Akkordlöhne verein bart, die erhalten bleiben müßten, denn sonst ivürden die weniger geübten Arbeiter so wenig verdienen, daß sie auf Lederausrüstung nicht weiter arbeiten könnten. Wohl hätten die männlichen Ar beitskräfte sich jetzt eingearbeitet, da sie bei 60—70 ständiger Ar beitszeit 45—50 Mark, vereinzelt auch darüber, verdienten. Die Arbeitspausen seien dabei aber so kurz, daß die Arbeiter ihre Mahlzeiten nicht inr eigenen Haushalt einnähmen und dadurch mich erhöhte Ausgäben hätten. Für die in den alten Militäreffekten- sabriken beschäftigten Sattler, die durch jahrelange Arbeit auf die gleichen Artikel besonders geübt seien, und deshalb über das nor urale Maß hinausgehende Löhne erreichen, bleibe der Beschluß des Kriegslederausrüstungsverbandes einflußlos, weil in diesen- Be trieben nie über den Tarif und den allgemein gültigen Kriegszu schlag gezahlt worden sei. Die Sattler sprachen am Schluß ihres Artikels die Hoffnung aus, daß es gelingen müsse, unter Miwirkung des Kriegsmini steriums die ohne Schuld der Arbeiter entstandenen Meinungsver- schiedenheiten baldigst beizulegen. Darauf fanden aus Veranlassung der Heeresverwaltung in den Räumen des Berliner Gewerbe- und Kaufmannsgerichts Ver handlungen vom 26. Januar bis 1. Februar 1915 statt zwischerr den Vertretern des Kriegslederausrüstungsvexbandes und dem Ver bände der Sattler und Portefeuiller, an denen auch das Kriegs- ministerium, vertreten durch mehrere höhere Offiziere, sich beteiligte. Die Verhandlungen haben mehrere Tage in Anspruch genom men. Zunächst einigte man sich, den Beschluß des Kriegsleder ausrüstungsverbandes, nach dem nur noch dev Berliner Tarif mit dem üblichen Kriegszuschlaa vom 15. Januar 1915 ab gezahlt werden dürfe, nicht auszuführen, sondern die augenblicklichen Löhne bis zum Inkrafttreten des neuen Tarifes zu gewähren. Es kam schließlich als Ergebnis der Verhandlungen zum Reichstarifvertrag für die Militärausrüstungsindustrie — abgedruckt in der Zeitschrift „Das Einigungsamt" vom 15. Februar 1915, Sp. 55 ff. — und