76 2. Wenn durchaus anzustreben ist, daß die Löhne der Heimarbeiter nicht gedrückt werden, und sie eine angemes sene Bezahlung erhalten sollen, so ist doch tunlichst zu ver meiden, daß sie besser -gestellt werden als die Werkstattar beiter, damit nicht ein Teil der letzteren, ohne durch häus liche Gründe hierzu- gezwungen zu sein, zur Heimarbeit über geht. Dies wäre -deshalb unerwünscht, weil erfahrungsge mäß die -Heimavbeiter in höherem Maße durch Lohndrücke- reien usw. benachteiligt werden, und ferner gerade bei Mas- senanfertigring Werkstattarbeit, die ivährend des gesamten Ganges der einzelnen Teilarbeiten eingehend beaufsichtigt norden kann, der Heiniarbeit regelmäßig vorzuziehen ist, — abgesehen davon, daß die hygienischen Verhältnisse in den Werkstätten besser zu sein pflegen als in den Wohnungen der Arbeiter. Zn b) Eine einwandst-eie Feststellung, ob die einzelnen Stücke tatsächlich durch männliche Schneider- öder durch Näherin nen, oder in welchem Verhältnis zueinander sie durch beide angefertigt worden sind, wird sich meist nur schwer oder gar nicht ausführen lassen. Das Kriegsbekleidungsamt -des Gavdekorps hat infolgedessen darauf verzichtet, die gleichen Stücke, je nachdem, ob sie durch Män ner oder Frauen angefertigt worden sind, verschieden zu bezahlen. llm aber -dein allgemein bestehenden und auch auf den eigenen Werkstätten des Amts -beobachteten Grunds-atz, daß Frauen für die gleiche Arbeit weniger empfangen als Männer soweit nachzukom men als dies Praktisch niöglich ist, hat das Amt seine Stücklöhne der art festgesetzt, daß es bei denjenigen Bekleidungsstücken, die haupt sächlich durch Schneider bezw. durch Näherinnen angefertigt wor den, den Durchschnittstagesveckienst von Schneidern (8,00 Mk.) bezw. für Näherinnen (3,84 Mk.) zu Grunde legte. Hierbei läßt -es sich freilich nicht vermeiden, daß Frauen, die Männerarbeit leisten, — wie dies während des Krieges häufig ge schieht — die höheren Löhne der Männer bezahlt erhalten -und um gekehrt.