87 Ministerium eine Verfügung erlassen hat, laut dev die Arbeiter, welche die vom Auftragnehmer an das Bekleidungsamt gelieferten Gegenstände angefertigt haben, berechtigt sind, gegen diesen, also den ersten Unternehmer auf Zahlung des Unterschieds zwischen dem tatsächlich erhaltenem und dem festgesetzten Lohn zu klagen, selbst wenn sie von einem Unterlieferanten oder Zwischenmeistev beschäf tigt wurden. Die Verfügung ist Bestandteil der allgemeinen Ver tragsbedingungen des Bekleidungsamts des Gardekorps. Sie setzt neben der vom Oberkommando angeordneten Kriminalstrafe eine an das Bekleidungsamt zu entrichtende Vertragsstrafe in Höhe des Fünffachen des Unterschieds zwischen der Gesamtsumme der ge zahlten und der tariflichen Löhne fest. Diese Vertragsstrafe ist auch dann fällig, wenn den Unternehmer selbst kein Verschulden trifft, er also weder vorsätzlich noch fahrlässig gehandelt hatte. Auf der Berliner Heimarbeiterkonferenz führte Stadtrat Dr. Hiller aus, daß die von allen Bekleidungsämtern gesammelten Erfahrun- gen auf eine gesetzliche Regelung der Löhne für die Heimarbeiter als das einzig durchgreifende Heilmittel drängen. Hierbei scheint die Forderung, die Fachausschüsse zur Mithilfe baldigst ins Leben zu rufen, durchaus gerechtfertigt, nachdem die Lohnämter im Hans arbeitgesetz keine Aufnahme gefunden haben. Zum Schluß sei noch einiges über die neuen Teilstücklohn sätze und über den künftigen Verteilungsmodus der Arbeit gesagt: Während des Laufes des vergangenen Jahres wurden in vielen Betrieben T e i l stücklohntarife eingeführt, die sehr erheb lich voneinander abwichen. Vielfach wurden geringfügige Arbeiten mit hohen Lohnsätzen bewertet, die jedoch den Arbeitern nicht ge zahlt wurden. Auch eine doppelte und dreifache Bewertung ein und derselben Arbeit ist oft vorgekommen. Diese Arbeiten wurden von im Wochenlohn beschäftigten Arbeitskräften verrichtet. Der infolge der hohen Bewertung der Teilarbeiten erzielte Ueberschuß kam dem Arbeitgeber zugute. Soweit die Arbeiten doppelt und dreifach bewertet waren, lag eine Ermäßigung der vorgeschriebenen Arbeitslöhne vor. Um diesen Uebelstand zu beseitigen, haben Ar beitgeber und Arbeitnehmer Teilstücklohnsätze ausgearbeitet. Für