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        <title>Die Heimarbeit im Kriege</title>
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Dabei kann in diesem Zusammenhang von jener Heimarbeil 
abgesehen werden, die nicht mit Landwirtschaft verbunden ist und 
insofern der städtischen völlig gleichsteht, als sie von besitzlosen 
Proletariern ohne Ar und Halm als Hauptberuf ausgeübt wird. 
Diese Heimarbeit, zumal wenn sie in abgelegenen Gebirgsorten 
ausgeübt wird, bietet Wohl die unerfreulichsten Bilder: eine schlecht 
entlohnte Familienarbeit, Wohnungsverhältnisse, die oft viel 
übler sind als in der Stadt, eine unendlich dürftige Lebenshal 
tung. Die Abwanderung aus diesen Gebieten pflegt stark zu sein; 
die junge Generation wendet sich der Industrie zu, die ihr besseren 
Lohn und kulturwürdigere Verhältnisse bietet als das heimische 
Hausgewerbe. Aus rein volkswirtschaftlichen Erwägungen heraus 
— im Sinne der bestmöglichen Ausnutzung der menschlichen Ar 
beitskraft — ist diese Bewegung gur Industrie durchaus gesund. 
Wohl aber ersteht aus bevölkerungspolitischen Gesichtspunkten die 
Frage, ob es nicht richtiger ist, die Industrie mit Hilfe von Bahn 
bauten in diese klimatisch zum Teil sehr bevorzugten Berggebiete zu 
verlegen und so der übermäßigen Zuwanderung in die Großstädte 
Einhalt zu tun. Hier müssen der Kaufmann und der Industrielle 
den Ansschlag geben; sorgsame Prüfung der durch die geographische 
Lage und die örtlichen Bodenerzeugnisse gegebenen Vorbedingungen 
ist unerläßliche Voraussetzung, ein Verfahren, wie es der Verein 
zur Industrialisierung der Südeifel mit gutem Erfolg einge 
schlagen hat. 
Ganz anders liegen die Verhältnisse da, wo die Heimarbeit 
in engem Z u s a m m e n h a n g m i t der Landwirtschaft 
als Ergänzung des aus landwirtschaftlicher Arbeit sich ergebenden 
Einkommens auftritt. Dabei handelt es sich teils um Kleinbauern 
oder Häusler, teils um Landarbeiter mit oder ohne Grundbesitz. 
Für das Studium der Bedeutung der Heimarbeit für die E r- 
Haltung des K l e i n b e s i tz e s ist die Bittmannsche Monv- 
graphieZ der Heimarbeit in Baden eine wahre Fundgrube, ist doch 
für Baden die Verbindung ländlichen Kleinbesitzes mit hausge- 
i) Bittmann, Hausindustrie und Heimarbeit im Grotzherzoatum 
Baden, Karlsruhe 1907.</div>
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