13 keine Vorstellung geben. Dagegen prägt er den Volksmasscn ziemlich deutlich ein, daß Lassalle höchst wahrscheinlich an einem unsympathischen Unterleibs leiden gelitten habe. Auch ein psychologischer Zeichner wie Georg Brandes hat für das Vulkanische Lassalles kein rechtes Verständnis. Was soll man dazu sagen, wenmBrandeö als Erklärung für das brausende Gerechtig keitsgefühl Lassalles annimmt. Lassalle habe über jüdische „Chuzpe", d. i. über naiv-unverschämte An maßung, verfügt. Dieser naturhafte Donner des Lassalle schen Rechtsbewußtseins, vor dem routinierte Gerichts präsidenten unsicher wurden, wird von Brandes mit der arroganten Technik eines unerzogenen Advokaten ver glichen oder verwechselt. Dieses Büchlein zeigt Lassalle auS der nächsten Nähe. Mit gelindem Erschrecken wird der Leser schon in den Tagebuchaufzeichnungen des Handelsschülers die kom mende Schicksalstragödie wahrnehmen: die maßlose Wut, die der ungewöhnliche Jüngling unter armseligen Lehrern hervorruft, sein unwillkürlich revolutionierendes Temperament, die plötzlich sich einstellende Zähigkeit und Unempfindlichkeit, wenn einmal der Kampf be gonnen hat, und sogar schon die Melancholie des Schlusses. In den Briefen an die Eltern wird man die merkwürdige Zweiteilung des jüdischen Helden wahrnehmen. Er brennt nach der deutschen Revolution und gibt dem Vater Ratschläge, welche Papiere er unter solchen poli tischen Umständen an der Börse kaufen soll. Schon in diesen Briefen aber deutlich der brennende Wunsch'nach politischer Aktion. Gegenüber den verzehrenden Leiden schaften dieses Mannes, dessen Hand immer gleich gierig