21 So rezitierte ich fast laut und fuhr dann leiser fort: „Ich glaube, diese Festung wird am besten mit Sturm ge nommen." „Du bist ein Engel!" rief der Doktor, schleppte mich zu Madame N. und fing nun dort an, sich liebenswürdig zu machen. Man fuhr zu Kroll. Gegen 6 Uhr kam man zurück und ging in die Vorderstube, wo der Tisch gedeckt stand. Auf allgemeines Verlangen ging Dr. Shiff zum Klavier. Bis dahin hatte ich noch gar nicht geglänzt, mir auch nichts mit Madame N. zu tun gemacht, weil ich sehr große Zahnschmerzen hatte. Als man aber zum Souper ging, Madame N. sich aufs Sofa setzte, Shiff seinen Stuhl hart ans Sofa rückte, so setzte ich mich zur anderen Seite der N. aufs Kanapee, indem ich selbst aufforderte, diese Ungebühr zu bemerken. Nun nahmen wir, Shiff und ich, diese N. ins Kreuzfeuer. Der Doktor ist geist reich, also gegen diese Seite konnte ich nichts ausrichten. Ich sprach auch an diesem Abend gut. Shiff hörte mir, wenn ich redete, minutenlang zu und sagte dann: „Fer dinand, du bist gar nicht bitter." Er sagte dies aber so langsam und ernst, daß er es wirklich zu glauben schien. Madame N. brach nun in eine Wut von Kompli menten gegen mich aus. Später drehte sich Shiff gegen meine Schwester und sagte zu ihr: „Ihr Bruder ist geistreich, und dies sehr." „Wer zweifelt daran?" er widerte sie prätentiös. Plötzlich sagte Shiff zur N.: „Madame, ich hätte Sie als Braut sehen mögen!" „Ich bin so glücklich gewesen, Doktor!" rief ich begeistert aus. „Und nie werde ich den