22 Augenblick vergessen, als Madame zur Trauung schritt. Denken Sie sich dies seelenvolle Auge halb geöffnet, halb zu Boden geschlagen, mit den Tränen ringend, die es zu verdunkeln drohten, ein Myrtenkranz im bräutlichen Haar, ein rauschendes weißes Atlasgewand um diese reizenden Glieder..." „Genug, mein Sohn, du wirst zu poetisch," rief mein Vater halb scherzend, halb mißfällig. Madame drückte mir fast zu zärtlich die Hand, und der Gedanke stieg in mir auf: Wäre ich doch schon zwanzig Jahre alt! — „Ich gäb' ich weiß nicht was darum, wenn ich die Gunst dieses Weibes erringen könnte!" rief der Doktor, vom Tische aufspringend, mir zu. „Ha!" lächelte ich. „Wäre ich nur etwas älter!..." „Aber rate mir, mein Engel!" rief er. „Hören Sie, Sie begleiten die N. nach Hause und fragen auf dem Weg um Erlaubnis, ob Sie morgen sie besuchen dürfen. Sie wird es Ihnen nicht abschlagen. Dann gehen Sie morgen zu ihr. Ihr Mann verreist, ihr Schwager ist im Geschäft — wahrscheinlich ist sie allein. Und dann mutig voran! Ich wette, Monsieur, vous serez k plaindre..." Abends, als Madame N. heimeilen wollte, hatte sich Monsieur Lachs ihr durch meine Schwester zum Begleiter anbieten lassen und war natürlich angenommen. Shiff ging auf meinen Rat dennoch mit. Ich will gleich den weiteren Verlauf des Unternehmens hier mitteilen. Shiff wollte sie wegen Lachs' Anwesenheit nicht um Erlaubnis, sie zu besuchen, bitten, besuchte sie aber den noch am anderen Tage. Unglücklicherweise war die Schwägerin da. Bei uns erzählte man, daß die N. sich sehr über die Zudringlichkeit des Shiff gewundert