32 Zensurenschwindel Freitag, 28. Februar Heute kam der Rektor mit den Konduiten. Meine war, wie ich voraussehen konnte, ziemlich schlecht. Da rief der Rektor meinen Namen. Ich stand auf, und als er mir die schlechten Zeugnisse vorlaS, erwiderte ich, ich wüßte nicht, wie ich das verdient hatte. „Ja, ja, Lassal," entgegnete Schönborn, „man läßt Ihren Verdiensten nur keine Gerechtigkeit widerfahren. Doch" — und hierbei langte er mir die Konduite zu — „sagen Sie, warum sehe ich nicht die Unterschrift Ihres Vaters und immer die Ihrer Mutter?" „Weil mein Vater öfters abwesend ist," erwiderte ich. Und in dem Buche blätternd, fügte ich hinzu: „Doch ist auch seine Unterschrift da." „Lassen Sie doch einmal sehen, wo daö ist." Ich langte das Brich hinüber. „Ein einziges Mal hat Ihr Vater unterschrieben, und das war voriges Jahr. Ist Ihr Vater schon ein Jahr abwesend oder bloß immer, wenn Sie die Zensuren bekommen?" „Nein," erwiderte ich, und ich glaubte fest, der Rektor würde zu meinem Vater schicken und ihn bitten lassen, selbst zu unterschreiben. „Wenn Vater auch da ist, so läßt er doch manchmal die Zensur von Mutter unter schreiben." „DaS will ich Ihnen erklären!" schrie Schönborn. „Weil Sie die Zensur nie dem Vater und nur der Mutter zeigen!" Der Mann wußte nicht, daß ich eö in der Virtuosität so weit gebracht habe, sie niemand zu zeigen.