39 Der erste Prozeß Donnerstag, 11. März Heute ist Herrn Direktors Geburtstag. Ich gratulierte ihm und begab mich dann in die Schule. Mit einem Entschuldigungszettel Ferdinands versehen, begab ich mich zu Schieben. Kaum wurde mich dieser gewahr, wurde er wütend, sagte, weder Zettel noch Cousin gehe ihn was an, ich hätte gegen das Regulativ verstoßen und müsse um neun Uhr vor die Synode kommen. Das war zu viel. Das hieß die Pedanterie und den Haß aufs höchste steigern. Ich begab mich in die Klasse, wo gleich die Schüler auf mich zueilten, doch ich zog mich mit Becker zurück und erzählte es ihm. Er empfahl mir vor allen Dingen stoische Ruhe. Um neun Uhr wurde ich heruntergerufen. Ich trat ein. In der Mitte saß der Direktor, um ihn herum in einem Halbkreis sämtliche Lehrer. Ich stellte mich dicht am Eingang hin mit zusammengefalteten Händen, die Augen zu Boden geschlagen. Während der ganzen Verhandlung war ich bemüht, alle die Ge fühle, die mich wechselweise bestürmten, auch durch kein Jucken meines Mundes zu verraten. Haß, Ver achtung, Hohn, Ärger, Trauer, Wut, Gleichgültigkeit wechselten in meiner Brust, doch verriet nichts, was da drinnen vorging, und mit der größten Anstrengung zwang ich meine Gesichtszüge zu einer Ruhe, die schlecht zu meiner Lage paßte, bei einem Eintretenden aber gewiß dem Gedanken, ich stehe jetzt vor der Synode, widersprochen hätte.