60 Seelenleben eines Mannes innewohnt! Und da kann ich Dir sagen, die Männer sind fast alle so, daß dergleichen Dinge in ihnen nicht mehr Jmportance und Wert haben, als es für eine Frau hat, wenn (folgt wieder ein drastischer Vergleich). Das Fatalste war, daß Du dazu kamst. Ich an Deiner Stelle würde mich daher damit begnügen, mir von *** sein Ehrenwort, vielleicht selbst sein schriftliches, geben zu lassen, daß er nie wieder in Deinem Hause sich ähnlich vergehen wird. Darüber, daß er es nicht außer dem Hause tun wird, würde ich ihm nicht einmal ein Versprechen abfordern. Im Gegenteil. Ich würde ihm erklären, daß ich ihm dies vollkommen freistelle. Die einzige noble Weise, in der eine edle Frau derartige Vergehen des Mannes straft, ist, daß sie ihm Gleichgültigkeit in dieser Hinsicht zeigt, freilich darfauch diese Freiheit außer dem Hause sich eben nur auf die Befriedigung solcher „dunklen Momente" erstrecken und nicht in komplette Mätressenwirtschaft aus arten, der der Mann seine Zeit, Einkünfte usw. opfert. Gern wäre ich selbst nach * gekommen, glaubend, daß meine persönliche Gegenwart auf ihn wie Dich am besten dabei wirken könnte, aber meine fatalen Ver hältnisse lassen es nun einmal nicht zu. Dein Ferdinand Lassalle