eine gefeierte Schönheit gewesen war. Das sah man ihr freilich nicht mehr an. Sie wirkte auf mich auch älter, als sie war; aber sie hatte in ihrem ganzen Wesen etwas ungemein Liebenswürdiges, Artiges; und die Art und Weise, in der die Gräfin und Lassalle miteinander ver kehrten, mußte jeden Unbefangenen aus das ange nehmste berühren: von seiner Seite wahrer Re'pekt, dankbare Verehrung, von ihrer Seite wärmstes freund schaftliches Interesse an allem, was ihren jungen Freund berührte, und feinstes Verständnis eines jeden Wortes, das er sprach. Unser gemeinsames kleines Diner verlief in angeregtester und heiterster Stimmung. Mit welchem Schwung Lassalle auch in dieser letzten Zeit am Werke war, nicht ermattet und nicht im geringsten mutlos, das beweist der folgende, am 13. März 1864 geschriebene Jubelbrief an seine Schwester. Gleich nach der Prozeßgeschichte setzt ein zarteres Thema ein. Geliebtes Kind! Gestern war große Bataille: Mein Hochverratöprozeß fand vor deni Staatögerichtshof statt. Es ging hart her. Der Oberstaatsanwalt plädierte in Person und bean tragte bloß die Kleinigkeit von drei Jahren Jucht haus, fünf Jahre Stellung unter Polizeiaufsicht und hundert Taler Geldstrafe. Die Sitzung dauerte von zehn Uhr bis sechs Uhr. Ich plädierte vier Stunden, stellenweise mit der Wut eines hyrkanischen Königs tigers! Drei- bis viermal wurde ich durch ein wahres