So wartete ich denn dis Rückkehr der Richter ab. Es war das viertemal in meinem Leben, daß ich mich völliger Vernichtung gegenüber befunden habe. Endlich kamen sie und verkündeten meine — Frei sprechung. Du hättest die Freude meiner Freunde sehen sollen, zumal der Gräfin und Buchers, der beinah Kobold schoß! Und das Gesicht des Oberstaatsanwalts, der aus sah wie eine Katze, die Essig getrunken! Der Präsident kam jetzt sehr liebenswürdig auf mich zu, versicherte mir seine Bewunderung für meine Stimme, seine Teilnahme dafür, daß ich dieselbe so sehr angestrengt, da er doch aus den Akten wisse, daß ich ein Halsleiden habe, und behauptete jetzt, nur im Interesse derselben so oft auf Mäßigung gedrungen zu haben! Ich glaube, es ist wirklich die erste Freisprechring, die vor denr Staatsgerichtshof erfolgt ist. Du bist die erste, der ich Nachricht davon gebe, wohl auch die einzige, mit Ausnahme zweier Zeilen, die ich noch gestern der geliebten Mutter schrieb. Du siehst also, daß ich bei dieser Gelegenheit mein sonstiges Nicht-Schreiben gutzumachen weiß. Freilich habe ich diesmal auch noch einen ganz be sonderen Anlaß dazu: Eine junge Dame nämlich, die auf einige Wochen zu ihrer in Wien verheirateten Schwester Frau von C... nach Wien gereist ist, wünscht Deine Bekanntschaft zu machen, und sie ist es, durch welche Du diesen Brief empfängst.