89 denselben losschälen, sich nicht häuten konnte. Er mußte mit diesen Staatseinrichtungen stehen und fallen, und er fiel mit denselben! In einem solchen Volks geiste war jede wissenschaftliche Lehre, welche eine Ver neinung einer der Grundlagen des Staates enthielt, ein Angriff mif das Lebensprinzip dieses Volkes selbst und konnte als solcher behandelt werden. Eine ganz andere Erscheinung tritt nach dem Unter gänge der antiken Welt mit den germanischen Nationen auf. Es sind dies Nationen, die sich schälen und häuten können, die in der Entwicklungsfähigkeit ihres Lebens prinzips, des subjektiven Geistes, die Biegsamkeit in sich tragen, die verschiedenartigsten Wandlungen in sich selbst durchzumachen; Nationen, welche die zahlreichsten und gewaltigsten dieser Wandlungen bereits durch gemacht haben und in ihnen statt Tod und Untergang immer nur die Grundlage höherer Entwicklung und höherer Blüte fanden. Das Mittel zur Vorbereitung und Durchführung dieser zu inrmer höherer Blüte führenden Wandlungen, deren Element sie in sich tragen, haben diese Völker an dem Prinzip der unbeschränkten Freiheit der wissen schaftlichen Forschung und Le./re. Früher daher, und weit früher, als man in der heutigen, gebildeten Welt, welche die Freiheit der Wissenschaft zu den modernen Errungenschaften zu zählen pflegt, in der Regel ahnt, weit früher, sage ich, bricht in diesen Völ kern der Instinkt durch, daß die Freiheit der Wissenschaft weder an die Autorität einer Person noch einer mensch lichen Satzung gebunden sein dürfe, daß sie vielmehr die allen menschlichen Einrichtungen überlegene und