94 später sehr ehrenvolle, aber vergebliche Rückberufungs schreiben erlassen hatte, folgendes Handschreiben an den Konsistorialrat Reinbeck richtet: „Ich bitte ihn, sich umb des Wolfen mühe zu geben, ein Mensch, der die Wahrheit sucht und sie liebet, mus unter aller menschlichen Gesellschaft werth gehalten werden und glaube ich, daß er eine Conquete im Land der Wahrheit gemacht hat, wehn er den Wolf hierher persuadiret." So trug denn also auch dieser Konflikt nur dazu bei, den alten Grundsatz, daß die wissenschaftliche Erforschung und Verkündung der Wahrheit an keine Grenze und Rücksicht gebunden sei und nur sich selber zur höchsten und einzigen Rücksicht habe, mit neuein Glanze zu um geben und vom Throne selbst herunter anerkennen zu lassen. Selbst das Dasein Gottes war vor der Lehre der Wissen schaft nicht geschützt! Sie konnte frei, sie kann noch heute frei, selbst nach dem neuen Strafgcsetzbuche, welches nur die Lästerung, die für den Andersgläubigen krän kende Beschimpfung Gottes, nicht aber die Leugnung seines Daseins verbietet, ihre Beweise gegen seine Existenz führen. Dezennien lang vor der Verfassung war die unbedingte Freiheit der Wissenschaft in Preußen der letzte Jufluchts- winkel, in den sich Preußens Lobredner retteten, der letzte Stolz, mit dem sie prunkten. Sie alle erinnern sich noch des immensen Aufsehens, welches der Fall Bruno Bauers erregte, des Privat dozenten an der theologischen Fakultät zu Bonn, welchem unter dem absolutistisch-pietistischen Ministerium Eich-