178 Und bedenken Sie, Sophie, diese Lage hatte schon fast zwanzig Jahre lang gedauert, denn der Graf hatte die Gräfin geheiratet als Mädchen von fünfzehn Jahren und sie gequält vom ersten Tage ihrer Verheiratung an. Ganz zufällig war ich zugegen, als der Graf zu Anfang 1846 sich neuer Untaten gegen seine Frau schuldig machte. Im Winter 1845 hatte man eine neue Versöhnung zwischen ihnen zustandegebracht, wie imnier aber von seiner Seite nur äußerlich. Im April 1846 sollten sie wieder zusammenkommen. Anstatt dies zu tun, schrieb der Graf kurz vorher an den zweiten Sohn der Gräfin, Paul, den sie anbetete und der sie zärtlich liebte, das einzige Kind, das der Graf ihr nicht hatte entteißcn oder abwendig machen können — der Graf, sage ich, schrieb insgeheim diesem vierzehnjährigen Sohne, daß er ihn enterben würde, wenn er der Mutter nicht heimlicherweise entfliehe. Paul brachte diesen Brief seiner Mutter; ich traf sie von Tränen und Kummer niedergebeugt an und erfuhr nach und nach ihre ganze Geschichte. Können Sie, Sophie, sich wohl einen richtigen Begriff von dem Eindruck machen, den diese Geschichte in mir, eitlem eifrigen Revolutionär, hervorrief, als ich sie an gehört hatte, als mir die Gräfin die unumstößlichen Beweise der Tatsachen in der Korrespondenz mit ihren Verwandten und anderen Papieren gegeben hatte? Ich sah vor mir, in der Person eines einzelnen in dividuellen Lebens, die Verkörperung aller empörenden Ungerechtigkeiten der veralteten Welt, die Verkörperung aller Mißbräuche der Macht, der Gewalt und des Reich tums, gerichtet gegen den Schwachen, allen Druck unserer sozialen Ordnung.