202 daß ihr vergnügt seid. Auweilen zupfte sie ihren Mann am Ärmel und verlangte, daß er ihr erklären solle, was um sie herum gesprochen würde. Und es war rührend zu sehen, wie der Alte versuchte, ihr das zu verdeut lichen, wovon die Rede war, ordentlich wie eine gute Wärterin einem kleinen Kinde. Überhaupt ging er sehr zärtlich und liebevoll mit ihr um; man sah, daß ihm dies vollständig zur Gewohnheit geworden war. Die Hände zitterten ihr vor Schwäche — er schnitt ihr das Essen vor. Sie hatte eine lange und schwere Krankheit durch gemacht, deren Folge eine vollständige Schwäche des Organismus war. Ungeachtet dessen glanzte in ihren Augen der Ausdruck vollkommenen Glücks und der Liebe zu den zwei Wesen, die bei Tische zu ihren beiden Seiten saßen. Hätte man wohl, wenn man dieses alte Mütterchen ansah, sich vorstellen können, daß dieses schwache, gebrochene Geschöpf, welches so hilflos wie ein Kind war, sowohl den angebeteten Mann wie auch den Sohn ins Grab legen würde! Es geschah indes also: sie überlebte Mann und Sohn. Die Gräfin war sehr liebenswürdig. Ihre immer verständige und sympathische Unterhaltung belebte unsern kleinen Kreis sehr; in ihrer Nähe konnte es nie uninteressant sein. Nach dem Mittagessen begaben wir uns zur Gräfin, in ihre kleine und sehr einfache Wohnung, deren Haupt- schniuck eine Büste Lassalles in natürlicher Größe war, aus einem etwa zehn Jahre jüngern Lebensalter als das, wo wir miteinander bekannt wurden. Diese Büste stand am auffallendsten Platz, und es war sehr interessant, danebenstehend auch das Original zu sehen.