221 Gewohnheit der Selbsterniedrigung zur Folge haben mußte. Wenn es also z. B. unserer Regierung einfiele, zu verordnen: keine Zeitung darf ferner erscheinen, welche nicht mit fingergroßen Buchstaben die Überschrift trägt: „Das Volk ist eine Kanaille," nun, so ist gar keinen Augenblick zu zweifeln — denn das Geschäft bringt es so mit sich! —, daß unsere liberalen Blätter erscheinen würden mit der fingergroßen Überschrift: „Das Volk ist eine Kanaille!" Und nicht nur das, sondern sie würden uns jetzt auch noch beweisen, daß das gerade der höchste Grad echter Überzeugungstreue und wahrer Liebe zum Volke sei, daß es der notwendige neue Kom promiß des öffentlichen Geistes sei, zu sagen: „Das Volk ist eine Kanaille!" Wenn jemand Geld verdienen will, so mag er Kotton fabrizieren oder Tuche oder auf der Börse spielen. Aber daß man um schnöden Gewinstes willen alle Brunnen des Volksgeistes vergifte und dem Volke den geistigen Tod täglich aus tausend Röhren kredenze es ist das höchste Verbrechen, das ich fassen kann! (Lang anhaltendes, sich immer wieder erneuerndes Bravo!) Denkt Euch aber noch weiter die notwendige Rück wirkung, welche die geschilderte Arbeit der Zeitungen auf die Beschaffenheit der Zeitungsschreiber selbst aus üben muß. Ihr wißt, wie der Arbeiter die Arbeit, so bestimmt wieder in hohem Grade wechselwirkend die Arbeit die Beschaffenheit des Arbeiters. Das lukrative Annoncengeschäft hat den Zeitungseigentümern die Mittel gegeben, ein geistiges Proletariat, ein stehendes Heer von Zeitungsschreibern zu unterhalten, durch welches