Die Lebensbedingungen. 13 oder nicht". Dieser Zweifel wurde auch ausgesprochen in den Kreisen der Priester selbst. Am Schluffe eines berühmten Dia loges sagt der eigentliche Schöpfer des Brahma nismus und einer der bedeutendsten Männer des alten Indiens, zu seiner Frau: „Nach dem Tode gibt es kein Bewußtsein". Und noch schärfer äußert er sich gegen seine Mitpriester: „Wohl wächst ein abgehauener Baum aus der Wurzel wieder neu hervor; aus welcher Wurzel sollte aber ein vom Tode abgehauener Mensch hervorwachsen? Saget nicht „aus dem Samen", da dieser sich nur bei einem Lebenden erzeugt. Wer einmal gestorben ist, wird nicht wieder geboren". Damit im Widerspruch steht eine Lehre, die in Indien uralt ist, ihre Ausbildung aber wohl erst in der Zeit vom 8. Jahrhundert vor Chr. an erfahren hat, die Lehre von der Seelenwanderung. Sie besagt, daß der Mensch sofort nach seinem Tode wiedergeboren wird. Von seinen Taten in dieser Welt, seinem Larinan, hängt es ab, was aus ihm nach dem Tode wird: „Wie er gehandelt, wie er gewandelt, so wird er. Wer Gutes getan, wird zum guten Wesen, wer Böses getan, zum bösen". Der Tod bringt keine Erlösung. Leben ist Leiden. Diese Wahrheit hat die brahmanische Philosophie schon lange vor Buddha ausgesprochen. Die Begriffe des Leidens und der Erlösung vom Leiden geben der gesamten orthodoxen Philosophie der Inder ihr Gepräge. Die Furcht vor der Wiedergeburt durchzieht das ganze Denken dieser Zeit, und ihr ein Ende zu setzen, ist das Ziel, wo nach der grübelnde Verstand strebt. Man schlug zwei Wege ein. Einmal nahm man seine Zuflucht zu bestimmten Gebräuchen, die mit Beschwörungen und Zaubereien verknüpft und auf die große Menge berechnet waren. Der zweite Weg war der der Spe kulation. Bereits im Lgvsäa finden sich Lieder, die zeigen, daß der Glaube an die alten Götter mil Inära, dem Feinde der Dä monen, an der Spitze, ins Schwanken geraten war. An die Stelle der Vielheit der Götter suchte das grübelnde Denken einen Gott zu setzen, und der ßgveda hat schon einige Lieder, die ganz mono theistisch gehalten sind. Aber der eine Gott führt hier noch Namen, die ihn als einen persönlichen Gott kennzeichnen: krag'axati, „Herr der Geschöpfe", oder ViävaLariuan, „Allschöpfer". Die spätere Zeit geht noch weiter. Sie setzt an die Stelle der vielen Götter einen unpersönlichen Gott, den sie Ltman, „Selbst", „Ich" oder Brahman nennt, ein Wort, das ursprünglich den Zauber spruch bedeutet, mit dem man glaubte, selbst die Götter zwingen