22 III. Das Leben des Buddha. kära brachte ihm die acht Gegenstände, die der Mönch allein be sitzen darf: drei Kleider, einen Gürtel, den Betteltopf, ein Scher messer, eine Nadel und ein Sieb zum Filtrieren des Wassers. Der Wagenlenker wurde mit dem Rosse entlassen. Das Roß konnte aber die Trennung nicht ertragen. Sein Herz brach, und es wurde als Engel im Himmel wiedergeboren. Der Prinz war nun allein in der Einsamkeit. So der Buddha der Legende. Wenden wir uns nun wieder zu dem geschichtlichen Buddha zurück! Als er, angeekelt von den Lüsten der Welt, in die Heimatlosigkeit gegangen war, suchte er zunächst Lehrer, die ihm den Weg zur Erlösung weisen könnten. Zuerst ging er zu Alära Käläma (bei den nördlichen Buddhisten Arada oder ArädaKäläma genannt), dann püddaka Eäma- putta (bei den nördlichen Buddhisten Edraka Rämaputra oder Rudraka Rämaputra). Aber ihre Lehre befriedigte ihn nicht. Was sie ihm mitteilen konnten, hatte er bald gelernt. Alära bot ihm an, er solle mit ihm gemeinsam die Schule leiten; üddaka wollte ihm sogar die Leitung ganz abtreten. . Aber Buddha lehnte nach kurzer Zeit beides ab. Die beiden Lehrer sind historische Persönlichkeiten, und es ist für Buddha von größter Wichtigkeit gewesen, daß er gerade diese Männer zuerst zu Lehrern gehabt hat. Beide waren Anhänger der Yogaphilosophie, einer theistisch weitergebildeten Form des atheistischen Läipkll/asystems des K a p i 1 a, die uns in den Yogasütras des Patanjali fixiert vorliegt. Der Hauptunterschied beider Systeme, die fast alle Grundbegriffe ge meinsam haben, ist der, daß der Yoga, die Technik der Kontem plation und den Wert äußerer Hilfsmittel, wie strenge Askese, in den Vordergrund stellt und die Forderung eines streng sittlichen Lebens betont, während das Sämkhya ausschließlich die abstrakte Theorie der richtigen Erkenntnis hervorhebt. Buddha hat, wie wir sehen werden, aus beiden Systemen eine ganze Anzahl von Begriffen in seine Lehre hinübergenommen, sich auch nie ganz von seinen Lehrern getrennt, da er ihnen zuerst seine neugewonnene Erkenntnis mitteilen wollte. Mit den aus der Yogaphilosophie entnommenen Anschauungen hängen auch die nächsten Schritte zu sammen, die Buddha tat, nachdem er sich von seinen Lehrern ge trennt hatte. Er zog ruhelos im Lande Magadha umher, bis er zu dem Flecken Druvelä oder ürukilvä am Flusse Neranjarä oder Nairanjanä gelangte, dem heutigen Buddha Gaya, südlich von Patna. Die schöne, friedliche Lage des Ortes zog ihn so an,