32 III. Das Leben des Buddha. Säriputra verstand sofort den Sinn. Es ging ihm der reine, fleckenlose Blick des Gesetzes auf, und er erkannte: „Alles, was dem Entstehen unterworfen ist, ist auch dem Vergehen unterworfen," und er sagte zu Asvajit; „Wenn die Lehre auch nichts weiter ist als dies, so hast du die Stätte erreicht, wo es kein Leid gibt, die seit vielen Myriaden von Weltaltern unsichtbar und verschwunden war." Er ging zu Uauägalyäyaua, und auch dieser erfaßte so fort den tiefen Inhalt der Worte. Vergeblich versuchte ihr Lehrer Samjaya sie zu halten. Sie gingen mit vielen andern ihrer Mit schüler zu Buddha, der sofort, wie er ihrer ansichtig wird, er klärt, daß sie sein erstes und bestes Jüngerpaar werden würden. Samjaya aber bekam vor Ärger einen Blutsturz. Die Worte, die Asvajit dem Säriputra als Kern der Lehre des Buddha mitteilt, sind bis auf den heutigeu Tag das Credo der Buddhisten des Südens und Nordens, wo sie im Wortlaut zu weilen unbedeutend schwanken. Sie finden sich oft in Büchern und auf Inschriften. Ihr Sinn ist: Der Vollendete (so übersetzt man gewöhnlich das Wort Tathägata, mit dem der Buddha selbst sich gern bezeichnet) hat erkannt, was die Ursachen der Daseins formen, d. h. aller Wiedergeburten, sind und wie sie vernichtet werden können. Das ist in der Tat der Kern der Lehre Buddhas. Es wird in den alten Texten weiter erzählt, daß damals sehr viele edle und angesehene Jünglinge sich Buddha anschlossen und in den geistlichen Stand traten. Da wurde das Volk unwillig und beschuldigte Buddha, er sei gekommen, um Kinderlosigkeit, Witwentum und Untergang der edlen Geschlechter zu bringen. Wenn das Volk buddhistische Mönche sah, schalt es sie und rief ihnen den Vers zu: „Gekommen ist der große Asket nach Giri- vraja, der Stadt der Magadher; alle Schüler des Samjaya hat er bekehrt; wen wird er wohl heut bekehren?" Als die Jünger dies Buddha meldeten, beruhigte er sie. In sieben Tagen werde das Gerede verstummen, wenn sie auf den Vers mit einem andern Verse antworteten: „Die großen Helden, die Vollendeten, bekehren durch ihre treffliche Lehre. Wer will den Kundigen zürnen, wenn sie durch ihre Lehre bekehren?" In der Tat beruhigte sich das Volk auf diese Worte hin. In dieser Erzählung dürfen wir wohl einen historischen Vorgang sehen. Die Verse machen einen volks tümlichen Eindruck. Damit bricht leider die alte Tradition vom Leben Buddhas ab, um erst wieder kurz vor seinem Tode zu beginnen. Die