36 III. Das Leben des Buddha. zurück; Handel und Wandel ist unterbrochen. Die indischen Dichter schildern gerade die Regenzeit mit Vorliebe, da sie die getrennten Liebenden vereint. So wurde die Regenzeit auch sür Buddha und seine Jünger eine Zeit der Ruhe, um so mehr, als der Mönch bei seiner Wanderung auf Schritt und Tritt Keime der Pflanzen und Insekten zertreten und damit eine schwere Sünde auf sich ge laden hätte. Buddha war daher genötigt, mit seinen Jüngern alljährlich „die Regenzeit zu halten". Man lebte in Hütten oder geschlossenen Hallen, Vibarao genannt, in den Hainen, die der Gemeinde geschenkt worden waren, Buddha selbst meist in der Nähe der Hauptstädte, bei RajaMba im Veluvana und bei Srä- vasti im Jetavana, „dem Haine des Jeta". Das Jetayana war ein Geschenk des reichsten und freigebigsten unter den Verehrern Buddhas, des bei den Buddhisten hoch gefeierten Kaufmanns Anäthapindika, von den nördlichen meist Anätbapindada genannt. Die Legende erzählt, daß der Prinz Jeta den Hain nicht verkaufen wollte, Anätbapindika aber ihm so viel Gold dafür bot, als nötig wäre, um damit den ganzen Erdboden bis zu den äußersten Enden des Haines zu bedecken. Die dazu nötige Summe betrug nach der Nidänakathä 180 Millionen Goldstücke, die der Kauf mann erlegte. Die Szene ist abgebildet auf dem großen Stupa von Bharaut und trägt die Unterschrift „Anäthapindika schenkt das Jetavana, nachdem er es durch Bedeckung mit Kotis 1 ) (von Goldstücken) gekauft hat." In das Jetavana werden noch mehr Predigten und Unterredungen des Buddha verlegt als in das Veluvana; es war vor allem sein Lieblingsaufenthalt. Weit aus die meisten buddhistischen Sntras beginnen: „So habe ich ge hört. Einst weilte der Herr in Srävasti, im Jetavana, dem Parke des Anäthapindika." In diese Haine strömte das Volk, um Buddhas Predigten zu hören und um ihn und die Mönche mit Kleidung und Lebensmitteln zu versorgen. Dieser Gebrauch des „Regen zeithaltens" hat sich in der südlichen Kirche bis auf den heutigen Tag erhalten, obgleich in Ceylon die Bedingungen ganz andere sind, und die Mönche längst ihr Wanderleben aufgegeben haben und beständig in wohlgebauten Klöstern wohnen. Zur Zeit des alten „Regenzeithaltens" verlassen sie ihre Klöster und leben in Hütten, die die Bauern ihnen errichten. Hier halten sie öffent lichen Gottesdienst ab, an dem jeder teilnehmen kann. Es ist dies 1) Eine Koti ist — 10 Millionen.