38 III. Das Leben des Buddha. zu überreden. Aber Buddha stellte acht später näher zu bespre chende Bedingungen, denen jede Frau sich unterwerfen müsse. Nabäprajäxati und ihre Begleiterinnen taten dies mit Freuden. Damit war der Nonnenorden gegründet. Buddha verhehlte sich aber nicht, daß er schwach gewesen sei und einen Schritt getan habe, der der Kirche nicht zum Heile gereichen werde. Er prophe zeite, wie erwähnt (S. 1), daß seine Lehre statt 1000, jetzt nur 500 Jahre bestehen werde. Dies hängt zusammen mit der ge ringen Meinung, die Buddha, ebenso wie sein Konkurrent Ma- hävira, von den Frauen hatte. Die buddhistischen Schriften sind voll von abschätzigen Urteilen über die Frauen und von Warnungen vor ihnen. Die Frauen werden als „die vollständige Fessel Näras" bezeichnet; es heißt von ihnen: „Wenn sie eine günstige Gelegen heit oder einen heimlichen Ort oder einen passenden Verführer fänden, so würden alle Frauen sündigen, sogar mit einem Krüppel, wenn sie keinen andern finden." Oder: „Alle Flüsse gehen in Krümmungen, alle Wälder bestehen aus Holz; alle Frauen würden sündigen, wenn sie es ungestraft tun könnten." Sie werden als das größte Hindernis für die Erreichung des Mrväna bezeichnet, und die Gläubigen werden ermahnt, sich nicht durch das schöne Äußere blenden zu lassen. Besonders die Mönche werden vor ihnen gewarnt: „O Mönche, seht die Weiber nicht an! Begegnet ihr einem Weibe, so seht es nicht an, habt acht und sprecht nicht mit ihm. Sprecht ihr mit ihm, so denkt: ,ich bin ein Mönch; ich muß in der ver derbten Welt leben wie ein vom Schlamme nicht besteckter Lotos'. Eine alte Frau müßt ihr als eure Mutter, eine euch nur wenig an Alter überlegene als ältere Schwester, eine jüngere als jüngere Schwester betrachten." Das Zusammensein und Sprechen mit Frauen konnten die Mönche um so weniger vermeiden, als es meist Frauen waren, die ihnen den Betteltopf mit Nahrung füllten. Buddha hatte alle Vorsichtsmaßregeln getroffen. Dem Mönche war es vor geschrieben in das Haus zu treten, mit dem Obergcwande umhüllt, den Blick gesenkt. Er durfte nicht lange verweilen. Schweigend soll er warten, ob ihm etwas gegeben wird; geschieht es, so soll er den Topf hinreichen und, ohne der Geberin ins Gesicht zu sehen, empfangen, was sie ihm gibt. Dann umhüllt er den Topf mit dem Obergewand und entfernt sich langsam und schweigend. Buddha hatte aber vergessen, daß, wenn auch der Mönch den Blick senkt und schweigt, dies die Frau nicht zu tun Pflegt. So traten Ver suchungen oft an die Mönche heran. Einst, so wird erzählt, betrat