48 IV. Buddhas Stellung zu Staat und Kirche. allein durch das Gesetz." „Nicht durch Geburt wird jemand ein Ausgestoßener, nicht durch Geburt wird jemand ein Brahmane; durch seine Taten wird man ein Ausgestoßener, durch seine Taten wird man ein Brahmane." Die Texte werden nicht müde, immer wieder und wieder hervorzuheben, was Buddha unter einem Brah manen versteht. Buddha verwarf das ganze Opferwesen und jede Art der Kasteiung. Er hatte ja an sich selbst erfahren, daß Buße und Kasteiung nicht zur Erlösung führen. Im Suttanipäta lesen wir: „Weder Fischfleisch noch Tasten, weder Nackendgehen noch Tonsur, weder Haarflechten noch Schmutz, noch rohe Felle, noch Verehrung des Feuers, noch Bußübungen, noch Hymnen, noch Darbringungen, noch Opfer reinigen den Menschen, der nicht den Zweifel besiegt hat." Im Dhammapada handelt das ganze 26. Kapitel in 41 Versen von dem wahren Brahmanen. Unter anderem heißt es dort: „Niemand wird ein Brahmane durch sein geflochtenes Haar, seine Familie, seine Geburt. Wer Wahrhaftig keit und Rechtschaffenheit besitzt, der ist selig, der ist ein Brah mane." „Was nützt dich dein geflochtenes Haar, du Tor, was die Kleidung aus Ziegenfellen? Dein Inneres ist unrein, das Äußere reinigst du." „Ich nenne niemanden einen Brahmanen seines Ur sprungs oder seiner Mutter wegen, mag er auch stolz reden und reich sein. Den Armen, der frei ist von Begierden, den nenne ich einen Brahmanen." Große Abschnitte im Tripitaka sind aus schließlich der Widerlegung der Ansicht gewidmet, daß die Brah manen etwas Besseres seien als die drei andern Kasten. Das Vorhandensein der Kasten ist an und für sich für Buddha etwas Selbstverständliches. Er selbst fühlte sich, auch nachdem er Mönch geworden war, noch als Adliger und duldete nicht, daß man in seiner Gegenwart vom Adel gering sprach Aber den un gerechtfertigten Ansprüchen der Adligen trat er ebenso scharf gegen über, wie denen der Brahmanen, und jeder Unterschied der Kasten schwand für ihn, wenn es sich nicht um irdische Dinge handelte, sondern nm überirdische. Und das war nichts ihm Eigenes und nichts Neues. Dieselbe Anschauung hatte vor ihm schon Lapila ver treten, der Gründer der Läinkb^aphilosophie. Ladarä^ana, der Verfasser des Lrabinasntra, des Lehrbuchs des orthodoxen brah- manischen Systems, des Vedanta, lehrt, daß nur die drei oberen Kasten zur Erlösung berufen seien. Im Gegensatz dazu lehrt das Sämkhya, daß alle Menschen ohne Unterschied des Standes erlöst werden können, und daß jeder, der die richtige Erkenntnis ge-