62 VI. Die Lehre des Buddha. edle Jünger die richtige Erkenntnis, dann ist seine Erkenntnis wahrhaft; er glaubt an die Lehre, er gehört der guten Lehre an." Die Vierteilung ist, worauf Kern hingewiesen hat, dem Systeme der Medizin entnommen, dem schon der Laipüb^a-Voga gefolgt war. Sie entspricht den vier Stufen der Mediziner: Krankheit, Gesundheit, Ursache der Krankheit, Heilung, und den vier Stufen des Yoga: das zu Vermeidende, das Vermeiden, die Ursache des zu Vermeidenden und das Mittel zum Vermeiden. Auch im ein zelnen ist, wie wir sehen werden, Buddha über seine Lehrer nicht hinausgekommen. Ihm eigen ist allein die Fassung der vier Wahr heiten. Von der ersten Wahrheit sagt die Predigt von Benares: „Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit vom Leiden: Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden, Vereinigung mit Unliebem ist Leiden, Trennung von Liebem ist Leiden, Ge wünschtes nicht erlangen ist Leiden, kurz, die fünf Elemente, die das Hasten am Dasein bewirken*), sind Leiden." Schon durch diese erste edle Wahrheit erweist sich der Buddhis mus als Pessimismus. Und in der Tat gibt es keine andere Re ligion der Erde, die auf so pessimistischer Grundlage aufgebaut ist, und deren Bekenner von der Nichtigkeit und Elendigkeit dieses Daseins so tief durchdrungen sind, wie der Buddhismus. Keine wahre Religion ist denkbar ohne einen Tropfen Pessimismus. Aber keine hat es mit so unverhüllter Rücksichtslosigkeit ausge sprochen, daß diese Erde ein Jammertal ist, wie der Buddhismus. Was Schopenhauer sagt, daß an unserer rätselhaften Existenz nichts klar ist als ihr Elend und ihre Nichtigkeit, ist auch die An sicht des Buddha. Aber Buddha ist auch hier nicht originell. Er hat nur zur Religion gemacht, was vor ihm seine Lehrer als Philosophie vorgetragen hatten. Kapila sagt: „Nirgends ist irgend jemand glücklich", und: „Die gänzliche Beseitigung des dreifachen Leidens ist das Endziel (der Seele)", und Patafijali; „Für den Verständigen ist alles Leid". Buddha hat bewirkt, daß diese Wahr heit nicht bloß „der Verständige" erkannte. Er hat sie ins Volk hinausgetragen. Die Nichtigkeit aller Dinge wird in den bud dhistischen Schriften in den stärksten Farben gemalt. Im Dhamma- pada heißt es: „Aus Freude wird Leid geboren, aus Freude wird Furcht geboren. Wer von Freude erlöst ist, für den gibt es kein 1) Das sind die fünf Skandhas, von denen später die Rede sein wird.