Die Formel vom Kausalnexus. .65 In dieser negativen Fassung ist die Formel im Grunde nichts weiter als eine Ausführung der dritten der vier edlen Wahrheiten, der Wahrheit von der Aufhebung des Leidens. Die Predigt von Benares sagt darüber: „Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von der Aufhebung des Leidens: Es ist das völlige Freisein von diesein Durste, sein Aufgeben, Fahrenlassen, Ablegen, Verbannen." Die Formel erklärt somit zugleich auch die dritte Wahrheit. Wie ist nun aber die Formel selbst zu verstehen? Die Frage ist jetzt leichter zu beantworten als früher, seit wir wissen, daß der theoretische Buddhismus ganz aus dem Sämkhya-Yoga be ruht. Das Wort der Formel, das ich mit „latente Eindrücke" übersetzt habe, Sanskrit 8aip8karäl>, Pali 8aükdärä, ist sehr schwierig zu verstehen, und die Übersetzung nur ein Notbehelf. Man hat es mit „Gestaltungen" übersetzt, oder mit „Strebungen", „Unterscheidungen", „Verdienst und Verschuldung", „Residuum". Die letzte Übersetzung kommt der Wahrheit am nächsten. 8aip8kara bedeutet wörtlich „Zubereitung", „Zurüstung", „Bearbeitung"; dann in passivem Sinne „das Zubereitete", „Bearbeitete", „Ge machte", „die Form". In weiterem Sinne ist es dann der Aus druck für die Summe aller Formen, die Materie, für alles, was existiert. Es wird aber auch vom Geiste gebraucht, und ent sprechend seiner Grundbedeutung „Zubereitung", „Bearbeitung" wird es angewendet auf die Fähigkeit des Geistes, gute und schlechte Taten zu bewirken, seine Empfänglichkeit, Anlage, Prä disposition für solche Taten. Und diesen Sinn hat das Wort in unserer Formel. Nach der Lehre des 8aiuküya besitzt jedes Wesen außer dem grob-materiellen, sichtbaren Körper (8tbü1aäarira), der vergänglich ist, noch einen feinen, inneren Körper (Linga- äarira), der zusammen mit der Seele aus einem groben Körper in den andern zieht. Dieser innere Körper ist der Sitz aller psy chischen Vorgänge, und er wird nach dem 8amkllya durch eine Reihe von Elementen gebildet, an deren Spitze das Denkorgan oder die Denksubstanz Uuääbi, wörtlich „Verstand", steht. Diese Denksubstanz wird inimer wieder in Bewegung gesetzt durch die 8am8karas oder Väsanäs, d. h. die im Verstände ruhenden Ein drücke, die von früheren Taten (Karman) im Verstände zurück geblieben sind und sich von Geburt zu Geburt vererben. Die 8aip8Üära8 sind also das, was von früheren Geburten im Geiste latent zurückgeblieben ist und sich bei gegebener Veranlassung im Geiste entwickelt und zu neuen Taten führt. Diese 8aip8üara8 ANuG 109: Pischel, Leben und Lehre des Buddha. 2. Aufl. 5