Der ewige Wechsel. 71 möge. „Wenn zum Beispiel, o Großkönig, ein Mann eine Lampe anzündete, würde diese die ganze Nacht brennen?" „Ja, Herr, sie könnte die ganze Nacht brennen." „Ist, o Großkönig, die Flamme in der ersten Nachtwache dieselbe wie in der zweiten?" „Nein, Herr." „Ist die Flamme in der zweiten Nachtwache dieselbe wie in der dritten?" „Nein, Herr." „War also, o Großkönig, die Lampe in der ersten Nachtwache eine andere als die in der zweiten, und diese wieder eine andere als die Lampe in der dritten?" „Nein, Herr; das Licht kam während der ganzen Nacht von derselben Lampe." „Ebenso, o Großkönig, folgen auch die Elemente der Da seinsformen aufeinander. Das eine entsteht, das andere vergeht; ohne Anfang und Ende folgen sie unmittelbar aufeinander. Weder als derselbe noch als ein anderer kommt man zur letzen Zusammen fassung des Visnäna." Die Person bleibt also dieselbe, nur die Elemente, aus denen sie zusammengesetzt ist, wechseln beständig. Jeder hat also auch die Folgen seiner Taten in dieser Geburt in der nächsten zu tragen. Wie mit dem Körper, ist es auch mit der Seele. Buddha leug net die Existenz einer Seele durchaus nicht. Was er leugnet, ist nur, daß es eine ewige, unwandelbare Seele gibt, die etwas vom Körper durchaus Verschiedenes und Getrenntes ist. Auch die Seele ist nur eine Masse von ewig wechselnden Einzelelemcnten. Die Buddhisten treten daher auch den Materialisten gegenüber, die behaupten, es gäbe keine Seele. Um dieses ewig sick Wandelnde und Wechselnde darzustellen, wählt Buddha mit Vorliebe das Bild des Stromes, wie Heraklit, oder noch häufiger das Bild der Flamme. So schon in der Bergpredigt von Gayaäirsa (oben S. 30 s.) Als Kisägotami Nonne geworden war, zündete sie einst im Kloster eine Lampe au, und als sie die Flammen der Lampe vergehen und wieder erstehen sah, sprach sie: „Ebenso erstehen und vergehen auch die lebenden Wesen; die, welche das Nirväna erreicht haben, werden nicht wiedergesehen." Buddha er schien ihr und bestätigte ihr dies mit denselben Worten. In den Iberigätbäs erzählt die Nonne Uatäoärä, wie sie zur Erlösung ge langt ist. Zum Schlüsse sagt sie: „Dann nahm ich eine Lampe, ging in das Kloster, sah mein Lager und legte mich auf das Bett. Ich nahm eine Nadel und zog damit den Docht heraus. Da kam mir Befreiung des Geistes, wie das Erlöschen der Lampe." Die Worte: „wie das Erlöschen der Lampe" lauten im Original in Pali: padlpasseva nibbänam. Das Wort nibbäna, besser