74 VI. Die Lehre des Buddha. stets Parinibbäna = Sanskrit Pariniryäna, oder seltener Sammänibbäna — Sanskrit Samyannirväna, „das völlige Nirväna". Das Werk, das uns vom Tode Buddhas berichtet, heißt Mahäparinibbänasutta, und als Buddha gestorben war, wird von ihm nur der Ausdruck Parinibbutta gebraucht. Das Nirvana hat also faktisch zwei Stufen: die Erlösung bei Lebzeiten, daskUrvana schlechthin, und die Erlösung nachdem Tode, das Aufhören der Wieder geburten, das Parinirvana, nur ungenau auch diirväna schlechthin genannt*). Die erste Stufe ist die notwendige Vorbedingung für die zweite. Wer die richtige Erkenntnis der Lehre Buddhas er langt hat und entschlossen ist, in ihr zu bleiben, der bekundet da mit zugleich seine Absicht, nicht mehr wiedergeboren zu werden. So ist l^irvaua der Gegensatz zu Trsna, „Durst". Ist Tpsna die Bejahung des Willens zum Leben, so ist blirväua seine Ver neinung. Das Erlöschen des Durstes hat das Erlöschen des Le bens zur Folge, den ewigen Tod. Das ist die logische Konse quenz der Lehre Buddhas. Es gibt nun eine Reihe von Stellen in den alten Texten, in denen Buddha die Frage über den Zustand nach dem Tode direkt abweist. Es ist daher die Behauptung aufgestellt worden, Buddha habe eine scharfe Formulierung des Begriffes Nirväna vermieden, und das offizielle Dogma sei gewesen: Über den Zustand nach dem Tode hat der Vollendete nichts offenbart. Das ist nicht richtig. Allerdings weist Buddha die Frage ab, was aus dem Menschen nach dem Tode werde, aber nur, weil diese Frage für die Erlösung ganz unnötig sei. Er hat nicht den geringsten Zweifel daran ge lassen, was das Ziel seiner Lehre ist: das Zuruhekommen aller Laumkaras, d. h. aller Gedanken, die aus früheren Existenzen noch im Geiste sind, die Vernichtung der Denksubstanz, die Aufhebung aller Skaliern — der ewige Tod. Daß dieses Ziel erreicht werden kann, erkennt der Mensch beim Eintritt in das erste blirvaua, wo er bei Lebzeiten erlöst wird. Dann weiß er, daß diese Geburt seine letzte ist, daß es keine Wiedergeburt mehr für ihn gibt, daß er beim Tode das bolle Nirväna erlangt. So ist das erste Nir- väna für ihn die Ursache des Glücks, das kummerlose, unvergleich liche Land des Friedens, die ewige Stätte, wo man kein Leid kennt, ein Ort, den die buddhistischen Quellen mit glühenden Farben 1) Daß zwischen Nirväna und Parinirväna zu scheiden ist, hat zu erst Rhys Davids richtig erkannt. Die Gleichsetzung von Jivanmukti und Samditthikam Nibbänam ist bisher übersehen worden.