76 VI. Die Lehre des Buddha. Mönch. Man wird ein buddhistischer Laie durch das dreimalige Aussprechen der „Drei Zufluchten": „Ich nehme meine Zuflucht zu Buddha; ich nehme meine Zuflucht zum Gesetz; ich nehme meine Zuflucht zur Gemeinde." Diese drei Sätze werden als die „Drei Kleinodien" bezeichnet. Mit seinem Eintritt in die Kirche übernimmt der Laie die Ver pflichtung, fünf Gebote zu beachten, die für alle Buddhisten bin dend sind. Sie lauten: 1. Du sollst nicht töten; 2 du sollst nicht stehlen; 3. du sollst nicht nnkeusch leben; 4. du sollst nicht lügen; 5. du sollst nicht berauschende Getränke trinken. Unter diese fünf Gebote werden alle Pflichten des Laien untergeordnet. Er kann sie nur daun treu erfüllen, wenn er die menschlichen Leidenschaften bezwingt und dadurch sein Herz erlöst. Diese Erlösung des Herzens (Ceto vimukti, Pali Ootovimirtti) aber ist die Liebe (MaitrI, Pali Mettä). Wie das Christentum, so stellt auch der Buddhismus als Kardinal tugend die L i e b e auf. Am Schlusse der Predigt von Benares sagt Bud dha: „Und mir ging die Erkenntnis und Einsicht auf: Unerschütterlich ist die Erlösung meines Herzens; das ist meine letzte Geburt; es gibt keine Wiedergeburt mehr (für mich)" (S. 29). Und am Schlüsse der „Bergpredigt" heißt es: „Durch Befreiung von der Leidenschaft wird er erlöst. Wenn er erlöst ist, so erkennt er, daß er erlöst ist, und es wird ihm klar, daß die Wiedergeburt zu Ende, die Heiligung voll endet ist, daß er seine Pflicht getan hat, und daß es für ihn keine Rückkehr zu dieser Welt mehr gibt." Von den Zuhörern dieser Predigt aber wird gesagt: „Während dieser Auseinandersetzung aber wurden die Herzen der tausend Mönche ganz von den Leiden schaften erlöst." Und damit zieht die Liebe in ihr Herz. Sie ist die „Erlösung des Herzens". Alle, die bisher über den Buddhis mus geschrieben haben, haben die Hauptstelle übersehen, die von der buddhistischen Liebe handelt. Sie lautet 1 ): „Alle Mittel in diesem Leben, uni sich religiöses Verdienst zu erwerben, ihr Mönche, haben nicht den Wert eines Sechzehntels der Liebe, der Erlösung des Herzens. Die Liebe, die Erlösung des Herzens, nimmt sie in sich auf und leuchtet und glänzt und strahlt. Und wie, ihr Mönche, aller Sternenschein nicht den Wert eines Sechzehntels des Mond scheins hat, sondern der Mondschein ihn in sich aufnimmt und leuchtet und glänzt und strahlt, so auch, ihr Mönche, haben alle 1) Itivuttaka § 27.