80 VI. Die Lehre des Buddha. des Christentums, die Feinde zu lieben, nicht gestellt hat. Er lehrt nur, nicht Haß mit Haß zu vergelten und denen wohl zu tun, die uns hassen. Es heißt im Dhammapada: „Glücklich leben wir feindschaftslos unter Feinden; feindschaftslos leben wir unter feind lichen Menschen." „Durch Nichtzürnen überwinde man den Zorn; das Böse überwinde man mit Gutem; den Geizigen überwinde man mit Gaben; durch Wahrheit überwinde man den Lügner." „Nicht durch Feindschaft kommt in dieser Welt je Feindschaft zur Ruhe; durch Nichtfeindschaft kommt sie zur Ruhe. Das ist das ewige Gesetz " Mehr als nach christlicher Lehre wird nach bud dhistischer dem Frommen Belohnung in Aussicht gestellt, und der Buddhist denkt an sie, wenn er Gutes tut. Aber in der Praxis gibt es im Buddhismus nicht weniger uneigennützige Fromme als im Christentum. Es ist auch nicht richtig, wie Harnack tut, den Buddhismus eine Religion zu nennen, die „nicht aus einem Prinzip handelt", und in der „im Grundgedanken zu wenig, in den einzelnen Gesetzen zu viel normiert ist". Der Grundgedanke des Buddhismus ist die Naitri, Pali Llsttä. DieNsttäist weder Mitleid, noch Freund schaftsgefühl, sondern die christliche Liebe. Mitleid ist Karunä, und Freundschaftsgefühl ist Nuckitü, die beiden auf Mettä fol genden „Unermeßlichen". Karunä ist das „Traurigsein mit den Traurigen", Vluäita das „Sichfreuen mit den Fröhlichen". Sie ergeben sich aus der Llottä. Und die Aettä wiederum wird im Herzen des Menschen erzeugt dadurch, daß er „Liebe (Raga) und Haß (Dosa) aufgibt." Raga ist die sinnliche Liebe, das Hängen an den Dingen dieser Welt, an Weib und Kind, an Hab und Gut, an den Freuden und Genüssen des Lebens. Nottä ist die Näch stenliebe, die alle Wesen umfaßt, und die nur der erlangt, der sich von Raga und Dosa frei macht. Nur dieser tritt in den Besitz der vierten „Unermeßlichen", der Upekkhä (Sanskrit Upeksä), des „Gleichmuts". Das Ideal dieser Tugend wird uns mit den Worten geschildert, die Buddha selbst in den Mund gelegt werden: „Die mir Schmerz zufügen und die mir Freude be reiten, gegen alle bin ich gleich; Anteilnahme und Unwillen finden sich bei mir nicht. Freude und Schmerz, Ehre und Unehre halten sich in mir die Wage; gegen alles bin ich gleich; das ist die Voll endung meines Gleichmuts (Upekkhä)." Auf dieser Stufe ist der Mensch von den Leidenschaften erlöst und des ewigen Todes sicher (S. 74).