82 Yl. Die Lehre des Buddha. auch diese drei Tiere nicht mehr geschlachtet werden." Deutlich spricht von der Sinnesänderung des Königs auch das dreizehnte Edikt, in dem er die Grausamkeiten tief bedauert, die er früher bei der Eroberung des Landes Kalinga begangen hatte. Das erste Gebot wird aber von den Buddhisten auch noch so verstanden, daß man den lebenden Wesen in jeder Hinsicht Schonung angedeihen lassen müsse. Das zweite EdiktAsokas lautet: „Über all im Reiche des göttergeliebten Königs Priyadarsin und bei seinen Nachbarn . . . ., überall hat der göttergeliebte König Priyadarsin zwei (Arten von) Heilstätten einrichten lassen, Heilstätten fürMenschen und Heilstätten für Tiere. Wo es keine für Menschen und Tiere zuträglichen Kräuter gibt, da hat er sie überall hinschaffen und an pflanzen lassen. Ebenso wo es keine Wurzeln und Früchte gibt, hat er sie hinschaffen und anpflanzen lassen. An den Straßen hat er Bäume Pflanzen und Brunnen graben lassen zum Gebrauche für Tiere und Menschen." Überall in buddhistischen Ländern wird die Pflicht der Nächstenliebe auf die Tiere ausgedehnt. Einen her vorragenden Anteil an dieser weitgehenden Sorge für die Tiere hat ohne Zweifel die Lehre von der Seelenwanderung. Man war ja nie sicher, ob nicht in einem Tiere augenblicklich die Seele eines Verwandten wohne. Das erste Gebot fordert also zugleich die weitgehendste Nächsten liebe. Und so ist keine Religion der Erde toleranter gewesen als der Buddhismus, der den geraden Gegensatz zum Islam bildet. Allein von allen großen Religionen hat er sich nie durch das Schwert, nie durch Gewalt auszubreiten gesucht. Der Buddhist hält zwar seine Religion für die beste, aber er läßt auch andern ihren Glauben. Diese Toleranz zeigt uns das zwölfte Edikt Asokas: „Der götter geliebte König Priyadarsin ehrt alle Religionsgemeinschaften, ob sie wandernde oder ansässige sind, durch Geschenke und mannig fache Ehrenerweisung. Aber der Göttergeliebte legt nicht so großes Gewicht auf Geschenke und Ehrenerweisung als darauf, daß das, was ihre Eigentümlichkeit bildet, gedeihe. Das Gedeihen der Eigen tümlichkeit aller Religionsgemeinschaften ist vielartig, die Grund lage dazu aber ist Vorsicht in der Rede, daß man nämlich nicht die eigene Religionsgemeinschaft hochpreist oder andere Religions gemeinschaften schmäht oder ohne Grund (die Vorsicht in der Rede) gering achtet, sondern daß man bei gegebener Veranlassung fremde Religionsgenieinschaften ehrt. Wenn man bei gegebener Veranlas sung so verfährt, fördert man die eigene Religion und tut auch