Das dritte Gebot. 85 Der Buddhist soll, wenn er andern Geschöpfen nützen kann, ohne Bedenken gern sein Leben opfern. Auch davon werden viele Geschichten erzählt. Die Freigebigkeit wird, wie bei den Brahmanen, namentlich auch den Königen zur Pflicht gemacht. Als die vier Tugenden, wodurch ein König sich populär machen kann und soll, werden genannt: Freigebigkeit, Freundlichkeit, Fleiß in Regierungs geschäften und Unparteilichkeit. Die Freigebigkeit haben die buddhisti schen Herrscher aller Zeiten in reichstem Maße geübt. Im dritten und elften Edikt nennt Asoka Priyadarsin als verdienstlich und gesetzlich den Gehorsam gegen die Eltern, Freigebigkeit gegen Freunde, Bekannte, Verwandte, Brahmanen und Asketen, Nicht töten lebender Wesen und Enthaltung von Schmähungen gegen Andersgläubige. Im achten Edikt sagt er, auf seinen Reisen empfange er Asketen, Brahmanen und Greise, die er beschenke und an die er Gold verteile. Die buddhistischen Pilger aus China schildern, mit welcher Verschwendung die Könige bei den großen religiösen Versammlungen Geschenke austeilten. Wohltäter wie Anäthapindika (S. 36) und Visäkhä (S. 39) leben im Ge dächtnis bis heute fort. Das dritte Gebot ist: „Du sollst nicht unkeusch leben." Im Dhammikasutta heißt es darüber: „Der Verständige vermeide ein unkeusches Leben wie einen Haufen (brennender) Kohlen. Wenn er nicht imstande ist, ein keusches Leben zu führen, so vergreife er sich nicht an der Frau eines andern." Es gilt also für den Laien als verdienstlich, sich des Umgangs mit Frauen zu enthalten. Für den Mönch wurde dies gefordert. Der Buddhismus schreibt wie der Katholizismus den Zölibat vor. Für den Ehebruch wird die schwerste Strafe in Aussicht gestellt, die sich durch viele Ge burten hinzieht. Das Dhammapada lehrt: „Allmählich und bei jeder Gelegenheit entferne der Verständige immer ein wenig von dem Rost an sich, wie der Schmied den am Silber. Rost, der am Eisen entsteht, frißt dieses von da an auf; so bringen den un verständig Handelnden seine Taten in die Hölle. Rost ist bei einer Frau schlechter Lebenswandel, Rost bei einem Geber Geiz; Rost sind sündhafte Neigungen in dieser und jener Welt." „Vier Dinge erlangt ein unverständiger Mann, der sich mit der Frau eines andern einläßt: Sünde, Beilager ohne Genuß, Zurechtweisung, Hölle. Er begeht eine Sünde, der Genuß ist für ihn gering, da er und sie voll Angst (vor Entdeckung) sind, der König verhängt eine schwere Strafe. Deswegen soll sich ein Mann nicht mit der Frau