Die Versenkung. 89 die erste, wieder nur mit dem einzelnen Individuum für sich zu tun. Der Buddhismus kennt, wie wir sahen, zwar Götter, aber keinen Gott. Und daher hat er auch kein Gebet. Er hat Be kenntnisformeln, Lobsprüche und Loblieder auf Buddha und die Kirche, aber kein Gebet. Zu wem hätte der Buddhist auch beten sollen? Buddha ist für ihn stets ein Mensch geblieben. Mit seinem Eingang ins Larivirvärm ist er jedem Dasein entrückt; er existiert nicht mehr. Die spätere Zeit hat sich Gegenstände äußerer Ver ehrung geschaffen, und sie hat auch das Gebet, sogar in häufigerer und mechanischerer Anwendung als andere Religionen. Aber dem alten Buddhismus ist das Gebet fremd; an seiner Stelle erscheint die Versenkung. Sie kann aber nur der Mönch ausüben. Die Texte unterscheiden vier Stufen der religiösen Versenkung. Der Mönch, der sich der Versenkung hingeben will, zieht sich an einen ruhigen, abgeschlossenen Ort zurück, setzt sich mit übereinander- geschlagenen Beinen hin, „den Körper gerade aufgerichtet, das Antlitz mit wachsamem Denken umgebend." So konzentrierte er seinen Geist auf einen Punkt, er suchte, wie man sagte, einen „Stützpunkt". So wird erzählt, daß ein Mönch, der Versenkung üben wollte, einst ani Ufer des Flusses L.oirs,vati saß und dort den Schaum der Wellen entstehen und bald wieder vergehen sah. Da kani ihm der Gedanke, wie der Schaum dieser Wellen, so entsteht und ver geht auch der menschliche Leib. Diesen Gedanken nahm er sich zum Ausgangspunkt für seine Versenkung; er wurde sein „Stütz punkt". Wenn der Mönch dann so in Gedanken versunken dasitzt, wird sein Geist allmählich mit Begeisterung und Klarheit angefüllt. Die Lust und die bösen Neigungen schwinden; aber der Geist wird noch beherrscht vom Überlegen und Erwägen des „Stützpunktes". Das ist die erste Stufe. Die zweite Stufe ist, daß der Geist sich von diesem Überlegen und Erwägen frei macht, daß er zur Ge wißheit gelaugt, und nur die Begeisterung und Klarheit übrig bleiben. Auf der dritten Stufe befreit er sich von der Begeisterung und damit von Freude und Leid. Auf der vierten Stufe wird der Geist völlig gleichgültig gegen alles; der Atem stockt. Auf dieser Stufe glaubte man in die Vergangenheit zurückblicken und seine früheren Geburten erkennen zu können. Jetzt wähnte man auch imstande zu sein, sich übernatürliche Kräfte zu erwerben, Wunder zu wirken, die Gedanken anderer zu erkennen, sein eigenes Ich zu vervielfältigen und beliebig zu versetzen. Es wird oft hervorgehoben, daß der Mönch, der die vierte Stufe der Versenkung erreicht hat,