90 YI. Die Lehre des Buddha. dem Nirväna nahe ist, und die spätere Zeit hat die Lehre ent wickelt, daß man durch Versenkung in einem der Himmel wieder geboren wird. Um in den für die Versenkung nötigen Zustand zu kommen, wählte man nicht immer den Weg mittels des „Stütz punktes". Auch die Hypnose durch Hinstarren auf einen bunten oder blitzenden Gegenstand war wohl bekannt. Die Seligkeit der Versenkung wird zuweilen mit begeisterten Worten geschildert. So sagt der Älteste Bhuta in den Theragäthäs: „Wenn am Himmel die Trommel der Wolke ertönt, wenn Regenströme rings den Luft pfad erfüllen und der Mönch in einer Berghöhle sich der Ver senkung hingibt — eine größere Freude als diese gibt es für ihn nicht. Wenn er am Ufer blumengeschmückter Flüsse, die mit bunter Krone wohlduftenden Grases bekränzt sind, fröhlich sitzt, der Ver senkung hingegeben — eine größere Freude als diese gibt es für ihn nicht. Wenn in der Nacht, in der Einsamkeit, im Walde, wenn es regnet und die wilden Tiere brüllen, der Mönch in einer Berg höhle sich der Versenkung hingibt — eine größere Freude als diese gibt es für ihn nicht." Unter den Übungen dieser Art war bei den Mönchen besonders beliebt die Übung des „Ein- und Ausatmens", die Buddha eine treffliche und freudenreiche nannte. Sie bestand darin, daß der Mönch sich wie zur Versenkung hinsetzte und nun auf seine Atem züge acht gab Wenn er einen langen Atemzug tat, so wußte er: „ich atme einen langen Atemzug ein (oder aus);" ebenso bei einem kurzen. Auch dadurch wurde der Geist von den Dingen dieser Welt abgelenkt und konzentriert. Diese Übungen und die Ver senkung zeigen, wie nahe Buddha noch dem Yoga stand, obwohl er alle Askese verwarf. Wie vier Stufen der Versenkung, so werden auch vier Stufen der Heiligkeit unterschieden, die „vier Wege". Die Personen, die sich in diesen Stadien befinden, heißen der Reihe nach 8rota- äpanna (Pali Sotäpanna), Sakfdagämin (Pali Saka- dägämi), Anägämin (Pali Anägämi) und Arhat (Pali Arahä oder Araham). Srotaäpanna heißt wörtlich: „der in den Strom gelangt ist," d. h. der den Pfad der Heiligkeit betreten hat. Die Srotaäpannas sind die unterste Stufe derBekehrten. Srotaäpanna wird jeder, der die „drei Zufluchten" (S. 76) ausspricht und darandas folgende Gelübde schließt: „Er ist der Erhabene, derHeilige, der Völlig erleuchtete, der Wissen und sittlichen Lebenswandel Besitzende, derVoll- endete, der die Welten kennt, der Höchste, der die Menschenstiere bän-