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        <title>Leben und Lehre des Buddha</title>
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            <forname>Richard</forname>
            <surname>Pischel</surname>
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        </author>
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            <idno>89019078X</idno>
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        Am  Natur  und  GeistesMtt
Samnünng  wissenschaftlich  -  gemeinverständlicher  Darstellungen

R.  pische!

Leben  und
der  Buddha

Zweite  Auslage
0'

1

Verlag  von  B.  G.  Teubner  tu  Leipzig
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        kMuG  naturw.  400:1110.  Pl.
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        Die  Sammlung
„Aus  Natur  und  Geisteswelt"
verdankt  ihr  Entstehen  dem  Wunsche,  an  derErfüllung  einer  bedeutsamen ­
  sozialen  Ausgabe  mitzuwirken.  Sie^soll  an  ihrem  Teil  der
unserer  Kultur  aus  der  Scheidung  in  Kasten  drohenden  (befahr  begegnen ­
  helfen,  soll  dem  Gelehrten  es  ermöglichen,  sich  an  weitere  Kreise
zu  wenden,  und  dem  materiell  arbeitenden  Menschen  Gelegenheit
bieten,  mit  den  geistigen  Errungenschaften  in  Fühlung  zu  bleiben.  Oer
Gefahr,  der  Halbbildung  zu  dienen,  begegnet  sie,  indem  sie  nicht  in
der  Vorführung  einer  Fülle  von  Lehrstoff  und  Lehrsätzen  oder  etwa
gar  unerwiesenen  Hypothesen  ihre  Aufgabe  sucht,  sondern  darin,
dem  Leser  Verständnis  dafür  zu  vermitteln,  wie  die  moderne  Wissenschaft ­
  es  erreicht  hat,  über  wichtige  Fragen  von  allgemeinstem  Interesse ­
  Licht  zu  verbreiten,  und  ihn  dadurch  zu  einem  selbständigen  Urteil ­
  über  den  Grad  der  Zuverlässigkeit  jener  Antworten  zu  befähigen.
Es  ist  gewiß  durchaus  unmöglich  und  unnötig,  daß  alle  Welt
sich  mit  geschichtlichen,  naturwissenschaftlichen  und  philosophischen
Studien  befasse.  Es  kommt  nur  darauf  an,  daß  jeder  an  einem
Punkte  die  Freiheit  und  Selbständigkeit  des  geistigen  Lebens  gewinnt. ­
  In  diesem  Sinne  bieten  die  einzelnen,  in  sich  abgeschlossenen
Schriften  eine  Einführung  in  die  einzelnen  Gebiete  in  voller  Anschaulichkeit ­
  und  lebendiger  Frische.
In  den  Dienst  dieser  mit  der  Sammlung  verfolgten  Aufgaben
haben  sich  denn  auch  in  dankenswertester  Weise  von  Anfang  an
die  besten  Namen  gestellt.  Andererseits  hat  dem  der  Erfolg  entsprochen, ­
  so  daß  viele  der  Bändchen  bereits  in  neuen  Auflagen  vorliegen. ­
  Damit  sie  stets  auf  die  Höhe  der  Forschung  gebracht  werden
können,  sind  die  Bändchen  nicht  wie  die  anderer  Sammlungen
stereotypiert,  sondern  werden  —  was  freilich  die  Aufwendungen
sehr  wesentlich  erhöht  —  bei  jeder  Auflage  durchaus  neu  bearbeitet
und  völlig  neu  gesetzt.
So  sind  denn  die  schmucken,  gehaltvollen  Bände  durchaus
geeignet,  die  Freude  am  Buche  zu  wecken  und  daran  zu  gewöhnen,
einen  kleinen  Betrag,  den  man  für  Erfüllung  körperlicher  Bedürfnisse ­
  nicht  anzusehen  pflegt,  auch  für  die  Befriedigung  geistiger
anzuwenden.  Durch  den  billigen  Preis  ermöglichen  sie  es  tatsächlich
jedem,  auch  dem  wenig  Begüterten,  sich  eine  kleineBibliothek  zu  schaffen,
die  das  für  ihn  Wertvollste  „Aus  Natur  und  Geisteswelt"  vereinigt.
Die  meist  reich  illustrierten  Bändchen  sind
in  sich  abgeschlossen  und  einzeln  käuflich.
Ausführlicher  illustrierter  Katalog  unentgeltlich.
Leipzig.  B.  G.  Teubner.
        <pb n="4" />
        Bus  Natur  und  Geisteswelt
Sammlung  wissenschaftlich-gemeinverständlicher  Darstellungen
1  109.  Bändchen  -—;  1

Leben  und  Lehre
des  Buddha
von
Richard  pischel

Zweite  Auflage
Mit  einer  Tafel

Druck  und  Verlag  von  B.  G.  Teubner  in  Leipzig  1910
4/
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        /

Copyright  1910  by  B.  Q.  Teubner  in  Leipzig.

Alle  Rechte,  einschließlich  der  Übersetzungsrechts,  vorbehalten.
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        Benno  (Erbmann
in  herzlicher  Freundschaft
gewidmet
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        Vorwort  zur  ersten  Auflage.
Der  Aufforderung  des  Herrn  Verlegers,  ihm  für  die  Sammlung
„Ans  Natur  und  Geisteswelt"  ein  Bändchen  über  „Leben  und  Lehre
des  Buddha"  zu  schreiben,  bin  ich  erst  nach  längerem  Bedenken  gefolgt. ­
  An  Werken  über  den  Buddhismus,  die  für  weitere  Kreise
bestimmt  sind,  ist  ja  kein  Mangel.  Alle  aber,  auch  das  hochstilisierte ­
  Buch  von  Oldenberg,  leiden  meiner  Überzeugung  nach  an
dem  Fehler,  daß  sie  den  Charakter  des  Buddhismus  als  einer  Religion ­
  nicht  scharf  genug  hervorheben  und  dem  indischen  Geiste,  der
aus  ihm  spricht,  zu  wenig  Rechnung  tragen.  Je  weiter  wir  in  der
Erforschung  Zentralasiens  vorschreiten,  um  so  mehr  stellt  sich  heraus, ­
  daß  der  Buddhismus  für  einen  großen  Teil  des  Orients  nicht
weniger  ein  Kulturträger  gewesen  ist  als  das  Christentum  für  den
Okzident.  Steigt  der  Buddhismus  als  Religion  immer  höher  im
Werte,  so  sinkt  er  als  Philosophie  immer  tiefer.  Mit  Garbe  und
Jacobi  bin  ich  überzeugt,  daß  Buddha  als  Philosoph  ganz  vom
Sämkhya-Yoga  abhängig  ist.  In  diesem  Sinne  habe  ich,  im  Gegensatz ­
  zu  Oldenberg,  versucht,  Buddhas  Lehre  zu  zergliedern.  Dabei ­
  mußten  mehr  technische  Ausdrücke  beibehalten  werden,  als  mir
im  Interesse  der  Leser  lieb  war.  Es  ließ  sich  aber  nicht  vermeiden.
Die  technische,  formelhafte  Sprache  der  buddhistischen  Schriften  ist
augenblicklich  noch  sehr  schwer  zu  verstehen,  da  erst  ein  ganz  geringer ­
  Teil  der  Kommentatorenliteratur  herausgegeben  ist.  Über
die  Wiedergabe  vieler  wichtiger  Begriffe  ist  unter  den  Forschern
noch  keine  Einigung  erzielt.  Seit  sich  in  Turkestan  Bruchstücke  des
für  verloren  gehaltenen  Sanskritkanons  gefunden  haben,  ist  ferner
die  Überlieferung  der  nördlichen  Buddhisten  in  ein  ganz  neues  Licht
gerückt  worden.  Sie  kann  bei  einer  Darstellung  der  Lehre  Buddhas ­
  fortan  nicht  mehr  außer  acht  gelassen  werden.
Der  Umfang  dieses  Bändchens  war  vorgeschrieben.  Deswegen
mußte  ich  mich  in  den  Abschnitten  IV  und  besonders  V  größerer
        <pb n="8" />
        VI

Vorwort  zur  zweiten  Auflage.

Kürze  befleißigen,  als  sonst  geschehen  wäre,  überhaupt  mich  knapp
fassen  und  vieles  übergehen  und  noch  nachträglich  streichen.  Wesentliches ­
  wird  aber  nicht  fehlen.  Es  ließ  sich  nicht  vermeiden,  daß
ich  viele  Beispiele  wählte,  die  bereits  meine  Vorgänger  haben.  Alle
Übersetzungen  habe  ich  aber  an  der  Hand  der  Texte  in  Pali,  Sanskrit ­
  und  OätllZ-Dialekt  geprüft  und  oft  geändert.  Auch  dem  Fachmann ­
  dürfte  so  das  Bändchen  trotz  seiner  bescheidenen  Form  manches
Neue  bringen.
Berlin-Halensee,  den  14.  Oktober  1905.

W.  Nischel.

Vorwort  zur  zweiten  Auflage.
Mit  schlichten  Worten,  wie  es  seine  Art  war,  hat  Pischel  in
diesem  Bande  den  Buddha  und  seine  Lehre  geschildert.  Nur  wer
mit  den  Quellen  und  ihren  Schwierigkeiten  vertraut  ist,  kann  ermessen, ­
  wie  viel  Wissen  und  Forscherarbeit  oft  in  einem  seiner
knappen  Sätze  steckt.  Daß  seine  Anschauungen  vielfach  neu  und
originell  sind,  ist  bei  einem  Gelehrten  wie  Pischel,  der  auf  den  verschiedensten ­
  Gebieten  der  indischen  Philologie  neue  Bahnen  eröffnet
hat,  nahezu  selbstverständlich.  Begreiflich  ist  auch,  daß  sie  zum  Teil
Widerspruch  erfahren  haben.  Ich  selbst  gestehe,  daß  ich  über  einzelne ­
  Fragen,  wie  z.  B.  die  Einschätzung  der  buddhistischen  Llaitri,
anderer  Ansicht  bin.  Als  ich  auf  Wunsch  des  Verlegers  die  Durchsicht ­
  der  zweiten  Auflage  übernahm,  stand  es  mir  indessen  von  vornehereiu
  fest,  daß  sich  meine  Tätigkeit  nur  auf  die  Verbesserung  etwaiger ­
  kleiner  tatsächlicher  Versehen  erstrecken  könne  und  daß  jede
tiefer  greifende  Änderung  ausgeschlossen  sei.  Ich  habe  den  Text  nur
da  geändert,  wo,  wie  ich  glaube,  Pischel  selbst  es  getan  haben  würde.
Das  Büchlein  ist  in  wenigen  Jahren  vergriffen  gewesen.  Ich
bin  überzeugt,  daß  es  auch  in  Zukunft  zahlreiche  Leser  finden  wird.
Es  gehört  zu  dem  Besten,  was  der  Mann  geschrieben  hat,  der  nun
in  dem  Lande,  dem  seine  Liebe  und  seines  Lebens  Arbeit  gegolten,
die  letzte  Ruhe  gefunden  hat.
Berlin-Charlottenburg,  den  8.  April  1910.
K.  Lüders.
        <pb n="9" />
        Inhaltsübersicht.
Seite
I.  Einleitung  1
II.  Das  nordöstliche  Indien  zur  Zeit  des  Buddha  10
HI.  Das  Leben  des  Buddha  15
IV.  Buddhas  Stellung  zu  Staat  und  Kirche  46
V.  Buddhas  Lehrweise  54
VI.  Die  Lehre  des  Buddha  61
VH.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus  97
Literatur  121

In  indischen  Worten  sind  auszusprechen:  c  wie  tsch,  ch  wie
tschh,  j  wie  dach,  jh  wie  dschh,  n  wie  n  in  französisch  mon,  r  wie
r  in  Bäcker,  v  wie  deutsches  w,  s  wie  soll  mit  gesenkter,  s  wie  soll
mit  gehobener  Zungenspitze.
        <pb n="10" />
        I.  Einleitung.
Seit  dem  letzten  Viertel  des  vorigen  Jahrhunderts  ist  ein  Name
in  dem  Munde  aller  Gebildeten,  der  vorher  nicht  weit  über  den
engen  Kreis  der  indischen  Philologen  und  der  Religionsforscher
hinaus  bekannt  war,  der  Name  des  Mannes,  den  wir  gewohnt
sind  mit  seinem  kirchlichen  Namen  Buddha  zu  nennen.  Als
Buddha  nach  langem  Sträuben  den  dringenden  Bitten  seiner  Tante
und  Stiefmutter  Nabäprasäpati  nachgegeben  und  Frauen  in  den
Orden  aufgenommen  hatte,  prophezeite  er,  daß  seine  Lehre,  die
sonst  tausend  Jahre  gedauert  haben  würde,  jetzt  nur  fünfhundert
Jahre  bestehen  würde.  Buddha  ist  ein  schlechter  Prophet  gewesen;
seine  Prophezeiung  hat  sich  nicht  erfüllt.  Im  Gegenteil,  die  religiöse ­
  Bewegung,  die  ein  halbes  Jahrtausend  vor  Christus  im  Osten
von  Indien  entstanden  ist,  erwacht  im  zweiten  Jahrtausend  nach
Christus  zu  neuem  Leben,  ja,  es  könnte  fast  scheinen,  als  ob  der
Buddha  einen  zweiten  Triumphzug  antreten  solle,  und  zwar  diesmal ­
  nicht  bloß  durch  die  östliche,  sondern  auch  durch  die  westliche ­
  Welt.
Seit  mindestens  dem  siebenten  Jahrhundert  nach  Christus  war
der  Buddhismus  in  Indien  in  dauerndem  Verfalle,  um  schließlich
in  seiner  Heimat  völlig  unterzugehen.  Er  hielt  sich  nur  in  Ceylon,
Hinterindien,  Japan,  Tibet  und  den  Nachbarländern,  z.  T.  auch
in  China  und  dem  Indischen  Archipel.  Jetzt  ist  eine  starke  Bewegung ­
  im  Gange,  dem  Buddhismus  wieder  Eingang  in  seine
alte  Heimat  zu  verschaffen.  1891  wurde  in  Colombo  auf  Ceylon
die  Mahäbodhi  Society  gegründet,  die  den  Zweck  verfolgt,  den
Buddhismus  zu  verbreiten.  Sie  richtete  ihr  Augenmerk  zunächst
auf  Indien.  Die  Buddhisten  rechnen  die  Laufbahn  ihres  Meisters
von  dem  Tage  an,  wo  er  unter  dem  Feigenbäume  in  Gaya  im
östlichen  Indien  die  „Erleuchtung"  boäbi  oder  die  „große  Erleuchtung" ­
  mahäbodhi  erlangte.  Dort  in  Gaya  war  ein  Tempel  erbaut ­
  worden,  zu  dem  noch  im  siebenten  Jahrhundert  nach  Christus
fromme  Buddhisten  bis  aus  China  pilgerten.  Im  vierzehnten
ANuG  109:  Pischel,  Leben  und  Lehre  des  Buddha.  2.  Aufl.  1
        <pb n="11" />
        2

I.  Einleitung.

Jahrhundert  wurde  er  von  den  Muhammedanern  zerstört  und  er
lag  verödet,  bis  im  vorigen  Jahrhundert  ein  Hindu  von  ihm  Besitz ­
  ergriff.  1874  begann  der  König  von  Birma  ihn  wiederherzustellen, ­
  da  noch  immer  fromme  Buddhisten,  namentlich  aus  Birma,
zu  ihm  wallfahrteten.  Nach  dem  Tode  des  Königs  führte  die  englische ­
  Regierung  den  Wiederaufbau  fort,  und  die  Uahabodhi
Society  gewann  auf  dem  Wege  des  Prozesses  das  Recht,  Prozessionen ­
  nach  dem  Tempel  zu  veranstalten.  Sie  errichtete  dort
ein  Haus  für  Pilger,  verlegte  ihr  Hauptquartier  nach  Kalkutta,  gab
eine  monatlich  erscheinende  Zeitschrift  in  englischer  Sprache  heraus
und  gründete  Zweiggesellschaften  im  nördlichen  und  südlichen  Indien,
in  Birma  und  Chicago.  Auch  in  England  hat  sie  Vertreter.
Unabhängig  von  ihr  hat  sich  1903  eine  zweite  Gesellschaft  in
Rangoon  in  Birma  gebildet,  die  sich  Buddhasüsana  Samägama,
  „Gesellschaft  der  Lehre  des  Buddha"  oder  „International
Buddhist  Society“  nennt.  Sie  will  die  Lehre  Buddhas  allgemeiner ­
  bekannt  machen  und  das  Studium  des  Pali  fördern,  der
Sprache,  in  der  der  Kanon  der  südlichen  Buddhisten  geschrieben
ist.  An  ihrer  Spitze  steht  ein  zum  Buddhismus  übergetretener
Schotte;  sie  hat  Mitglieder  und  Vertreter  auch  in  England,  Deutschland ­
  und  Amerika  und  gibt  eine  Zeitschrift  „Buddhism“  heraus,
die  reich  illustriert  ist.  Die  Gesellschaft  beabsichtigt,  in  Rangoon
eine  buddhistische  Bibliothek  und  eine  Missionarschule  zu  gründen,
aus  der  nach  zehn  Jahren  Missionare  nach  allen  Teilen  der  Welt
geschickt  werden  sollen.
In  Ceylon,  dem  Hauptsitze  des  südlichen  Buddhismus,  sind
mit  Hilfe  von  amerikanischem  Gelde  Schulen  für  Knaben  und
Mädchen  und  Seminare  für  buddhistische  Geistliche  errichtet  worden. ­
  Ausgezeichnete,  einheimische  Gelehrte  verfolgen  die  Fortschritte ­
  der  Wissenschaft  mit  Aufmerksamkeit  und  gehen  den  europäischen ­
  Gelehrten  bereitwillig  fördernd  an  die  Hand.  Eine  englisch
geschriebene  Zeitschrift  „The  Buddhist“  sucht  auf  weitere  Kreise
auch  außerhalb  Ceylons  zu  wirken,  eine  singhalesisch  geschriebene
auf  die  einheimische  Bevölkerung.
In  Siam  ist  bei  Gelegenheit  des  Regierungsjubiläums  des
jetzigen  Königs  aus  dessen  Veranlassung  1893—94  eine  Ausgabe
der  heiligen  Schriften  der  südlichen  Buddhisten  in  39  Bänden
erschienen,  der  eine  Ausgabe  der  Kommentare  folgen  soll.
Sehr  lebhaft  ist  ferner  die  Tätigkeit,  die  die  Buddhisten  in
Japan  entfalten.  Dort  ist  eine  Bewegung  im  Gange,  an  Stelle
        <pb n="12" />
        Buddhistische  Propaganda.

3

des  Shintoismus,  einer  albernen  Religion  mit  der  Sonnengöttin
Lmatarasu  an  der  Spitze,  eine  Staatsreligion  zu  setzen,  die  Buddhismus ­
  und  Konfuzianismus  vereinigen  soll.  Japanische  Gelehrte
haben  in  Europa  Sanskrit  und  Pali  studiert,  und  wir  verdanken
ihnen  eine  bedeutende  Förderung  unserer  Kenntnis  des  Buddhismus, ­
  indem  sie  die  chinesische  Übersetzung  der  heiligen  nordbuddhistischen ­
  Schriften  bearbeiteten,  Übersetzungen  wichtiger  buddhistischer
Reisewerke  aus  dem  Chinesischen  anfertigten  und  wissenschaftliche
Untersuchungen  über  einzelne  Gebiete  der  buddhistischen  Lehre
anstellten.  Es  wird  in  Japan  eine  vorzüglich  geleitete  und  glänzend ­
  illustrierte  Zeitschrift,  früher  „Hansel  Zasshi“  (Reflexion),
jetzt  „The  Orient“  genannt,  herausgegeben,  die  in  buddhistischem
Sinne  redigiert  wird.  Eine  japanische,  buddhistische  Mission  hat
in  San  Franzisko  Fuß  gefaßt  und  gibt  dort  eine  Zeitschrift  „The
Light  of  Dharma“  (Das  Licht  des  Gesetzes)  Heraus,  die  in
Amerika  viel  gelesen  wird.
So  ist  überall  in  den  buddhistischen  Ländern  eine  starke  Propaganda ­
  in  die  Wege  geleitet,  und  der  Buddhismus  ist  allmählich
eine  Macht  geworden,  in  der  manche  Kreise  sogar  eine  Gefahr
für  das  Christentum  sehen.
Christentum  und  Buddhismus  sind  oft  miteinander  verglichen
worden.  Es  ist  nicht  zu  leugnen,  daß  sie  schon  rein  äußerlich  viele
Züge  gemeinsam  haben.  Wie  das  Christentum  im  Westen,  ist  der
Buddhismus  im  Osten  die  gewaltigste  Religion.  Beide  haben  sich
nicht  auf  das  Land  beschränkt,  in  dem  sie  entstanden  sind,  sondern
Missionare  sind  weit  über  die  Grenzen  ihrer  Heimat  hinausgegangen ­
  und  haben  Völkern  Bildung  und  Gesittung  gebracht,  die
vorher  von  ihnen  unberührt  waren.  Der  Siegeszug  beider  Religionen ­
  ist  nicht,  wie  beim  Islam,  diesem  Zerrbild  einer  Religion,
mit  Blut  getränkt.  Christentum  und  Buddhismus  lehren  als  höchste
Tugend  die  Liebe.  Ünd  noch  treuer  als  die  Christen  haben  die
Buddhisten  die  Lehre  ihres  Meisters  befolgt.  Der  Buddhismus
kennt  keine  Ketzerversolgungen,  keine  Hexenprozesse,  keine  Kreuzzüge. ­
  Ruhig  und  still  ist  er  seinen  Weg  gegangen  und  ohne  Anwendung ­
  von  Gewalt  zu  der  größten  Religion  geworden,  die  die
Welt  kennt.  Christentum  und  Buddhismus  sind  Religionen  der
Erlösung.  Ihr  Ziel  ist  dasselbe,  so  verschieden  auch  der  Weg  dazu
ist.  Nirgends  hat  der  Buddhismus,  wenn  er  mit  andern  Religionen ­
  zusammentraf,  Haß  mit  Haß  vergolten,  aber  überall  viel
Haß  erfahren.  Eine  alte  christliche  Abschwörungsformel  lautet:
        <pb n="13" />
        4

I.  Einleitung.

„Ich  verfluche  Zarades,  Bodda  und  Skythianos,  die  Vorgänger
der  Manichäer".  Zarades  ist  Zoroaster,  Bodda  unser  Buddha.
Der  wesleyanische  Missionar  Spence  Hardy,  dem  wir  sehr  wertvolle ­
  Bücher  über  den  Buddhismus  verdanken,  fertigt  die  unleugbaren ­
  Übereinstimmungen  zwischen  Christentum  und  Buddhismus
mit  der  Bemerkung  ab,  Buddhas  Leben  sei  ein  Mythus,  seine
Lehre  eine  Masse  von  Irrtümern,  sein  Moralkodex  sei  unvollständig, ­
  und  seine  Religion  stütze  sich  auf  Grundsätze,  die  der  Unterlage ­
  entbehren.  Noch  schärfer  urteilt  der  Jesuit  Dahlmann.  Er
behauptet,  der  Grundgedanke  des  Buddhismus  sei  eine  tiefe  religiöse ­
  und  soziale  Unsittlichkeit.  Gerade  das  Gegenteil  ist  wahr.
Dahlmanns  Haß  gegen  den  Buddhismus  erklärt  sich  daraus,  daß
er  in  ihm  den  Protestantismus  Indiens  sieht,  was  ganz  unrichtig  ist.
Abgesehen  von  solchen  vereinzelten  Stimmen,  sind  die  christlichen ­
  Missionare,  die  mit  dem  Buddhismus  in  Berührung  gekommen ­
  sind,  darin  einig,  daß  die  Ethik  des  Buddhismus  gleich
hinter  der  des  Christentums  kommt.  Wie  Christus,  verwarf  Buddha
alle  äußerliche  Frömmigkeit  und  stellte  die  sittliche  Arbeit  an  sich
selbst  und  die  Nächstenliebe  an  die  Spitze  seiner  Lehre.  Seine
Gebote  und  Verbote  sind,  wenn  man  die  spezifisch  indischen  und
für  Indien  allein  nötigen  außer  acht  läßt,  wesentlich  dieselben  wie
die  Christi.  Beide  Religionsstifter  wenden  sich  nicht  an  einzelne
Klassen,  sondern  an  die  große  Masse  derer,  die  da  mühselig  und
beladen  sind.  Jede  Beurteilung  des  Buddhismus  von  einem  einseitig ­
  christlichen  Standpunkte  aus  muß  notwendig  schief  sein.  Wie
jede  andere  Religion,  muß  auch  er  beurteilt  werden  nach  dem
Volke,  bei  dem  er  entstanden,  und  nach  den  Zeitumständen,  unter
denen  er  ans  Licht  getreten  ist.  Es  ist  bis  heute  ein  Ünglück
für  den  Buddhismus  gewesen,  daß  sich  mit  Vorliebe  Laien  mit
ihm  beschäftigt  haben,  die  ihn  mit  ganz  falschem  Maßstabe  maßen,
weil  sie  die  Bedingungen  nicht  kannten,  die  ihn  hervorgerufen
haben.  Seit  Schopenhauer  in  ehrlicher  Bewunderung  erklärte,
daß  seine  Lehre  sich  in  großer  Übereinstimmung  mit  dem  Buddhismus ­
  befinde,  und  daß  er  geneigt  sei,  diesem  den  Vorzug  vor
allen  anderen  Religionen  der  Erde  zu  geben,  ist  der  Buddhismus
immer  mehr  Modesache  geworden.  Die  einen  suchen  auf  seine
Kosten  das  Christentum  zu  verherrlichen,  andere  dies  durch  ihn
herabzudrücken,  ja,  es  fehlt  auch  in  Europa  nicht  an  Leuten,  die
im  Buddhismus  die  Religion  der  Zukunft  sehen.  Sie  vergessen,
daß  ein  nach  Europa  verpflanzter  Buddhismus  aufhört  Buddhis-
        <pb n="14" />
        Buddhismus  und  Christentum.

5

mus  zu  sein.  Atheismus  und  Pessimismus  sind  die  Schlagworte,
mit  denen  man  glaubt,  ihn  charakterisieren  zu  können.  Zur  Zeit
Schopenhauers  war  von  dem  alten  Buddhismus  so  gut  wie  noch
nichts  bekannt.
In  der  buddhistischen  Kirche  stehen  sich  zwei  Richtungen  gegenüber, ­
  die  in  mancher  Beziehung  als  Katholizismus  und  Protestantismus ­
  bezeichnet  werden  können.  Schon  frühzeitig  hat  sich
der  Buddhismus  in  viele  Sekten  gespalten.  Buddha  selbst  hatte
bereits  mit  Uneinigkeit  in  der  Gemeinde  zu  kämpfen,  und  es  ist
in  erster  Linie  solchen  Zwistigkeiten  zuzuschreiben,  daß  der  Buddhismus ­
  so  schnell  in  Indien  in  Verfall  geriet.  Einzelne  Sekten
stellten  einen  eigenen  Kanon  der  heiligen  Schriften  in  verschiedenen ­
  Sprachen  zusammen.  Der  Überlieferung  nach,  an  der  zu
zweifeln  kein  Grund  vorliegt,  schlug  unmittelbar  nach  dem  Tode
des  Buddha  Käsyapa,  einer  der  hervorragendsten  Jünger  Buddhas, ­
  den  in  Lnsinagara  versammelten  Mönchen  vor,  einen
Kanon  des  Gesetzes  (dharma)  und  der  Disziplin  (vinaya)  zusammenzustellen. ­
  Das  geschah  auf  dem  Konzile  zu  Rajagpha,
der  alten  Hauptstadt  des  Reiches  Magadha,  dem  heutigen  Tirhut,
  im  östlichen  Indien,  dem  Heimatlande  des  Buddha.  Diese
erste  Redaktion  des  buddhistischen  Kanons  war  ohne  Zweifel  in
der  Sprache  des  Landes  Nagadlla,  der  Magadhi,  abgefaßt,  in
der  Buddha  selbst  gepredigt  haben  wird.  Ihr  ältestes  Denkmal
ist  die  Inschrift  auf  dem  Reliquienbehälter,  der  sich  in  Buddhas
Grabe  gefunden  hat  und  eine  Stiftung  der  Familie  Buddhas  war.
Die  Wahl  gerade  dieses  Dialektes  für  eine  Familienstiftung  beweist, ­
  daß  er  der  Heimatsdialekt  Buddhas  war.  Daraus  erklärt
es  sich  auch,  daß  die  Buddhisten  die  Magadhi  als  die  Grundsprache ­
  ansehen,  in  der  die  Menschen  des  ersten  Weltalters,  Brahmanen, ­
  die  vorher  keine  andere  Sprache  gehört,  und  auch  die
Buddhas  geredet  haben.  Von  diesem  alten  Mägadhi-Kanon  sind
uns  nur  die  Namen  einzelner  Teile  in  dem  Edikte  von  Lairät  erhalten, ­
  das  der  große  buddhistische  König  L.soüa  Lriyadarsia
im  3.  Jahrhundert  vor  Chr.  hat  eingraben  lassen,  außerdem
einige  Spuren  in  dem  uns  bis  jetzt  allein  vollständig  bekannten
Kanon  der  sogenannten  südlichen  Buddhisten.
Es  ist  üblich,  zwischen  südlichen  und  nördlichen  Buddhisten  zu
scheiden.  Unter  südlichen  versteht  man  die  Buddhisten  in  Ceylon
und  Hinterindien,  namentlich  Siam,  Birma,  Annam,  Kambodscha,
unter  nördlichen  die  Buddhisten  in  China,  Japan,  Korea,  Tibet,
        <pb n="15" />
        6

I.  Einleitung.

der  Mongolei  und  in  den  Ländern  am  Abhange  des  Himalaya,
besonders  Nepal,  Bhutan,  Sikkim.  Die  Zahl  der  südlichen  Buddhisten ­
  wird  auf  31  Millionen  angegeben,  die  der  nördlichen  auf
479  Millionen.  Zusammen  bekennen  sich  also  etwa  510  Millionen
Menschen  zum  Buddhismus,  denen  etwa  327  Millionen  Christen
gegenüberstehen.  Ganz  sicher  ist  aber  die  Schätzung  nicht,  da
namentlich  für  China  und  Tibet  die  Angaben  unsicher  sind.
Der  Kanon  der  Buddhisten  führt  den  Namen  Tripitaka,
Pali  Tipitaka,  der  „Dreikorb".  „Korb"  (pitaka)  ist  ein  bildlicher ­
  Ausdruck  für  Sammlung.  Die  drei  Sammlungen,  aus
denen  das  südliche  Tipitaka  besteht,  führen  die  Namen  Vina^apitaka,
  „Korb  der  Disziplin",  Suttapitaka,  „Korb  der  Predigten", ­
  und  ä.bkidllamruapitaka,  das  man  etwa  durch  „Korb
der  Nebenlehre"  wiedergeben  kann.  Jede  dieser  drei  Sammlungen
zerfällt  wieder  in  eine  Anzahl  Unterabteilungen.  Die  Sprache
dieses  Kanons  ist  das  kalt,  ein  jüngerer  Schwesterdialekt  des
Sanskrit,  der  wahrscheinlich  im  westlichen  Indien  gesprochen  wurde.
Die  südlichen  Buddhisten  identifizieren  das  Pali  irrtümlicherweise
mit  der  alten  Mägadhi  und  nehmen  an,  daß  das  ganze  Tipitaka
in  seiner  heutigen  Gestalt  bereits  unmittelbar  nach  Buddhas  Tode
festgestellt  wurde.  Diese  Annahme  widerspricht  direkt  der  alten
Überlieferung,  nach  der,  wie  erwähnt,  auf  dem  Konzile  zu  Eajagpha
nur  das  Gesetz  und  die  Disziplin  festgestellt  wurden.  Wie  an  der
Bibel,  so  haben  auch  an  dem  Kanon  der  südlichen  Buddhisten,
dem  Pali-Kanon,  viele  Jahrhunderte  gearbeitet.  Das  Abhidhammapitaka
  ist  zweifellos  der  jüngste  Bestandteil  des  Kanons.  Es
enthält  nichts  wesentlich  Neues,  sondern  ist  im  ganzen  nur  eine
Wiederholung  des  Inhalts  des  Suttapitaka,  aber  in  noch  viel
schematischerer  Gestalt.  Die  Tradition  selbst  läßt  keinen  Zweifel
darüber,  daß  Werke  viel  jüngerer  Zeit  in  ihm  Aufnahme  gefunden
haben.  Das  Kathävatthu,  das  in  ihm  steht  und  250  irrige
Ansichten  verschiedener  Schulen  bekämpft,  wurde  nach  der  Überlieferung ­
  von  Tisya  Maudgaliputra  um  die  Mitte  des
3.  Jahrhunderts  vor  Chr.  am  Hofe  des  Asoka  in  Pätaliputra
verfaßt  und  auf  dem  dritten  Konzile  verkündigt.  So  fand  also
ein  ganz  scholastisch  geschriebenes  Werk  eines  allgemein  bekannten
Verfassers  Aufnahme  in  diesen  Teil  des  Kanons.  Es  steht  jetzt
fest,  daß  der  Pali-Kanon  nur  der  Kanon  einer  Sekte  ist,  der  Sekte
der  Vibhaj  javädins,  einer  Schule  der  orthodoxen  Partei  des
Buddhismus.  Seine  schriftliche  Aufzeichnung  erfolgte  erst  im
        <pb n="16" />
        Der  buddhistische  Kanon.

7

1.  Jahrhundert  vor  Chr.  in  Ceylon  unter  König  VattaAämani.
Es  könnte  scheinen,  daß  die  Überlieferung  des  Textes  darunter
gelitten  hat,  daß  er  erst  so  spät  aufgezeichnet  wurde.  Das  ist  aber
nicht  der  Fall.  Die  indische  Unterrichtsmethode  war  derartig,  daß
auch  ohne  schriftliche  Aufzeichnung  eine  treue  Überlieferung  selbst
gewaltiger  Textmassen  möglich  war.  Es  gibt  noch  heute  in  Indien ­
  Gelehrte,  die  den  ganzen  UZvsäa,  1028  Lieder  von  teilweise
großem  Umfange,  von  Anfang  bis  zu  Ende  auswendig  wissen  und
ihn  rezitieren,  ohne  den  geringsten  Fehler  zu  machen.  Man  hatte
eigene  Rezitationsweisen  ausgedacht,  deren  Einübung  Gegenstand
des  Unterrichts  war.  Die  Übung  des  Gedächtnisses  bildete  einen
Hauptteil  des  Schulunterrichts.  In  den  Predigten,  die  Buddha
im  Kreise  seiner  Jünger  hielt,  tritt  dieses  lehrhafte  Element  sehr
stark  hervor.  Die  Wiederholungen  einzelner  Worte  durch  Synonyma ­
  und  ganzer  Sätze,  die  Bariierung  desselben  Gedankens,  sind
im  höchsten  Grade  ermüdend  und  nur  erklärlich  aus  dem  Wunsche,
den  Zuhörern  den  Inhalt  fest  einzuprägen.  Unendlich  oft  werden
namentlich  die  technischen  Ausdrücke,  die  für  die  Lehre  von  besonderer ­
  Bedeutung  sind,  wiederholt  und  erläutert.  Immerhin  ist
der  Kanon  selbst  an  Umfang  nicht  größer  als  die  Bibel,  eher
kleiner.  1881  wurde  in  London  von  Rhys  Davids,  einem  der
besten  Kenner  des  Pali  und  des  Buddhismus,  die  kalt  Text
Society  gegründet.  Dieser  Gesellschaft  ist  es  vor  allem  zu  verdanken, ­
  daß  heute  fast  alle  wichtigen  Texte  des  Pali-Kanons  in
kritischen  Ausgaben  gedruckt  vorliegen.
Bis  vor  kurzem  war  es  die  allgemeine  Ansicht  der  Forscher,
daß  nur  dieser  Pali-Kanon  der  südlichen  Buddhisten  die  Lehre
Buddhas  treu  überliefere.  Schon  längst  hatte  man  erkannt,  daß
Teile  der  Schriften  der  nördlichen  Buddhisten  oft  wörtlich  mit
denen  der  südlichen  übereinstimmten.  Da  die  nördlichen  aber
meist  zweifellos  jüngeren  Datums  waren  als  die  südlichen,  so
nahm  man  an,  daß  die  Übereinstimmungen  auf  Entlehnung  aus
dem  Pali-Kanon  beruhten.  Die  Verhältnisse  liegen  auf  dem
Gebiete  des  nördlichen  Buddhismus  viel  ungünstiger  als  auf  dem
des  südlichen.  Beim  südlichen  haben  wir  es  mit  einer  Sprache
zu  tun,  dem  Pali,  das  in  vier  Alphabeten  geschrieben  wird,  dem
singhalesischen,  birmanischen,  siamesischen  und  kambodschanischen.
Dazu  kommt  als  wünschenswert,  aber  nicht  unbedingt  nötig,  die
Kenntnis  des  Singhalesischen,  der  Sprache  von  Ceylon.  Beim
nördlichen  Buddhismus  dagegen  ist  die  Zahl  der  Sprachen  und
        <pb n="17" />
        8

I.  Einleitung.

Alphabete  viel  größer.  Ein  Teil  der  Werke  ist  in  Sanskrit  geschrieben, ­
  ein  anderer  in  einem  eigentümlichen  Mischdialekt  aus
Sanskrit  und  Mittelindisch,  den  man  OätLä-Dialekt,  „Dialekt
der  Lieder",  zu  nennen  Pflegte,  weil  er  sich  anfangs  nur  in  den
in  die  Prosatexte  eingelegten  metrischen  Bestandteilen  fand.  Jetzt
kennen  wir  aber  auch  Werke,  die  denselben  Dialekt  auch  durchweg
in  der  Prosa  haben.  Dazu  kommen  Chinesisch,  Tibetisch,  Mongolisch, ­
  Japanisch,  alles  schwierige  Sprachen  mit  eigenen  Alphabeten ­
  und  einer  riesigen  Literatur.  Der  Name  „nördlicher  Buddhismus" ­
  hat  überhaupt  nur  eine  geographische  Berechtigung,  nnd
auch  diese  nur  teilweise,  da  zu  ihm  auch  der  Buddhismus  auf
Java  und  Sumatra  zu  rechnen  ist,  der  aus  dem  Norden  dorthin
gebracht  worden  ist.  Der  nördliche  Buddhismus  stellt  nicht  einen
einheitlichen  Begriff  dar.  So  viele  Völker,  so  viele  Arten  des
Buddhismus  gibt  es  auch.  Das  erklärt  sich  daraus,  daß  der
Buddhismus  überall  auf  Volksreligionen  aufgepropft  worden  ist,
die  in  ihrem  Wesen  grundverschieden  von  ihm  waren.  Nirgends
hat  der  Buddhismus  diese  Religionen  ausrotten  können,  ja,  gar
nicht  ausrotten  wollen.  Selbst  in  Ceylon  ist  die  eigentliche  Religion ­
  des  Volkes  ein  Dämonenglaube.
Die  chinesischen  und  tibetischen  Übersetzungen  geben  ausdrücklich ­
  an,  daß  sie  auf  einen  Kanon  zurückgehen,  der  in  Sanskrit
geschrieben  war.  Wir  wissen  auch,  daß  die  Schule  der  Mslasarvästivädins,
  die  sich  als  Anhänger  des  Rahüla,  des  Sohnes
des  Buddha,  betrachteten,  einen  Kanon  in  Sanskrit  hatte.  Trotz
allen  Nachforschungen  war  aber  in  China  ein  Sanskrit-Kanon
nicht  zu  finden.  Da  brachte  1903  die  Expedition  des  Königlichen ­
  Museums  für  Völkerkunde  in  Berlin  unter  Leitung  von
Grünwedel  aus  Chinesisch-Turkestan  neben  andern  wertvollen
Funden  eine  Anzahl  von  Resten  alter  Blockdrucke  mit,  die  in
einem  eigenartigen,  schwierigen  Alphabete  geschrieben  waren,  das
man  zentralasiatische  Lrabmi  zu  nennen  Pflegt.  Die  Untersuchung
der  Blockdrucke,  die  Pischel  übertragen  wurde,  ergab,  daß  sie
ziemlich  umfangreiche  Reste  des  ve'rloren  geglaubten  Sanskrit-Kanons
  enthielten,  und  daß  in  der  Tat  die  chinesische  Übersetzung
eine  wortgetreue  Wiedergabe  dieses  Kanons  ist.  Seitdem  hat  sich
das  Material  durch  die  beiden  neuen  Expeditionen  unter  Le  Coq
und  Grünwedel  in  den  Jahren  1904—1907  und  durch  die
Entdeckungen  englischer,  französischer,  russischer  und  japanischer
Forscher  gewaltig  vermehrt.  Es  harrt  größtenteils  noch  der  wissen-
        <pb n="18" />
        Südlicher  und  nördlicher  Buddhismus.

9

schaftlichen  Bearbeitung.  Indessen  läßt  sich  schon  jetzt  behaupten,
daß  der  Sanskrit-Kanon  von  dem  Pali-Kanon  völlig  unabhängig
ist,  wie  schon  die  abweichende  Einteilung  zeigt.  Der  Kern  der
Lehre  Buddhas  ist  aber  bis  in  Einzelheiten  hinein  genau  derselbe
in  beiden  Fassungen,  was  ein  glänzendes  Zeugnis  ablegt  für
die  Treue  der  Überlieferung.  Wenn  man  bisher  die  „Pali-Tradition" ­
  der  „Sanskrit-Tradition"  gegenüberstellte  und  einen  „durchgreifenden ­
  Gegensatz"  zwischen  beiden  annahm,  so  ist  dies  in  Zukunft, ­
  soweit  der  Kanon  selbst  in  Frage  kommt,  nicht  mehr  möglich.
In  ihrer  späteren  Entwicklung  sind  freilich  der  Süden  und  Norden
weit  auseinander  gegangen,  und  im  allgemeinen  darf  der  Süden
auf  größere  Einfachheit  und  Altertümlichkeit  Anspruch  erheben.
Immer  mehr  aber  stellt  sich  heraus,  daß  selbst  in  ganz  legendenhaft ­
  gehaltenen  nordbuddhistischen  Werken  sich  Spuren  alter,  guter
Überlieferung  finden,  die  wir  im  Süden  vergeblich  suchen.  Auch
die  „Pali-Tradition"  darf  fortan  nur  als  die  Tradition  einer
Sekte  angesehen  werden,  nicht  als  die  allein  echte  des  gesamten
Buddhismus.
        <pb n="19" />
        II.  Das  nordöstliche  Indien  zur  Zeit  -es  Buddha.
So  lange  wir  etwas  von  Indien  wissen,  zerfiel  es  in  eine  Anzahl ­
  mehr  oder  weniger  großer  Reiche.  Nur  selten  hat  ein  Mann
eine  Herrschaft  gegründet,  die  sich  über  einen  größeren  Teil  von
Indien  erstreckte,  wie  Oandragupta  aus  der  Familie  der  Maurz-a8
im  4.  Jahrhundert  vor  Chr.,  und  die  Familie  der  Guptas  im
4.  Jahrhundert  nach  Chr.  Zur  Zeit  des  Buddha,  d.  h.  im  6.  Jahrhundert ­
  vor  Chr.,  gab  es  im  nordöstlichen  Indien  vier  Königreiche ­
  von  teilweise  erheblichem  Umfange  und  Ansehen,  außerdem
eine  Anzahl  aristokratisch  regierter  Republiken  und  etwa  ein  Dutzend
kleinerer  Fürstentümer,  von  denen  sich  einige  auch  Königreiche
nannten.  Von  diesen  Königen  und  Adligen  haben  mehrere  im
Leben  des  Buddha  eine  hervorragende  Rolle  gespielt.  Einige  der
Hauptstädte  sind  oft  die  Stätte  der  Wirksamkeit  Buddhas  gewesen
und  kehren  in  der  Geschichte  des  Buddhismus  beständig  wieder.
Unter  den  Königreichen  ist  vor  allem  zu  nennen  das  Reich
Magadha  (heute  Bihar)  mit  der  Hauptstadt  Räjagrha  ({jeute
Rajgir),  an  deren  Stelle  später  als  Hauptstadt  Pätaliputra
(heute  Patna)  trat.  Magadha  unterworfen  war  das  weiter  nach
Osten  gelegene  Land  der  Angas  mit  der  Hauptstadt  Campä.
Zur  Zeit  des  Buddha  war  König  von  Magadha  Liiuhisära
oder  Lrsyiha,  ein  treuer  Anhänger  Buddhas.  Auf  Anstiften
des  Devadatta,  des  Vetters  und  Verräters  Buddhas,  wurde
Uiiuhisara  von  seinem  Sohne  Asätaöatru  oder  Künika  getötet, ­
  als  Buddha  schon  hochbetagt  war.  Von  Gewissensbissen
getrieben,  ging  Azätasatru  zu  Buddha,  der  ihm  verzieh  und  ihn
in  die  Gemeinde  aufnahm.
Nordwestlich  von  Magadha  lag  das  Königreich  der  Losalas,
oder  genauer  Gttara-Losalao,  „der  nördlichen  Losalas"  mit
der  Hauptstadt  Srävasti,  unter  König  Uraseuazit,  später  dessen
Sohne  Virüdhaka  oder  Yidüdahha.  Wie  Bimbisära,  war
auch  Prasenajit  ein  treuer  Verehrer  Buddhas.  Südlich  schloß  sich
an  die  Lasalas  an  das  Königreich  der  Vatsa«  mit  der  Hauptstadt
        <pb n="20" />
        Die  Staaten  des  nordöstlichen  Indiens.

11

Kausämbi  (sw.  von  dem  heutigen  Allahabad),  unter  König
Udayana,  dessen  romantische  Liebesgeschichte  mit  Yä8avadattä
(von  den  Buddhisten  VZwuladattä  genannt),  der  Tochter  des
Königs  Pradyoia,  in  Indien  sehr  gefeiert  war  und  noch  im
5.  Jahrhundert  nach  Chr.  im  Munde  der  Dorfgreise  der  Avantis
fortlebte.  Noch  weiter  südlich  lag  das  Königreich  der  Avanti
mit  der  Hauptstadt  üjjayini  (heute  Ujjain),  der  Heimatstadt
des  gefeierten  Dichters  Lälidäoa,  unter  König  Pradyota  oder
Canda-Pradyota,  dem  Vater  der  Väsavadattä.
Unter  den  republikanisch  regierten  Feudalstaaten  ragte  hervor ­
  die  Konföderation  der  Vrjjis  (Pali  Vajji),  die  acht  Bundesstaaten ­
  umfaßte,  unter  denen  der  der  Lieehavis  von  Yai£ali
besonders  zu  nennen  ist.  Ihnen  benachbart  waren  die  Llallao
von  Kusinagara  und  Pävä,  und  die  Säkyas  mit  der  Hauptstadt ­
  Kapilavastu.  Dem  Patriziergeschlechte  der  Säkyas  gehörte
Buddha  an,  der  schon  in  einer  Inschrift  des  3.  Jahrhunderts
vor  Chr.  Sakyamuni,  „der  Weise  der  Läkyas",  genannt  wird.
Die  Säkyas  erkannten  die  Oberherrschaft  des  Königs  von  Kerala
an,  waren  aber  im  übrigen  selbständig.  Sie  betrachteten  sich  selbst
als  Kosalas  und  führten  ihr  Geschlecht  bis  auf  den  alten  König
Iksväku  zurück,  von  dem  die  indische  Sage  viel  zu  erzählen  weiß.
Sie  werden  als  hochmütig  und  adelsstolz  geschildert,  ein  Charakterzug, ­
  der  ihnen  schließlich  zum  Verderben  gereichte.
Das  Heimatsland  des  Buddha  lag  an  der  Grenze  des  heutigen
nepalesischen  und  englischen  Gebietes,  zwischen  den  nepalesischen
Vorhöhen  des  Himalaha  und  dem  mittleren  Laufe  der  Rapti,
etwa  100  englische  Meilen  nordöstlich  von  Benares,  wo  heute
Gorakhpnr  liegt.  Über  die  Größe  des  Landes  geben  uns  die
alten  Quellen  keine  genaue  Auskunft.  Oldenberg  schätzt  es
auf  höchstens  %  der  Mark  Brandenburg,  Rhys  Davids  berechnet ­
  die  Einwohnerzahl  auf  etwa  eine  Million.  Es  werden  uns
eine  ganze  Anzahl  Namen  von  Orten  des  Säkyalandes  genannt,
und  wir  erfahren,  daß  es  ein  reiches  und  blühendes  Land  war,
dessen  Reiskulturen  hervorgehoben  werden.
Man  hat  lange  geglaubt,  daß  das  indische  Volk  im  6.  Jahrhundert ­
  vor  Chr.  unter  dem  Drucke  geistlicher  und  weltlicher
Knechtschaft  schmachtete  und  auf  einen  Erlöser  wartete,  der  ihm
in  der  Gestalt  Buddhas  erschien.  Die  buddhistischen  Texte  selbst
belehren  uns  eines  Besseren.  Überall  finden  wir  in  Indien  damals ­
  wohlgeordnete  Staaten  mit  machtvollen  Fürsten  flu  der
        <pb n="21" />
        12  II.  Das  nordöstliche  Indien  zur  Zeit  des  Buddha.
Spitze,  mit  großen,  prächtigen  Städten,  in  denen  Handel  und  Gewerbe ­
  blühte,  und  mit  zahlreichen  Dörfern,  die  reich  waren  an
Weideland  und  Vieh.  Zwar  erhoben  wohl  die  Priester  den  Anspruch, ­
  als  die  ersten  im  Staate  angesehen  zu  werden.  In  Wirklichkeit ­
  war  aber  der  Adel,  die  Krieger,  die  herrschende  Klasse.
Eine  schroffe  Abgrenzung  der  Kasten  und  Berufe,  wie  sie  später
gefordert  wird,  war  damals  nicht  vorhanden,  wie  zahlreiche  Beispiele ­
  von  Personen  zeigen,  die  einen  Berufswechsel  vornahmen.
Kaufleute  betrieben  zu  Wasser  und  zu  Lande  einen  ausgedehnten
Handel,  der  weit  über  die  Grenzen  Indiens  hinausreichte.
Schon  in  der  ältesten  Zeit,  von  der  wir  aus  Indien  Kunde
haben,  der  vedischen,  stand  das  Hetärentum  in  Blüte.  Zu  Buddhas
Zeit  spielten  die  Hetären  keine  geringere  Rolle  als  in  Griechenland ­
  zur  Zeit  des  Perikles.  Zu  den  Zierden  und  Vorzügen  einer
großen  Stadt  gehörte  eine  „Stadtschöne",  d.  h.  eine  Hetäre.  Sie
war  durchaus  nicht  verachtet,  sondern  verkehrte  in  den  höchsten
Kreisen  der  Stadt.  Srimati,  die  Schwester  des  Jivaka,  des
Leibarztes  des  Königs  Ajätasatru,  war  eine  Hetäre,  und  unter
den  buddhistischen  Nonnen  befinden  sich  mehrere,  die  früher  Hetären
waren.  Buddha  trug  kein  Bedenken,  eine  Mahlzeit  bei  Ämrapäli,
  gewöhnlich  mit  ihrem  Palinamen  Ambapäli  genannt,
der  Stadtschönen  von  Vasall  anzunehmen,  der  die  jungen  adligen
Licchavis  diese  Ehre  vergeblich  um  100  000  Goldstücke  abzukaufen
versuchten.  Buddha  nahm  von  Ambapäli  einen  Mangohain  als
Geschenk  an  und  erfreute  sie  dafür  mit  religiösen  Gesprächen.
Später  wurde  sie  Nonne,  und  die  ihr  in  den  Thengäthäs  („Lieder
der  Ältesten")  zugeschriebenen  Verse  gehören  zu  den  schönsten  dieser
Sammlung.
Auch  ältere  und  jüngere  brahmanische  Texte  beweisen,  daß  die
Lebensbedingungen  in  Indien  damals  durchaus  günstig  waren.
Wenn  man  aber  auch  sein  Leben  in  vollen  Zügen  genoß,  so  scheint
doch  die  uralte  Frage,  was  aus  dem  Menschen  nach  dem  Tode
wird,  auch  weitere  Kreise  des  Volkes  beschäftigt  zu  haben.  Der
Inder  der  vedischen  Zeit  glaubte  an  ein  Leben  nach  dem  Tode,
eine  Unsterblichkeit  der  Seele.  Im  höchsten  Himmel  genoß  der
Tote  ein  glückliches,  sorgenloses  Leben,  frei  von  den  Gebrechen
des  Leibes,  unverkrüppelt,  gerade  an  Gliedern,  in  ewigem  Lichte.
Trotz  allem  aber  hielt  es  der  Inder  doch  für  besser,  auf  der  Erde
zu  bleiben.  Ein  alter  Text  sagt:  „Es  ist  nicht  gut,  von  dieser
Welt  wegzugehen;  denn  wer  weiß,  ob  man  in  jener  Welt  existiert
        <pb n="22" />
        Die  Lebensbedingungen.

13

oder  nicht".  Dieser  Zweifel  wurde  auch  ausgesprochen  in  den
Kreisen  der  Priester  selbst.  Am  Schluffe  eines  berühmten  Dialoges ­
  sagt  der  eigentliche  Schöpfer  des  Brahmanismus ­
  und  einer  der  bedeutendsten  Männer  des  alten  Indiens,
zu  seiner  Frau:  „Nach  dem  Tode  gibt  es  kein  Bewußtsein".  Und
noch  schärfer  äußert  er  sich  gegen  seine  Mitpriester:  „Wohl  wächst
ein  abgehauener  Baum  aus  der  Wurzel  wieder  neu  hervor;  aus
welcher  Wurzel  sollte  aber  ein  vom  Tode  abgehauener  Mensch
hervorwachsen?  Saget  nicht  „aus  dem  Samen",  da  dieser  sich  nur
bei  einem  Lebenden  erzeugt.  Wer  einmal  gestorben  ist,  wird  nicht
wieder  geboren".  Damit  im  Widerspruch  steht  eine  Lehre,  die
in  Indien  uralt  ist,  ihre  Ausbildung  aber  wohl  erst  in  der  Zeit
vom  8.  Jahrhundert  vor  Chr.  an  erfahren  hat,  die  Lehre  von
der  Seelenwanderung.  Sie  besagt,  daß  der  Mensch  sofort  nach
seinem  Tode  wiedergeboren  wird.  Von  seinen  Taten  in  dieser
Welt,  seinem  Larinan,  hängt  es  ab,  was  aus  ihm  nach  dem
Tode  wird:  „Wie  er  gehandelt,  wie  er  gewandelt,  so  wird  er.
Wer  Gutes  getan,  wird  zum  guten  Wesen,  wer  Böses  getan,  zum
bösen".  Der  Tod  bringt  keine  Erlösung.  Leben  ist  Leiden.  Diese
Wahrheit  hat  die  brahmanische  Philosophie  schon  lange  vor  Buddha
ausgesprochen.  Die  Begriffe  des  Leidens  und  der  Erlösung  vom
Leiden  geben  der  gesamten  orthodoxen  Philosophie  der  Inder  ihr
Gepräge.  Die  Furcht  vor  der  Wiedergeburt  durchzieht  das  ganze
Denken  dieser  Zeit,  und  ihr  ein  Ende  zu  setzen,  ist  das  Ziel,  wonach ­
  der  grübelnde  Verstand  strebt.  Man  schlug  zwei  Wege  ein.
Einmal  nahm  man  seine  Zuflucht  zu  bestimmten  Gebräuchen,  die
mit  Beschwörungen  und  Zaubereien  verknüpft  und  auf  die  große
Menge  berechnet  waren.  Der  zweite  Weg  war  der  der  Spekulation. ­
  Bereits  im  Lgvsäa  finden  sich  Lieder,  die  zeigen,  daß
der  Glaube  an  die  alten  Götter  mil  Inära,  dem  Feinde  der  Dämonen, ­
  an  der  Spitze,  ins  Schwanken  geraten  war.  An  die  Stelle
der  Vielheit  der  Götter  suchte  das  grübelnde  Denken  einen  Gott
zu  setzen,  und  der  ßgveda  hat  schon  einige  Lieder,  die  ganz  monotheistisch ­
  gehalten  sind.  Aber  der  eine  Gott  führt  hier  noch  Namen,
die  ihn  als  einen  persönlichen  Gott  kennzeichnen:  krag'axati,
„Herr  der  Geschöpfe",  oder  ViävaLariuan,  „Allschöpfer".  Die
spätere  Zeit  geht  noch  weiter.  Sie  setzt  an  die  Stelle  der  vielen
Götter  einen  unpersönlichen  Gott,  den  sie  Ltman,  „Selbst",  „Ich"
oder  Brahman  nennt,  ein  Wort,  das  ursprünglich  den  Zauberspruch ­
  bedeutet,  mit  dem  man  glaubte,  selbst  die  Götter  zwingen
        <pb n="23" />
        14  II-  Das  nordöstliche  Indien  zur  Zeit  des  Buddha.
zu  können-  Der  Begriff  des  sächlichen  Brahm  an  gewann  allmählich
das  Übergewicht  über  den  männlichen  Atman.  Das  Brah  man
wurde  gedacht  als  eine  in  ewiger  Ruhe  verharrende  Substanz,
von  der  alles  ausgeht,  die  in  allem  ist,  und  zu  der  alles  zurückkehrt. ­
  Nach  dieser  Lehre  ist  die  Welt  nur  eine  Umwandlung  des
unpersönlichen,  höchsten  Wesens,  ein  Truggebilde,  das  nur  scheinbar ­
  neben  dem  Brahman  existiert,  in  Wirklichkeit  aber  mit  ihm
eins,  als  Welt  überhaupt  nicht  vorhanden  ist.  Wenn  der  Mensch
dies  erkannte,  dann  kam  er  zur  Ruhe  von  dem  ewigen  Kreislauf ­
  der  Geburten;  er  ging  auf  in  dem  ewig  ruhigen  Brahman;
er  wurde  befreit  von  der  Seelenwanderung.  Die  Ausbildung
dieser  Lehre  zu  einem  geschlossenen  System,  wie  es  uns  in  den
Lrallraasätras  des  Bädaräyana  vorliegt,  ist  wahrscheinlich  erst
in  späterer  Zeit  erfolgt;  die  Grundgedanken  aber  treten  uns
mehr  oder  weniger  bestimmt  schon  in  dem  Hpanisaäs  entgegen.
Gegen  diese  Lehre  traten  andere  Lehrer  auf,  als  der  bedeutendste
Kapila,  der  Begründer  der  Laipüllya-Philosophie,  die  dem
Buddhismus  seine  Grundlage  geliefert  hat.  Wir  wissen  aus
buddhistischen  Texten,  daß  gleichzeitig  mit  Buddha  noch  sechs
Lehrer  im  Lande  herumzogen,  die  teilweise  großen  Zulauf  hatten.
Davon  ist  einer  besonders  bekannt  geworden,  Nigantha  Näyaputta,
  mit  seinem  Kirchennamen  Nallavira,  „der  große  Held"
oder  Jina,  „der  Sieger"  genannt,  der  Stifter  der  Sekte  der
Jainas,  die  bis  auf  den  heutigen  Tag  zahlreiche  und  angesehene
Anhänger  hat,  namentlich  unter  den  Kaufleuten  im  Westen  und
Süden  von  Indien.  Die  Lehre  des  Jina  hat  außerordentlich
viele  Berührungspunkte  mit  der  des  Buddha,  so  daß  man  lange
die  Jainas  für  eine  Sekte  der  Bauddhas  gehalten  hat.  Der  Jina
war  der  gefährlichste  Konkurrent  Buddhas.  Nach  Angabe  der
Jainas  gab  es  damals  nicht  weniger  als  363  verschiedene  philosophische ­
  Systeme,  nach  der  der  Bauddhas  62,  die  in  zwei  Klassen
geteilt  wurden.  Die  einen  lehrten,  daß  es  eine  Willensfreiheit,
eine  Verantwortlichkeit  und  eine  Seelenwanderung  oder  Wiederverkörperung ­
  gebe,  die  anderen  leugneten  dies.  Der  Jina  und
Buddha  gehörten  beide  zu  der  ersten  Klasse.  Sie  glaubten  also
an  die  Seelenwanderung,  und  ihr  ein  Ende  zu  machen,  ist  die
letzte  Aufgabe  ihrer  Lehre.  Wie  weit  Buddha  dabei  von  seinen
Vorgängern  abhängig  ist,  werden  wir  bei  der  Darstellung  seiner
Lehre  zu  prüfen  haben.  Zunächst  wollen  wir  kennen  lernen,  was
uns  von  seinem  Leben  bekannt  ist.
        <pb n="24" />
        III.  Das  Besten  -es  Buddha.
Buddha  stammte,  wie  wir  gesehen  haben,  aus  dem  adligen
Geschlechte  der  Säkyas,  die  in  einem  kleinen  Gebiete  an  den  Abhängen
des  nepalesischen  Himalaya  aristokratisch  regierten.  Ihre  Hauptstadt ­
  war  Lapilavastu.  Buddhas  Vater  hieß  Suddhodana,
seine  Mutter  Mäyä,  gewöhnlich  Mäyädevi  genannt.  Mäyä  hatte
kurz  vor  der  Geburt  des  Knaben  den  Wunsch,  noch  einmal  ihre
Eltern  zu  sehen.  Als  sie  aus  dem  Wege  zu  ihnen  in  einem  Haine
in  der  Nähe  des  Dorfes  Lumbini  bei  Kapilavastu  von  einem
hohen  Baume  einen  Zweig  abbrechen  wollte,  überraschte  sie  die  Geburt. ­
  Diese  Szene  ist  abgebildet  aus  einem  Relief,  das  sich  im  Jahre
1899  bei  den  Ausgrabungen  in  der  dortigen  Gegend  gefunden  hat.
Der  Knabe  erhielt  den  Namen  Siddbärtha  (^ßaU  Siddhattha),
oder  nach  den  nördlichen  Quellen  8arvärtba8iddba.  Der  Zweig
ber  Säkyas,  aus  dem  Buddha  stammte,  führte  den  Namen  (1a  ataiiia,
und  danach  wird  Buddha  von  seinen  Zeitgenossen  gewöhnlich  sramano
  Gautamah,  Pali  samano  Gotamo,  „der  Asket  Gautama",
  genannt,  eine  in  den  buddhistischen  Schriften  beständig
wiederkehrende  Bezeichnung.  Buddha  bedeutet  „der  Erwachte",
„der  Erleuchtete",  und  das  ist  der  kirchliche  Name,  den  Siddbärtha
später  von  seinen  Anhängern  bekam  und  unter  dem  er  allein  bekannt ­
  geworden  ist.
Buddhas  Mutter  Mäyä  starb  sieben  Tage  nach  der  Geburt  des
Knaben,  und  dieser  wurde  von  der  Schwester  seiner  Mutter  Mahäprajäpati,
  die  Suddhodana  später  zur  Frau  nahm,  aufgezogen.  Wir
erfahren,  daß  Buddha  zwei  Stiefgeschwister  hatte,  Kinder  der  Mahäprajäpati,
  einen  Stiefbruder  und  eine  Stiefschwester,  die  wegen  ihrer
Schönheit  gerühmt  wird.  Alte  Texte  berichten  uns  ferner,  daß
Siddhärtha  ein  sehr  zarter  Knabe  war  und  fürstlich  erzogen  wurde.
Seine  Kleider  waren  aus  feinstem  Linnen  aus  Benares.  Tag  und
Nacht  wurden  weiße  Sonnenschirme  über  ihn  gehalten,  um  ihn  vor
Kälte  und  Hitze,  Staub,  Gras  und  Tau  zu  schützen.  Im  Palaste
wurden  für  ihn  mit  Lotosblumen  verschiedenster  Art  bedeckte  Teiche
        <pb n="25" />
        16

IE.  Das  Leben  des  Buddha.

angelegt,  und  je  nach  der  Jahreszeit  lebte  er  in  einem  Sommer-,
Herbst-  und  Winterpalast.  Die  vier  Monate  der  Regenzeit  verbrachte ­
  er  im  Herbstpalaste,  wo  unsichtbare  Musik  ihn  ergötzte.  Die
feinsten  Speisen  aus  Reis  und  Fleisch  wurden  ihm  bereitet.  Seine
Erziehung  wird  sich  sonst  voraussichtlich  nicht  von  der  üblichen  Erziehungsweise ­
  junger  Adliger  unterschieden  haben.  Jüngere  Texte
berichten,  daß  Kuädboäaaa  aus  übergroßer  Liebe  zu  seinem  Sohne
dessen  Erziehung  sehr  vernachlässigte.  Er  wurde  nicht  einmal  im
Waffenhandwerk  unterrichtet,  so  daß  er  die  Hand  des  Mädchens,
das  er  sich  zur  Frau  erkor,  erst  nach  Ablegung  einer  Probe  zugestanden ­
  erhielt.  Er  heiratete  jung.  Es  wurde  ihm  ein  Sohn
geboren,  der  den  Namen  Eahula  erhielt.  Den  Namen  der  Frau
des  Buddha  erfahren  wir  aus  alten  Texten  nicht.  Diese  nennen
sie  stets  Eähulamätä,  „die  Mutter  des  Eähula".  Ein  jüngerer,
kanonischer  Palitext  nennt  sieLbaääaüaooa,  die  nördlichen  Texte
in  Sanskrit  nennen  sie  Gopä  oder  Yasodharä.  29  Jahre  war
Buddha  alt  geworden,  als  ihm  das  Leben,  das  er  bis  dahin  geführt ­
  hatte,  zum  Ekel  wurde.  Er  verließ  seine  Paläste,  Frau  und
Kind  und  zog  als  Bettler  in  die  weite  Welt.  Ein  alter  Text  sagt
darüber:  „Der  Asket  Gautama  ist  Mönch  geworden,  indem  er  eine
große  Verwandtschaft  verließ.  Der  Asket  Gautama  ist  Mönch  geworden, ­
  indem  er  viel  Gold,  gemünztes  und  ungemünztes,  verließ,
das  sich  in  Kellern  und  auf  Böden  befand.  Der  Asket  Gautama
ist  jung,  als  junger  Mann,  mit  schwarzemHaar,  in  glücklicher  Jugend,
im  frühesten  Alter,  von  der  Heimat  in  die  Heimatlosigkeit  gegangen.
Der  Asket  Gautama  hat,  obwohl  seine  Eltern  es  nicht  wollten,  obwohl ­
  sie  Tränen  vergossen  und  weinten,  sich  Haare  und  Bart  scheren
lassen,  gelbe  Gewänder  angelegt  und  ist  von  der  Heimat  in  die
Heimatlosigkeit  gegangen".  Über  die  Gründe  zu  diesem  Schritt  lassen
die  alten  Texte  Buddha  sich  selbst  aussprechen.  Nachdem  er  seinen
Jüngern  erzählt  hatte,  in  welchem  Überfluß  er  gelebt  hatte,  fuhr
er  fort:  „Mir,  o  Mönche,  der  ich  mich  in  solchem  Wohlstand  befand ­
  und  der  ich  so  außerordentlich  zart  war,  kam  der  Gedanke:
Der  unwissende,  gewöhnliche  Mensch,  der  selbst  dem  Alter  unterworfen ­
  ist,  empfindet,  wenn  er,  selbst  noch  nicht  alt,  einen  ganz
Alten  sieht,  Unbehagen,  Scham,  Ekel,  indem  er  die  Nutzanwendung
auf  sich  selbst  macht.  Auch  ich  bin  dem  Alter  unterworfen,  selbst
noch  nicht  alt;  sollte  ich,  der  ich  selbst  dem  Alter  unterworfen,  selbst
noch  nicht  alt  bin,  wenn  ich  einen  ganz  Alten  sehe,  Unbehagen,
Scham,  Ekel  empfinden?  Das  stände  mir  nicht  wohl  an.  Mir,
        <pb n="26" />
        Alte  und  neue  Quellen.

17

o  Mönche,  der  ich  solches  erwog,  schwand  alle  Freude  an  der  Jugend
völlig".  Gleiches  wird  dann  von  Krankheit  und  Tod  gesagt,  mit
dem  Unterschied,  daß  es  zum  Schluß  heißt:  „Mir  ■  .  .  schwand  alle
Freude  an  der  Gesundheit"  und  „Mir  .  •  .  schwand  alle  Freude
am  Leben".  Das  steht  im  Zusammenhang  mit  der  Lehre  Buddhas,
daß  es  drei  Arten  von  Dünkel  gibt:  den  Dünkel  infolge  von  Jugend,
Gesundheit,  Leben,  d.  h.  daß  der  Mensch  vergißt,  daß  er  alt  und
krank  wird  und  sterben  muß.  Die  Stelle  ist  auch  wichtig,  weil
auf  ihr  die  Fassung  beruht,  die  die  Legende  Buddhas  Entschlüsse,
von  Haus  und  Hof  zu  scheiden,  gegeben  hat.  Sie  weiß  von  Buddhas
Geburt  und  Jugend  viel  mehr  zu  erzählen.  Die  südliche  jüngere
Überlieferung  liegt  uns  besonders  vor  in  der  in  Pali  geschriebenen
Nidanakathä,  der  Einleitung  zu  den  später  zu  besprechenden
llatakas,  die  nördliche  imGalitavistara  und  dem  Llalläv  astn,
den  Lebensbeschreibungen  bestimmter  Sekten,  die  erste  in  Sanskrit
und  Versen  im  Gäthäbialeft,  die  zweite  ganz  im  Gatlmdialekt
geschrieben.  Der  Lalitavistara,  der  auch  ins  Tibetische  übersetzt
worden  ist,  ist  fürvieleMillionenMenschendieQuelleihresGlaubens
bis  auf  den  heutigen  Tag.  Er  führt  die  Erzählung  nur  bis  zur
Erleuchtung,  über  die  auch  das  Mahävastu  nicht  weit  hinausreicht.
In  diesen  drei  Werken  finden  sich  auch  vorzugsweise  die  Anklänge
an  christliche  Erzählungen,  die  verwertet  worden  sind,  um  buddhistische ­
  Einflüsse  auf  die  christliche  Evangelienliteratur  und  die  sich
zunächst  anschließenden  neutestamentlichen  Schriften  zu  erweisen.
Zuerst  ist  dies  in  umfassender  Weise  geschehen  vonRudolfSeydel,
dann  vorsichtiger  von  van  den  Bergh  van  Eysinga.
Ein  Beispiel  diene  als  Probe.  Bereits  in  einem  der  ältesten
Werke  des  südlichen  Kanons,  dem  Suttanipäta,  findet  sich  folgende
Erzählung.  DerHeiligeAsita,  mit  vollerem  Namen  AsitaDevala
oder  Kala  Devala,  „der  schwarze  vovala",  sah  bei  einem  Besuche, ­
  den  er  den  Göttern  im  Himmel  machte,  daß  die  Götter  sich
in  großer  Freude  befanden.  Auf  seine  Frage  nach  der  Ursache,
wurde  ihm  gesagt,  daß  im  Lande  der  Säkyas,  im  Dorfe  Lumbini,
ein  Knabe  geboren  sei,  der  einst  ein  Buddha  werden  würde.  Als
Asita  dies  hörte,  begab  er  sich  vom  Himmel  zu  8nddboäana  und
ließ  sich  den  Knaben  zeigen.  Als  er  ihn,  der  wie  das  Feuer  glänzte,
gesehen  hatte,  nahm  er  ihn  auf  seine  Arme  und  pries  ihn  als  das
höchste  der  lebenden  Wesen.  Plötzlich  aber  fing  er  an  zu  weinen.
Die  Frage  der  Sakyas,  ob  dem  Knaben  ein  Leid  drohe,  verneinte
er;  er  weine,  weil  er  sterben  werde,  ehe  der  Knabe  Buddha  ge-ANuG
  109:  Pischel,  Leben  und  Lehre  des  Buddha.  2.  Aufl.  2
        <pb n="27" />
        18

III.  Das  Leben  des  Buddha.

worden  sei.  Er  wies  aber  seinen  Neffen  Nälaka  auf  dies  Ereignis
hin  und  bestimmte  ihn  zu  einem  Jünger  Buddhas.  Diese  Erzählung
kennt  auch  dieMckäuakatllä,  ferner  Asvaghosa,  der  Verfasser  des
Luäckllaoarita,  „Leben  des  Buddha",  der  im  1.  Jahrhundert  vor
Chr.  unter  König  Kaniska  lebte,  der  Lalitavistara  und  das  Mahävastu.
  Sie  gehört  also  zu  dem  ältesten  Bestände  der  Lebensbeschreibungen ­
  des  Buddha.  Ihre  Ähnlichkeit  mit  der  Erzählung  von
Simeon,  die  uns  Lukas  2,  25—36  berichtet,  ist  längst  bemerkt
worden.  In  einigen  Punkten  weichen  beide  Erzählungen  allerdings
voneinander  ab.  Besonders  ist  hervorzuheben,  daß  Asita  erklärt,
er  werde  sterben,  ehe  das  Kind  Buddha  geworden  sei,  Simeon  dagegen ­
  die  Prophezeiung  erhalten  hat,  daß  er  nicht  eher  sterben  werde,
ehe  er  Jesus  gesehen  habe.  Aber  der  Unterschied  ist  doch  geringer
als  die  Übereinstimmung.  Hier  wie  dort  ist  es  ein  Greis,  der  auf
wunderbare  Weise  zu  dem  neugeborenen  Kinde  kommt,  es  aufhebt
und  sich  glücklich  preist,  daß  er  das  Kind  noch  gesehen  hat.  Eine
Entlehnung  ist  hier  sehr  wahrscheinlich,  und  der  Weg  ist  jetzt  nicht
mehr  so  schwer  nachzuweisen  wie  früher.
Die  Durchforschung  von  Turkestan  durch  Sven  Hedin  und
Stein  im  Süden,  Klementz,  Grünwedel  und  v.  Lecoq  im  Norden, ­
  hat  ergeben,  daß  sich  dort  alle  Religionen  auf  dem  Wege  nach
China  zusammendrängten.  Die  Trümmerstätten  weisen  auf  eine
alte  buddhistische  Mission  hin.  Bilder  und  Bauten  buddhistischen
Ursprungs,  buddhistische  Handschriften  und  Blockdrucke  finden  sich
überall.  Nach  China  ist  die  erste  Kenntnis  des  Buddhismus  am
Ende  des  ersten  vorchristlichen  Jahrhunderts  allerdings  aus  Nordindien ­
  direkt  gekommen.  Die  stetige  Ausbreitung  der  buddhistischen
Religion  in  China,  die  wir  von  der  Mitte  des  ersten  Jahrhunderts
nach  Chr.  ab  verfolgen  können,  erklärt  sich  aber  nur  aus  der  Verbindung ­
  mit  Turkestan.  Hier  muß  der  Buddhismus  schon  früher
festen  Fuß  gefaßt  haben,  wahrscheinlich  seit  dem  Beginn  der  christlichen ­
  Zeitrechnung.  Wir  hören  von  Mönchen,  die  zwischen  76  und
88  n.  Chr.  buddhistische  Bücher  aus  Turkestan  nach  China  brachten,
und  im  dritten  Jahrhundert  stand  der  Buddhismus  in  Turkestan
in  voller  Blüte.  In  Baktrien  ist  er  schon  im  2.  Jahrhundert  vor
Chr.  nachweisbar.  Ferner  saßen  in  Turkestan  Zoroastrier,  was
uns  direkt  überliefert  ist.  Auch  haben  sich  Bruchstücke  von  Handschriften ­
  zoroastrischen  Inhalts  dort  gefunden.  Eine  große  Rolle
spielten  dann  dort  die  Manichäer.  Mäni,  der  Stifter  des  nach
ihm  benannten  Religionssystems,  soll  um  215  nach  Chr.  in  Mar-
        <pb n="28" />
        Buddhismus  uub  Evangelienliteratur.

19

binii  in  Babylonien  als  Sohn  eines  nach  Babylonien  ausgewanderten ­
  Persers  geboren  worden  sein.  Er  machte  große  Reisen,  die
ihn  auch  nach  Indien  und  Turkestan  führten.  Er  wurde  276  oder
277  gekreuzigt.  Die  Religion,  die  er  stiftete,  hat  man  als  persischen
Gnostizismus  bezeichnet.  Er  hatte  starke  Hinneigung  zum  Christentume.
  Seine  Schriften  galten  als  verloren.  Die  Deutsche  Expedition
nach  Turkestan  hat  aber  dort  größere  Fragmente  gefunden,  die  in
einer  Abart  der  syrischen  Schrift,  dem  Estrangelo,  geschrieben  und
in  altem,  ganz  reinem  Mittelpersisch  verfaßt  sind.  Ihre  Entzifferung ­
  verdanken  wir  dem  glänzenden  Scharfsinn  von  Professor
F.  W.  K.  Müller,  Abteilungsdirektor  am  Königlichen  Museum
für  Völkerkunde  in  Berlin.  In  nicht  geringer  Zahl  saßen  in  Turkestan ­
  auch  syrische  Christen.  Die  Syrer  sind  es  gewesen,  die  die
Vermittler  zwischen  Orient  und  Okzident  auch  sonst  gebildet  haben,
wie  z.  B.  auf  dem  Gebiete  der  Märchen  und  Fabeln.  Die  Heimat
eines  großen  Teils  unserer  Märchen  und  Fabeln  ist  Indien.  Von
Indien  wanderten  sie  nach  Persien,  von  dort  nach  Syrien,  von  wo
sie  durch  die  Araber  nach  Europa  gelangten.  Bei  biblischen  Geschichten, ­
  wie  der  von  Simeon,  und  späteren  Erzählungen  in  Apokryphen ­
  wird  der  Weg  bis  Syrien  der  gleiche  gewesen  sein.  Es
ist  doch  kaum  Zufall,  daß  alle  Berührungen  dieser  Art  zwischen
Christentum  und  Buddhismus  sich  gerade  bei  Lukas  finden.  Das
Lukasevangelium  schreibt  die  Kritik  dem  letzten  Viertel  des  1.  Jahrhunderts ­
  nach  Chr.  zu,  und  nach  glaubwürdiger  Tradition  soll  Lukas
ein  Syrer  aus  Antiochia  gewesen  sein.  Erbauliche  Geschichten,  wie
die  von  Simeon,  dürfen  nicht  anders  beurteilt  werden  als  die  Märchen
und  Fabeln.  Ihrer  Herleitung  aus  Indien  steht  nichts  im  Wege.
Auch  Symbole,  wie  das  christliche  Symbol  des  Fisches,  sind  wahrscheinlich ­
  durch  die  Syrer  aus  Indien  ins  Christentum  gebracht
worden.  Die  Berührungen  der  Religionen  scheinen  auf  dem  Wege
von  Indien  nach  China  viel  früher  eingetreten  zu  sein,  als  man
bisher  glaubte,  und  Turkestan  spielt  dabei  eine  hervorragende  Rolle.
Bei  dem  Feste  der  Namengebung  erschienen  wieder  acht  Brahmanen, ­
  die  schon  früher  einen  Traum  der  Lla^ä  ausgelegt  hatten.
Der  jüngste  unter  ihnen  stellte  fest,  daß  das  Kind  ein  Buddha  werden
würde.  Nach  der  nördlichen  Tradition  tat  dies  ^.situ  bei  seinein
Besuche.  Suddhodana  war  aber  nicht  damit  einverstanden,  daß
sein  Sohn  ein  Mönch  werden  solle.  Als  er  auf  seine  Frage  gehört ­
  hatte,  daß  sein  Sohn  durch  den  Anblick  eines  Greises,  eines
Kranken,  eines  Toten  und  eines  Geistlichen  bewogen  werden  würde,
        <pb n="29" />
        20

III.  Das  Leben  des  Buddha.

in  den  geistlichen  Stand  zu  treten,  gab  er  den  strengen  Befehl  zu
verhindern,  daß  sein  Sohn  eine  dieser  Erscheinungen  zu  Gesicht
bekomme.  In  jeder  Himmelsgegend  wurden  in  einem  Abstande
von  Y 4  Meile  von  den  Palästen  Wächter  aufgestellt,  die  niemanden
einlassen  durften.  Die  jüngeren  Berichte  sind  reich  an  Wundern,
die  Buddha  als  Kind  vollbrachte.  Er  beschämt  seine  Lehrer  in  der
Schule,  wozu  sich  wieder  eine  christliche  Parallele  findet,  und  erweist ­
  sich  als  Meister  in  allen  Künsten  und  im  Waffenhandwerk.
Alle  Berichte  sind  aber  auch  darin  einig,  daß  er  in  seiner  Jugend
herrlich  und  in  Freuden  lebte.  In  den  drei  Palästen  wurden  ihm
zur  Bedienung  40000  Tänzerinnen  gegeben,  mit  denen  er,  wie
die  Nidanakathä  sagt,  lebte  wie  ein  Gott  von  Götterhetären  umgeben, ­
  ergötzt  durch  unsichtbare  Musik.  Neben  den  40000  Tänzerinnen ­
  hatte  er  nach  dem  Imlitavistara  noch  84000  Frauen.  Allmählich ­
  nahte  die  Zeit,  wo  seine  weltlichen  Neigungen  ein  Ende
nehmen  sollten,  Während  nach  den  alten  Texten  der  Entschluß
des  Buddha,  der  Welt  zu  entsagen,  seinem  inneren  Drange  entsprang, ­
  sind  es  in  den  jüngeren  wieder  die  Götter,  die  ihn  dazu
veranlassen.  Als  der  Prinz  einst  in  den  Park  spazieren  gefahren
war,  ließen  die  Götter  ihm  einen  Engel  in  Gestalt  eines  uralten,
zahnlosen,  weißhaarigen,  gekrümmten  Mannes,  der  sich  zitternd  mit
einem  Stocke  in  der  Hand  bewegte,  erscheinen.  Als  der  Prinz  von
seinem  Wagenlenker  erfahren  hatte,  daß  es  das  Los  jedes  Menschen
sei,  zu  altern,  kehrte  er  betrübt  nach  Hause  zurück.  Luddbodana
ließ  die  Wachen  verdoppeln  und  verschärfen,  konnte  aber  nicht  verhindern ­
  daß  die  Götter  auf  gleiche  Weise  dem  Prinzen  einen  mit
einer  ekelhaften  Krankheit  behafteten  Menschen,  einen  Toten  und
schließlich  einen  wohlgekleideten,  bescheidenen  Mönch  erscheinen  ließen.
Als  der  Prinz  diesen  gesehen,  und  der  Wagenlenker  ihm  die  Vorzüge ­
  des  Mönchstums  geschildert  hatte,  kehrte  er  nicht,  wie  dreimal ­
  vorher,  gleich  nach  Hause  zurück,  sondern  setzte  vergnügt  seine
Fahrt  fort  und  ließ  sich  prächtig  schmücken,  wozu  ihm  die  Götter
den  Visvakarman,  den  Künstler  der  Götter,  schickten.  Als  er  endlich, ­
  entschlossen,  Mönch  zu  werden,  seinen  Wagen  wieder  bestieg,
um  heimzukehren,  brachte  ihn,  ein  Bote  die  Nachricht,  daß  ihm  ein
Sohn  geboren  sei.  Da  sprach  er  nach  der  Nidänakathä  die  vielleicht ­
  historischen  Worte:  „Ein  ßähula 1 )  ist  geboren,  eine  Fessel
1)  Die  Bedeutung  dieses  Wortes  ist  unbekannt.  Eine  späte,  nordbuddhistische ­
  Legende  bringt  es  in  Verbindung  mit  Rähu,  einem  Dämon,
dem  man  die  Sonnen-  und  Mondfinsternisse  zuschreibt.
        <pb n="30" />
        Jugendzeit  bis  zum  „großen  Scheiden".

21

ist  geboren."  Ms  Suddhodana  diese  Worte  gemeldet  wurden,  bestimmte ­
  er,  daß  sein  Enkel  Eahula  heißen  sollte.  In  seinen  Palast
zurückgekehrt,  legte  der  Prinz  sich  auf  sein  Bett.  Da  kamen  schöne
Tänzerinnen,  die  mit  Gesang  und  Tanz  ihn  erfreuen  wollten.  Aber
der  Prinz  war  schon  dagegen  abgehärtet;  er  schlief  bald  ein,  und
auch  die  Tänzerinnen  legten  sich  zur  Ruhe,  als  sie  sahen,  daß  ihre
Künste  vergeblich  waren.  Mitten  in  der  Nacht  erwachte  der  Prinz
und  sah  die  schlafenden  Tänzerinnen.  Ihre  Musikinstrumente  waren
ihnen  entfallen;  Speichel  floß  ihnen  aus  dem  Munde;  ihre  Glieder
waren  von  Müdigkeit  schlaff;  einige  knirschten  mit  den  Zähnen;
andere  schnarchten;  einige  redeten  im  Traume;  einige  lagen  mit
geöffnetem  Munde  da;  anderen  waren  die  Kleider  entfallen,  und
sie  zeigten  häßliche  Gebrechen.  Da  wurde  in  ihm  der  Ekel  gegen
die  sinnlichen  Genüsse  noch  verstärkt.  Sein  Schlafgemach,  das  in
seinem  prächtigen  Schmucke  der  Wohnung  des  Götterkönigs  Indra
glich,  kam  ihm  wie  ein  Kirchhof  voll  entstellter  Leichen  vor.  Er
beschloß,  noch  an  diesem  Tage  „das  große  Scheiden"  auszuführen.
Der  Wagenlenker  erhielt  den  Befehl,  den  treuen  Hengst  Kanthaka
zu  satteln,  der,  merkend  was  vorgeht,  so  laut  vor  Freude  wieherte,
daß  die  ganze  Stadt  es  gehört  hätte,  wenn  die  Götter  nicht  den
Schall  gedämpft  hätten.  Der  Prinz  konnte  aber  nicht  scheiden,
ohne  seinen  Sohn  gesehen  zu  haben.  Als  er  das  Schlafgcmach
seiner  Frau  betrat,  sah  er,  wie  diese  auf  blumenüberstreutem  Lager
schlief,  indem  sie  ihre  Hand  auf  den  Kopf  des  Kindes  gelegt  hatte.
Da  dachte  er:  „Wenn  ich  die  Hand  der  Prinzessin  entferne,  um
das  Kind  zu  nehmen,  so  wird  sie  erwachen,  und  das  wird  ein  Hindere
nis  für  meinen  Weggang  sein.  Ich  werde  wiederkommen  und
meinen  Sohn  sehen,  wenn  ich  Buddha  geworden  bin."  Damit
schied  er.
Die  jüngere  Legende  hat,  wie  man  sieht,  mit  unleugbarer  Kunst
alles  hervorgesncht,  was  einem  Alltagsmenschen  das  Scheiden  aus
gewohnten  Verhältnissen  schwer  machen  muß.  Sie  hat  dadurch
Buddhas  Festigkeit  in  Helles  Licht  gerückt.  Die  nördliche  Überlieferung ­
  weicht  von  der  südlichen  in  einigen  Punkten  ab;  im  ganzen
aber  ist  Übereinstimmung  vorhanden.
Es  wird  dann  weiter  geschildert,  auf  wie  wunderbare  Weise  der
Prinz  mit  seinem  Wagenlenker  aus  der  festverschlossenen  Stadt
hinauskam.  Nach  einem  gewaltigen  Ritte  von  30  Stunden  durch
drei  Königreiche  kam  er  an  das  User  des  Flusses  Anavama  (Pali
Anomä),  Hier  schor  er  sein  Haar  ab,  und  der  Erzengel  Ghali:
        <pb n="31" />
        22

III.  Das  Leben  des  Buddha.

kära  brachte  ihm  die  acht  Gegenstände,  die  der  Mönch  allein  besitzen ­
  darf:  drei  Kleider,  einen  Gürtel,  den  Betteltopf,  ein  Schermesser, ­
  eine  Nadel  und  ein  Sieb  zum  Filtrieren  des  Wassers.
Der  Wagenlenker  wurde  mit  dem  Rosse  entlassen.  Das  Roß
konnte  aber  die  Trennung  nicht  ertragen.  Sein  Herz  brach,  und
es  wurde  als  Engel  im  Himmel  wiedergeboren.  Der  Prinz  war
nun  allein  in  der  Einsamkeit.
So  der  Buddha  der  Legende.  Wenden  wir  uns  nun  wieder  zu
dem  geschichtlichen  Buddha  zurück!  Als  er,  angeekelt  von  den
Lüsten  der  Welt,  in  die  Heimatlosigkeit  gegangen  war,  suchte  er
zunächst  Lehrer,  die  ihm  den  Weg  zur  Erlösung  weisen  könnten.
Zuerst  ging  er  zu  Alära  Käläma  (bei  den  nördlichen  Buddhisten
Arada  oder  ArädaKäläma  genannt),  dann  püddaka  Eämaputta
  (bei  den  nördlichen  Buddhisten  Edraka  Rämaputra
oder  Rudraka  Rämaputra).  Aber  ihre  Lehre  befriedigte  ihn
nicht.  Was  sie  ihm  mitteilen  konnten,  hatte  er  bald  gelernt.  Alära
bot  ihm  an,  er  solle  mit  ihm  gemeinsam  die  Schule  leiten;  üddaka
wollte  ihm  sogar  die  Leitung  ganz  abtreten.  .  Aber  Buddha  lehnte
nach  kurzer  Zeit  beides  ab.  Die  beiden  Lehrer  sind  historische
Persönlichkeiten,  und  es  ist  für  Buddha  von  größter  Wichtigkeit
gewesen,  daß  er  gerade  diese  Männer  zuerst  zu  Lehrern  gehabt
hat.  Beide  waren  Anhänger  der  Yogaphilosophie,  einer  theistisch
weitergebildeten  Form  des  atheistischen  Läipkll/asystems  des  K  a  p  i  1  a,
die  uns  in  den  Yogasütras  des  Patanjali  fixiert  vorliegt.  Der
Hauptunterschied  beider  Systeme,  die  fast  alle  Grundbegriffe  gemeinsam ­
  haben,  ist  der,  daß  der  Yoga,  die  Technik  der  Kontemplation ­
  und  den  Wert  äußerer  Hilfsmittel,  wie  strenge  Askese,  in
den  Vordergrund  stellt  und  die  Forderung  eines  streng  sittlichen
Lebens  betont,  während  das  Sämkhya  ausschließlich  die  abstrakte
Theorie  der  richtigen  Erkenntnis  hervorhebt.  Buddha  hat,  wie
wir  sehen  werden,  aus  beiden  Systemen  eine  ganze  Anzahl  von
Begriffen  in  seine  Lehre  hinübergenommen,  sich  auch  nie  ganz  von
seinen  Lehrern  getrennt,  da  er  ihnen  zuerst  seine  neugewonnene
Erkenntnis  mitteilen  wollte.  Mit  den  aus  der  Yogaphilosophie
entnommenen  Anschauungen  hängen  auch  die  nächsten  Schritte  zusammen, ­
  die  Buddha  tat,  nachdem  er  sich  von  seinen  Lehrern  getrennt ­
  hatte.  Er  zog  ruhelos  im  Lande  Magadha  umher,  bis  er
zu  dem  Flecken  Druvelä  oder  ürukilvä  am  Flusse  Neranjarä
oder  Nairanjanä  gelangte,  dem  heutigen  Buddha  Gaya,  südlich
von  Patna.  Die  schöne,  friedliche  Lage  des  Ortes  zog  ihn  so  an,
        <pb n="32" />
        Vom  „großen  Scheiden"  bis  zur  Erleuchtung.  23

daß  er  dort  zu  bleiben  beschloß.  In  den  Wäldern  von  Umvelä
soll  er  sich  den  strengsten  Kasteiungen  unterzogen  haben.  Aber
diese  brachten  ihm  nicht  die  gewünschte  Erleuchtung.  Da  ging  er
noch  weiter.  Er  enthielt  sich  gänzlich  der  Nahrung,  hielt  den
Atem  an  und  konzentrierte  seine  Gedanken  auf  einen  Punkt.  Fünf
Einsiedler,  die  seine  Ausdauer  bewunderten,  hielten  sich  in  seiner
Nähe  auf,  um  seine  Schüler  zu  werden,  wenn  ihm  die  Erleuchtung
käme.  Aber  trotz  aller  Askese  und  Kontemplation,  über  die  alte
und  junge  Texte  ausführlich  berichten,  kam  die  Erleuchtung  nicht.
Als  er  eines  Tages,  in  Gedanken  versunken,  langsam  auf  und  ab
ging,  fiel  er  entkräftet  zu  Boden.  Die  fünf  Einsiedler  glaubten,
er  sei  tot.  Aber  noch  einmal  erholte  er  sich,  erkannte  aber  nun,
daß  ihm  durch  Buße  und  Kasteiung  nie  die  richtige  Erkenntnis
kommen  werde.  So  gab  er  sie  auf  und  nahm  wieder  reichlich
Nahrung  zu  sich,  um  seinen  völlig  entkräfteten  Körper  zu  stärken.
Da  verließen  ihn  die  fünf  Einsiedler  und  gingen  nach  Benares.
Er  blieb  wieder  ganz  allein.  Endlich  nach  sieben  Jahren  vergeblichen ­
  Suchens  und  Ringens  kam  ihm  in  einer  Nacht,  als  er  unter
einem  Feigenbäume  saß,  die  sehnlichst  erwünschte  Erleuchtung.  Er
schritt  von  einer  Stufe  der  Erkenntnis  zur  anderen;  er  erkannte
die  Irrwege  der  Seelenwanderung,  die  Ursachen  des  Leidens  in
der  Welt  und  den  Weg,  der  zur  Vernichtung  des  Leidens  führt.
In  dieser  Nacht  wurde  aus  dem  Prinzen  Addhärtha  der  Buddha,
oder  Sambuddha,  „der  Erwachte",  „der  Erleuchtete".  Bon  ihr  an
rechnen  die  Buddhisten  die  Laufbahn  ihres  Meisters.  Buddha
selbst  soll,  als  er  die  Erleuchtung  erlangt  hatte,  die  Worte  gesprochen ­
  haben,  die  in  einem  der  schönsten  und  ältesten  buddhistischen ­
  Werke,  dem  Dhammapada,  eine  Stelle  gefunden  haben:
„Den  Kreislauf  vieler  Geburten  habe  ich  ruhelos  durchlaufen,  den
Bildner  des  Hauses*)  suchend.  Schlimm  ist  die  ewige  Wiedergeburt. ­
  Bildner  des  Hauses,  du  bist  erschaut;  du  wirst  kein  Haus
mehr  bauen.  Deine  Balken  sind  gebrochen,  und  des  Hauses  Dach
vernichtet.  Das  Herz,  frei  geworden,  hat  alle  Begierden  getilgt."
Diese  hochberühmten  Verse  spiegeln  sehr  klar  wider,  was  Buddha
vor  allem  erreichen  wollte:  Befreiung  von  den  Begierden  und
damit  Befreiung  von  der  Wiedergeburt.  Der  Feigenbaum,  unter
dem  Buddha  die  Erleuchtung  erlangte,  wurde  als  „Baum  der  Erleuchtung" ­
  (Sanskrit  bodhivrksa,  Pali  bodhirukkha)  ein  Gegen-1)

  b.  h.  die  Ursache  der  Wiedergeburt.
        <pb n="33" />
        24

III.  Das  Leben  des  Buddha.

stand  der  heiligsten  Verehrung  der  Buddhisten,  und  sie  glaubten,
daß  derselbe  Baum  an  derselben  Stelle  sich  ununterbrochen  erhalten ­
  hatte.  In  der  Tat  stand  in  der  Nähe  von  Buddha  Gaya
ein  uralter  Feigenbaum  (Kons  rsligiosa),  der  sehr  verfallen  war,
bis  ihn  1876  ein  Sturm  vernichtete.  Er  muß  sehr  oft  erneuert
worden  sein,  da  er  wenigstens  dreißig  Fuß  über  der  Höhe  der
Umgebung  stand.  Ein  Zweig  von  ihm  wurde  um  die  Mitte
des  3.  Jahrhunderts  vor  Chr.  nach  Ceylon  gebracht  und  bei
Lmurääbapura  gepflanzt,  wo  er  zu  einem  Baum  wuchs,  der  noch
heute  steht.
Über  die  Zeit  nach  der  Erleuchtung  haben  wir  einen  zusammenhängenden ­
  Bericht  in  einem  alten  Werke  des  Vinayapitaka,  dem
Mahavagga,  in  schöner,  altertümlicher  Sprache.  Dort  wird  berichtet, ­
  daß  der  Heilige,  nachdem  er  Buddha  geworden  war,  sieben
Tage  lang  ununterbrochen  mit  übereinandergeschlagenen  Beinen
am  Fuße  des  Baumes  der  Erkenntnis  saß,  „die  Seligkeit  der  Erlösung ­
  genießend".  Während  der  Nacht  nach  Ablauf  der  sieben
Tage  ließ  er  dreimal  die  ganze  Reihe  der  Verkettungen  von  Ursachen ­
  und  Wirkungen,  die  das  Leiden  in  der  Welt  hervorrufen,
an  seinem  Geiste  vorübergehen.  Dann  verließ  er  die  Stätte  unter
dem  Baume  der  Erkenntnis  und  ging  zu  dem  „Baume  des  Ziegenhirten". ­
  Hier  verweilte  er  weitere  sieben  Tage.  Eine  gewiß  jüngere,
aber  immerhin  noch  ziemlich  alte  Quelle,  das  Nalläpariiiibbäiiasutta,
  fügt  hier  eine  Versuchungsgeschichte  des  Buddha  durch
Nära,  den  buddhistischen  Teufel,  ein,  die  der  Text  Buddha  selbst
erzählen  läßt.  Mära  forderte  Buddha  auf,  in  das  Nirvana  einzugehen, ­
  d.  h.  zu  sterben,  was  Buddha  ablehnte,  weil  er  erst  Schüler
ziehen  und  seine  Lehre  verbreiten  müsse.  Der  Text  schließt  gleich
daran  eine  zweite  Versuchungsgeschichte,  die  sich  drei  Monate  vor
Buddhas  Tode  ereignet  haben  soll.  Llära  weist  darauf  hin,  daß
jetzt  alles  eingetreten  sei,  was  er  früher  gewünscht,  und  daß  er
nun  sterben  möge.  Buddha  erwidert  ihm,  es  werde  in  drei  Monaten ­
  geschehen.  Der  Sinn  der  ersten  Versuchungsgeschichte  wird
ganz  klar  durch  die  ältesten  Texte.  An  ihrer  Stelle  lassen  sie  den
Buddha  zweifeln,  ob  er  seine  Erkenntnis  für  sich  behalten  oder
den  Menschen  lehren  solle.  Nichts  anderes  liegt  in  der  Versuchungsgeschichte. ­
  In  dieser  ihrer  ältesten  Form  hat  sie  gar  keine  Berührungspunkte ­
  mit  der  Versuchung  Jesu,  wohl  aber  in  der  jüngeren
Gestalt.  Die  jüngere  südliche  Tradition  läßt  Buddha  schon  vorher
versucht  werden.  Als  er  auf  seinem  Hengste  mit  dem  Wagenlenker
        <pb n="34" />
        Die  Zeit  nach  der  Erleuchtung.

25

die  Stadt  verließ,  trat  nach  der  südlichen  Quelle  Mara  zu  ihm
und  suchte  ihn  zur  Umkehr  zu  bewegen,  indem  er  ihm  in  Aussicht
stellte,  in  sieben  Tagen  werde  ihm  die  Herrschaft  über  die  ganze
Erde  zuteil  werden.  Als  Buddha  ihn  abwies,  sagte  Nara:  „Bon
heut  ab  werde  ich  jedesmal,  wenn  du  an  mich  denkst,  die  Gedanken ­
  sinnlicher  Lust,  von  Haß  und  Grausamkeit  in  dir  erwecken",
und  seit  diesem  Augenblicke  lauerte  er  auf  eine  Passende  Gelegenheit, ­
  während  er  dem  Buddha  wie  sein  Schatten  folgte.  In  den
nördlichen  Texten  ist  hier  der  Versucher  nicht  Nüra,  sondern  der
Wagenlenker,  der  Buddha  die  Weltherrschaft  in  den  herrlichsten
Farben  malt.  Dies  entspricht  gewiß  dem  zweiten  Teile  der  Versuchungsgeschichte ­
  Jesu,  wo  der  Teufel  ihm  alle  Reiche  der  Welt
und  ihre  Herrlichkeit  anbietet.  Aber  auch  der  erste  Teil,  in  dem  der
Versucher  Jesus  auffordert,  die  Steine  in  Brot  zu  verwandeln,
hat  seine  Parallele.  In  dem  schon  erwähnten  alten  Suttanipäta
wird  erzählt,  daß,  als  Buddha  in  den  Wäldern  von  Uruvela  von
Kasteiung  und  Hunger  entkräftet  war,  der  Versucher  zu  ihm  trat
und  zu  ihm  sprach:  „Du  bist  mager,  entstellt,  der  Tod  ist  dir  nahe.
Tausend  Teile  von  dir  gehören  dem  Tode,  nur  ein  Teil  dem  Leben.
Es  ist  besser,  Herr,  zu  leben;  lebend  kannst  du  gute  Werke  tun."
Buddha  weist  ihn  ab  und  zählt  auf,  was  die  neun  Heere  des  Nära
sind,  mit  denen  er  die  Menschen  angreift:  Wollust,  Unzufriedenheit, ­
  Hunger  und  Durst,  Verlangen,  Faulheit  und  Untätigkeit,
Feigheit,  Zweifel,  Heuchelei  und  Dummheit,  Ruhmsucht  und  Hochmut. ­
  „Dein  Heer,  das  Menschen  und  Götter  nicht  besiegen  können,
werde  ich  mit  dem  Verstände  zerbrechen,  wie  man  einen  irdenen
Topf  zerbricht.  Ich  werde  mein  Denken  zügeln  und  meinen  Geist
festigen  und  von  Königreich  zu  Königreich  wandern,  Jünger  bildend." ­
  Da  sagte  Uära:  „Sieben  Jahre  lang  folgte  ich  dem  Erhabenen ­
  Schritt  für  Schritt  und  ich  fand  kein  Fehl  an  dem  völlig
Erwachten,  Erleuchteten.  Wie  eine  Krähe,  die  umsonst  einen  Felsen
umkreist,  wollen  wir  von  Gautama  weggehen."  Traurig  ging  er
weg.  und  die  Saiten  seiner  Laute  rissen.
In  dieser  alten  Fassung  ist  noch  deutlich  ausgesprochen,  wer
Mra  ist,  und  was  seine  Heere  sind.  Die  spätere  Zeit  hat  die  bildliche ­
  Redeweise  der  alten  Texte  wörtlich  gefaßt  und  konkrete  Gestalten ­
  geschaffen.  In  der  Nidänakathä  und  dem  Lalitavistara
wird  erzählt,  daß  illära  zu  Buddha  kam,  auf  seinem  Elefanten
reitend,  der  anderthalbhundert  Meilen  maß,  begleitet  von  einem
unabsehbaren  Heere  von  Teufeln,  das  sich  zur  rechten  und  linken
        <pb n="35" />
        26

III.  Das  Leben  des  Buddha.

Hand  von  Mara  zwölf  Meilen,  über  ihm  neun  Meilen  und  hinter
ihm  bis  zum  äußersten  Horizont  ausdehnte.  Das  Heer  wird  ausführlich ­
  geschildert;  es  war  furchtbar  bewaffnet  und  so  schauderhaft, ­
  daß  alle  Götter  flüchteten.  Zum  Angriff  schickte  Nüra  wütende
Stürme,  eine  Sintflut,  einen  Regen  von  Steinen,  von  Schwertern,
Messern,  Spießen,  von  heißer  Asche  usw.  Alles  umsonst.  Die
Steine  wurden  zu  Blumenkränzen,  die  Asche  zu  Sandelpulver  usw.
Ebenso  sind  alle  Angriffe  des  Heeres  umsonst.  Buddha  weist  sie  ab,
und  Mära  flieht  mit  seinem  Heere.  Der  Angriff  ist  oft  abgebildet
worden.  Da  Nära  mit  Gewalt  nichts  ausrichten  konnte,  griff  er
zur  Versuchung.  Er  schickte  seine  drei  Töchter  ab,  um  Buddha  zu
verführen.  Aber  Buddha  achtete  nicht  auf  das,  was  sie  sagten,  sah
sie  gar  nicht  an  und  blieb  in  beschauliche  Betrachtung  versunken.
Da  gingen  die  Mädchen  enttäuscht  zu  ihrem  Vater  zurück.
Überblickt  man  nun  diese  verschiedenen  Versuchungsgeschichten,  so
tritt  die  Ähnlichkeit  mit  der  Versuchungsgeschichte  Jesu  hervor,  aber
auch  der  Unterschied.  Als  gemeinsam  bleibt  das  Anerbieten  der  Weltherrschaft ­
  und  die  Aufforderung  zum  Essen.  Alles  andere,  der
buddhistischen  Fassung  eigene,  fehlt  der  biblischen  Erzählung.  Ist
nun  Entlehnung  anzunehmen?  Sehdel  bejaht  diese  Frage  unbedingt, ­
  und  die  Versuchungsgeschichte  ist  einer  seiner  Hauptbeweise.
Auch  van  den  Bergh,  der  noch  eine  Reihe  kleinerer,  gemeinsamer ­
  Züge  hervorhebt,  ist  geneigt,  indischen  Einfluß  anzunehmen,
namentlich  wegen  des  Anbietens  der  Weltherrschaft,  die  für  Jesus
kein  Gegenstand  der  Versuchung  sein  konnte.  Windisch  und  Olden  -
berg  dagegen  lehnen  jeden  Zusammenhang  ab  und  sehen  in  den
Geschichten  selbständige  Parallelen.  Das  scheint  auch  mir  wahrscheinlicher. ­
  Die  beiden  Züge,  in  denen  sich  die  buddhistische  und
die  christliche  Erzählung  berühren,  erklären  sich  ungezwungen  aus
der  gleichen  Lage,  in  der  sich  beide  Religionsstifter  befinden.  Beide
bereiten  sich  in  der  Einsamkeit  auf  ihren  Lehrerberuf  vor  und  beide
glauben  das  Ziel  am  besten  erreichen  zu  können  durch  Kasteiungen
und  Fasten.  Christus  lehrte:  „Mein  Reich  ist  nicht  von  dieser
Welt"  und  im  Dhammapada  heißt  es:  „Besser  als  die  Alleinherrschaft ­
  über  die  Erde,  besser  als  die  Herrschaft  über  alle  Welten,
ist  der  erste  Schritt  zur  Heiligkeit."  Beide  Religionen  kennen  ein
böses  Prinzip,  das  sie  sich  verkörpert  als  Teufel  denken.  Was  liegt
näher,  als  daß  man  dem  Hungernden  durch  den  Teufel  Nahrung
anbieten,  dem  die  Welt  Verachtenden  die  Herrschaft  über  die  Welt
antragen  läßt?  Das  ist  so  durchaus  natürlich  und  menschlich,  daß
        <pb n="36" />
        Die  Versuchungsgeschichten.

27

es  sehr  wohl  zweimal  an  verschiedenen  Orten  unabhängig  voneinander ­
  entstanden  sein  kann.  Eine  Versuchung  findet  sich  auch  im
Parsismus.  Zoroaster  hat  nach  dem  Avsstä  ähnliche  Angriffe  des
Ahriman  und  seiner  bösen  Geister  auszustehen,  wie  Buddha,  und
als  er  sie  abschlägt,  sagt  Ahriman  zu  ihm:  „Entsage  dem  guten
mazdayasnischen  Gesetze,  so  wirst  du  alle  Gnade  erhalten,  die
Yadhaghana  erhalten  hat,  der  Herr  der  Völker."  Näheres  ist
leider  darüber  nicht  bekannt.
Die  alten  buddhistischen  Texte  erzählen  dann,  daß  zu  Buddha,
als  er  unter  dem  „Baume  des  Ziegenhirten"  saß,  ein  hochmütiger
Brahmane  kam,  der  ihn  nach  den  charakteristischen  Eigenschasten
eines  Brahmanen  fragte,  die  Buddha  ihm  angab;  wie  den  Buddha ­
  der  Schlangenkönig  Mucalinda  vor  einem  sieben  Tage  dauernden ­
  Unwetter  schützte,  indem  er  sich  siebenmal  in  Windungen  um
seinen  Leib  schlang;  wie  Buddha  dann  zum  „Baume  des  Königssitzes" ­
  ging  und  dort  seine  ersten  beiden  Bekenner  gewann,  die
Kaufleute  Taxussa  (bei  den  Nördlichen  Trapnsa  und  Traxusa)
  und  Bhallika,  die  auf  Veranlassung  einer  Gottheit  sich
zu  ihm  wandten  und  ihm  Nahrung  reichten.  Diese  alten  Berichte
sind  ganz  märchenhaft  gehalten.  Nach  sieben  Tagen  ging  Buddha
zurück  zum  „Baume  des  Ziegenhirten"  und  hier  stiegen  ihm
Zweifel  auf,  ob  er  seine  Erkenntnis  der  Welt  mitteilen  solle;  er
fürchtete,  daß  sie  den  Menschen  unverständlich  sein  würde.  Die
Legende  läßt  den  Gott  Brahma»  seine  Zweifel  besiegen.  Auf  sein
Andrängen  macht  er  sich  auf,  um  zu  predigen.  Er  dachte  zuerst
an  seine  beiden  Lehrer.  Aber  eine  Gottheit  belehrte  ihn,  daß
Älära  vor  einer  Woche,  Uddaka  am  Abend  vorher  gestorben  sei.
Da  erinnerte  er  sich  an  die  fünf  Mönche,  die  früher  in  Uruvelä
bei  ihm  gewesen  waren  und  ihn  dann  verlassen  hatten.  Sie  hielten ­
  sich  damals  im  Tierpark  Rsipatana  (Pali  Isipatana)  bei
Benares  auf.  Dahin  richtete  Buddha  seine  Schritte.  Die  Mönche
wollten  anfangs  nichts  von  ihm  wissen;  allmählich  aber  wandten
sie  sich  ihm  zu  und  hörten  auf  seine  Worte.  Die  Tradition  läßt
Buddha  hier  zum  ersten  Male  predigen,  und  diese  Predigt  von
Benares,  wo  Buddha  zuerst  „das  Rad  der  Lehre  in  Bewegung
setzte",  ist  unter  den  Buddhisten  hochberühmt.  Sie  lautet  in  wörtlicher ­
  Übersetzung:  „Zwei  Extreme  gibt  es.  ihr  Mönche,  denen
nicht  frönen  darf,  wer  aus  dem  weltlichen  Leben  getreten  ist.
Welche  zwei?  Das  eine  ist  eine  Hingabe  an  den  Genuß  der  Lüste;
die  ist  niedrig,  gewöhnlich,  gemein,  unedel,  zwecklos.  Das  andere
        <pb n="37" />
        28

III.  Das  Leben  des  Buddha.

ist  eine  Hingabe  an  Selbstpeinigung;  die  ist  schmerzlich,  unedel,
zwecklos.  Ohne  in  diese  beiden  Extreme  zu  verfallen,  ihr  Mönche,
hat  der  Vollendete  einen  Mittelweg  gefunden,  der  die  Augen  öffnet,
der  den  Verstand  öffnet,  der  zur  Ruhe,  zur  Erkenntnis,  zur  Erleuchtung, ­
  zum  Nirvana  führt.  Und  was,  ihr  Mönche,  ist  dieser
Mittelweg,  den  der  Vollendete  gefunden  hat,  der  die  Augen  öffnet,
der  den  Verstand  öffnet,  der  zur  Ruhe,  zur  Erkenntnis,  zur  Erleuchtung, ­
  zum  Nirväna  führt?  Es  ist  dieser  edle,  achtgliedrige
Weg,  nämlich  rechter  Glaube,  rechtes  Sichentschließen,  rechtes
Wort,  rechte  Tat,  rechtes  Leben,  rechtes  Sichbemühen,  rechtes  Gedenken, ­
  rechtes  Sichversenken.  Das,  ihr  Mönche,  ist  der  Mittelweg,
den  der  Vollendete  gefunden  hat,  der  die  Augen  öffnet,  der  den
Verstand  öffnet,  der  zur  Ruhe,  zur  Erkenntnis,  zur  Erleuchtung,
zum  Nirväna  führt.  Dies,  ihr  Mönche,  ist  die  edle  Wahrheit  vom
Leiden:  Geburt  ist  Leiden,  Alter  ist  Leiden,  Krankheit  ist  Leiden,
Tod  ist  Leiden,  Vereinigung  mit  Unliebem  ist  Leiden,  Trennung
von  Liebem  ist  Leiden,  Gewünschtes  nicht  erlangen  ist  Leiden,  kurz,
die  fünf  Elemente,  die  das  Haften  am  Dasein  bewirken,  sind
Leiden.  Dies,  ihr  Mönche,  ist  die  edle  Wahrheit  von  der  Entstehung ­
  des  Leidens:  Es  ist  dieser  Durst,  der  die  Wiedergeburt
bewirkt,  der  von  Freude  und  Verlangen  begleitet  ist,  der  hier  und
dort  seine  Freude  findet,  wie  der  Durst  nach  Lüsten,  der  Durst
nach  (ewigem)  Leben,  der  Durst  nach  (ewigem)  Tode.  Dies,  ihr
Mönche,  ist  die  edle  Wahrheit  von  der  Aufhebung  des  Leidens:
Es  ist  das  völlige  Freisein  von  diesem  Durst,  sein  Aufgeben,
Fahrenlassen,  Ablegen,  Verbannen.  Dies,  ihr  Mönche,  ist  die  edle
Wahrheit  von  dem  Wege,  der  zur  Aufhebung  des  Leidens  führt:
Es  ist  dieser  edle,  achtgliedrige  Weg,  nämlich:  rechter  Glaube,
rechtes  Sichentschließen,  rechtes  Wort,  rechte  Tat,  rechtes  Leben,
rechtes  Sichbemühen,  rechtes  Gedenken,  rechtes  Sichversenken.  „Das
ist  die  edle  Wahrheit  vom  Leiden",  so,  ihr  Mönche,  ging  mir
über  diese  Begriffe,  von  denen  man  vorher  nichts  gehört  hatte,
das  Auge  auf.  ging  mir  der  Verstand  auf,  ging  mir  die  Einsicht ­
  auf,  ging  mir  das  Wissen  auf,  ging  mir  der  Blick  auf.
„Diese  edle  Wahrheit  vom  Leiden  muß  man  verstehen",  so,  ihr
Mönche,  ging  mir  über  diese  Begriffe  usw.  (wie  vorher).  „Diese
edle  Wahrheit  vom  Leiden  habe  ich  verstanden",  so,  ihr  Mönche,
ging  mir  über  diese  Begriffe  usw.  (wie  vorher).  (Über  die  drei
andern  edlen  Wahrheiten  wird  nun  mit  den  gebotenen  Veränderungen ­
  genau  dasselbe  gesagt).  Und  so  lange  ich,  ihr  Mönche,
        <pb n="38" />
        Die  Predigt  von  Benares.

29

die  dreifach  geteilte,  zwölffache  *),  wahrhaftige  Erkenntnis  und  Einsicht ­
  in  diese  vier  edlen  Wahrheiten  nicht  ganz  klar  besaß,  da
wußte  ich  noch  nicht,  ihr  Mönche,  daß  ich  die  höchste  vollständige
Erkenntnis  erlangt  hatte  in  der  Welt  der  Götter,  des  Nara,  des
Brahman,  unter  den  Wesen,  einschließlich  Asketen  und  Brahmanen,
Götter  und  Menschen.  Und  seitdem  ich,  ihr  Mönche,  die  dreifach
geteilte,  zwölffache,  wahrhaftige  Erkenntnis  und  Einsicht  in  diese
vier  edlen  Wahrheiten  ganz  klar  besitze,  seitdem  weiß  ich,  ihr
Mönche,  daß  ich  die  höchste  vollständige  Erkenntnis  erlangt  habe
in  der  Welt  der  Götter,  des  Llara,  des  Brahman,  unter  den  Wesen,
einschließlich  Asketen  und  Brahmanen,  Götter  und  Menschen.  Und
mir  ging  die  Erkenntnis  und  Einsicht  auf:  Unerschütterlich  ist  die
Erlösung  meines  Herzens:  das  ist  meine  letzte  Geburt;  es  gibt
keine  Wiedergeburt  mehr  (für  mich)".
Daß  die  Tradition  die  Predigt  von  Benares  dem  Wortlaute  und
Inhalte  nach  getreu  wiedergegeben  hat,  können  wir  daraus  schließen,
daß  die  nördliche  Überlieferung  im  Nabävastu  und  Lalitavistara
mit  der  südlichen  im  Pali-Kanon  fast  genau  übereinstimmt.  Die
Predigt  führt  uns  gleich  mitten  hinein  in  die  Gedankenwelt  Buddhas
und  zeigt  uns,  worauf  er  das  Hauptgewicht  legte:  auf  die  Erlösung
vom  Leiden  und  damit  die  Vernichtung  der  Wiedergeburt.  Sie  zeigt
uns  auch  die  scholastische  und  umständliche  Art,  in  der  Buddha  zu
den  Mönchen  sprach  und  verrät  deutlich  den  Einfluß  seiner  Lehrer
in  der  pedantischen,  zahlenmäßigen  Aufzählung  des  „achtgliedrigen
Weges",  der  „fünf  Elemente",  der  „dreifach  geteilten,  zwölffachen
Erkenntnis".  Das  war  eine  Haupteigentümlichkeit  der  Sämkhyaphilosophie,
  nach  der  sie  ihren  Namen  Sämkhja,  „die  aufzählende
Philosophie"  (von  (samkhyä,  „Zahl"),  bekommen  hat.
Die  fünf  Mönche  wurden  seine  ersten  Jünger.  Sie  sind  bei
den  südlichen  Buddhisten  unter  dem  Namen  der  Pancavaggiyä,
„die  Gruppe  der  fünf  bildend",  bei  den  nördlichen  als  Bhadravargiyas,
  „die  schöne  Gruppe  bildend",  berühmt.  Der  erste  Laie,
der  sich  nach  ihnen  zur  Lehre  Buddhas  bekannte,  war  ein  junger
Mann,  Yasas,  der  Sohn  eines  reichen  Gildemeisters.  Seine
Eltern,  seine  Frau  und  zahlreiche  Freunde  folgten  seinem  Beispiel,
so  daß  die  Gemeinde  schnell  auf  sechzig  Mitglieder  wuchs.  Buddha ­
  sandte  sofort  Jünger  auf  die  Wanderschaft,  um  die  Lehre  zu
1)  Die  drei  Teile  oder  Stufen  der  Erkenntnis  bei  jeder  der  vier  Wahrheiten, ­
  zusammen  also  zwölf,  sind:  „das  ist  die  edle  Wahrheit",  „diese  edle
Wahrheit  muß  man  verstehen",  „diese  edle  Wahrheit  habe  ich  verstanden."
        <pb n="39" />
        30

III.  Das  Leben  des  Buddha.

verkündigen,  und  zwar  mit  den  stehenden  Worten:  „Zieht  aus,
ihr  Jünger,  und  wandert,  zum  Heile  für  viele  Menschen,  aus  Erbarmen ­
  für  die  Welt,  zum  Segen,  zum  Heile,  zur  Freude  für
Götter  und  Menschen."  Er  wies  sie  an,  nie  zu  zweien  denselben
Weg  zu  gehen,  damit  die  Lehre  desto  schneller  verbreitet  werde.
Von  Anfang  an  hat  sich  der  Buddhismus  als  missionierende  Religion ­
  erwiesen,  und  diesem  Umstande  hat  er  seine  schnelle  Ausbreitung ­
  vor  allem  zu  danken.  Buddha  selbst  ging  nach  Umvelä,
wo  er  tausend  Brahmanen  bekehrte,  an  deren  Spitze  drei  Brüder
aus  der  Familie  der  Kasyapas  (Pali  Kassapa)  standen.  Der  Bekehrung ­
  lassen  schon  die  alten  Texte  große  Wunder,  und  zwar
3  500,  vorausgehen,  die  Buddha  verrichtet.  Vor  seinen  tausend
Mönchen  hielt  Buddha  dann  auf  dem  Berge  Gayasirsa  (Pali
Gayäsisa)  eine  zweite  Predigt,  die  man  „die  buddhistische  Bergpredigt" ­
  genannt  hat.  Sie  hat  außer  dem  Orte  nichts  mit  der
Bergpredigt  Jesu  gemein,  ist  aber,  wie  die  Predigt  von  Benares,
für  Buddhas  Ausdrucksweise  und  Endziel  sehr  charakteristisch.  Sie
lautet:  „Alles,  ihr  Mönche,  steht  in  Flammen.  Und  was  alles,  ihr
Mönche,  steht  in  Flammen?  Das  Auge,  ihr  Mönche,  steht  in
Flammen;  die  wahrnehmbaren  Dinge  stehen  in  Flammen;  die
geistigen  Eindrücke,  die  das  Auge  hervorruft,  stehen  in  Flammen;
die  körperliche  Berührung,  die  das  Auge  hervorruft,  steht  in  Flammen; ­
  die  daraus  entstehende  Empfindung  steht  in  Flammen,  mag
sie  angenehm  oder  schmerzlich,  oder  weder  angenehm  noch  schmerzlich
sein,  sie  steht  in  Flammen.  Und  durch  welches  Feuer  ist  alles  entflammt? ­
  Wahrlich,  ich  sage  euch:  durch  das  Feuer  der  Lust,  das
Feuer  des  Hasses,  das  Feuer  der  Unwissenheit,  durch  Geburt,  Alter,
Tod,  Kummer,  Jammer,  Schmerz,  Traurigkeit,  Verzweiflung  ist
es  entflammt.  Das  Ohr,  ihr  Mönche,  steht  in  Flammen  und  die
Töne,  die  Nase  und  die  Gerüche,  die  Zunge  und  die  Geschmäcke,
der  Leib  und  die  Berührungen,  der  Geist  und  die  Eindrücke  stehen
in  Flammen.  (Im  Original  wird  von  allen  hier  genannten  Körperteilen ­
  und  dem  Geist  genau  dasselbe  ausgesagt,  wie  vom  Auge.)
..  .  Wenn  ein  Hörer,  ihr  Mönche,  der  in  der  Schrift  erfahren  ist
und  auf  dem  edlen  Pfade  wandelt,  dies  erwägt,  so  wird  er  des
Auges  überdrüssig,  der  sichtbaren  Dinge  überdrüssig,  der  geistigen
und  leiblichen  Eindrücke  überdrüssig,  der  daraus  entstehenden
Empfindung  überdrüssig,  mag  sie  angenehm  oder  schmerzlich,  oder
weder  angenehm  noch  schmerzlich  sein.  (Im  Original  wird  dasselbe ­
  von  Ohr,  Nase,  Zunge,  Leib,  Geist  wiederholt.)  Wenn  er
        <pb n="40" />
        Die  buddhistische  Bergpredigt.

31

ihrer  überdrüssig  ist,  wird  er  von  der  Leidenschaft  befreit  und  durch
Befreiung  von  der  Leidenschaft  wird  er  erlöst.  Wenn  er  erlöst  ist,
so  erkennt  er,  daß  er  erlöst  ist,  und  es  wird  ihm  klar,  daß  die
Wiedergeburt  zu  Ende,  die  Heiligung  vollendet  ist,  daß  er  seine  Pflicht
getan,  und  daß  es  für  ihn  keine  Rückkehr  zu  dieser  Welt  mehr  gibt."
Von  Uruvela  zog  Buddha  nach  Eäjagrha.  Die  jüngeren  Texte
hatten  ihn  schon  einmal  dahin  ziehen  lassen,  bald  nachdem  er  zuerst
das  geistliche  Gewand  angelegt  hatte.  Seine  ungewöhnliche  Erscheinung ­
  hatte  damals  schon  die  Aufmerksamkeit  des  Königs  Biwbisära
  erregt,  der  Buddha  alles  anbot,  worüber  er  verfügte,  nach  den
nördlichen  Quellen  sogar  die  Hälfte  seines  Königreichs.  Aber  Buddha
hatte  alles  abgelehnt,  dagegen  dem  Könige  versprochen,  daß  er  sein
Reich  zuerst  besuchen  werde,  wenn  er  Buddha  geworden  sei.  Der  in
den  alten  Texten  geschilderte  Besuch  wäre  danach  die  Einlösung  eines
früher  gegebenen  Versprechens.  Bimdisära  bekehrte  sich  mit  einer
großen  Zahl  seiner  Untertanen  zu  Buddha  und  blieb  während  seines
ganzen  Lebens  ein  treuer  Freund  und  Beschützer  Buddhas.  Er  lud
damals  Buddha  für  den  nächsten  Tag  zum  Mittagessen  ein,  worein
dieser  durch  Schweigen  willigte.  Bei  dem  Essen  setzte  Bimbisära  ihm
die  feinsten  Gerichte  vor  und  bediente  ihn  selbst.  Am  Ende  der  Mahlzeit ­
  machte  er  ihm  einen  großen  Park,  das  Yeluvana,  „Schilfrohrhain", ­
  zum  Geschenk,  das  der  Meister  annahm.  Dort  pflegte  Buddha
sich  fortan  aufzuhalten,  wenn  er  nach  Eäjagrha  kam,  und  dort  haben
sich  daher  viele  Ereignisse  in  seinem  Leben  abgespielt.
In  Eäjagrha  gewann  sich  Buddha  damals  auch  die  beidenJünger,
die  später  nächst  ihm  selbst  die  erste  Rolle  in  der  Gemeinde  spielen
sollten,  8ariputra  (Pali  Läriputta)  und  Maudgalyäyana
(Pali  Moggalläna).  Beide  waren  Schüler  des  Bettelmönches
Samjaya  und  eng  befreundet.  Sie  hatten  sich  das  Versprechen
gegeben,  daß,  wer  zuerst  die  Erlösung  vom  Tode  erlange,  dies
dem  andern  sagen  solle.  Einst  sah  Kärixutra  einen  Jünger  des
Buddha,  den  A  s  v  a  j  i  t  (^ati  A  s  s  a  j  i;  Bei  ben  nördlichen  A  s  v  ak  i  n),
einen  aus  der  Gruppe  der  fünf,  durch  die  Straßen  von  Eäjagrha
wandern.  Sein  Wesen  imponierte  ihm  so,  daß  er  ihn  nach  seinem
Meister  und  dessen  Lehre  fragte.  Asvajit  erklärte  ihm,  er  sei  noch
ein  Neuling  und  könne  ihm  die  Lehre  nicht  in  vollem  Umfange
mitteilen,  sondern  nur  ihren  kurzen  Sinn.  Lärixutra  ist  damit
zufrieden,  und  Asvajit  spricht  die  berühmten  Worte:  „Die  Daseinsformen, ­
  die  eine  Ursache  haben,  deren  Ursache  hat  der  Vollendete
verkündet,  und  was  ihre  Vernichtung  ist.  So  lehrt  der  große  Asket."
        <pb n="41" />
        32

III.  Das  Leben  des  Buddha.

Säriputra  verstand  sofort  den  Sinn.  Es  ging  ihm  der  reine,
fleckenlose  Blick  des  Gesetzes  auf,  und  er  erkannte:  „Alles,  was  dem
Entstehen  unterworfen  ist,  ist  auch  dem  Vergehen  unterworfen,"
und  er  sagte  zu  Asvajit;  „Wenn  die  Lehre  auch  nichts  weiter  ist
als  dies,  so  hast  du  die  Stätte  erreicht,  wo  es  kein  Leid  gibt,  die
seit  vielen  Myriaden  von  Weltaltern  unsichtbar  und  verschwunden
war."  Er  ging  zu  Uauägalyäyaua,  und  auch  dieser  erfaßte  sofort ­
  den  tiefen  Inhalt  der  Worte.  Vergeblich  versuchte  ihr  Lehrer
Samjaya  sie  zu  halten.  Sie  gingen  mit  vielen  andern  ihrer  Mitschüler ­
  zu  Buddha,  der  sofort,  wie  er  ihrer  ansichtig  wird,  erklärt, ­
  daß  sie  sein  erstes  und  bestes  Jüngerpaar  werden  würden.
Samjaya  aber  bekam  vor  Ärger  einen  Blutsturz.
Die  Worte,  die  Asvajit  dem  Säriputra  als  Kern  der  Lehre  des
Buddha  mitteilt,  sind  bis  auf  den  heutigeu  Tag  das  Credo  der
Buddhisten  des  Südens  und  Nordens,  wo  sie  im  Wortlaut  zuweilen ­
  unbedeutend  schwanken.  Sie  finden  sich  oft  in  Büchern  und
auf  Inschriften.  Ihr  Sinn  ist:  Der  Vollendete  (so  übersetzt  man
gewöhnlich  das  Wort  Tathägata,  mit  dem  der  Buddha  selbst
sich  gern  bezeichnet)  hat  erkannt,  was  die  Ursachen  der  Daseinsformen, ­
  d.  h.  aller  Wiedergeburten,  sind  und  wie  sie  vernichtet
werden  können.  Das  ist  in  der  Tat  der  Kern  der  Lehre  Buddhas.
Es  wird  in  den  alten  Texten  weiter  erzählt,  daß  damals  sehr
viele  edle  und  angesehene  Jünglinge  sich  Buddha  anschlossen  und
in  den  geistlichen  Stand  traten.  Da  wurde  das  Volk  unwillig
und  beschuldigte  Buddha,  er  sei  gekommen,  um  Kinderlosigkeit,
Witwentum  und  Untergang  der  edlen  Geschlechter  zu  bringen.
Wenn  das  Volk  buddhistische  Mönche  sah,  schalt  es  sie  und  rief
ihnen  den  Vers  zu:  „Gekommen  ist  der  große  Asket  nach  Girivraja,
  der  Stadt  der  Magadher;  alle  Schüler  des  Samjaya  hat  er
bekehrt;  wen  wird  er  wohl  heut  bekehren?"  Als  die  Jünger  dies
Buddha  meldeten,  beruhigte  er  sie.  In  sieben  Tagen  werde  das
Gerede  verstummen,  wenn  sie  auf  den  Vers  mit  einem  andern
Verse  antworteten:  „Die  großen  Helden,  die  Vollendeten,  bekehren
durch  ihre  treffliche  Lehre.  Wer  will  den  Kundigen  zürnen,  wenn
sie  durch  ihre  Lehre  bekehren?"  In  der  Tat  beruhigte  sich  das
Volk  auf  diese  Worte  hin.  In  dieser  Erzählung  dürfen  wir  wohl
einen  historischen  Vorgang  sehen.  Die  Verse  machen  einen  volkstümlichen ­
  Eindruck.
Damit  bricht  leider  die  alte  Tradition  vom  Leben  Buddhas
ab,  um  erst  wieder  kurz  vor  seinem  Tode  zu  beginnen.  Die
        <pb n="42" />
        Bekehrungen.

33

jüngere  weiß  mehr  zu  berichten.  Ich  will  das  Wichtigste  hervorheben, ­
  da  manches  darunter  geschichtliche  Wahrheit  sein  kann.
Ausführlich  wird  berichtet,  wie  Buddha  auf  Wunsch  seines  Vaters
seine  Heimatstadt  Rapi1ava8tu  besuchte,  wobei  viele  Wunder  geschahen. ­
  Historisch  kann  in  der  Erzählung  sein,  daß  die  adelsstolzen ­
  Sakyas  von  ihrem  Verwandten,  der  als  Bettelmönch  auftrat, ­
  nicht  sehr  erbaut  waren.  Sie  erwiesen  ihm  anfänglich  keine
Ehre,  und  niemand  lud  ihn  zum  Mittagessen  ein.  Als  er  am
folgenden  Tage  mit  seinen  Mönchen  betteln  ging,  zeigte  sich  niemand, ­
  der  ihm  Speise  gab.  Sein  Vater  machte  ihm  die  bittersten
Vorwürfe,  daß  er  ihm  die  Schande  antäte,  als  Bettler  umherzugehen. ­
  Buddha  beruhigte  ihn  aber,  und  8uääbodaua  erreichte
schließlich  die  höchste  Stufe  der  Heiligkeit.  Damals  sah  Buddha
auch  seine  Frau  wieder,  der  er  als  Buddha  noch  besser  gefiel  wie
als  Prinz,  ebenso  seinen  Sohn  Rähula,  den  die  Mutter  schickte,
um  von  Buddha  sein  Erbteil  zu  fordern.  Buddha  ließ  den  Rähula,
der  damals  sieben  Jahre  alt  war,  durch  8arixutra  in  den  Orden
aufnehmen,  was  8näälloäaoa  sehr  mißbilligte.  Buddha  tat  dies
offenbar,  um  seinen  Sohn  um  sich  zu  haben,  eine  Schwäche  im
Sinne  seiner  Lehre,  ein  schöner  Zug  vom  rein  menschlichen  Standpunkte ­
  aus.  Ferner  nahm  Buddha  damals  seinen  Stiefbruder
Nanda  als  Mönch  auf,  sehr  zur  Betrübnis  von  dessen  Braut.
Darauf  wandte  er  sich  wieder  zurück  nach  Räjagpha.  Auf  dem
Wege  dorthin,  im  Mangohaine  von  Anüpiya,  wo  er  früher  seinen
Wagenlenker  zurückgeschickt  hatte,  erhielt  der  Überlieferung  nach
seine  Gemeinde  eine  sehr  wichtige  Vermehrung.  Dort  soll  es  gewesen ­
  sein,  daß  seine  Vettern  Auauäaund  vsvaäatta,  sowie
Auuruädlla  und  Upali  in  den  Orden  aufgenommen  wurden.
Ananda  scheint  zunächst  dem  Buddha  nur  als  Begleiter  gefolgt
zu  sein,  ohne  Mönch  zu  werden.  Die  jüngere  Tradition  sagt
ausdrücklich,  daß  er  erst  im  zwanzigsten  Jahre  der  Lehrtätigkeit
Buddhas  von  diesem  fest  angestellt  wurde,  und  das  stimmt  zu  den
alten  Texten.  In  einem  alten  Werke,  den  Tboragatliäo,  „Lieder
der  Ältesten",  sagt  Anauäa  selbst  von  sich,  daß  er  erst  25  Jahre
vor  Buddhas  Tode  die  Mönchsweihe  empfangen  habe.  Das  ist
aber  das  zwanzigste  Jahr  der  Lehrtätigkeit  Buddhas.  Aus  dieser
und  ähnlichen  Angaben  ersieht  man,  daß  der  jüngeren  Tradition
nicht  ohne  weiteres  jede  Glaubwürdigkeit  abzusprechen  ist,  da  sie
offenbar  oft  auf  ältere  Quellen  direkt  zurückgeht.  Ananäa  hat
man  den  Johannes,  Osvackatta  den  Judas  Jscharioth  des  Bud-ARuG
  109:  Pischel,  Leben  und  Lehre  des  Buddha.  S.  Aufl.  3
        <pb n="43" />
        34

III.  Das  Leben  des  Buddha.

dhismus  genannt.  Änanda  war  der  Lieblingsjünger  Buddhas.
Buddha  hatte  ihn  stets  um  sich  und  starb  in  seinen  Armen.  Die
Tradition  berichtet  von  Änanda,  daß  er  das  Meiste  gehört  und
das  Gehörte  am  besten  behalten  habe.  Er  selbst  sagt  in  ihm
zugeschriebenen  Versen:  „25  Jahre  habe  ich  dem  Herrn  gedient
mit  Liebe,  mit  Herzen,  Mund  und  Händen,  nicht  weichend  von
ihm,  wie  sein  Schatten."  Anumddha  gilt  für  den  Begründer
und  Hauptkenner  des  Abbidbarwa,  Upäli  soll  den  Hauptanteil
an  dem  Yinaya,  der  kirchlichen  Disziplin,  gehabt  haben.  Vor
seiner  Bekehrung  war  Upäli  der  Barbier  der  Läbyas,  bei  denen
er  eine  familiäre  Stellung  einnahm.  Devadatta  ist  der  Verräter
Buddhas.  Sein  Verrat  fand  erst  statt,  als  Buddha  bereits  das
siebzigste  Lebensjahr  überschritten  hatte;  doch  sei  gleich  hier  alles
Nötige  erwähnt.  Die  Nachrichten  über  ihn  sind  teilweise  reich
mit  Wundern  durchzogen  und  märchenhaft  gehalten.  Die  jüngere
Tradition  läßt  ihn  schon  auf  Buddha  neidisch  sein,  als  dieser
in  einem  Turnier  die  übrigen  Prinzen  überwand.  Neid  und  Haß
sollen  seitdem  in  seinem  Herzen  nicht  erloschen  sein.  Als  Buddha
seine  Bitte,  ihn  an  die  Spitze  der  Gemeinde  zu  stellen  und  damit ­
  zu  seinem  Nachfolger  zu  erklären,  zurückgewiesen  hatte,  kam
sein  Haß  zum  offenen  Ausbruch.  Damals  schritt  Ajätasatru
dazu,  seinen  Vater  Liinbisära  zu  entthronen.  Mit  ihm  im
Bunde  wollte  Devadatta  gleichzeitig  Buddha  umbringen.  Ajataäatru
  erreichte  auch  seinen  Zweck.  Er  warf  seinen  Vater  in
einen  Turm,  in  dem  er  ihn  hungern  und  die  Füße  mit  einem
glühenden  Eisen  brennen  ließ,  eine  Mißhandlung,  an  deren  Folgen ­
  Liinbisära  starb.  Alle  Versuche  aber,  die  Devadatta.  machte,
um  Buddha  zu  ermorden,  scheiterten,  nach  den  Quellen  natürlich
durch  die  Wunderkraft  des  Buddha.  Devadatta  hat  aber  dem
Meister  weniger  durch  seine  Verfolgungen  geschadet  als  dadurch,
daß  er  Uneinigkeit  in  die  Gemeinde  brachte.  Der  Bericht  darüber
darf  um  so  mehr  als  historisch  gelten,  als  es  nach  dem  Zeugnis
der  chinesischen  Pilger  noch  im  siebenten  Jahrhundert  nach  Chr.
faktisch  in  Indien  Mönche  gab,  die  der  Regel  des  Devadatta  folgten.
Devadatta  suchte  eine  strengere,  asketische  Richtung  zur  Geltung
zu  bringen,  indem  er  forderte,  die  Mönche  sollten  nur  im  Walde
leben  und  nie  in  ein  Dorf  gehen,  nur  von  Almosen  leben  und
jede  Einladung  ablehnen,  sich  nur  in  Lumpen  kleiden,  nur  an  den
Wurzeln  der  Bäume  ohne  schützendes  Dach  leben,  nie  Fleisch  und
Fische  essen.  Wer  dagegen  fehle,  solle  aus  der  Gemeinde  ausge ­
        <pb n="44" />
        Devadatta.

35

stoßen  werden.  Buddha  schlug  ihm  diese  Forderungen  ab.  Es
gelang  aber  Devadatta  mit  Hilfe  des  Mönches  Kokslika
500  Mönche  abtrünnig  zu  machen.  Nach  den  älteren  buddhistischen
Texten  war  sein  Erfolg  freilich  nur  von  kurzer  Dauer.  Säriputra
  und  Maudgalyäyana  gingen  ihm  nach,  und  als  Devadatta
schlief,  predigten  sie  den  Abtrünnigen  die  reine  Lehre  und  bewirkten ­
  dadurch,  daß  alle  außer  Kokälika  wieder  zu  Buddha  zurückkehrten. ­
  Als  aber  Devadatta  von  seinem  Mitschuldigen  aufgeweckt
wurde  und  erfuhr,  was  geschehen  war,  da  stürzte  ihm  ein  Strom
heißen  Blutes  aus  dem  Munde.  Nach  einer  jüngeren  Quelle  war
Devadatta  danach  neun  Monate  lang  krank  und  faßte  deshalb
den  Entschluß,  Buddha  um  Verzeihung  zu  bitten.  Seine  Schüler
trugen  ihn  in  einer  Sänfte  zu  Buddha,  der  ihn  aber  nicht  sehen
wollte,  weil  seine  Sünden  so  groß  seien,  daß  ihm  zehn,  hundert,
ja  tausend  Buddhas  nicht  helfen  könnten.  Devadatta  hatte  aber
so  große  Sehnsucht  nach  dem  Herrn,  daß  er  aus  der  Sänfte  sprang.
Ehe  er  aber  noch  den  Erdboden  berührte,  schlugen  Flammen  aus
der  tiefsten  Hölle  hervor  und  umhüllten  seinen  Leib.  In  seiner
Angst  rief  er  um  Hilfe  und  sagte  ein  Loblied  auf  Buddha  her.
Das  half  ihm  aber  nur  für  die  Zukunft.  Zunächst  fuhr  er  zur
Hölle  und  erhielt  einen  1600  Meilen  langen  glühenden  Leib.
Man  beachte,  daß  die  jüngere  Quelle  hier  ehrlicher  ist  als  die
ältere.  Nach  der  älteren  kehrten  alle  Mönche  zurück,  nach  der
jüngeren  bringen  Schüler  den  Devadatta  zu  Buddha.  Nur  das
letzte  stimmt  zu  der  Tatsache,  daß  es  noch  im  siebenten  Jahrhundert ­
  nach  Chr.  Mönche  von  der  Regel  des  Devadatta  gab.
Das  Leben  des  Buddha  verfloß  sonst  im  allgemeinen  ganz  gleichförmig. ­
  Er  zog  im  Lande  umher,  überall  seine  Lehre  verkündigend
und  Anhänger  werbend.  Das  indische  Klima  legte  ihm  aber  eine
Beschränkung  auf.  Um  die  Mitte  des  Juni  beginnt  in  Hindustan
die  Regenzeit,  die  bis  Oktober  dauert.  Der  Südwest-Monsun,  der
zuerst  die  Küste  Malabar  in  Dekhan  im  Mai  erreicht,  dringt  von
dort  allmählich  in  das  Tiefland  Indiens  vor  und  bringt  gewaltige
Gewitter  mit  starken  Regengüssen  mit  sich.  Das  ist  die  Zeit  für
die  Erfrischung  von  Mensch  und  Tier.  Die  ausgedörrte  Erde
treibt  neues  Grün;  üppig  sprießen  in  unglaublich  kurzer  Zeit  die
Kräuter  hervor;  in  Wald  und  Feld  wird  es  lebendig.  Während
aber  die  Natur  arbeitet,  muß  der  Mensch  ruhen.  Die  Erde  ist
so  aufgeweicht,  daß  es  auf  weite  Strecken  hin  unmöglich  ist  zu
gehen.  Die  Kaufleute  kehren  mit  ihren  Karawanen  nach  Hause
        <pb n="45" />
        36

III.  Das  Leben  des  Buddha.

zurück;  Handel  und  Wandel  ist  unterbrochen.  Die  indischen  Dichter
schildern  gerade  die  Regenzeit  mit  Vorliebe,  da  sie  die  getrennten
Liebenden  vereint.  So  wurde  die  Regenzeit  auch  sür  Buddha  und
seine  Jünger  eine  Zeit  der  Ruhe,  um  so  mehr,  als  der  Mönch
bei  seiner  Wanderung  auf  Schritt  und  Tritt  Keime  der  Pflanzen
und  Insekten  zertreten  und  damit  eine  schwere  Sünde  auf  sich  geladen ­
  hätte.  Buddha  war  daher  genötigt,  mit  seinen  Jüngern
alljährlich  „die  Regenzeit  zu  halten".  Man  lebte  in  Hütten  oder
geschlossenen  Hallen,  Vibarao  genannt,  in  den  Hainen,  die  der
Gemeinde  geschenkt  worden  waren,  Buddha  selbst  meist  in  der
Nähe  der  Hauptstädte,  bei  RajaMba  im  Veluvana  und  bei  Srävasti
  im  Jetavana,  „dem  Haine  des  Jeta".  Das  Jetayana  war
ein  Geschenk  des  reichsten  und  freigebigsten  unter  den  Verehrern
Buddhas,  des  bei  den  Buddhisten  hoch  gefeierten  Kaufmanns
Anäthapindika,  von  den  nördlichen  meist  Anätbapindada
genannt.  Die  Legende  erzählt,  daß  der  Prinz  Jeta  den  Hain  nicht
verkaufen  wollte,  Anätbapindika  aber  ihm  so  viel  Gold  dafür  bot,
als  nötig  wäre,  um  damit  den  ganzen  Erdboden  bis  zu  den  äußersten
Enden  des  Haines  zu  bedecken.  Die  dazu  nötige  Summe  betrug
nach  der  Nidänakathä  180  Millionen  Goldstücke,  die  der  Kaufmann ­
  erlegte.  Die  Szene  ist  abgebildet  auf  dem  großen  Stupa
von  Bharaut  und  trägt  die  Unterschrift  „Anäthapindika  schenkt
das  Jetavana,  nachdem  er  es  durch  Bedeckung  mit  Kotis 1 )
(von  Goldstücken)  gekauft  hat."  In  das  Jetavana  werden  noch
mehr  Predigten  und  Unterredungen  des  Buddha  verlegt  als  in
das  Veluvana;  es  war  vor  allem  sein  Lieblingsaufenthalt.  Weitaus ­
  die  meisten  buddhistischen  Sntras  beginnen:  „So  habe  ich  gehört. ­
  Einst  weilte  der  Herr  in  Srävasti,  im  Jetavana,  dem  Parke
des  Anäthapindika."  In  diese  Haine  strömte  das  Volk,  um  Buddhas
Predigten  zu  hören  und  um  ihn  und  die  Mönche  mit  Kleidung
und  Lebensmitteln  zu  versorgen.  Dieser  Gebrauch  des  „Regenzeithaltens" ­
  hat  sich  in  der  südlichen  Kirche  bis  auf  den  heutigen
Tag  erhalten,  obgleich  in  Ceylon  die  Bedingungen  ganz  andere
sind,  und  die  Mönche  längst  ihr  Wanderleben  aufgegeben  haben
und  beständig  in  wohlgebauten  Klöstern  wohnen.  Zur  Zeit  des
alten  „Regenzeithaltens"  verlassen  sie  ihre  Klöster  und  leben  in
Hütten,  die  die  Bauern  ihnen  errichten.  Hier  halten  sie  öffentlichen ­
  Gottesdienst  ab,  an  dem  jeder  teilnehmen  kann.  Es  ist  dies

1)  Eine  Koti  ist  —  10  Millionen.
        <pb n="46" />
        Tägliches  Leben.

37

das  große  religiöse  Fest  für  ganz  Ceylon  und  fällt  in  die  schönste
Zeit  des  Jahres.  Die  Bauern  erbauen  unter  Palmen  einen  überdachten, ­
  aber  an  allen  Seiten  offenen  Altan,  der  mit  hellen  Tüchern
und  Blumen  geschmückt  wird.  Um  ihn  sitzen  sie  in  ihren  besten
Kleidern,  Betel  kauend,  die  ganze  helle  Mondscheinnacht  hindurch
und  lauschen  den  Erzählungen  von  Buddha  und  seiner  Kirche,
die  ihnen  die  Mönche  vortragen.  Besonders  werden  Geschichten
aus  dem  llataüabuche,  den  Vorgeburtslegenden  Buddhas,  erzählt.
Über  dem  Ganzen  schwebt  der  Geist  der  Ruhe  und  des  Friedens,
und  in  diesen  Tagen  erweist  sich  der  Buddhismus  als  eine  Religion
für  Herz  und  Gemüt.
Das  Publikum,  das  zu  Buddha  kam,  war  natürlich  ein  sehr
gemischtes.  Buddha  nahm  Einladungen  zum  Mahl  bei  den  Ärmsten ­
  und  Geringsten  ebenso  an,  wie  bei  Reichen  und  Fürsten.  Es
ist  schon  erwähnt  worden,  daß  sich  in  Vaisali  die  jungen  Licchavis
mit  der  Hetäre  Ambapäli  um  die  Ehre  der  Einladung  stritten,
und  daß  die  Hetäre  siegte.  Diese  Einladungen  unterbrachen  allein
die  Einförmigkeit  des  Lebens.  Fehlten  sie,  so  ging  Buddha,  wie
der  geringste  Mönch,  mit  seiner  Schale  von  Haus  zu  Haus  und
wartete  mit  gesenktem  Blick  und  schweigend,  bis  ihm  jemand  die
Schale  füllte.  Der  Morgen  wurde  in  geistlichen  Übungen  verbracht;
nach  dem  Bettelgange  folgte  die  Mittagsruhe;  abends  kamen  die
Laien  zum  Vibära,  und  Buddha  spendete  ihnen  bis  spät  in  die
Nacht  Trost  und  Belehrung.  Was  die  jüngeren  Quellen  über  die
einzelnen  Lebensjahre  Buddhas  berichten,  sind  meist  Bekehrungsgeschichten. ­
  Im  fünften  Jahre  seiner  Lehrtätigkeit  soll  sein  Vater
Suddhodana,  97  Jahre  alt,  gestorben  sein.  Der  Tod  hatte  sehr
wichtige  Folgen.  Buddhas  Stiefmutter  Naliäprajäpati  war  über
den  Tod  ihres  Gemahls  untröstlich.  Sie  ging  zu  Buddha  und
bat  ihn,  er  möge  auch  den  Frauen  gestatten,  Mitglieder  des  Ordens
zu  werden.  Buddha  schlug  ihr  die  Bitte  dreimal  ab.  Aber  Mahäprajäpati
  gab  nicht  nach.  Sie  ließ  sich  zusammen  mit  500  anderen ­
  Frauen  aus  der  Familie  der  Säkyas  die  Haare  schneiden
und  machte  sich  zu  Fuß  auf  die  Reise  nach  Vaisäli,  dem  Meister
nach.  Bestaubt  und  mit  geschwollenen  Füßen  stand  sie  weinend
an  der  Tür  des  Zimmers  Buddhas,  als  Luanda  sie  sah.  Auf
ihre  Bitte  trug  er  Buddha  ihr  Anliegen  vor.  Doch  Buddha  schlug
es  auch  diesmal  ab.  Luanda  schwieg  zunächst.  Aber  bei  gegebener
Gelegenheit  erinnerte  er  Buddha  an  alle  Wohltaten,  die  er  von
Mahäprajapati  erfahren,  und  es  gelang  ihm  auch  wirklich,  Buddha
        <pb n="47" />
        38

III.  Das  Leben  des  Buddha.

zu  überreden.  Aber  Buddha  stellte  acht  später  näher  zu  besprechende ­
  Bedingungen,  denen  jede  Frau  sich  unterwerfen  müsse.
Nabäprajäxati  und  ihre  Begleiterinnen  taten  dies  mit  Freuden.
Damit  war  der  Nonnenorden  gegründet.  Buddha  verhehlte  sich
aber  nicht,  daß  er  schwach  gewesen  sei  und  einen  Schritt  getan
habe,  der  der  Kirche  nicht  zum  Heile  gereichen  werde.  Er  prophezeite, ­
  wie  erwähnt  (S.  1),  daß  seine  Lehre  statt  1000,  jetzt  nur
500  Jahre  bestehen  werde.  Dies  hängt  zusammen  mit  der  geringen ­
  Meinung,  die  Buddha,  ebenso  wie  sein  Konkurrent  Mahävira,
  von  den  Frauen  hatte.  Die  buddhistischen  Schriften  sind
voll  von  abschätzigen  Urteilen  über  die  Frauen  und  von  Warnungen
vor  ihnen.  Die  Frauen  werden  als  „die  vollständige  Fessel  Näras"
bezeichnet;  es  heißt  von  ihnen:  „Wenn  sie  eine  günstige  Gelegenheit ­
  oder  einen  heimlichen  Ort  oder  einen  passenden  Verführer
fänden,  so  würden  alle  Frauen  sündigen,  sogar  mit  einem  Krüppel,
wenn  sie  keinen  andern  finden."  Oder:  „Alle  Flüsse  gehen  in
Krümmungen,  alle  Wälder  bestehen  aus  Holz;  alle  Frauen  würden
sündigen,  wenn  sie  es  ungestraft  tun  könnten."  Sie  werden  als
das  größte  Hindernis  für  die  Erreichung  des  Mrväna  bezeichnet,
und  die  Gläubigen  werden  ermahnt,  sich  nicht  durch  das  schöne
Äußere  blenden  zu  lassen.  Besonders  die  Mönche  werden  vor  ihnen
gewarnt:  „O  Mönche,  seht  die  Weiber  nicht  an!  Begegnet  ihr  einem
Weibe,  so  seht  es  nicht  an,  habt  acht  und  sprecht  nicht  mit  ihm.  Sprecht
ihr  mit  ihm,  so  denkt:  ,ich  bin  ein  Mönch;  ich  muß  in  der  verderbten ­
  Welt  leben  wie  ein  vom  Schlamme  nicht  besteckter  Lotos'.
Eine  alte  Frau  müßt  ihr  als  eure  Mutter,  eine  euch  nur  wenig
an  Alter  überlegene  als  ältere  Schwester,  eine  jüngere  als  jüngere
Schwester  betrachten."  Das  Zusammensein  und  Sprechen  mit  Frauen
konnten  die  Mönche  um  so  weniger  vermeiden,  als  es  meist  Frauen
waren,  die  ihnen  den  Betteltopf  mit  Nahrung  füllten.  Buddha
hatte  alle  Vorsichtsmaßregeln  getroffen.  Dem  Mönche  war  es  vorgeschrieben ­
  in  das  Haus  zu  treten,  mit  dem  Obergcwande  umhüllt,
den  Blick  gesenkt.  Er  durfte  nicht  lange  verweilen.  Schweigend
soll  er  warten,  ob  ihm  etwas  gegeben  wird;  geschieht  es,  so  soll
er  den  Topf  hinreichen  und,  ohne  der  Geberin  ins  Gesicht  zu  sehen,
empfangen,  was  sie  ihm  gibt.  Dann  umhüllt  er  den  Topf  mit
dem  Obergewand  und  entfernt  sich  langsam  und  schweigend.  Buddha
hatte  aber  vergessen,  daß,  wenn  auch  der  Mönch  den  Blick  senkt
und  schweigt,  dies  die  Frau  nicht  zu  tun  Pflegt.  So  traten  Versuchungen ­
  oft  an  die  Mönche  heran.  Einst,  so  wird  erzählt,  betrat
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        Buddha  und  die  Frauen.

39

ein  junger,  auffallend  schöner  Mönch  das  Haus  eines  Kaufmanns
und  wurde  von  dessen  junger  Frau  erblickt,  die  sich  in  seine  schönen
Augen  verliebte.  Sie  sprach  zu  ihm:  „Weshalb  hast  du  dieses
häßliche  Gelübde  auf  dich  genommen?  Glücklich  ist  die  Frau,  die
mit  solchen  Augen  angesehen  wird,  wie  du  sie  hast."  Da  riß  der
Mönch  sich  ein  Auge  aus,  nahm  es  in  die  Hand  und  sprach
zu  ihr:  „Mutter,  sieh,  so  ist  es,  ein  häßliches,  blutiges  Stück  Fleisch;
nimm  es,  wenn  es  dir  beliebt.  Ebenso  ist  auch  das  zweite.  Sage,
was  ist  daran  schön?"  Eine  ähnliche  Geschichte  wird  von  der  Nonne
8nbbü  erzählt,  der  ein  Mann  im  Walde  Liebesanträge  machte.
Als  sie  Buddha  ansah,  erstand  ihr  das  ausgerissene  Auge  in  alter
Schönheit  wieder.  Oft  genug  sind  aber  die  Mönche  auch  den  Versuchungen ­
  unterlegen,  wie  dies  die  Texte  zugestehen.  Buddha  selbst
wurde  zweimal  von  jungen  Nonnen  feindlicher  Sekten  auf  Anstiften ­
  derselben  verleumdet.  Seine  Unschuld  kam  aber  glänzend
an  den  Tag.
Wie  neben  den  Mönchen  die  Laienbrüder  (Up  äs  aka),  so  standen
neben  den  Nonnen  die  Laienschwestern  (Upäsikä).  Unter  ihnen
ragt  hervor  „die  große  Laienschwester"  Visakba.  Sie  war  die
Tochter  eines  sehr  reichen  Mannes  in  Ayodhyä  (heute  Oudh)  und
heiratete  nach  8rävasti  den  Sohn  eines  Ministers  des  Königs  Ürasonajit.
  Nicht  weit  von  Srävasti  ließ  sie  mit  enormen  Kosten  für
die  buddhistische  Geistlichkeit  ein  Prachtgebäude  aufführen,  den  Püryäräma
  (Pali  Pubbarama),  „Östlicher  Garten",  der  oft  genannt ­
  wird.  Sie  war  reich  mit  Kindern  und  Enkeln  gesegnet  und
in  8räva8ti  hoch  angesehen.  Während  ihres  Lebens  lieferte  sie  der
Gemeinde  acht  Dinge:  Regenmäntel,  den  Nonnen  Bademäntel,  seit
sie  einmal  gesehen  hatte,  daß  junge  Nonnen,  die  zusammen  mit
Hetären  nackt  badeten,  von  diesen  verhöhnt  wurden,  den  fremden,
ankommenden  Mönchen  Nahrung,  ebenso  den  durchreisenden,  den
kranken  Brüdern  und  den  Krankenpflegern;  ferner  reichte  sie  den
Kranken  Arznei  und  verteilte  täglich  Spenden  von  Reisbrei.  Visäkhä
ist  das  weibliche  Gegenstück  zu  Anäthapindika.
Im  neunten  Jahre  der  Lehrtätigkeit  Buddhas  brach  in  der  Gemeinde ­
  ein  ernstlicher  Zwiespalt  aus.  Als  der  Meister  in  Kausämbi
  weilte,  machte  sich  einer  der  Mönche  einer  Übertretung  schuldig. ­
  Die  Regel  verlangte,  daß  der  Schuldige  sein  Vergehen  öffentlich ­
  bekannte.  Als  der  Mönch  sich  weigerte,  wurde  er  von  der
Gegenpartei  in  den  Bann  getan.  Da  er  aber  beliebt  war,  fand
er  bald  zahlreiche  Anhänger,  die  ihn  für  unschuldig  erklärten
        <pb n="49" />
        40

III.  Das  Leben  des  Buddha.

und  die  Aufhebung  des  Bannes  verlangten.  Vergebens  suchte
Buddha  den  Streit  zu  schlichten.  Die  beiden  Parteien  höhnten
und  schimpften,  ja  prügelten  einander,  so  daß  die  Laien  daran  Anstoß ­
  nahmen.  Einer  der  Mönche  war  sogar  so  unverschämt,  zu
Buddha  zu  sagen:  „Geh  doch  fort,  du  erhabener  Herr  und  Lehrmeister; ­
  überlasse  dich,  erhabener  Herr,  frei  von  Sorgen,  aufmerksam ­
  deinen  Betrachtungen  über  die  Lehre;  wir  werden  mit  unserem
Zank,  Streit,  Gezänk  und  Hader  schon  gut  vorwärts  kommen".
Buddha  bezwang  sich,  stand  auf  und  ging  fort.  Am  folgenden  Tage
berief  er,  als  er  von  seinem  Bettelgange  zurückkam,  eine  Versammlung ­
  der  Mönche  und  rezitierte,  in  ihrer  Mitte  stehend,  eine  Anzahl ­
  Verse:  die  z.  T.  jetzt  im  Dhammapada  stehen.  Er  begann
mit  dem  Verse:  „Laut  ist  der  Lärm,  den  gewöhnliche  Menschen
machen.  Niemand  hält  sich  für  einen  Toren,  wenn  in  der  Kirche
ein  Zwiespalt  entsteht,  noch  hält  er  jemanden  für  höher  als  sich
selbst",  und  er  endete:  „Findet  man  keinen  klugen  Freund,  keinen
Gefährten,  der  recht  lebt,  keinen  beständigen,  so  soll  man  allein
wandeln,  wie  ein  König,  der  sein  verlorenes  Reich  verläßt,  wie
ein  Elefant  im  Elefantenwalde.  Es  ist  besser,  allein  zu  wandeln;
mit  einem  Toren  gibt  es  keine  Gemeinschaft.  Man  wandle  allein,
tue  keine  Sünde,  frei  von  Sorgen,  wie  ein  Elefant  im  Elefantenwalde." ­
  Darauf  verließ  er  die  Mönche  und  nach  kurzer  Rast  unterwegs ­
  bei  treuen  Jüngern,  deren  Liebe  ihn  tröstete,  zog  er  nach
Päriloyyaüa,  wo  er  sich  nach  den  unruhigen  Tagen  von  Kausambi
  in  einer  einsamen  Grotte  der  Ruhe  erfreute.  Der  Legende
nach  kam  dort  ein  Elefant  zu  ihm,  der  sich  von  seiner  Herde  getrennt ­
  hatte,  und  bediente  ihn.  In  der  Einsamkeit  brachte  er  die
zehnte  Regenzeit  zu  und  wanderte  dann  nach  dem  Jetavana.  Inzwischen ­
  waren  die  aufrührerischen  Mönche  in  Xauäärubi  von  den
Laien  zur  Ruhe  gebracht  worden,  indem  sie  ihnen  nichts  zu  essen
gaben  und  ihnen  keine  Ehrerbietung  bewiesen.  Sie  baten  Buddha
um  Verzeihung,  die  er  ihnen  gewährte,  nachdem  er  den  Schuldigen
eine  Buße  auferlegt  hatte.  Das  Ereignis,  das  im  wesentlichen
historisch  sein  wird,  zeigt,  daß  schon  bei  Lebzeiten  Buddhas  vor
Devadattas  Abfall  Uneinigkeit  in  der  Gemeinde  herrschte.  Nach
seinem  Tode  traten  die  Unzufriedenen  noch  offener  hervor.  Es  wird
überliefert,  daß  Mahäkäsyapa  die  Nachricht  von  dem  Tode  des  Herrn
nach  einer  Woche  von  einem  Mitgliede  der  Sekte  der^jivika,8  sS.67)
erhielt,  als  er  mit  seinen  500  Mönchen  sich  von  Pävä  nach  Kusinagara
  begab.  Einige  von  den  Mönchen,  die  noch  nicht  frei  von
        <pb n="50" />
        Zwiespalt  in  der  Gemeinde.

41

Leidenschaft  waren,  hoben  die  Arme  empor  und  weinten  laut,  warfen
sich  auf  die  Erde,  wälzten  sich  hin  und  her  und  riefen:  „Zn  früh
ist  der  Heilige  gestorben,  zu  früh  ist  der  Vollendete  gestorben,  zu
früh  ist  das  Licht  in  der  Welt  erloschen!"  Andere  aber,  die  frei
von  Leidenschaft  waren,  sagten  gefaßt:  „Alles,  was  geworden,  geht
zugrunde;  wie  wäre  es  anders  möglich."  Unter  den  Mönchen  des
Mahäkasyapa  befand  sich  auch  ein  gewisser  Lubbadra,  der  erst  in
hohem  Alter  Mönch  geworden  war  und  nicht  verwechselt  werden
darf  mit  dem  gleichnamigen  „letzten  persönlichen  Jünger  des  Herrn"
(S.  43).  Dieser  Sudbadra  sprach  zu  den  Mönchen:  „Hört  ans,
ihr  Brüder,  mit  Klagen  und  Jammern!  Wir  sind  den  großen  Asketen ­
  glücklich  losgeworden.  Er  quälte  uns,  indem  er  sagte:  ,Das
schickt  sich  für  euch,  das  schickt  sich  für  euch  nicht'.  Jetzt  werden
wir  tun,  was  uns  beliebt,  und  was  uns  nicht  beliebt,  das  werden
wir  nicht  tun."  Solche  Vorfälle  machen  erklärlich,  daß  sich  die  Gemeinde ­
  später  so  schnell  spaltete,  zugleich  zeigen  sie  aber  die  Treue
der  Überlieferung.
In  das  elfte  Jahr  der  Lehrtätigkeit  fällt  die  Bekehrung  des  Brahmanen ­
  Lllaradväsa,  der  zum  Unterschiede  von  vielen  andern
seines  Namens  nach  seiner  Beschäftigung  auch  Lrsi-Bbaradvasa
(Pali  Kasi-Bharadväja)  „Ackerbau-Bbaradväz'a"  genannt  wird.
Die  Bekehrungsgeschichte  ist  charakteristisch  für  eine  bestimmte  Form
der  Belehrung,  die  Buddha  wählte,  die  durch  Gleichnisse.  Sie  findet
sich  in  dem  schon  mehrmals  erwähnten  alten  Suttanipäta  und  lautet
in  Übersetzung:  „So  habe  ich  gehört.  Einst  weilte  der  Herr  in
Magadha  in  Daksinägiri  in  dem  Brahmanendorf  BkanalkH.
Und  zu  dieserZeit  wurdendesBrahmanenllchsibbaradvZga  500Pflüge ­
  angespannt  zur  Zeit  des  Säens.  Da  legte  der  Herr  am  Morgen
seine  Kleidung  an,  nahm  seine  Bettelschale  und  seine  Gewänder
und  ging  zu  dem  Platze,  wo  die  Arbeit  des  Brahmanen  Krsibharadväja
  stattfand.  Als  nun  die  Zeit  der  Speiseverteilung  kam,
begab  sich  der  Herr  dorthin  und  stand  seitwärts.  Da  sah  ihn  der
Brahmane  Ui.  dastehen,  um  Almosen  zu  erhalten  und  sprach  zu  ihm:
„Ich,  o  Asket,  pflüge  und  säe,  und  nachdem  ich  gepflügt  und  gesät ­
  habe,  esse  ich.  Auch  du,  o  Asket,  solltest  pflügen  und  säen,  und
essen,  nachdem  du  gepflügt  und  gesät  hast".  „Auch  ich,  o  Brahmane, ­
  pflüge  und  säe,  und  esse,  nachdem  ich  gepflügt  und  gesät  habe."
„Wir  sehen  aber  bei  dir,  o  Gautama,  weder  ein  Joch,  noch  einen
Pflug,  noch  eine  Pflugschar,  noch  einen  Treibstock,  noch  Ochsen."
Da  sprach  der  Herr:  „Glaube  ist  die  Saat  (die  ich  säe),  Selbst-
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        42

III.  Das  Leben  des  Buddha.

bezwingung  der  Regen  (der  sie  befruchtet),  Wissen  ist  mein  Joch
und  mein  Pflug,  Bescheidenheit  ist  mein  Pflugsterz,  Verstand  die
Spannstange,  Nachdenken  meine  Pflugschar  und  mein  Treibstock.
Ich  bin  rein  an  Körper  und  Geist,  mäßig  im  Genuß;  ich  spreche
die  Wahrheit,  um  das  Unkraut  (der  Lüge)  zu  vernichten;  Mitleid
ist  meine  Ausspannung.  Anstrengung  ist  mein  Zugvieh,  das  mich
zum  Mrvünu  bringt;  es  geht,  ohne  sich  umzuwenden,  nach  dem
Orte,  wo  es  kein  Leid  mehr  gibt.  So  ist  mein  Pflügen,  und  seine
Frucht  ist  die  Unsterblichkeit;  wer  so  pflügt,  wird  frei  von  allem
Leid."  Da  schüttete  der  Brahmane  Xrsibbaraäväsa  Milchreis  in
eine  goldene  Schale,  reichte  sie  dem  Herrn  und  sprach:  „Iß,  o  Gautama,
  den  Milchreis.  Ja,  du  bist  ein  Pflüger;  denn  du,  o  Gautama,
  vollführst  ein  Pflügen,  das  als  Frucht  die  Unsterblichkeit
trägt."
Bon  sonstigen  Bekehrungsgeschichten  werden  noch  aus  dem  sechzehnten ­
  Jahr  die  Bekehrung  eines  menschenfressenden  Riesen,  aus
dem  neunzehnten  die  eines  Jägers,  der  Buddha  töten  will,  weil
er  ein  Stück  Wild  aus  der  Schlinge  befreit  hatte,  aus  dem  zwanzigsten ­
  die  des  berüchtigten  Räubers  Angulimäla  erwähnt,  der
in  den  Dbsragätbä8  mit  eigenen  Versen  erscheint.
Im  zwanzigsten  Jahre  wurde,  wie  erwähnt,  Änanda  zu  Buddhas ­
  persönlichem  Begleiter  ernannt.  Mit  diesem  Jahre  schweigt
die  südliche  Tradition  ungefähr  vierundzwanzig  Jahre  ganz.  Wohl
weiß  sie  noch  von  einzelnen  Ereignissen  zu  berichten,  aber  eine
chronologische  Reihenfolge  wird  nicht  mehr  innegehalten.  Die  nördliche ­
  Tradition  verlegt  ins  sechsundzwanzigste  Jahr  den  Abfall  des
vsvaäatta  und  drei  Jahre  vor  den  Tod  des  Buddha  die  Zerstörung ­
  von  Kapilavastu.  So  wenig  wir  über  diese  vierundzwanzig
Jahre,  die  in  stiller  Gleichförmigkeit  verflossen  sein  werden,  wissen,
um  so  ausführlicher  ist  der  Bericht  über  die  letzten  drei  Monate
von  Buddhas  Leben.  Er  findet  sich  in  dem  Mabäparinibbänasutta
  des  Dighanikaya,  einem  alten,  in  wundervoller  Sprache
geschriebenem  Texte.  Es  wird  dort  erzählt,  daß  Buddha  einen
Krieg  des  Königs  Asätasatru  mit  den  Yrjjis  von  Yaisäli  verhinderte, ­
  indem  er  dem  Abgesandten  des  Königs  dringend  abriet,
Krieg  anzufangen.  Nach  einigen  unwichtigeren  Ereignissen  zog  er
dann  nach  Pstaligrawa,  das  eben  von  Ajätasatm  befestigt  und
zur  Stadt  Pätaliputra  erhoben  wurde.  Buddha  prophezeite  die
zukünftige  Größe  der  Stadt.  Von  hier  zog  er  nach  Vaiiäh,  wo
die  schon  erwähnte  Begegnung  mit  Ambapäli  und  den  Liccbavis
        <pb n="52" />
        Der  Tod  des  Buddha.

43

stattfand.  Von  Vaisäli  ging  er  nach  dem  nahe  gelegenen  Dorfe
Lsluva,  wo  er  die  Regenzeit  zubrachte.  Es  sollte  die  letzte  seines
Lebens  sein.  Er  wurde  in  Beluva  schwerkrank.  Noch  einmal  erholte ­
  er  sich  so,  daß  er  weiter  wandern  konnte.  Auf  dem  Wege
nach  Lnsinagara,  der  Hauptstadt  der  Mallas,  kam  er  nach  dem
Dorfe  Pävä,  wo  er  einer  Einladung  des  Schmiedes  Gun  da  folgte,
der  ihm  fettes  Schweinefleisch  vorsetzte.  Das  wurde  die  Ursache
zu  Buddhas  Tode.  Nach  dem  Genusse  des  Fleisches  trat  die  Krankheit ­
  heftiger  auf,  und  müde  und  elend  zog  Buddha  nach  Kusinagara.
  In  einem  Gehölz  ließ  er  sich  von  Ananda  ein  Lager  unter
einem  blühenden  Lalabaume  bereiten  und  erwartete  dort  den  Tod.
Ananda  weinte  bitterlich.  Da  tröstete  ihn  Buddha,  indem  er  sagte:
„Laß  es  genug  sein,  o  Ananda,  bekümmere  dich  nicht,  klage  nicht.
Habe  ich  dir,  o  Ananda,  nicht  gesagt,  daß  man  von  allem  Lieben
und  Angenehmen  scheiden,  sich  trennen,  es  entbehren  muß.  Wie
ist  es,  o  Ananda,  möglich,  daß  das,  was  geboren,  geworden,  zusammengesetzt, ­
  dem  Vergehen  unterworfen  ist,  daß  das  nicht  zugrunde ­
  ginge?  Das  kommt  nicht  vor.  Du,  o  Ananda,  hast  dem
Vollendeten  lange  gedient,  mit  Liebe  und  Mühe,  mit  Nutzen  und
Heil,  ohne  Falsch  und  ohne  Aufhören,  mitHerzen,  Mund  und  Händen.
Du  hast  Gutes  getan,  o  Ananda;  gib  dir  Mühe;  bald  wirst  du
frei  von  Sünde  sein."  Dann  redete  Buddha  noch  die  Jünger  an
und  schickte  den  Ananda  nach  Kusinagara,  um  den  Mallas  seinen
bevorstehenden  Tod  zu  melden.  Diese  waren  eben  in  Geschäften
auf  dem  Rathaus  versammelt,  unterbrachen  aber  die  Sitzung,  zogen
weinend  und  klagend  mit  Frauen  und  Kindern  zu  Buddha  und
brachten  ihm  ihre  Verehrung  dar.  Ms  letzter  bekehrte  sich  noch  ein
andersgläubiger  Mönch  Lublladra  (Pali  Subbadda),  der  „letzte,
persönliche  Jünger  des  Herrn".  Zu  Ananda  sprach  dann  Buddha
noch:  „Es  könnte  sein,  o  Ananda,  daß  euch  der  Gedanke  käme,  die
Lehre  hat  ihren  Meister  verloren,  es  gibt  keinen  Meister  mehr.  So
dürft  ihr,  o  Ananda,  die  Sache  nicht  ansehen.  Das  Gesetz  und  die
Disziplin,  die  ich  gelehrt  und  verkündet  habe,  die  ist  nach  meinem
Hinscheiden  euer  Meister."  Er  traf  dann  noch  einige  Anordnungen
für  die  Zukunft,  fragte  die  Mönche  dreimal,  ob  noch  irgend  jemand
einen  Zweifel  an  der  Lehre  hätte,  und  als  alle  schwiegen,  sagte  er:
„Wohlan,  ihr  Jünger,  ich  rede  zu  euch.  Vergänglich  ist  alles,  was  da
geworden.  Sorgt  eifrig  für  euer  Heill"  Das  waren  seine  letzten  Worte.
Dann  wurde  er  bewußtlos  und  verschied.  Im  Augenblicke  seines
Todes  trat  ein  gewaltiges  Erdbeben  ein,  und  der  Donner  rollte.
        <pb n="53" />
        44

ITI.  Das  Leben  des  Buddha.

Anuruddha  hielt  an  die  Mönche  eine  Ansprache,  forderte  sie  auf,
gefaßt  zu  sein  und  schickte  den  Ananda  zu  den  Mallas,  die  die  vorher ­
  unterbrochenen  Geschäfte  auf  dem  Rathause  fortsetzten.  Bei  der
Todesnachricht  wehklagten  sie  laut.  Sie  zogen  zur  Leiche  und  sieben
Tage  lang  ehrten  sie  den  toten  Meister  mit  Tanz.  Gesang,  Instrumentalmusik, ­
  Kränzen  und  Räucherwerk.  Am  siebenten  Tage  trugen
acht  der  angesehensten  Mallas  die  Leiche  nach  einem  Heiligtum  in
der  Nähe  der  Stadt  Kusinagara,  und  dort  wurde  sie  mit  den  Ehren
verbrannt,  die  man  einem  Weltherrscher  zu  erweisen  Pflegt.  Die
Überreste  wurden  durch  den  Brahmanen  vroya  an  die  verschiedenen
Fürsten  und  Adligen  verteilt.  Einen  Teil  erhielten  auch  die  Säkyas
von  Kapilavastu,  die  darüber  einen  Stüpa  (Reliquienhügel)  errichteten. ­
  Dieser  ist  1898  von  W.  C.  PePPo  bei  Piprävä  im  Tarai
gefunden  und  geöffnet  worden.  Er  zeichnete  sich  vor  den  andern
dort  befindlichen  Ltüpas  durch  seinen  Umfang  und  seine  auffallende
Gestalt  aus.  Zehn  Fuß  von  der  Spitze  entfernt  fand  sich  eine  kleine,
zerbrochene  Steatiturne,  die  voll  Lehm  war,  in  dem  Kügelchen,  Kristalle, ­
  Goldschmuck,  geschnittene  Sterne  u.  dgl.  eingebettet  waren.
Von  da  ab  zog  sich  in  die  Tiefe  hinab  ein  kreisrunder  Schacht,
der  mit  Lehm  angefüllt  und  von  Mauerwerk  umschlossen  war.  Nachdem ­
  man  achtzehn  Fuß  durch  dieses  feste  Mauerwerk  gegraben  hatte,
stieß  man  auf  eine  riesige  Steinplatte,  die  sich  bei  weiterer  Ausgrabung ­
  als  der  Deckel  eines  massiven  Saudsteinkastens  erwies.
Der  Deckel  war  durch  den  Druck  des  Mauerwerks  in  vier  Teile
zerbrochen,  der  Kasten  aber  trotzdem  völlig  geschlossen,  da  die  Stücke
durch  die  Art  der  Befestigung  des  Deckels  fest  zusammenhielten.
Sie  konnten  ohne  Beschädigung  des  Inhalts  des  Kastens  entfernt
werden.  Der  Kasten  selbst  war  aus  hartem,  feinem  Sandstein  von
hervorragender  Güte,  und  mit  gewaltiger  Arbeit  und  großen  Kosten
aus  einem  massiven  Felsblock  ausgehöhlt,  der  von  weit  her  hingeschafft ­
  worden  sein  muß,  da  in  der  Nähe  sich  ähnliches  Gestein
nicht  findet.  Im  Innern  des  Kastens  stand  eine  Steatiturne,  die
in  alter  Lräbinischrift  und  in  Mägackbi-Sprache  die  Inschrift  zeigte:
„Dieser  Behälter  der  Reliquien  des  erhabenen  Buddha  aus  dem
Geschlechte  der  Säkyas  ist  die  fromme  Stiftung  der  Brüder  samt
den  Schwestern,  mit  Kindern  und  Frauen".  Unmittelbar  rechts  von
dieser  Urne  stand  eine  prachivolle  Kristallbüchse,  zu  der  ein  Deckel
gehörte,  der  hohl  und  mit  gekörnten  Sternen  aus  Blattgold  angefüllt ­
  war.  Der  Griff  des  Deckels  hat  die  Gestalt  eines  Fisches.
Links  von  der  Urne  stand  eine  Base,  vor  beiden  ein  flaches,  korb-
        <pb n="54" />
        ANuG  109
        <pb n="55" />
        Die  Bestattung  des  Buddha.

45

artiges  Kästchen  mit  Deckel,  und  links  von  der  Vase  eine  zweite
Steatiturne,  die  größer  ist  als  die  erste,  aber  keine  Inschrift  hat 1 ).
Alle  diese  Gefäße  waren  zur  Hälfte  angefüllt  mit  Zieraten  aus
Gold,  Silber,  Edelsteinen,  Kristall,  die  die  verschiedensten  Formen
aufwiesen,  wie  Sterne,  Blumen,  Figuren  von  Männern,  Frauen,
Vögeln,  Elefanten  u.  dgl.,  Stücken  aus  Blattgold,  in  die  die  Figur
eines  Löwen  und  das  mystische  Zeichen  des  Svastika  oder  Hakenkreuzes ­
  eingeprägt  war,  das  auf  anderen  Stücken  auch  allein  steht.
In  geringerer  Mannigfaltigkeit  der  Formen  haben  sich  diese  Zieraten ­
  auch  in  dem  buddhistischen  Stüpa  in  Bhattiprolu  im  Dekhan
gefunden,  wo  auch  drei  Kristallbüchsen  standen,  die  kleiner  sind  als
die  von  Piprävä,  ihr  aber  in  der  Form  gleichen.  Fachmännische
Untersuchung  hat  gezeigt,  daß  der  Stäpa  von  Piprävä  vor  1898
nie  geöffnet  worden  ist,  so  daß  an  der  Echtheit  der  Reliquien  Buddhas ­
  nicht  gezweifelt  werden  kann.
Buddha  starb  im  vierundvierzigsten  Jahre  seiner  Lehrtätigkeit,
achtzig  Jahre  alt.  Über  sein  Todesjahr  schwankten  die  Ansichten
zwischen  543  und  368.  Max  Müller  hat  zuerst  das  Jahr  477
als  das  wahrscheinlichste  berechnet,  und  das  kann  für  so  gut  wie
sicher  gelten.  Griechische  und  indische  Angaben  ergänzen  und  bestätigen ­
  einander.

1)  Siehe  Abbildung.
        <pb n="56" />
        IV.  Buddhas  Stellung  M  Staat  und  Kirche.
Seit  wir  die  alten  Quellen  kennen,  erscheint  Buddha  in  einem
ganz  anderen  Lichte  als  früher.  Ich  habe  schon  erwähnt,  daß
Buddha  nicht  der  einzige  Meister  war,  der  als  Erlöser  auftrat,
sondern  daß  uns  die  buddhistischen  Texte  neben  ihm  sechs  berühmte
Lehrer  nennen,  die  alle  von  der  alten  brahmanischen  Religion
abwichen  und  Gründer  eigener  Sekten  waren.  Mögen  auch  die
Berichte  der  Buddhisten  über  die  großen  Erfolge  Buddhas  weit
übertrieben  sein,  so  steht  doch  unzweifelhaft  fest,  daß  er  alle  seine
Rivalen  in  den  Schatten  stellte.  Man  hat  lange  seinen  Erfolg
vor  allem  darin  finden  wollen,  daß  er  sehr  energisch  gegen  die
hochmütigen  Brahmanen  auftrat,  daß  er  den  seit  alter  Zeit  im
indischen  Staate  bestehenden  Unterschied  der  vier  Kasten,  der  Brähmanas
  oder  Priest  er,  der  Ksatriy  asober  des  Adels,  der  Vs,  i  8  ya  8
oder  der  Handel,  Gewerbe  und  Ackerbau  treibenden  Bevölkerung,
und  ber  Südras,  der  rechtlosen  Sklaven  aller,  verwarf  und  die
Gleichheit  aller  Menschen  predigte.  Das  war  aber  sehr  irrig.
Buddha  ist  kein  sozialer  Reformator  gewesen.  Allerdings  verwirft
er  die  Kasteneinteilung,  aber  nur  so  weit,  als  die  Kaste  ein  Hindernis
sein  sollte,  sein  Jünger  zu  werden.  Die  Kasten  als  Staatsinstitution
ließ  er  ganz  unangetastet,  wenn  auch  naturgemäß  seine  menschenfreundliche ­
  Gesinnung,  das  Wohlwollen  gegen  alle  Wesen,  das  er
predigte,  günstig  auf  das  Verhältnis  der  einzelnen  Kasten  untereinander ­
  einwirken  mußte.  Er  lehrte:  „Mein  Gesetz  ist  ein  Gesetz
der  Gnade  für  alle,"  und:  „Da  die  Lehre,  die  ich  vortrage,  durchaus ­
  rein  ist,  so  macht  sie  keinen  Unterschied  zwischen  Vornehm
und  Gering,  zwischen  Reich  und  Arm."  „Wie,  ihr  Mönche,  die
großen  Ströme,  wie  die  Gahga,  die  Yamunä,  die  Aciravati,  die
Sarayu,  die  Mahl,  wenn  sie  den  großen  Ozean  erreichen,  ihren
alten  Namen  und  ihr  altes  Geschlecht  verlieren  und  nur  den  einen
Namen  erhalten,  „der  große  Ozean",  so  verlieren  auch,  ihr  Mönche,
die  vier  Kasten,  die  Lsatriyas  und  Brähmanas,  die  Vaisyas  und
Südras,  wenn  sie  nach  dem  Gesetze  und  der  Disziplin,  die  der
        <pb n="57" />
        Die  Kasten  und  der  Orden.

47

Vollendete  verkündigt  hat,  aus  der  Heimat  in  die  Heimatlosigkeit
gehen,  den  alten  Namen  und  das  alte  Geschlecht  und  erhalten  nur
den  einen  Namen  „Asketen,  die  dem  8äkyasohne  anhängen  (Pali:
samanä  Sakyaputtiyä)".  In  Wirklichkeit  war  der  Kreis  seiner
nächsten  Jünger  vorwiegend  aus  den  oberen  Ständen  zusammengesetzt. ­
  Lnanäa  und  Devadatta  waren  aus  seinem  eigenen  Geschlechte, ­
  also  Adlige.  Adlig  war  auch  Anuruddha.  Säriputra
und  Maudgalyäyana  waren  Brahmanen,  Kabula  Buddhas
eigener  Sohn.  Aber  daß  Buddha  keinen  Unterschied  machte,  ist
gewiß.  üpali  war  Barbier.  Unter  den  Ltllaviras  (Pali  Pllsra),
„den  Ältesten",  von  denen  uns  Verse  erhalten  sind,  die  schon  erwähnten ­
  Pllsragätbäs,  erscheint  Anguliiuäla,  der  gefürchtete
Räuber.  Der  Sthavira  Sunita  sagt  dort  von  sich:  „Aus  niedrigem
Geschlechte  bin  ich  geboren,  arm  und  dürftig.  Niedrig  war  meine
Beschäftigung;  ich  räumte  (verwelkte)  Blumen  aus  (den  Tempeln).
Ich  war  verachtet  von  den  Menschen,  gering  angesehen  und  gescholten. ­
  Demütig  verbeugte  ich  mich  vor  vielen  Menschen."
Buddha  nahm  ihn  in  den  Orden  auf,  und  Sunxta  erlangte  durch
Eifer  die  Erlösung.  Da  sprach  Buddha  zu  ihm:  „Durch  heilige
Glut  und  durch  keuschen  Wandel,  durch  Bezähmung  und  Selbstbezwingung, ­
  dadurch  wird  man  zum  Brahmanen;  das  ist  das
höchste  Brahmanentum."  Der  Sthavira  Svapäka  (PaliSopäka)
gehörte,  seinem  Namen  „Hundekoch"  nach  zu  schließen,  vermutlich
dem  allerverachtetsten  Stande  derer  an,  die  für  die  Hunde  kochten.
Der  Mönch  8vati  war  Fischer,  N  anda  Kuhhirt  gewesen.  Ebenso
bunt  war  die  Gesellschaft  der  weiblichen  Ältesten,  der  Sthavins
(Pali  Iherx).  Vimala  war  die  Tochter  einer  Hetäre  und  hatte
versucht,  den  Maudgalyäyana  zu  verführen.  Ambapalx  war
selbst  Hetäre  gewesen;  Puma  war  die  Tochter  einer  Haussklavin  des
Anathapindika,  Cäpä  die  Tochter  eines  Jägers,  dessen  Stand  in
Indien  für  unrein  galt,  andere  stammten  aus  armen  Familien.
Buddha  und  seine  Jünger  sahen  es  gern,  wenn  junge  Leute  aus
vornehmen  und  reichen  Häusern  in  den  Orden  traten,  weil  das  diesem
zu  Ansehen  und  Nutzen  gereichte.  Aber  im  Orden  selbst  gab  es  keinen
Unterschied  des  Standes  mehr.  Es  heißt:  „Wenn  aus  diesen  vier
Kasten  einer  ein  Mönch  wird,  ein  Heiliger  wird,  die  Betörung  zerstört ­
  hat,  vollkommen  und  vollendet  ist,  die  Last  abgelegt  hat,  die
das  Haften  an  der  Welt  dem  Menschen  aufladet,  seinen  Zweck  erreicht ­
  hat,  jedes  Band  mit  dem  Dasein  gelöst  hat  und  durch  vollkommene ­
  Erkenntnis  erlöst  ist,  dann  ist  er  allen  übergeordnet
        <pb n="58" />
        48  IV.  Buddhas  Stellung  zu  Staat  und  Kirche.

allein  durch  das  Gesetz."  „Nicht  durch  Geburt  wird  jemand  ein
Ausgestoßener,  nicht  durch  Geburt  wird  jemand  ein  Brahmane;
durch  seine  Taten  wird  man  ein  Ausgestoßener,  durch  seine  Taten
wird  man  ein  Brahmane."  Die  Texte  werden  nicht  müde,  immer
wieder  und  wieder  hervorzuheben,  was  Buddha  unter  einem  Brahmanen ­
  versteht.  Buddha  verwarf  das  ganze  Opferwesen  und  jede
Art  der  Kasteiung.  Er  hatte  ja  an  sich  selbst  erfahren,  daß  Buße
und  Kasteiung  nicht  zur  Erlösung  führen.  Im  Suttanipäta  lesen
wir:  „Weder  Fischfleisch  noch  Tasten,  weder  Nackendgehen  noch
Tonsur,  weder  Haarflechten  noch  Schmutz,  noch  rohe  Felle,  noch
Verehrung  des  Feuers,  noch  Bußübungen,  noch  Hymnen,  noch
Darbringungen,  noch  Opfer  reinigen  den  Menschen,  der  nicht  den
Zweifel  besiegt  hat."  Im  Dhammapada  handelt  das  ganze
26.  Kapitel  in  41  Versen  von  dem  wahren  Brahmanen.  Unter
anderem  heißt  es  dort:  „Niemand  wird  ein  Brahmane  durch  sein
geflochtenes  Haar,  seine  Familie,  seine  Geburt.  Wer  Wahrhaftigkeit ­
  und  Rechtschaffenheit  besitzt,  der  ist  selig,  der  ist  ein  Brahmane." ­
  „Was  nützt  dich  dein  geflochtenes  Haar,  du  Tor,  was  die
Kleidung  aus  Ziegenfellen?  Dein  Inneres  ist  unrein,  das  Äußere
reinigst  du."  „Ich  nenne  niemanden  einen  Brahmanen  seines  Ursprungs ­
  oder  seiner  Mutter  wegen,  mag  er  auch  stolz  reden  und
reich  sein.  Den  Armen,  der  frei  ist  von  Begierden,  den  nenne  ich
einen  Brahmanen."  Große  Abschnitte  im  Tripitaka  sind  ausschließlich ­
  der  Widerlegung  der  Ansicht  gewidmet,  daß  die  Brahmanen ­
  etwas  Besseres  seien  als  die  drei  andern  Kasten.
Das  Vorhandensein  der  Kasten  ist  an  und  für  sich  für  Buddha
etwas  Selbstverständliches.  Er  selbst  fühlte  sich,  auch  nachdem  er
Mönch  geworden  war,  noch  als  Adliger  und  duldete  nicht,  daß
man  in  seiner  Gegenwart  vom  Adel  gering  sprach  Aber  den  ungerechtfertigten ­
  Ansprüchen  der  Adligen  trat  er  ebenso  scharf  gegenüber, ­
  wie  denen  der  Brahmanen,  und  jeder  Unterschied  der  Kasten
schwand  für  ihn,  wenn  es  sich  nicht  um  irdische  Dinge  handelte,
sondern  nm  überirdische.  Und  das  war  nichts  ihm  Eigenes  und
nichts  Neues.  Dieselbe  Anschauung  hatte  vor  ihm  schon  Lapila  vertreten, ­
  der  Gründer  der  Läinkb^aphilosophie.  Ladarä^ana,  der
Verfasser  des  Lrabinasntra,  des  Lehrbuchs  des  orthodoxen  brahmanischen
  Systems,  des  Vedanta,  lehrt,  daß  nur  die  drei  oberen
Kasten  zur  Erlösung  berufen  seien.  Im  Gegensatz  dazu  lehrt  das
Sämkhya,  daß  alle  Menschen  ohne  Unterschied  des  Standes  erlöst
werden  können,  und  daß  jeder,  der  die  richtige  Erkenntnis  ge-
        <pb n="59" />
        Die  philosophischen  Systeme.

49

Wonnen  hat,  auch  andere  zur  richtigen  Erkenntnis  führen  und  damit
erlösen  kann.  Der  Ysäanta  lehrt,  daß  Opfer  und  andere  fromme
Werke  zur  Erlösung  beitragen,  macht  also  die  äußere  Werkheiligkeit ­
  auch  für  den  nach  Erlösung  ringenden  verbindlich.  Das  Lärnübya
dagegen  widerrät  ausdrücklich  die  Darbringung  von  Opfern  und
lehrt,  daß  selbst  gute  Werke  die  Erreichung  der  richtigen  Erkenntnis
nicht  fördern,  sondern  hindern.  Es  legt  gar  kein  Gewicht  auf  die
Moral.  Und  das  ist  der  große  Unterschied  zwischen  ihm  und  dem
Buddhismus.  Buddha  legte  im  Gegensatz  dazu  den  größten  Wert
auf  ein  streng  moralisches  Leben  und  hat  gerade  diese  Seite  seiner
Lehre  bewundernswert  ausgebildet.  Und  noch  in  einem  andern
Punkte  unterscheidet  sich  der  Buddhismus  scharf  vom  Sämkhya,
Das  Sämkhya  fordert  Gleichgültigkeit  gegen  alle  weltlichen  Dinge.
Die  Beschäftigung  mit  ihnen  lenke  den  Geist  ab,  und  die  Begierden ­
  würden  nicht  gestillt  durch  den  Genuß.  Das  Sämkhya
fordert  daher,  daß  der  Erlösungsbedürftige  allem  weltlichen  Treiben
und  Besitz  entsage,  und  zwar  freiwillig,  da  jeder  Zwang  Kummer
erzeugt.  Daher  empfiehlt  das  Sämkhya,  die  Einsamkeit  aufzusuchen
und  jede  menschliche  Gesellschaft  möglichst  zu  meiden,  also  der  Gelegenheit ­
  aus  dem  Wege  zu  gehen,  sich  zu  zerstreuen  und  neuen
Begierden  zu  verfallen.  Angestrengtes  Nachdenken,  Konzentration
des  Geistes  ist  zur  richtigen  Erkenntnis  nötig.  Der  Yoga  des
Patanjali  hat  diese  Lehre  weiter  ausgebildet.  Er  legt,  wie  schon
erwähnt,  das  Hauptgewicht  auf  die  geistige  Versenkung  und  die
körperliche  Askese,  und  das  jüngere  Sämkhya  ist  ihm  gefolgt.  Dadurch ­
  mußte  diese  Lehre  notwendig  auf  einen  engen  Kreis  Auserwählter ­
  beschränkt  bleiben.  Denn  die  ganze  Maschine  des  menschlichen ­
  Daseins  würde  ins  Stocken  geraten,  wenn  ein  großer  Teil
der  Menschen  diesen  Anschauungen  folgen  wollte.  Der  Sämkhya-Yoga
  blieb  also  ein  philosophisches  System  für  wenige  Erlesene.
Sein  Rezept  der  Erlösung  war  für  die  große  Masse  unbrauchbar;
es  war  eine  Theorie,  wie  unzählige  andere.
Ganz  verschieden  davon  verfuhr  Buddha.  In  den  Wäldern
von  Uruvela  hatte  er  nicht  nur  die  Wertlosigkeit  aller  Askese  erkannt, ­
  sondern  auch,  daß  kein  einzelnes  philosophisches  System  zur
Erlösung  genügt,  die  Philosophie  überhaupt  kein  Heilmittel  für
den  Erlösungsuchenden  ist.  Dafür  gibt  es  im  Kanon  viele  Beweisstellen. ­
  Die  am  meisten  charakteristischen  finden  sich  im  Suttanipäta
  (Vers  780ff.).  Dort  wird  ausgesprochen,  daß  es  nicht  leicht
sei,  sich  unter  den  vielen  Systemen  das  richtige  auszuwählen.  Der
ANuG  log:  Pischel,  Leben  und  Lehre  des  Buddha.  2.  Anst.  4
        <pb n="60" />
        50  IV.  Buddhas  Stellung  zu  Staat  und  Kirche.

eine  wähle  sich  bald  dieses,  bald  jenes.  Die  Weisen  aber  bilden
sich  keine  feste  Ansicht,  sie  ziehen  kein  bestimmtes  System  vor,  sie
sagen  nicht:  „ich  bin  völlig  klar;"  nachdem  sie  den  Knoten  des
Hängens  (an  der  Welt)  durchschnitten,  verlangen  sie  nach  nichts  in
der  Welt  mehr.  Besonders  interessant  sind  die  Verse  835ff.,  die
ein  Gespräch  Buddhas  mit  einem  gewissen  Mägandiya  enthalten.
Mägandiya  bietet  dem  Buddha  seine  schöne  Tochter  an,  die
Buddha  sehr  unhöflich  zurückweist.  Er  habe  kein  Verlangen  nach
Beischlaf  bekommen,  als  er  die  drei  Töchter  des  Mära  gesehen
habe,  wie  viel  weniger  bei  diesem  mit  Urin  und  Kot  angefüllten
Wesen;  nicht  einmal  mit  dem  Fuße  wünsche  er  es  zu  berühren.
Mägandiya  fragt  ihn  darauf,  zu  welchem  Systeme  er  sich  bekenne.
Buddha  antwortet,  zu  keinem,  da  er  sie  alle  als  erbärmlich  erkannt
habe.  Was  er  lehre,  sei  innerer  Friede,  der  durch  kein  Philosophisches ­
  System,  keine  Tradition,  kein  Wissen  erworben  werde.
Die  philosophische  Begründung  seiner  Lehre  war  für  Buddha
nicht,  wie  für  die  anderen  indischen  Religionsstifter,  die  Hauptsache. ­
  Es  kam  ihm  nicht  daraus  an,  das,  was  er  als  richtig  erkannt
hatte,  auch  haarscharf  logisch  zu  beweisen  und  in  ein  abgeschlossenes
System  zu  bringen.  Nicht  die  Form  seines  Denkens  war  ihm  die
Hauptsache,  sondern  der  Inhalt.  Mit  Recht  hat  Walleser,  der
erste  wissenschaftliche  Bearbeiter  der  Philosophie  des  Buddhismus
in  ihrer  geschichtlichen  Entwicklung,  bemerkt,  „daß  für  Buddha  die
grundsätzliche  Ablehnung  aller  metaphysischen  Probleme  geradezu
charakteristisch  sei,  und  daß  im  Buddhismus  das  Theoretische  gegen
das  Praktische  so  sehr  zurücktrete,  daß  eine  absolute  Indifferenz
gegenüber  allem  Theoretischen  die  hervorstechendste  Signatur  des
echten  Buddhismus  bilde."  Walleser  hebt  ferner  hervor,  daß  es
Buddha  auf  Widersprüche  theoretischer  Art  überhaupt  nicht  ankam,
wenn  nur  der  Hauptzweck  erreicht  wurde,  sittlich  einzuwirken  und
die  Lebensführung  günstig  zu  beeinflussen.  Buddhas  Lehre  ist  in
erster  Linie  praktische  Ethik,  und  er  richtete  sich  bei  seinem  Vortrage ­
  ganz  nach  der  Fassungskraft  und  dem  Bildungsgrade  der
augenblicklichen  Zuhörer.
So  wenig  Gewicht  wie  auf  die  scharfe  logische  Begründung
seiner  Lehre  legte  Buddha  auf  den  Glauben.  Für  die  Brahmanen ­
  waren  die  Richtschnur  ihres  Lebens  die  heiligen  Schriften,
die  Veden.  Buddha  verwirft  den  Glauben  daran.  Einst  kam  zu
ihm  ein  junger  Brahmane,  Käpaihika,  aus  dem  Geschlechte  des
Lbaradväja,  der,  obwohl  erst  sechzehn  Jahre  alt  und  eben  erst
        <pb n="61" />
        Buddhas  Verhältnis  zu  Philosophie  und  Glauben.  51
vom  Lehrer  entlassen,  doch  schon  die  drei  Veden  und  die  ganze
Literatur  der  Brahmanen  genau  kannte.  Er  stellte  an  Buddha  die
Frage,  was  er  wohl  dazu  meine,  daß  die  Brahmanen  behaupten,
nur  ihre  alten  Lieder,  die  wie  ein  Korb  von  Geschlecht  zu  Geschlecht ­
  als  absolute  Wahrheit  weitergegeben  würden,  seien  Wahrheit, ­
  alles  andere  Irrtum?  Buddha  fragte  ihn  darauf  seinerseits,
ob  es  wohl  einen  einzelnen  Brahmanen  gebe,  der  behaupte,  nur
das,  was  er  wisse  und  kenne,  sei  Wahrheit,  alles  andere  Irrtum?
Als  Käpathika  dies  verneinte,  wiederholte  Buddha  die  Frage  in
bezug  auf  den  Lehrer,  den  Lehrer  des  Lehrers  bis  hinauf  zum
siebenten  Geschlecht  und  schließlich  bis  zu  den  Verfassern  der  Lieder
des  Veda  selbst.  Immer  muß  Käpathika  antworten,  daß  auch
diese  wohl  nicht  nur  das  für  Wahrheit  gehalten  hätten,  was  sie
gerade  allein  wußten.  Daraus  zieht  Buddha  den  Schluß,  daß
der  Autoritätsglaube  kein  Glaube  sei.  „Es  ist,  wie  wenn  eine
Reihe  von  Blinden  einander  an  der  Hand  führen;  der  vorderste
sieht  nicht,  der  mittlere  sieht  nicht,  der  hinterste  sieht  nichts  Der
Glaube  der  Brahmanen  sei  also  ohne  Wurzel.  Buddha  belehrte
dann  den  Käpathika,  daß  man  nicht  bloß  an  dem  festhalten  müsse,
was  einem  als  Wahrheit  gelehrt  sei,  sondern  daß  man  es  selbst
als  Wahrheit  erkennen  und  es  sich  mit  Arbeit  und  Mühe  als
Wahrheit  aneignen  müsse.  Fragen,  deren  Beantwortung  ihm
als  unmöglich  oder  zwecklos  erschien,  wies  Buddha  einfach  ab.
Der  Mönch  Nälnnkyäputra  beklagte  sich  einmal,  daß  Buddha
so  wichtige  Probleme  nicht  erörtert  habe,  wie,  ob  die  Welt  ewig
oder  nicht  ewig,  endlich  oder  unendlich  sei,  ob  Seele  und  Leib
identisch  oder  verschieden  seien,  ob  der  Vollendete  nach  dem  Tode
fortlebe  oder  nicht.  Die  Frage  Buddhas,  ob  er  ihm  bei  seiner
Aufnahme  in  die  Gemeinde  versprochen  habe,  solche  Fragen  zu  beantworten, ­
  oder  ob  er,  der  Mönch,  damals  seine  Aufnahme  von
der  Beantwortung  derselben  abhängig  gemacht  habe,  mußte
Mälunkyäputra  verneinen.  Da  belehrte  ihn  Buddha  mittels  eines
Gleichnisses,  daß  das  Wissen  von  diesen  Dingen  nichts  zur  Erlösung
beitrage;  er  solle  daher  das,  was  Buddha  nicht  erörtert  habe,  unerörtert
  lassen.  Auch  anderen  gegenüber  hat  Buddha  die  Beantwortung ­
  dieser  Fragen  stets  abgelehnt.
Eigenartig  ist  auch  die  Stellung,  die  Buddha  zu  den  Göttern
des  Volkes  einnimmt.  Buddha  leugnet  die  Götter  durchaus  nicht.
Es  ist  also  ganz  unrichtig,  ihn  Atheist  zu  nennen.  Auch  für  die
Buddhisten  ist  noch  inimer  Inära,  oder  wie  er  gewöhnlich  bei  ihnen
        <pb n="62" />
        I*

52  IV.  Buddhas  Stellung  zu  Staat  und  Kirche.

J

genannt  wird,  Sakra  (Pali  Sakka),  der  König  der  Götter,  deren
alte  Zahl  33  beibehalten  ist.  Indra  wacht  über  die  Buddhisten
ebenso  wie  über  die  brahmanischen  Inder.  Wenn  einem  Frommen
Gefahr  droht,  oder  einer  eine  besonders  gute  Tat  beabsichtigt  oder
ausführt,  so  wird  Indras  Thron  heiß;  er  muß  aufstehen  und  sieht
sich  um,  was  auf  Erden  los  ist.  Wie  im  Brahmanismus  statten
ihm  auch  im  Buddhismus  Heilige  im  Himmel  Besuche  ab.  Sehr
oft  erscheint  Brahma  Sahampati  mit  einer  Unmasse  anderer  Götter
der  Brahmawelt  neben  sich.  Ja,  wir  erfahren  aus  den  buddhistischen
Schriften  von  viel  mehr  Arten  von  Göttern  als  aus  den  brahmanischen. ­
  Es  werden  genannt  Brajapati-Götter,  Götter  der  vier
großen  Könige,  Todesgötter,  Götter  des  lusita-Himmels,  die  Götter
der  unbegrenzten  Freude,  die  glänzenden,  die  wonnigen,  die  sonnigen,
die  hehren,  die  strahlenden,  die  formlosen  Götter  und  viele  andere.
Es  werden  Erd-,  Wald-  und  Baumgottheiten  erwähnt.  Viele
Hunderttausende  von  Gottheiten  begleiten  den  Buddha,  um  ihn
predigen  zu  hören.  Es  gibt  Geister  aller  Arten  und  schreckliche
Höllen  in  großer  Zahl.  Aber  die  Götter  haben  im  Buddhismus
doch  viel  von  ihrem  alten  Glanze  eingebüßt.  Gott  sein,  heißt  für
Buddha  nur,  eine  höhere  Stufe  der  Existenz,  eine  bessere  Daseinsform ­
  erlangt  haben.  Auch  Indra  ist  zu  seiner  Herrlichkeit  nur
gekommen,  weil  er  früher  Gutes  getan  hat.  Ein  buddhistischer
Text  läßt  ihn  Buddha  besuchen  und  sich  von  diesem  belehren,
warum  ein  Mönch  der  beste  unter  Göttern  und  Menschen  sei,  eine
Belehrung,  die  Indra  darauf  dem  Maudgalyäyana  mitteilt,  als
dieser  ihn  im  Himmel  besucht.  Und  um  den  Göttern  die  Macht
des  Mönches  zu  zeigen,  bringt  Maudgalyäyana  bei  dieser  Gelegenheit ­
  mit  seiner  Zehe  den  Götterpalast  ins  Wanken.  Die
Götter  vergehen  ebenso  wie  die  Menschen.  Ein  Mensch  kann  in
der  nächsten  Geburt  ein  Gott,  ein  Gott  ein  Mensch,  ja  ein  Tier
oder  lebloses  Ding  sein.  Wie  die  Menschen,  sind  auch  die  Götter
Geburt,  Alter  und  Tod  unterworfen.  Aber  besser  als  die  Menschen
hatten  es  die  Götter  immerhin.  Das  Gottsein  war  die  höchste
Staffel  im  Kreisläufe  der  Geburten,  und  so  konnte  die  Aussicht,
in  der  nächsten  Geburt  in  einer  Götterwelt  als  Gott  wiedergeboren
zu  werden,  sehr  wohl  ein  Antrieb  zu  richtigem  Lebenswandel  werden.
Buddha  mußte  wenigstens  die  Möglichkeit  offen  lassen,  daß  ein
Frommer,  dem  es  in  diesem  Leben  schlecht  gegangen  war,  in  der
nächsten  Geburt  im  Himmel  als  Gott  in  Glanz  und  ohne  Sorgen
werde  leben  können.  Die  Götter  durften  also  nicht  fehlen;  sie
        <pb n="63" />
        Die  Götter  des  Volkes.

53

bildeten  ein  notwendiges  Glied  in  der  Kette  des  Glaubens  an  die
Seelenwanderung.  Buddha  hat  daher  auch  nie  einen  Zweifel  an
der  Existenz  der  Götter  ausgesprochen.  Mehrmals  wird  erzählt,
daß  Personen  an  ihn  mit  der  direkten  Frage  traten:  Gibt  es
Götter?  So  der  König  krassaggit  und  der  Brahmane
Den  kra.86ns.sit  bat  Buddha,  ihm  zu  sagen,  was  er  mit  der  Frage
meine?  krasonasit  antwortete,  ob  die  Götter  wieder  zur  Welt
zurückkehrten,  oder  nicht.  Die  Götter,  antwortete  Buddha,  kehren
zur  Welt  wieder  zurück,  bei  denen  ein  Grund  dazu  vorliegt,  d.  h.
die,  die  sich  etwas  haben  zuschulden  kommen  lassen.  Auch  im
Himmel  herrscht  also  die  Sünde.  Und  dem  Lärn^arava  antwortete
Buddha  ausweichend,  es  werde  in  der  Welt  allgemein  angenommen,
daß  es  Götter  gebe.  Da  das  Endziel  der  Lehre  Buddhas  die
Vernichtung  jeder  Existenz  ist,  so  ergibt  sich  von  selbst,  daß  der
Erlöste  über  den  Göttern  steht,  also  das  Gottsein  nicht  der  höchste
Wunsch  des  Buddhisten  sein  kann  Wir  haben  keinen  Grund  anzunehmen, ­
  daß  Buddha  selbst  anders  gedacht  hat,  als  er  lehrte.
Wohl  sagt  er  selbst  einmal,  daß  er  viel  mehr  erkannt  als  den
Jüngern  verkündet  habe.  Aber  er  fügt  auch  gleich  hinzu,  daß  er
es  nur  nicht  verkündet  habe,  weil  es  nichts  zur  Erlösung  beitrage.
Buddhas  Verhältnis  zu  den  Göttern  war  gegeben  durch  den  Glauben
an  die  Seelenwanderung,  auf  dem  seine  ganze  Lehre  beruht.  Gerade
dadurch  erweist  er  sich  als  echter  Inder,  seine  Lehre  sich  als  echt
indisch.
        <pb n="64" />
        V.  Buddhas  Lehrweise.
Es  sind  bereits  Beispiele  dafür  gegeben  worden,  wie  formelhaft
die  Reden  und  Gespräche  Buddhas  waren,  wenn  er  zu  seinen
Mönchen  sprach.  Noch  mehr  wird  dies  die  Betrachtung  seiner
Lehre  selbst  zeigen.  Ganz  anders  verfuhr  er,  wenn  er  zum  Volke
in  dessen  Sprache  redete.  ES  ist  uns  eine  große  Zahl  von  Erzählungen ­
  überliefert,  die  zeigen,  daß  Buddha  dem  Volke  ein
Heiland  sein  wollte  und  war.  Eine  der  schönsten  ist  die  Erzählung
von  Lisagotami,  die  Max  Müller  mit  Recht  „eine  Probe  des
wahren  Buddhismus"  genannt  hat.
In  Lrüvast;  wurde  in  einer  armen  Familie  ein  Mädchen  geboren, ­
  das  den  Namen  Gotami  (Sanskrit  Gautami)  erhielt.
Wegen  seiner  Magerkeit  wurde  es  Kisägotami  (Sanskrit  Krsagautami),
  „die  magere  Gotami",  genannt.  Sie  heiratete,  wurde
aber  von  der  Familie  ihres  Mannes  schlecht  behandelt,  weil  sie
ans  einem  armen  Hause  stammte.  Als  sie  aber  einen  Sohn  geboren ­
  hatte,  kam  sie  zu  Ehren.  Der  Knabe  starb,  als  er  eben
laufen  konnte.  Da  sie  bisher  den  Tod  nicht  gesehen  hatte,  wehrte
sie  den  Leuten,  die  den  Knaben  forttragen  wollten,  um  ihn  zu  verbrennen. ­
  Mit  dem  Gedanken:  „Ich  will  für  meinen  Sohn  ein
Heilmittel  erfragen,"  nahm  sie  den  Leichnam  auf  ihren  Schoß  und
wanderte  von  Haus  zu  Haus,  indem  sie  fragte:  „Wisset  ihr  nicht
ein  Heilmittel  für  meinen  Sohn?"  Da  sagten  die  Leute  zu  ihr:
„Hast  du  deinen  Verstand  verloren,  o  Tochter?  Du  wanderst  umher, ­
  indem  du  ein  Heilmittel  für  deinen  toten  Sohn  erfragst."
Sie  aber  sprach  zu  sich:  „Sicher  werde  ich  einen  treffen,  der  ein
Heilmittel  für  meinen  Sohn  weiß."  Da  sah  sie  ein  kluger  Mann.
Er  sprach  zu  ihr:  „Ich,  meine  Tochter,  weiß  kein  Heilmittel,  aber
ich  kenne  einen,  der  ein  Heilmittel  weiß."  „Wer  weiß  eins,  lieber
Herr?"  „Der  Meister,  meine  Tochter,  weiß  eins;  gehe  hin  und
frage  ihn!"  Mit  den  Worten:  „Ich  will  hingehen,  lieber  Herr,"
ging  sie  zum  Meister,  grüßte  ihn,  stellte  sich  seitwärts  von  ihm
und  fragte:  „Weißt  du  ein  Heilmittel  für  meinen  Sohn,  o  Herr?"
        <pb n="65" />
        Volkstümliche  Belehrung,

55

„Ja,  ich  weiß  eins."  „Was  für  eins  soll  ich  nehmen?"  „Nimm
eine  Prise  Senfkörner."  „Ich  will  sie  nehmen,  o  Herr;  doch  aus
welchem  Hause  soll  ich  sie  holen?"  „Aus  dem  Hause,  in  dem
weder  ein  Sohn,  noch  eine  Tochter,  noch  irgend  jemand  zuvor  gestorben ­
  ist."  Sie  sprach:  „Gut,  o  Herr,"  grüßte  den  Meister,  legte
ihren  toten  Sohn  auf  ihren  Schoß  und  ging  in  die  Stadt.  An
der  Tür  des  ersten  Hauses  bat  sie  um  Senfkörner,  und  als  sie  ihr
gegeben  wurden,  fragte  sie:  „In  diesem  Hause  ist  doch  wohl  weder
ein  Sohn,  noch  eine  Tochter,  noch  irgend  jemand  zuvor  gestorben?"
„Was  sagst  du?  Der  Lebenden  sind  wenige,  aber  der
Toten  sind  viel."  Darauf  wies  sie  die  Senfkörner  zurück  und
wanderte  von  Haus  zu  Haus,  ohne  die  gewünschten  Senfkörner
zu  erhalten.  Da  dachte  sie  am  Abend:  „Ach,  es  ist  eine  schwere
Arbeit,  Ich  glaubte,  nur  mein  Sohn  sei  tot;  aber  in  der  ganzen
Stadt  sind  die  Toten  zahlreicher  als  die  Lebenden."  Als  sie  so
dachte,  wurde  ihr  aus  Liebe  zu  ihrem  Sohne  weiches  Herz  hart.
Sie  warf  ihren  Sohn  in  den  Wald,  ging  zum  Meister,  grüßte  ihn
und  stellte  sich  seitwärts  von  ihm.  Und  der  Meister  sprach  zu  ihr:
„Hast  du  die  Prise  Senfkörner  bekommen?"  „Ich  habe  sie  nicht
bekommen,  o  Herr.  In  der  ganzen  Stadt  sind  die  Toten  zahlreicher ­
  als  die  Lebenden."  Da  sprach  der  Meister  zu  ihr:  „Du
meintest,  nur  dein  Sohn  sei  gestorben.  Das  ist  das  ewige  Gesetz
für  die  lebenden  Wesen,  Der  König  des  Todes  wirft  ja,  wie  ein
reißender  Strom,  alle  lebenden  Wesen,  ehe  ihre  Wünsche  befriedigt
sind,  in  das  Meer  des  Verderbens",  und  sprach  dann,  das  Gesetz
lehrend,  die  Strophe:  „Den  Mann,  der  stolz  ist  auf  Kinder  und
Vieh,  und  dessen  Geist  am  Irdischen  hängt,  den  rafft  der  Tod
hinweg,  wie  die  Flut  ein  schlafendes  Dorf,"  Nach  Beendigung
der  Strophe  erlangte  LisLAotami  die  erste  Stnfe  der  Heiligkeit.
Sie  wurde  dann  Nonne,  und  Strophen  von  ihr  stehen  in  den
BberiMbas.  Die  Erzählung  ist,  wie  viele  andere,  in  den  Occident
gewandert,  wo  sich  Parallelen  finden.
Eine  zweite  Form  der  Belehrung,  die  Buddha  sehr  liebte,  war
die  durch  Gleichnisse.  Ein  Beispiel  gibt  die  oben  (S.  41  f.)  mitgeteilte ­
  Erzählung  von  Ursibllärackvasa,  Mit  Vorliebe  zog  Buddha
den  Ackerbau  und  die  Wasserflut  zum  Vergleich  heran,  oder  Begebnisse ­
  des  täglichen  Lebens.  „Zu  Lrävasti",  so  sagte  er  einst  zu
den  Mönchen,  „lebte  einmal  eine  Hausfrau  namens  Vaidehikä.
Die  Hausfrau  Vaidehikä,  ihr  Mönche,  stand  in  dem  guten  Rufe:
„Sanft  ist  die  Hausfrau  Yaidsllikä,  ruhig  ist  die  Hausfrau  Yaide-
        <pb n="66" />
        56

V.  Buddhas  Lehrweise.

hika,  friedfertig  ist  die  Hausfrau  Vaidehika."  Diese  Hausfrau
Yaidehikä,  ihr  Mönche,  hatte  eine  Dienerin  namens  Lall,  die
geschickt  und  fleißig  war  und  ihre  Arbeit  gut  besorgte.  Und  der
Dienerin  Kali,  ihr  Mönche,  kam  der  Gedanke:  „Meine  Herrin
steht  in  dem  guten  Rufe:  „Sanft  ist  die  Hausfrau  Vaidehika,
ruhig  ist  die  Hausfrau  Vaidehika,  friedfertig  ist  die  Hausfrau
Vaidehikä."  Zeigt  nun  etwa  meine  Herrin  ihren  inneren  Zorn
nicht,  oder  besitzt  sie  keinen?  Oder  besorge  ich  meine  Arbeit  so
gut,  daß  meine  Herrin  ihren  inneren  Zorn  nicht  zeigt?  Wie  wäre
es,  wenn  ich  sie  einmal  auf  die  Probe  stellte?"  Und  die  Dienerin
Kali,  ihr  Mönche,  stand  auf,  als  es  (schon  heller)  Dag  war.  Da
sprach,  ihr  Mönche,  die  Hausfrau  Vaidehika  zur  Dienerin  Kali:
„He  da,  Kali!"  „Was,  o  Herrin?"  „Was  stehst  du  bei  (hellem)
Tage  auf?"  „Das  macht  nichts,  o  Herrin!"  „Das  macht  nichts,
du  schlechte  Dienerin,  daß  du  am  (hellen)  Tage  aufstehst?",  sagte
sie  zornig  und  unzufrieden  und  runzelte  die  Brauen.  Da  kam
der  Dienerin  Kali,  ihr  Mönche,  der  Gedanke:  „Meine  Herrin
besitzt  inneren  Zorn,  zeigt  ihn  bloß  nicht.  Weil  ich  meine  Arbeit
gut  besorge,  zeigt  sie  den  inneren  Zorn  nicht,  den  sie  besitzt.  Wie
wäre  es,  wenn  ich  sie  noch  stärker  auf  die  Probe  stellte?"  Und
da  stand,  ihr  Mönche,  die  Dienerin  Kali  noch  später  am  Tage
auf.  Da  sprach,  ihr  Mönche,  die  Hausfrau  Vaidehika  zur  Dienerin
Kali:  „He  da,  KM!"  „Was,  o  Herrin?"  „Was  stehst  du  bei
(hellem)  Tage  auf?"  „Das  macht  nichts,  o  Herrin!"  „Das
macht  nichts,  du  schlechte  Dienerin,  daß  du  am  (hellen)  Tage  aufstehst?", ­
  sagte  sie  zornig  und  unzufrieden  mit  unzufriedenen  Worten.
(Mit  denselben  Worten,  wie  vorher,  wird  weiter  erzählt,  daß  Kal;,
um  ihre  Herrin  zu  prüfen,  zum  dritten  Male  noch  später  aufsteht.)
Da  ergriff  sie  zornig  und  unzufrieden  einen  Türriegel*),  gab  ihr
damit  einen  Schlag  auf  den  Kopf  und  schlug  ihr  ein  Loch  in  den
Kopf.  Da  machte  die  Dienerin  Kali  mit  dem  Loch  in  dem  Kopf,
und  indem  ihr  das  Blut  herabrann,  die  Nachbaren  aufmerksam:
„Seht,  ihr  Herren,  das  Werk  der  Sanften;  seht,  ihr  Herren,  das
Werk  der  Ruhigen;  seht,  ihr  Herren,  das  Werk  der  Friedfertigen!
Wer  wird  wohl  seiner  eigenen  Dienerin,  bloß  weil  sie  am  (hellen)
Tage  aufsteht,  mit  einem  Türriegel  zornig  und  unzufrieden  einen
Schlag  auf  den  Kopf  geben  und  ihr  ein  Loch  in  den  Kopf  schlagen?"
Und  da  kam,  ihr  Mönche,  die  Hausfrau  Vaidehikä  allmählich  in
1)  d.  h.  ein  Stück  Holz,  das  vorgesteckt  wird,  um  die  Tür  zu  schließen.
        <pb n="67" />
        Weichnisse.

57

den  üblen  Ruf:  „Die  Hausfrau  Yaidehika  ist  zornig;  die  Hausfrau ­
  Yaidehika  ist  unruhig;  die  Hausfrau  Yaidehika  ist  nicht
friedfertig."  So  auch,  ihr  Mönche,  ist  mancher  Mönch  hier  ganz
saust,  ganz  ruhig,  ganz  friedfertig,  solange  ihm  nicht  unfreundliche ­
  Reden  zu  Ohren  kommen.  Wenn  aber,  ihr  Mönche,  einem
Mönche  unfreundliche  Reden  zu  Ohren  kommen,  dann  soll  ein
Mönch  sanft  erfunden  werden,  ruhig  erfunden  werden,  friedfertig
erfunden  werden.  Ich  nenne,  o  Mönche,  einen  Mönch  nicht  sanftmütig, ­
  der  sanftmütig  ist  und  Sanftmut  zeigt,  damit  ihm  Kleidung, ­
  Speise,  Lagerstatt  und  Arznei  für  den  Fall  einer  Krankheit
gegeben  wird.  Warum?  Weil  der  Mönch,  wenn  er  keine  Kleidung, ­
  Speise,  Lagerstatt  und  Arznei  für  den  Fall  einer  Krankheit
bekommt,  nicht  sanftmütig  ist  und  keine  Sanftmut  zeigt.  Den
Mönch  nenne  ich  sanftmütig,  ihr  Mönche,  der  sanftmütig  ist  und
Sanftmut  zeigt,  indem  er  das  Gesetz  ehrt,  das  Gesetz  hochhält,
das  Gesetz  achtet.  Deswegen,  ihr  Mönche,  sollt  ihr  lernen:  Wir
wollen  sanftmütig  sein  und  Sanftmut  zeigen,  indem  wir  das  Gesetz
ehren,  das  Gesetz  hochhalten,  das  Gesetz  achten."
Gern  gebrauchte  Buddha  auch  das  Bild  des  Arztes.  Die  Gefahren, ­
  die  einem  Mönche  drohen,  werden  verglichen  mit  den  Gefahren, ­
  denen  ein  Badender  ausgesetzt  ist:  die  Gefahr  durch  Wellen,
Krokodile,  Strudel,  Delphine.  Asketen  und  Priester,  die  auf
falsche  Weise  die  Erkenntnis  zu  erlangen  suchen,  werden  verglichen
mit  einem  Manne,  der,  um  Sesamöl  zu  gewinnen,  einen  Trog
mit  Sand  füllt,  den  Sand  oft  befeuchtet  und  dann  jedesmal  ausdrückt, ­
  oder  der,  um  Milch  zu  bekommen,  das  Horn  einer  Kuh
mit  neugeborenem  Kalbe  melkt,  oder  der,  um  Butter  zu  machen,
Wasser  in  einen  Krug  gießt  und  das  Wasser  mit  dem  Rührstab
quirlt,  oder  der,  um  Feuer  zu  entflainmen,  nasses  Holz  und  ein
feuchtes  oberes  Reibholz  nimmt.  Die  Fülle  solcher  Gleichnisse  ist
ganz  unerschöpflich.  Manche  kehren  in  verschiedenen  Teilen  des
Kanons  ganz  gleichlautend  wieder,  wie  das  Gleichnis  von  der
Henne  und  den  Eiern,  das  auch  in  den  in  Turkestan  gefundenen
Bruchstücken  des  Sanskritkanons  erwähnt  wird:  „Wie  wenn,  ihr
Mönche,  eine  Henne  acht,  oder  zehn,  oder  zwölf  Eier  hätte,  und
diese  wären  von  der  Henne  richtig  gelegt,  richtig  bebrütet,  richtig
gebildet,  sollte  da  die  Henne  nicht  den  Wunsch  haben:  „Möchten
doch  meine  Kücken  mit  der  Spitze  der  Kralle  oder  mit  dem  Schnabel
die  Eischale  zerbrechen  und  glücklich  herauskommen",  und  die  Kücken
sind  fähig,  mit  der  Spitze  der  Kralle  oder  mit  dem  Schnabel  die
        <pb n="68" />
        58

V.  Buddhas  Lehrweise.

Eischale  zu  zerbrechen  und  glücklich  herauszukommen,  ebenso,  ihr
Mönche,  ist  ein  Mönch,  der  die  fünfzehn  Teile  des  eifrigen  Strebens
  (nach  der  Erlösung)  besitzt,  fähig  zum  Durchdringen,  fähig
zur  Erleuchtung,  fähig  zur  Erlangung  des  höchsten  Heils."
Buddha  schrickt  auch  vor  sehr  kühnen  Vergleichen  nicht  zurück:
„Wie  wenn,  ihr  Mönche,  ein  Mann  eine  einlochige  Reuse  in  das
Meer  würfe,  und  diese  der  Ostwind  nach  Westen,  der  Westwind
nach  Osten,  der  Nordwind  nach  Süden,  der  Südwind  nach  Norden
zusammenballte;  dort  wäre  eine  einäugige  Schildkröte  und  diese
tauchte  nach  Verlauf  von  hundert  Jahren  einmal  in  die  Höhe.
Was  meint  ihr  wohl,  o  Mönche?  Würde  diese  einäugige  Schildkröte ­
  in  jene  einlochige  Reuse  ihren  Hals  stecken?"  „Wenn  überhaupt, ­
  o  Herr,  dann  doch  nur  nach  Ablauf  einer  langen  Zeit."
„Eher  noch  wird,  ihr  Mönche,  die  einäugige  Schildkröte  in  jene
einlochige  Reuse  den  Hals  stecken,  als  daß  ein  Tor,  so  sage  ich,
ihr  Mönche,  der  in  die  vier  Zustände  der  Pein  gekommen  ist 1 ),
wieder  Mensch  wird."
Die  Gleichnisse  sind  reich  an  feinen  Beobachtungen  des  menschlichen ­
  Lebens  und  der  Natur  und  für  uns  sehr  wertvoll  wegen
der  vielen  Aufschlüsse,  die  sie  uns  über  indische  Sitten  und  Gebräuche ­
  geben.  Nicht  selten  werden  uns  die  Gedanken  Buddhas
in  der  Form  eines  Dialoges  vorgetragen.
Bei  Bekehrungsgeschichten  pflegt  Buddha  allein  ausführlich  zu
sprechen,  und  der  Angeredete  am  Schlüsse  nur  mit  wenigen  Worten
sich  zustimmend  zu  äußern.  Neben  den  Gleichnissen  trug  Buddha
sehr  oft  auch  zur  Erläuterung  Geschichten  aus  alter  Zeit,  Fabeln
und  Märchen  vor.  Er  kam  damit  einer  Neigung  des  indischen
Volkes  entgegen.  Schon  sehr  früh  sind  einige  dieser  Geschichten
so  gewendet  worden,  daß  Buddha  selbst  in  einer  früheren  Geburt
als  Bodhisattva,  d.  h.  als  ein  Wesen,  das  bestimmt  ist,  einst  ein
Buddha  zu  werden,  der  Held  der  Erzählung  ist,  die  übrigen
handelnden  Personen  oder  Tiere  aber  seine  Freunde,  Gefährten,
Jünger  oder  Gegner  sind.  Nach  diesen  Mustern  sind  später  eine  große
Anzahl  alter  Geschichten  umgewandelt,  sehr  viele  neue  hinzuerfundeu
  worden.  Diese  Art  Erzählungen  führt  den  Namen
Jätaka,  „Vorgeburtsgeschichten".  Sie  sind  gesammelt  in  einem
eigenen  Werke  gleichen  Namens.  Die  alte  Zahl  dieser  Jatakas  ist
1)  Der  Buddhismus  nimmt  vier  Zustände  (apäya)  au,  in  die  der
Sünder  nach  dem  Tode  geraten  kann:  Hölle,  Geburt  als  Tier,  Gespenst,
Dämon.
        <pb n="69" />
        Jätaka.

59

34.  Jetzt  ist  sie  bei  den  südlichen  Buddhisten  bis  auf  547  gestiegen; ­
  bei  den  nördlichen  ist  sie  geringer.  Viele  dieser  Erzählungen ­
  erweisen  sich  deutlich  als  Variationen  und  junge  Nachbildungen. ­
  Von  Indien  aus  sind  sie  auf  dem  oben  (S.  19)  angegebenen ­
  Wege  nach  dem  Occident  gewandert.  Viele  der  Märchen
und  Fabeln,  die  uns  als  Kinder  entzückt  haben,  und  die  wir  noch
heute  gern  wieder  lesen,  lassen  sich  in  Indien  zuerst  nachweisen.
Oft  wird  dem  Jätaka  eine  Vorgeschichte  vorausgeschickt,  die
die  Umstände  angibt,  unter  denen  das  Jätaka  erzählt  wurde,  und
die  sich  von  dem  Jätaka  bisweilen  nur  so  wenig  unterscheidet,  daß
in  diesem  einfach  auf  sie  verwiesen  wird.  Entweder  ist  es  Buddha
in  einer  früheren  Existenz  allein,  der  in:  Jätaka  auftritt,  oder  es
sind  mehrere  Personen,  und  die  Bösewichte  werden  identifiziert
mit  Leuten,  die  im  Leben  des  Buddha  eine  schlechte  Rolle  gespielt
haben,  die  Guten  mit  Freunden  des  Buddha.  Die  Erzählungen
knüpfen  meist  an  einen  Vers  einer  Strophe  an,  die  im  Jätaka  vollständig ­
  mitgeteilt  wird.  Die  Zahl  der  Strophen  ist  sehr  verschieden.
Die  kürzesten  Jätakas  enthalten  nur  eine,  die  längsten  mehrere
hundert.  Überhaupt  werden  dem  Buddha  oft  Verse  in  den  Mund
gelegt.  Teils  sind  es  alte,  oft  sprichwörtliche  Verse,  teils  im  Augenblick ­
  entstandene.  Das  gewöhnliche  Metrum,  der  Sloka,  ist  sehr
einfach  und  frei  gebaut,  so  daß  es  leicht  zu  handhaben  war.  Es
ist  sehr  wahrscheinlich,  daß  Buddha  und  seine  Jünger  die  prosaische
Erzählung  oft  durch  Verse  unterbrachen.  Von  einem  der  Ältesten,
Vangisa,  wird  ausdrücklich  überliefert,  daß  er  vor  andern  die
Gabe  des  Jmprovisierens  besaß.  Jedenfalls  bilden  die  Verse  den
ältesten  Bestand  der  Jätaka«.  Nur  sie  sind  in  den  ältesten  Teil
des  südlichen  Kanons  ausgenommen  worden.  Sie  waren  das  feste
Gerippe,  an  das  sich  die  Prosaerzählung  angliederte,  die  je  nach
dem  Bedürfnis,  nach  Ort,  Zeit  und  Person  sich  änderte.  So  war
es  in  Indien  schon  in  vedischer  Zeit,  und  so  ist  es  bis  auf  den
heutigen  Tag  geblieben,  nicht  nur  bei  den  Erzählungen,  sondern
auch  bei  den  Theaterstücken.  In  nordbuddhistischen  Texten,  wie
dem  Lalitavistara  und  Mahävastu,  wird  dieselbe  Geschichte,  zuweilen ­
  in  etwas  abweichender  Gestalt,  oft  zugleich  in  Prosa  und
Versen,  vorgetragen.  Überall  macht  die  metrische  Fassung  den
älteren  Eindruck.  Im  Nabäpariuibbäuasutta  werden  Strophen
mitgeteilt,  die  beweisen,  daß  es  eine  alte  Lebensbeschreibung  des
Buddha  in  Versen  gegeben  haben  muß.  In  Indien  herrscht  von
ältester  Zeit  an  der  Vers,  dessen  sich,  wenn  wir  späteren  Werken
        <pb n="70" />
        60

V.  Buddhas  Lehrweise.

glauben  dürfen,  gelegentlich  auch  die  niedrigsten  Stände  bedienten.
Wie  beliebt  und  bekannt  die  Jätakas  schon  in  früher  Zeit  gewesen
sein  müssen,  zeigt  der  Umstand,  daß  sich  Abbildungen  einzelner
Szenen  daraus  auf  dem  Stüpa  von  Bharaut  finden.
Die  Art  der  Predigt  und  Lehre,  das  geschickte  Heranziehen
volkstümlicher  Erzählungen,  von  Gleichnissen,  Sprichwörtern  und
Sentenzen,  hat  ohne  Zweifel  viel  dazu  beigetragen,  dem  Weisen
aus  dem  Geschlechte  der  Säkyas  die  Herzen  des  Volkes  zu  gewinnen ­
  und  ihm  Gläubige  in  Scharen  zuzuführen.  Dazu  kam
seine  Persönlichkeit  und  die  Gunst  mächtiger  Könige.  Aber  alles
das  hätte  schwerlich  seinen  großen  Erfolg  ermöglicht,  wenn  die
Lehre  selbst  nicht  den  Bedürfnissen  der  Menge  entgegengekommen
wäre.
        <pb n="71" />
        VI.  Die  Lehre  -es  Ouddha.
Im  vbainmaxacka  findet  sich  ein  Vers  (183),  der  Buddha
selbst  zugeschrieben  wird,  und  den  die  Buddhisten  noch  heut  als
eine  Art  Glaubensbekenntnis  rezitieren:  „Die  Unterlassung  aller
Sünde,  das  Tun  alles  Guten,  die  Reinigung  des  Herzens:  das
ist  die  Lehre  des  Buddha."  Und  diesem  Verse  entspricht  durchaus,
was  uns  als  Lehre  des  Buddha  überliefert  wird.  Sie  bewegt  sich
um  zwei  Punkte:  Leiden  und  Erlösung.  Es  heißt:  „So  wie,  ihr
Mönche,  das  große  Weltmeer  nur  einen  Geschmack  hat,  den  Geschmack ­
  des  Salzes,  so  hat  auch  diese  Lehre  nur  einen  Geschmack,
den  Geschmack  der  Erlösung."  Sie  stellt  sich  also  ein  ganz  bestimmtes, ­
  praktisches  Ziel:  die  Erlösung.  Erlösung  aber  bedeutet
für  den  Inder  Erlösung  von  der  Wiedergeburt.
Die  ganze  Lehre  des  Buddha  ist  gegründet  auf  die  sogenannten
„Vier  edlen  Wahrheiten."  Diese  sind:  Das  Leiden,  die  Entstehung
des  Leidens,  die  Aufhebung  des  Leidens,  der  Weg,  der  zur  Aufhebung ­
  des  Leidens  führt.  Mit  anderen  Worten:  1.  Alles,  was
existiert,  ist  dem  Leiden  unterworfen.  2.  Dieses  Leiden  hat  seine
Ursache  in  den  menschlichen  Leidenschaften.  3.  Die  Befreiung  von
den  Leidenschaften  befreit  vom  Leiden.  4.  Der  Weg  zur  Befreiung
ist  „der  edle  achtgliedrige  Weg."  Die  erste  Wahrheit  stellt  also
fest,  daß  das  Leiden  in  der  Welt  da  ist,  die  zweite,  warum  es  da
ist,  die  dritte,  daß  es  vernichtet  werden  kann,  und  die  vierte,
wie  es  vernichtet  werden  kann.  Diese  vier  edlen  Wahrheiten
spielen  schon  in  der  ersten  Predigt  Buddhas,  der  Predigt  von
Benares,  die  ich  oben  mitgeteilt  habe  (S.  27  f.),  die  Hauptrolle.
Sie  kehren  in  den  heiligen  Schriften  der  Buddhisten  unzählige
Male  wieder,  und  Buddhas  Jünger  tragen  sie  den  Mönchen  mit
genau  denselben  Worten  vor  wie  der  Meister.  Sie  gelten  als  das
Erkennungsmittel  eines  wahren  Buddhisten.  So  sagt  einmal
Lariputrn:  „Wenn,  ihr  Brüder,  ein  edler  Jünger  das  Leiden  erkennt, ­
  die  Entstehung  des  Leidens,  die  Vernichtung  des  Leidens,
den  Weg,  der  zur  Vernichtung  des  Leidens  führt,  dann  hat  der
        <pb n="72" />
        62

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

edle  Jünger  die  richtige  Erkenntnis,  dann  ist  seine  Erkenntnis
wahrhaft;  er  glaubt  an  die  Lehre,  er  gehört  der  guten  Lehre  an."
Die  Vierteilung  ist,  worauf  Kern  hingewiesen  hat,  dem  Systeme
der  Medizin  entnommen,  dem  schon  der  Laipüb^a-Voga  gefolgt
war.  Sie  entspricht  den  vier  Stufen  der  Mediziner:  Krankheit,
Gesundheit,  Ursache  der  Krankheit,  Heilung,  und  den  vier  Stufen
des  Yoga:  das  zu  Vermeidende,  das  Vermeiden,  die  Ursache  des
zu  Vermeidenden  und  das  Mittel  zum  Vermeiden.  Auch  im  einzelnen ­
  ist,  wie  wir  sehen  werden,  Buddha  über  seine  Lehrer  nicht
hinausgekommen.  Ihm  eigen  ist  allein  die  Fassung  der  vier  Wahrheiten. ­

Von  der  ersten  Wahrheit  sagt  die  Predigt  von  Benares:  „Dies,
ihr  Mönche,  ist  die  edle  Wahrheit  vom  Leiden:  Geburt  ist  Leiden,
Alter  ist  Leiden,  Krankheit  ist  Leiden,  Tod  ist  Leiden,  Vereinigung
mit  Unliebem  ist  Leiden,  Trennung  von  Liebem  ist  Leiden,  Gewünschtes ­
  nicht  erlangen  ist  Leiden,  kurz,  die  fünf  Elemente,  die
das  Hasten  am  Dasein  bewirken*),  sind  Leiden."
Schon  durch  diese  erste  edle  Wahrheit  erweist  sich  der  Buddhismus ­
  als  Pessimismus.  Und  in  der  Tat  gibt  es  keine  andere  Religion ­
  der  Erde,  die  auf  so  pessimistischer  Grundlage  aufgebaut
ist,  und  deren  Bekenner  von  der  Nichtigkeit  und  Elendigkeit  dieses
Daseins  so  tief  durchdrungen  sind,  wie  der  Buddhismus.  Keine
wahre  Religion  ist  denkbar  ohne  einen  Tropfen  Pessimismus.
Aber  keine  hat  es  mit  so  unverhüllter  Rücksichtslosigkeit  ausgesprochen, ­
  daß  diese  Erde  ein  Jammertal  ist,  wie  der  Buddhismus.
Was  Schopenhauer  sagt,  daß  an  unserer  rätselhaften  Existenz
nichts  klar  ist  als  ihr  Elend  und  ihre  Nichtigkeit,  ist  auch  die  Ansicht ­
  des  Buddha.  Aber  Buddha  ist  auch  hier  nicht  originell.  Er
hat  nur  zur  Religion  gemacht,  was  vor  ihm  seine  Lehrer  als
Philosophie  vorgetragen  hatten.  Kapila  sagt:  „Nirgends  ist  irgend
jemand  glücklich",  und:  „Die  gänzliche  Beseitigung  des  dreifachen
Leidens  ist  das  Endziel  (der  Seele)",  und  Patafijali;  „Für  den
Verständigen  ist  alles  Leid".  Buddha  hat  bewirkt,  daß  diese  Wahrheit ­
  nicht  bloß  „der  Verständige"  erkannte.  Er  hat  sie  ins  Volk
hinausgetragen.  Die  Nichtigkeit  aller  Dinge  wird  in  den  buddhistischen ­
  Schriften  in  den  stärksten  Farben  gemalt.  Im  Dhammapada
  heißt  es:  „Aus  Freude  wird  Leid  geboren,  aus  Freude  wird
Furcht  geboren.  Wer  von  Freude  erlöst  ist,  für  den  gibt  es  kein

1)  Das  sind  die  fünf  Skandhas,  von  denen  später  die  Rede  sein  wird.
        <pb n="73" />
        Die  vier  edlen  Wahrheiten.

63

Leid;  woher  käme  ihm  Furcht?  Aus  Liebe  wird  Leid  geboren,
aus  Liebe  wird  Furcht  geboren.  Wer  von  der  Liebe  erlöst  ist,  für
den  gibt  es  kein  Leid;  woher  käme  ihm  Furcht?"  Immer  von
neuem  wird  eingeschärft,  daß  der  Tod  allen  Freuden  ein  Ende
macht,  und  daß  niemand  ihm  entrinnen  kann.  „Nicht  im  Luftraum, ­
  nicht  in  des  Meeres  Mitte,  nicht  wenn  du  in  Felsenhöhlen
eindringst,  findest  du  auf  Erden  eine  Stätte,  wo  dich  der  Tod
nicht  überwältigt."  Derartige  Aussprüche  sind  unzählbar.  Durch
die  Vergänglichkeit  der  Dinge  wollte  Buddha  vor  allem  ihre  Wertund
  Nutzlosigkeit  beweisen.
Die  zweite  edle  Wahrheit  handelt  von  der  Entstehung  des  Leidens. ­
  Die  Predigt  von  Benares  sagt  darüber:  „Dies,  ihr  Mönche,
ist  die  edle  Warheit  von  der  Entstehung  des  Leidens:  Es  ist  dieser
Durst,  der  die  Wiedergeburt  bewirkt,  der  von  Freude  und  Verlangen ­
  begleitet  ist,  der  hier  und  dort  seine  Freude  findet,  wie
der  Durst  nach  Lüsten,  der  Durst  nach  (ewigem)  Leben,  der  Durst
nach  (ewigem)  Tode."  Unter  „Durst"  (llftsyä,  Pali  Tanha)  versteht ­
  Buddha  die  Lebenslust,  den  Willen  zum  Leben,  die  Bejahung
des  Willens  zum  Leben.  Im  SuttanipZta  heißt  es:  „Alles  Leid,
das  entsteht,  kommt  aus  dem  Durste,  aber  durch  völlige  Vernichtung ­
  des  Durstes,  durch  Freisein  von  Leidenschaft,  kann  kein  Leid
entstehen.  Ein  Mann,  der  von  Durst  begleitet,  lange  auf  den
Wegen  der  Seelenwanderung  umherirrt,  wird  von  der  Seelenwanderung ­
  nicht  befreit".  Und  das  Dhammapada  sagt:  „Wen  in
der  Welt  dieser  schlimme  Durst  bewältigt,  der  giftige,  dessen  Leid
wächst,  wie  das  wuchernde  Liraya-Gras.  Wer  in  der  Welt  den
schlimmen  Durst  bezwingt,  den  schwer  zu  bewältigenden,  von  dem
fällt  das  Leid  ab,  wie  ein  Wassertropfen  von  einem  Lotosblatt.
Wie  ein  Baum,  auch  wenn  er  gefällt  ist,  wieder  wächst,  wenn
seine  Wurzel  unverletzt  ist,  so  kehrt  auch  das  Leiden  immer  von
neuem  wieder,  wenn  nicht  der  Durst  und  das  Verlangen  vernichtet ­
  sind.  Menschen,  von  Durst  getrieben,  rennen  umher  wie
ein  Hase  in  Schlingen.  In  Fesseln  und  Banden  geschlagen,  erdulden ­
  sie  lange  Zeit  Leid,  wieder  und  wieder.  Der  Tor  vernichtet
sich  durch  seinen  Durst  nach  Vergnügungen,  als  wenn  er  sein
eigener  Feind  wäre."
Dem  Volke  gegenüber  genügte  es,  die  Tatsache  festzustellen,
daß  der  Durst  vorhanden  und  die  Ursache  des  Leidens  sei.  Das
ließ  sich  ja  leicht  an  Beispielen  des  täglichen  Lebens  zeigen.  Dem
Eingeweihten  aber  mußten  sich  notwendig  die  Fragen  aufdrängen:
        <pb n="74" />
        64

YI.  Die  Lehre  des  Buddha.

Woher  kommt  der  Durst?  Was  ist  die  Ursache,  daß  wir  immer
von  neuem  ihm  verfallen?  Wie  ist  es  zu  erklären,  daß  er  uns
von  Geburt  zu  Geburt  treibt?  Buddha  ist  der  Beantwortung
dieser  Fragen  nicht  ausgewichen.  Schon  in  den  ältesten  Texten
finden  wir  die  Antwort  scharf  formuliert,  aber  in  dunkler,  technischer ­
  Sprache,  die  das  Verständnis  sehr  schwierig  macht.  Diese
Formel  führt  den  Namen  Pratitz-asaiQutpaäa,  Pali  Paticcasamuppäda,
  d.  h.  „Entstehen  (eines  Dinges)  in  Abhängigkeit ­
  (von  einem  andern)",  also  die  Formel  vom  „Zusammenhang
von  Ursache  und  Wirkung",  vom  „Kausalnexus".  Diese  Formel
ist  eine  der  grundlegenden  Lehren  des  Buddhismus  und  lvird
an  Heiligkeit  unmittelbar  den  vier  edlen  Wahrheiten  angereiht,
mit  denen  sie  zuweilen  direkt  verbunden  ist.  Sie  lautet:  „Aus
dem  Nichtwissen  entstehen  die  latenten  Eindrücke;  aus  den  latenten ­
  Eindrücken  entsteht  die  Denksubstanz;  aus  der  Denksubstanz
entsteht  Name  und  Form;  aus  Name  und  Form  entstehen  die
sechs  Organe;  aus  den  sechs  Organen  entsteht  Berührung;  aus
der  Berührung  entsteht  Empfindung;  aus  der  Empfindung  entsteht ­
  Durst;  aus  dem  Durst  entsteht  das  Haften  (an  der  Existenz);
aus  dem  Haften  (an  der  Existenz)  entsteht  Werden;  aus  dem
Werden  entsteht  Geburt;  aus  der  Geburt  entsteht  Alter  und  Tod,
Schmerz  und  Klagen,  Leid,  Kummer  und  Verzweiflung.  Das  ist
die  Entstehung  des  ganzen  Reiches  des  Leidens."
Gewöhnlich  wird  die  Formel  auch  „rückwärts",  d.  h.  negativ,
dieser  positiven  Fassung  angereiht:  „Wird  aber  das  Nichtwissen
aufgehoben  unter  gänzlicher  Vernichtung  des  Begehrens,  so  bewirkt ­
  dies  die  Aufhebung  der  latenten  Eindrücke;  durch  die  Aufhebung ­
  der  latenten  Eindrücke  wird  die  Denksubstanz  aufgehoben;
durch  die  Aushebung  der  Denksubstanz  wird  Name  und  Form
aufgehoben;  durch  Aufhebung  von  Name  und  Fornr  werden  die
sechs  Organe  aufgehoben;  durch  die  Aufhebung  der  sechs  Organe
wird  die  Berührung  aufgehoben;  durch  Aufhebung  der  Berührung
wird  die  Empfindung  aufgehoben;  durch  Aufhebung  der  Empfindung ­
  wird  der  Durst  aufgehoben;  durch  Aufhebung  des  Durstes
wird  das  Haften  (an  der  Existenz)  aufgehoben);  durch  Aufhebung
des  Haftens  (an  der  Existenz)  wird  das  Werden  aufgehoben;
durch  Aufhebung  des  Werdens  wird  die  Geburt  aufgehoben;
durch  Aufhebung  der  Geburt  werden  Alter  und  Tod,  Schmerz
und  Klagen,  Leid,  Kummer  und  Verzweiflung  aufgehoben.  Das
ist  die  Aufhebung  des  ganzen  Reiches  des  Leidens."
        <pb n="75" />
        Die  Formel  vom  Kausalnexus.

.65

In  dieser  negativen  Fassung  ist  die  Formel  im  Grunde  nichts
weiter  als  eine  Ausführung  der  dritten  der  vier  edlen  Wahrheiten,
der  Wahrheit  von  der  Aufhebung  des  Leidens.  Die  Predigt  von
Benares  sagt  darüber:  „Dies,  ihr  Mönche,  ist  die  edle  Wahrheit
von  der  Aufhebung  des  Leidens:  Es  ist  das  völlige  Freisein  von
diesein  Durste,  sein  Aufgeben,  Fahrenlassen,  Ablegen,  Verbannen."
Die  Formel  erklärt  somit  zugleich  auch  die  dritte  Wahrheit.
Wie  ist  nun  aber  die  Formel  selbst  zu  verstehen?  Die  Frage
ist  jetzt  leichter  zu  beantworten  als  früher,  seit  wir  wissen,  daß
der  theoretische  Buddhismus  ganz  aus  dem  Sämkhya-Yoga  beruht. ­
  Das  Wort  der  Formel,  das  ich  mit  „latente  Eindrücke"
übersetzt  habe,  Sanskrit  8aip8karäl&amp;gt;,  Pali  8aükdärä,  ist  sehr
schwierig  zu  verstehen,  und  die  Übersetzung  nur  ein  Notbehelf.
Man  hat  es  mit  „Gestaltungen"  übersetzt,  oder  mit  „Strebungen",
„Unterscheidungen",  „Verdienst  und  Verschuldung",  „Residuum".
Die  letzte  Übersetzung  kommt  der  Wahrheit  am  nächsten.  8aip8kara
bedeutet  wörtlich  „Zubereitung",  „Zurüstung",  „Bearbeitung";
dann  in  passivem  Sinne  „das  Zubereitete",  „Bearbeitete",  „Gemachte", ­
  „die  Form".  In  weiterem  Sinne  ist  es  dann  der  Ausdruck ­
  für  die  Summe  aller  Formen,  die  Materie,  für  alles,  was
existiert.  Es  wird  aber  auch  vom  Geiste  gebraucht,  und  entsprechend ­
  seiner  Grundbedeutung  „Zubereitung",  „Bearbeitung"
wird  es  angewendet  auf  die  Fähigkeit  des  Geistes,  gute  und
schlechte  Taten  zu  bewirken,  seine  Empfänglichkeit,  Anlage,  Prädisposition ­
  für  solche  Taten.  Und  diesen  Sinn  hat  das  Wort  in
unserer  Formel.  Nach  der  Lehre  des  8aiuküya  besitzt  jedes  Wesen
außer  dem  grob-materiellen,  sichtbaren  Körper  (8tbü1aäarira),
der  vergänglich  ist,  noch  einen  feinen,  inneren  Körper  (Lingaäarira),
  der  zusammen  mit  der  Seele  aus  einem  groben  Körper
in  den  andern  zieht.  Dieser  innere  Körper  ist  der  Sitz  aller  psychischen ­
  Vorgänge,  und  er  wird  nach  dem  8amkllya  durch  eine
Reihe  von  Elementen  gebildet,  an  deren  Spitze  das  Denkorgan
oder  die  Denksubstanz  Uuääbi,  wörtlich  „Verstand",  steht.  Diese
Denksubstanz  wird  inimer  wieder  in  Bewegung  gesetzt  durch  die
8am8karas  oder  Väsanäs,  d.  h.  die  im  Verstände  ruhenden  Eindrücke, ­
  die  von  früheren  Taten  (Karman)  im  Verstände  zurückgeblieben ­
  sind  und  sich  von  Geburt  zu  Geburt  vererben.  Die
8aip8Üära8  sind  also  das,  was  von  früheren  Geburten  im  Geiste
latent  zurückgeblieben  ist  und  sich  bei  gegebener  Veranlassung  im
Geiste  entwickelt  und  zu  neuen  Taten  führt.  Diese  8aip8üara8
ANuG  109:  Pischel,  Leben  und  Lehre  des  Buddha.  2.  Aufl.  5
        <pb n="76" />
        66

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

können  während  vieler  Existenzen  eines  Wesens  schlummern;  das
betreffende  Wesen  braucht  sich  ihrer  gar  nicht  bewußt  zu  sein.  Sie
haben  aber  Lebenskraft  und  treten  wieder  hervor,  wenn  die  Gelegenheit ­
  sich  bietet.  Sie  sind  die  latenten  Eindrücke,  die  Prädispositionen, ­
  die  die  Möglichkeit  zu  guten  und  schlechten  Taten
geben,  der  Antrieb  dazu  sind,  gleichsam  die  Bazillen,  die  sich  unter
bestimmten,  für  sie  günstigen  Bedingungen  entwickeln.  Solange
sich  also  solche  Samskäras  im  Geiste  befinden,  kann  er  nicht  zur
Ruhe  kommen.  Sie  müssen  daher  vertilgt  werden.  Das  geschieht,
wenn  der  Mensch  das  „Nichtwissen"  (Avidyä)  vernichtet.  Unter
„Nichtwissen"  verstehen  Sämkhya  und  Yoga  die  Unkenntnis  davon,
daß  Geist  und  Materie  etwas  voneinander  ganz  Verschiedenes
sind.  Erkennt  der  Mensch  dies,  so  schwindet  der  Irrtum.  Die
Verbindung  von  Geist  und  Körper  wird  gelöst,  es  tritt  der  Zustand ­
  des  „Alleinseins"  (Kaivalya),  der  „Erlösung"  (Mukti),
des  „Erlöschens"  (Nirvana)  ein.  Das  Nichtwissen  ist  also  die
Ursache  der  Lamskäras.  Genau  so  lehrt  der  Buddha.  Aber  sein
„Nichtwissen"  ist  ein  anderes.  Die  buddhistischen  Texte  lassen
keinen  Zweifel  daran,  was  Buddha  unter  „Nichtwissen"  verstanden
hat.  8ärixntra  sagt  einmal  in  einem  alten  Texte:  „Das  Leiden
nicht  kennen,  o  Freund,  die  Entstehung  des  Leidens  nicht  kennen,
die  Aufhebung  des  Leidens  nicht  kennen,  den  Weg  nicht  kennen,
der  zur  Aufhebung  des  Leidens  führt,  das,  o  Freund,  wird  „Nichtwissen" ­
  genannt."  Dasselbe  ergibt  sich  aus  anderen  Stellen.
„Nichtwissen"  ist  also  der  Mangel  der  Kenntnis  der  Lehre  Buddhas. ­
  Wer  sie  nicht  kennt,  kann  die  Samskäras  nicht  vernichten
und  damit  nicht  zur  Erlösung  gelangen.  Childers,  der  in  seinem
Diotionary  of  the  Pali  Language  (London  1875)  mehr  als
irgend  ein  anderer  das  Verständnis  der  technischen  Ausdrücke  des
Buddhismus  gefördert  hat,  hat  bereits  bemerkt,  daß  die  Samskäras ­
  hinüberleiten  auf  das  Gebiet  des  Kaiman,  Pali  Kammam,
  d.  h.  der  Handlungen  des  Menschen,  seiner  guten  und  bösen
Taten.  Wenn  von  früheren  Geburten  her  der  Geist  zum  Guten
oder  Bösen  prädisponiert  ist,  so  mußte  notwendig  die  Frage  entstehen, ­
  ob  denn  der  Mensch  aus  sich  heraus  etwas  tun  könne,  um
diese  Prädispositionen  zu  beeinstussen.  Darüber  gingen  die  Meinungen ­
  weit  auseinander.  Die  einen  behaupteten,  der  Mensch
könne  sein  Schicksal  durch  eigene  Tat  bestimmen,  die  andern  leugneten ­
  dies  (vgl.  oben  S.  14).  An  der  Spitze  der  Leugner  stand
zur  Zeit  Buddhas  Makkhali  Gosäla  oder,  wie  ihn  die  Nörd-
        <pb n="77" />
        Die  Formel  vom  Kausalnexus.

67

lichen  nennen,  Maskarin  Gosälikäputra,  einer  der  sec^s
Lehrer,  die  zugleich  mit  Buddha  im  Lande  umherzogen.  Er  war
der  Stifter  der  Sekte  der  Äjivikas,  die  der  König  Asoka  Priyadarsin
(263—226,  nach  andern  272—232  vor  Chr.)  in  einer  seiner
Felseninschriften  erwähnt.  Sie  müssen  also  damals  noch  zahlreich
gewesen  sein.  Er  ist  auch  den  Jainas  wohlbekannt,  die  ihn  Gosala
  Mankhaliputta  nennen  und  zu  einem  abtrünnigen  Schüler
ihres  Meisters  Mahävira  machen.  Von  der  Lehre  des  Makkhali
ist  uns  leider  sehr  wenig  bekannt.  Wir  erfahren  aber,  daß  er
lehrte:  „Es  gibt  kein  Handeln,  es  gibt  keine  Tat,  es  gibt  keinen
Willen",  also  die  Freiheit  des  Willens  leugnete.  Ihm  traten
Nabavlra  und  Buddha  gegenüber.  Mahavira  lehrte:  „Es  gibt
eine  Anstrengung,  es  gibt  ein  Handeln,  eine  Kraft,  einen  Willen,
mannhaftes  Wollen  und  Tun",  und  Buddha:  „Ich  lehre,  daß  es
ein  Handeln,  eine  Tat,  einen  Willen  gibt."  Buddha  erklärte:  wie
von  allen  gewebten  Gewändern  ein  härenes  das  schlechteste  sei,  so  sei
von  allen  Lehren  die  des  Makkhali  die  schlechteste.  Nach  Buddha
kann  also  der  Mensch  sein  Schicksal  beeinflussen,  ja,  bestimmen.
Der  erste  Satz  der  Kausalitätsformel  besagt  also:  Wer  die
Lehre  des  Buddha  nicht  kennt  und  nicht  bekennt,  wird  nicht  frei
von  den  Prädispositionen  zu  einer  neuen  Geburt.
Der  zweite  Satz  lautet:  „Aus  den  Samskaras  entsteht  die  Denksubstanz." ­
  Das  Wort  für  Denksubstanz  ist  Vijfiana,  Pali
Vinnana,  und  das  entspricht  genau  der  Buddhi  des  Samkhya.
Die  Scholiasten  gebrauchen  beide  Worte  als  Synonyma.  Buddhi
ist  gewöhnlich  die  Fähigkeit,  Vorstellungen  zu  bilden  und  festzuhalten, ­
  die  Urteilskraft,  die  Einsicht.  In  der  Philosophie  des
Samkhya  aber  ist  Buddhi  eine  Substanz,  die  Denksubstanz.  Sie
ist  das  Organ  der  Unterscheidung,  des  Urteils,  der  Entschließung,
und  sie  gilt  für  das  hervorragendste  der  inneren  Organe,  weshalb
sie  auch  Mahat,  „das  Große",  oder  Mahan,  „der  Große",  genannt ­
  wird,  im  Yoga  Gitta  „Denken",  „Gedanke",  „Sinn".  Auch
die  Buddhisten  bezeichnen  das  Yijnäna  als  eine  Substanz,  ein
Element  (Dhätu).  Es  ist  ihnen  das  sechste  Element  neben  Erde,
Wasser,  Feuer,  Wind,  Äther.  Es  wird  als  ein  feines,  nichtkörperliches ­
  Element  gedacht,  das  nicht  mit  dem  Menschen  stirbt,  sondern
mit  und  durch  die  Samskaras  nach  dem  Tode  übrig  bleibt  und
der  Keim  zu  einer  neuen  Existenz  ist.  Es  ist  identisch  mit  dem
Biügasarlra  des  Samkhya  (S.  65).  Die  Samskaras  erzeugen  es;
es  ist  ihre  Entwicklung,  ihre  Entfaltung,  ihr  Jndieerscheinungtreten.
5*
        <pb n="78" />
        68

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

Eng  damit  verbunden  ist  der  dritte  Satz:  „Aus  der  Denksnbstanz
entsteht  Name  und  Form".  „Name  undForm"  (ldlamarupa)  ist  von
alter  Zeit  her  der  Name  für  „Individuum",  „Einzelwesen".  So  heißt
es  in  der  Uwadaka-IIpaaisad:  „Wie  die  Flüsse,  wenn  sie  in  den
Ozean  fließen,  Namen  und  Form  verlieren  und  verschwinden,  so
geht  der  Weise,  wenn  er  Namen  und  Form  verloren  hat,  im  höchsten
himmlischen  Geiste  auf."  Das  8arnkbya  und  der  Yoga  haben  diese
Bezeichnung  nicht.  Statt  seiner  gebrauchen  sie  Ahamkära,  „das
Jchmachen,"  „die  Annahme  eines  Ich,  einer  Individualität".  Das
Sämkhya  läßt  aber  den  Ahamkära  aus  der  Buddhi  entstehen,
wie  der  Buddhismus  l^ämaräpa  aus  dem  der  Budddi  parallelen ­
  Yijääna.  An  der  Identität  kann  also  nicht  gezweifelt  werden.
Der  vierte  Satz  ist:  „Aus  Namen  und  Form  entstehen  die  sechs
Organe."  Die  sechs  Organe  sind  die  fünf  Sinne  und  der  Geist
(Nauas),  sowie  ihre  äußere  Gestalt.  Sowohl  im  Sämkhya  wie
im  Buddhismus  werden  diese  noch  im  einzelnen  spezialisiert,  was
aber  hier  nicht  in  Betracht  kommt.  Der  vierte  Satz  besagt  nichts
weiter  als:  „Nachdem  das  Individuum  sich  theoretisch  gebildet,
tritt  es  durch  Beilegung  der  Organe  praktisch  in  die  Erscheinung."
Der  fünfte  Satz:  „Aus  den  sechs  Organen  entsteht  die  Berührung," ­
  und  der  sechste:  „Aus  der  Berührung  entsteht  die  Empfindung," ­
  führen  den  im  vierten  Satz  ausgesprochenen  Gedanken  weiter.
Die  sechs  Organe  treten  nach  ihrer  Erschaffung  mit  den  Objekten
in  Beziehung.  Innenwelt  und  Außenwelt  berühren  sich,  und  daraus ­
  entsteht  als  siebenter  in  der  Reihe  der  „Durst",  d.  h.  wie  wir
gesehen  haben,  der  Wille  zum  Leben,  die  Lebenslust.  Buddhistisch
ist  nur,  daß  gerade  der  Name  „Durst"  ausschließlich  gebraucht  wird.
Auch  der  Yoga  hat  aber  diesen  Ausdruck  in  ganz  gleichem  Zusammenhange, ­
  wenn  er  auch  häufiger  „Lebenslust"  und  „Wunsch"
gebraucht.
Der  achte  Satz  lautet:  „Aus  dem  Durste  entsteht  das  Haften
(Upadäna),"  nämlich  das  Haften  an  der  Existenz,  das  Befangenbleiben ­
  im  Durste,  das  Hängen  an  den  weltlichen  Dingen,  an  den
Freuden  dieser  Welt.  Das  Sämkhya  gebraucht  für  „Haften"  den
Ausdruck  „Tugend  und  Laster"  (Bharmädharrnau),  was  im
Grunde  ganz  dasselbe  ist.
Ganz  übereinstimmend  ist  wieder  der  neunte  Satz:  „Aus  dem
Haften  entsteht  das  Werden  (Bhava).''  Für  Bhava  hat  das
Sämkhya  Samsyti,  „Kreislauf  der  Geburten".  Dafür  wird  sonst
gewöhnlich  Samsara  gebraucht,  und  dies  ist  ein  Synonymum  von
        <pb n="79" />
        Die  Skandhas.

69

Bhava.  Der  Satz  besagt  also:  „Das  Hängen  am  Irdischen  führt
zu  ewigen,  neuen  Existenzen".  Die  Schlußsätze  führen  dies  nur
im  einzelnen  aus,  indem  sie  Geburt,  Alter  und  Tod,  Schmerz  und
Klagen,  Leid,  Kummer  und  Verzweiflung  nennen.  Der  theoretische
Buddhismus  hat  also  so  ziemlich  alles  vom  Sämkhya-Toga  entlehnt.
Nächst  dem  Pratityasamutpäda  ist  im  Buddhismus  die  wichtigste ­
  Lehre  die  vo  n  den  fünfSkandhas.  Skandba,  PaliLhandha,
ist  ein  ebenso  vieldeutiges  Wort  wie  Samskära.  Es  bedeutet  „Baumstamm", ­
  „Schulter",  „Abteilung  in  einem  Werke",  „Menge",  „Masse".
Im  buddhistischen  Sinne  bedeutet  es  die  „Elemente  des  Seins",
die  Elemente,  aus  denen  sich  jedes  denkende  Wesen  zusammensetzt.
Solcher  Skandhas  nimmt  der  Buddhismus  fünf  an:  das  Körperliche, ­
  die  Empfindung,  die  Wahrnehmung,  die  Sainskäras  und
das  Vijfiäna.  Die  beiden  letzten  Ausdrücke  sind  bereits  ans  der
Kausalitätsformel  bekannt.  Als  Skandhas  werden  sie  aber  weiter
gefaßt.  Als  Skandhas  sind  die  Samskäras  52  an  Zahl.  Sie  bezeichnen ­
  als  solche  die  geistigen  Fähigkeiten,  die  Äußerungen  des
menschlichen  Geistes,  wie  Überlegung,  Freude,  Gier,  Haß,  Eifersucht, ­
  Scham  u.  dgl.  Sie  sind  also  vorübergehende  Eindrücke.
Vijfiäna  dagegen  bezeichnet  als  8kancüia  das  unterscheidende,
kritische  Erkennen  des  Geistes,  die  Unterscheidung,  ob  eine  Tat  oder
ein  Gedanke  gut  und  verdienstlich,  oder  schlecht  und  ohne  Verdienst,
oder  keins  von  beiden  ist.  Das  Vijfiäna  wird  in  89  Unterabteilungen ­
  zerlegt  und  ist  der  wichtigste  der  fünf  Skandhas,  oft
fast  so  viel  wie  Geist  (Manas)  selbst.  Wie  die  Sainskäras  und
das  Vijfiäna  werden  auch  die  drei  andern  Skandhas  in  Klassen
geteilt.
Das  aus  den  Skandhas  zusammengesetzte  Wesen  ist  aber  nach
Buddha  nichts  Bleibendes,  sondern  etwas  in  ewigem  Flusse  und
Wechsel  Befindliches.  Es  gibt  kein  „Sein",  sondern  nur  ein  ewiges
„Werden".  Was  wir  „Persönlichkeit"  oder  „Ich"  nennen,  ist  nur
eine  Summe  vonnnunterbrochen  aufeinanderfolgenden  Bewegungen.
Es  gibt  wohl  Einzelelemente,  aber  kein  Ganzes.  Alles  ist  in  ewigem
Wechsel.  Das  bekannteste  und  viel  besprochene  Beispiel  für  diese
Lehre  ist  das  vom  Wagen.  Es  findet  sich  bis  jetzt  ausführlich
nur  in  einem  Werke,  das  wohl  erst  dem  zweiten  Jahrhundert  n.  Chr.
angehört,  dem  Milindapafiha,  „dieFragen  des  Milinda".  Milinda
ist  König  Menander,  der  um  120  vor  Chr.  in  Indien  regierte  und
von  allen  griechisch-indischen  Königen  seine  Herrschaft  am  weitesten
nach  Indien  hinein  ausgedehnt  hatte.  Das  Werk  schildert  eine
        <pb n="80" />
        70

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

Zusammenkunft  des  Königs  mit  dem  buddhistischen  Weisen  Nägasena.
  Bei  Beginn  ihres  langen  Gespräches  fragt  Mgasena  den
König,  ob  er  zu  Fuß  oder  zu  Wagen  gekommen  sei?  Der  König
sagt,  er  gehe  nicht  zu  Fuß;  er  sei  zu  Wagen  gekommen.  Nägasena
  fordert  ihn  darauf  auf,  anzugeben,  was  der  Wagen  sei.  „Ist
die  Deichsel  der  Wagen?  Oder  die  Achse?  Oder  die  Räder?
Oder  der  Wagenkasten?  Oder  der  Fahnenstock?  Oder  das  Joch?
Oder  die  Zügel?  Oder  die  Peitsche?  Oder  Deichsel,  Achse,  Räder,
Wagenkasten,  Fahnenstock,  Joch,  Zügel,  Peitsche  zusammen?"  Milinda ­
  muß  alle  Fragen  verneinen  und  zugeben,  daß  „Wagen"
nur  ein  Wort  sei,  daß  es  in  Wahrheit  keinen  Wagen  gebe.  Nägasena
  beruft  sich  zum  Schluffe  auf  Verse,  die  die  Nonne  Vajrä
(Pali  Vajirä)  vor  dem  Herrn  gesprochen  habe:  „Wie  nach  Znsammenbringung
  der  Teile  das  Wort  dafür  „Wagen"  ist,  so  ist,
wenn  die  Skandhas  vorhanden  sind,  der  Sprachgebrauch  dafür
„ein  Wesen".  Oldenberg  hat  zuerst  die  Verse  im  Kanon  nachgewiesen. ­
  Das  Beispiel  ist  also  alt.  Auch  das  „Wesen"  oder,  wie
gewöhnlich  gesagt  wird,  das  „Selbst",  also  das  „Ich",  ist  nichts
Bleibendes.  Wiederholt  belehrt  Buddha  seine  Zuhörer,  daß  unwissende, ­
  ungläubige  Menschen  seit  undenklichen  Zeiten  die  Ansicht
gehabt  haben:  „Das  ist  mein;  das  bin  ich;  das  ist  mein  Selbst",
daß  aber  der  wissende,  gläubige  Mensch  sich  bei  Betrachtung  aller
Dinge  sagt:  „Das  ist  nicht  mein;  das  bin  ich  nicht;  das  ist  nicht
mein  Selbst".  Wie  von  allen  andern  Dingen,  gelte  dies  auch  von
der  eigenen  Persönlichkeit.  Es  heißt  einmal:  „Wenn  zum  Beispiel,
ihr  Mönche,  ein  Mensch  in  diesem  Jetavana  Gras,  Holz,  Aste,
Laub  nähme  oder  verbrenne  oder  je  nach  Bedürfnis  verwendete,
würde  euch  der  Gedanke  kommen,  der  Mensch  nimmt  oder  verbrennt ­
  oder  verwendet  je  nach  Bedürfnis  uns?"  „Nein,  o  Herr!"
„Warum  nicht?"  „Es  ist  nicht  unser  Selbst  und  gehört  nicht  uns."
„So  auch,  ihr  Mönche,  gehört  das  Körperliche,  die  Empfindung,
die  Wahrnehmung,  die  Samskäras,  das  Vijfiäna  nicht  euch.  Gebet
sie  auf!  Sie  werden  euch  nichts  zum  Heil  und  Glück  nützen.",
Dabei  entstand  die  Frage,  ob  denn  der  Mensch  nach  dem  Tode
derselbe  bleibe  oder  ein  anderer  werde,  eine  Frage,  die  für  die
Lehre  von  der  Wiedergeburt  und  damit  von  der  Vergeltung  nach
dem  Tode  von  entscheidender  Wichtigkeit  ist.  Im  Milindapanha
stellt  Milinda  diese  Frage  direkt.  Mgassna  antwortet,  es  sei  weder
derselbe  noch  ein  anderer,  und  sucht  dies  durch  eine  Reihe  von
Vergleichen  zu  beweisen,  von  denen  der  folgende  als  Beispiel  dienen
        <pb n="81" />
        Der  ewige  Wechsel.

71

möge.  „Wenn  zum  Beispiel,  o  Großkönig,  ein  Mann  eine  Lampe
anzündete,  würde  diese  die  ganze  Nacht  brennen?"  „Ja,  Herr,
sie  könnte  die  ganze  Nacht  brennen."  „Ist,  o  Großkönig,  die  Flamme
in  der  ersten  Nachtwache  dieselbe  wie  in  der  zweiten?"  „Nein,
Herr."  „Ist  die  Flamme  in  der  zweiten  Nachtwache  dieselbe  wie
in  der  dritten?"  „Nein,  Herr."  „War  also,  o  Großkönig,  die
Lampe  in  der  ersten  Nachtwache  eine  andere  als  die  in  der  zweiten,
und  diese  wieder  eine  andere  als  die  Lampe  in  der  dritten?"  „Nein,
Herr;  das  Licht  kam  während  der  ganzen  Nacht  von  derselben
Lampe."  „Ebenso,  o  Großkönig,  folgen  auch  die  Elemente  der  Daseinsformen ­
  aufeinander.  Das  eine  entsteht,  das  andere  vergeht;
ohne  Anfang  und  Ende  folgen  sie  unmittelbar  aufeinander.  Weder
als  derselbe  noch  als  ein  anderer  kommt  man  zur  letzen  Zusammenfassung ­
  des  Visnäna."  Die  Person  bleibt  also  dieselbe,  nur  die
Elemente,  aus  denen  sie  zusammengesetzt  ist,  wechseln  beständig.
Jeder  hat  also  auch  die  Folgen  seiner  Taten  in  dieser  Geburt  in
der  nächsten  zu  tragen.
Wie  mit  dem  Körper,  ist  es  auch  mit  der  Seele.  Buddha  leugnet ­
  die  Existenz  einer  Seele  durchaus  nicht.  Was  er  leugnet,  ist
nur,  daß  es  eine  ewige,  unwandelbare  Seele  gibt,  die  etwas  vom
Körper  durchaus  Verschiedenes  und  Getrenntes  ist.  Auch  die  Seele
ist  nur  eine  Masse  von  ewig  wechselnden  Einzelelemcnten.  Die
Buddhisten  treten  daher  auch  den  Materialisten  gegenüber,  die
behaupten,  es  gäbe  keine  Seele.
Um  dieses  ewig  sick  Wandelnde  und  Wechselnde  darzustellen,  wählt
Buddha  mit  Vorliebe  das  Bild  des  Stromes,  wie  Heraklit,  oder
noch  häufiger  das  Bild  der  Flamme.  So  schon  in  der  Bergpredigt  von
Gayaäirsa  (oben  S.  30  s.)  Als  Kisägotami  Nonne  geworden  war,
zündete  sie  einst  im  Kloster  eine  Lampe  au,  und  als  sie  die  Flammen
der  Lampe  vergehen  und  wieder  erstehen  sah,  sprach  sie:  „Ebenso
erstehen  und  vergehen  auch  die  lebenden  Wesen;  die,  welche  das
Nirväna  erreicht  haben,  werden  nicht  wiedergesehen."  Buddha  erschien ­
  ihr  und  bestätigte  ihr  dies  mit  denselben  Worten.  In  den
Iberigätbäs  erzählt  die  Nonne  Uatäoärä,  wie  sie  zur  Erlösung  gelangt ­
  ist.  Zum  Schlüsse  sagt  sie:  „Dann  nahm  ich  eine  Lampe,
ging  in  das  Kloster,  sah  mein  Lager  und  legte  mich  auf  das  Bett.
Ich  nahm  eine  Nadel  und  zog  damit  den  Docht  heraus.  Da  kam
mir  Befreiung  des  Geistes,  wie  das  Erlöschen  der  Lampe."  Die
Worte:  „wie  das  Erlöschen  der  Lampe"  lauten  im  Original  in
Pali:  padlpasseva  nibbänam.  Das  Wort  nibbäna,  besser
        <pb n="82" />
        72

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

bekannt  in  der  Sanskritform  nirväna,  ist  das  Wort,  in  dem  die
Lehre  des  Buddha  gipfelt.  Nirväna  ist  zusammengesetzt  aus  dem
Präfix  nis,  „aus"  „heraus",  „weg",  das  vor  tönenden  Lauten
zu  nir  wird,  der  Wurzel  vä,  „wehen"  und  dem  Suffix  des  Participii
  Praeteriti  Passivi  na.  Es  bedeutet  also  wörtlich  „ausgeweht", ­
  „erloschen",  „ausgelöscht",  substantivisch  „das  Auslöschen",
„das  Erlöschen".  In  diesem  wörtlichen  Sinne  wird  es  oft  gebraucht,
wie  in  der  eben  angeführten  Stelle.  Sodann  wird  es  übertragen
auf  das  Erlöschen  des  Feuers  der  Lust.  Wer  die  vier  edlen  Wahrheiten ­
  kennt,  wer  nach  ihnen  handelt,  wer  seine  Leidenschaften  völlig
gebändigt  hat,  der  erlangt  schon  auf  Erden  den  Zustand  seliger
Ruhe,  das  Nirväna.  DerHeilige  braucht  nicht  auf  den  Tod  zu  warten,
um  erlöst  zu  werden;  er  findet  die  Erlösung  schon  auf  Erden.  In
den  Theragäthäs  sagt  der  Thera  Sämlqrtya:  „Ich  Verlange  nicht
nach  Tod,  ich  verlange  nicht  nach  Leben.  Ich  warte  auf  meine
Stunde,  wie  ein  Knecht  auf  seinen  Lohn.  Ich  verlange  nicht  nach
Tod,  ich  verlange  nicht  nach  Leben.  Ich  warte  auf  meine  Stunde,
voll  Bewußtsein  und  Denken,"  alte  Verse,  die  auch  dem  Säriputra
zugeschrieben  werden  und  sich  teilweise  auch  in  der  brahmanischen
Literatur  finden.  Die  Texte  heben  überaus  oft  hervor,  daß  für
den  Buddhisten  Nirväna  zunächst  und  in  erster  Linie  der  Zustand
der  Sündlosigkeit  und  Leidlosigkeit  ist.  Einst  kam  der  Wandermönch
J  ambukhädaka  zu  Säriputra  und  sprach  zu  ihm:  „Man  sagt,  o
Bruder  Säriputra,  Nirväna,  Nirväna!  Was  ist  denn  nun,  o  Bruder,
das  Nirväna?"  Und  Säriputra  antwortete:  „Die  Vernichtung  der
Leidenschaft,  die  Vernichtung  der  Sünde,  die  Vernichtung  der  Verblendung, ­
  das,  o  Bruder,  ist  Nirväna."  Auf  die  Frage  des  Jambukhädaka,
  ob  es  einen  Weg  zur  Erlangung  des  Nirväna  gebe,
empfiehlt  Säriputra  ihm  den  edlen  achtgliedrigen  Weg.  Im  Dbammapada
  heißt  es:  „Wenn  du  dich  nicht  mehr  aufregst,  (still)  wie
eine  gesprungene  Glocke,  daun  hast  du  das  Nirväna  erreicht;  du
wirst  nicht  mehr  üble  Reden  führen."  Und  im  Suttanipäta:  „Wessen
Leidenschaften  vernichtet  sind,  wer  frei  ist  von  Hochmut,  wer  den
ganzen  Pfad  der  Lust  bewältigt,  wer  sich  bezwungen  und  das  Nirväna ­
  erreicht  hat,  fest  au  Geist,  ein  solcher  wandelt  richtig  in  der
Welt."  Es  gibt  also  eine  Erlösung  schon  bei  Lebzeiten.  Das  ist
wieder  nichts  dem  Buddhismus  Eigentümliches.  Allen  philosophischen
Systemen  Indiens  ist  der  Gedanke  gemeinsam,  daß  die  Erlösung
nur  durch  eine  bestimmte  Erkenntnis  erreicht,  dann  aber  auch
nicht  mehr  verloren  werden  kann.  Diese  Erlösung  bei  Lebzeiten
        <pb n="83" />
        Das  Nirväna.

73

heißt  Jivanmukti,  ein  bei  Lebzeiten  Erlöster  ein  Jivanmukta.
Der  Jivanmukti  der  Brahmanen  aber  entspricht  genau  das
Samdittbikam  Nibbänam,  „das  Nirväna  bei  Lebzeiten"  der
Buddhisten.  Wenn  also  Buddha  lehrte,  daß  das  Nirväna  schon
bei  Lebzeiten  erlangt  werden  kann,  so  folgte  er  nur  den  Anschauungen ­
  seiner  Zeit  und  seiner  Vorgänger.  Einigermaßen  neu  war
nur  der  Weg,  den  er  einschlug.  Nirväna  ist  also  zunächst  nur  das
Erlöschen  des  Durstes,  das  Aufgeben  der  Freuden  dieser  Welt.
Aber  damit  ist  noch  keine  völlige  Erlösung  gewonnen.  Die  Erkenntnis ­
  hat  nämlich  keine  rückwirkende  Kraft  auf  die  Taten,  die
ich  vor  der  Erkenntnis  ausgeführt  habe,  sie  vernichtet  nicht  die
Sarnskäras,  die  latenten  Eindrücke.  Die  Folgen  dieser  Taten  hat
auch  der  bei  Lebzeiten  Erlöste  zu  tragen.  Nach  der  Erkenntnis
aber,  und  damit  nach  der  Erlösung  bei  Lebzeiten,  begeht  der  Erlöste ­
  keine  Taten  mehr,  die  für  die  Zukunft  vorauswirken,  da  er
gegen  die  Dinge  dieser  Welt  gleichgültig  ist.  Mit  der  Erkenntnis,
dem  Schwinden  des  Nichtwissens,  hört  also  die  Möglichkeit  guter
und  schlechter  Werke  und  damit  die  Möglichkeit  einer  neuen  Geburt ­
  auf.  Der  Kreislauf  des  Lebens  schließt  mit  dem  Tode.  Der
Erlöste  stirbt,  ohne  wieder  aufzuwachen.  Im  Suttanipäta  wird  erzählt, ­
  daß,  als  Buddha  einst  zu  Llavi  weilte,  kurz  zuvor  der  Älteste
Nigrodhakappa,  der  Lehrer  des  Vangloa,  des  Improvisators  unter
den  Ältesten,  gestorben  war.  Vangisa  wollte  wissen,  ob  Nigrodhakappa ­
  baSNirväna  erreicht  habe  oder  nicht,  und  fragteBuddha:„Das
fromme  Leben,  das  Nigrodbakappa  geführt  hat,  war  das  für  ihn
vergeblich?  Ist  er  ins  Nirväna  eingegangen,  oder  existieren  seine
Skandhas  noch?"  Der  Herr  antwortete:  „Er  hat  den  Durst  nach
Namen  und  Form  in  dieser  Welt  vernichtet,  den  Strom  Märas,  in
dem  er  sich  lange  Zeit  befand;  er  hat  Geburt  und  Tod  restlos  überwunden." ­
  „Er  hat  Geburt  und  Tod  restlos  überwunden"  heißt,  kein
Rest  der  8kandba8  ist  übrig  geblieben;  er  wird  nicht  mehr  wiedergeboren ­
  werden.  Und  als  der  Älteste  Godbika  sich  selbst  den  Tod
gegeben  hatte,  sagte  Buddha:  „Godbika,  der  Sohn  guter  Familie,
ist  ins  Nirväna  eingegangen,  ohne  daß  seine  Denksubstanz  sich
irgendwo  befindet,"  und:  „Godbika  ist  ins  Nirväna  eingegangen,
nachdem  er  das  Heer  des  Todes  besiegt,  keine  Wiedergeburt  mehr
erlangt  und  den  Durst  mit  der  Wurzel  ausgerissen  hat."  „Er  ist  ins
Nirväna  eingegangen"  ist  im  Original  Parinibbuto,  und  so  gebrauchen ­
  die  Texte,  wenn  sie  genau  sprechen,  von  dem  Zustande  eines
Toten,  der  die  völlige  Erlösung  von  der  Wiedergeburt  erlangt  hat.
        <pb n="84" />
        74

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

stets  Parinibbäna  =  Sanskrit  Pariniryäna,  oder  seltener
Sammänibbäna  —  Sanskrit  Samyannirväna,  „das  völlige
Nirväna".  Das  Werk,  das  uns  vom  Tode  Buddhas  berichtet,  heißt
Mahäparinibbänasutta,  und  als  Buddha  gestorben  war,  wird
von  ihm  nur  der  Ausdruck  Parinibbutta  gebraucht.  Das  Nirvana
hat  also  faktisch  zwei  Stufen:  die  Erlösung  bei  Lebzeiten,  daskUrvana
schlechthin,  und  die  Erlösung  nachdem  Tode,  das  Aufhören  der  Wiedergeburten, ­
  das  Parinirvana,  nur  ungenau  auch  diirväna  schlechthin
genannt*).  Die  erste  Stufe  ist  die  notwendige  Vorbedingung  für
die  zweite.  Wer  die  richtige  Erkenntnis  der  Lehre  Buddhas  erlangt ­
  hat  und  entschlossen  ist,  in  ihr  zu  bleiben,  der  bekundet  damit ­
  zugleich  seine  Absicht,  nicht  mehr  wiedergeboren  zu  werden.
So  ist  l^irvaua  der  Gegensatz  zu  Trsna,  „Durst".  Ist  Tpsna
die  Bejahung  des  Willens  zum  Leben,  so  ist  blirväua  seine  Verneinung. ­
  Das  Erlöschen  des  Durstes  hat  das  Erlöschen  des  Lebens ­
  zur  Folge,  den  ewigen  Tod.  Das  ist  die  logische  Konsequenz ­
  der  Lehre  Buddhas.
Es  gibt  nun  eine  Reihe  von  Stellen  in  den  alten  Texten,  in
denen  Buddha  die  Frage  über  den  Zustand  nach  dem  Tode  direkt
abweist.  Es  ist  daher  die  Behauptung  aufgestellt  worden,  Buddha
habe  eine  scharfe  Formulierung  des  Begriffes  Nirväna  vermieden,
und  das  offizielle  Dogma  sei  gewesen:  Über  den  Zustand  nach  dem
Tode  hat  der  Vollendete  nichts  offenbart.  Das  ist  nicht  richtig.
Allerdings  weist  Buddha  die  Frage  ab,  was  aus  dem  Menschen
nach  dem  Tode  werde,  aber  nur,  weil  diese  Frage  für  die  Erlösung
ganz  unnötig  sei.  Er  hat  nicht  den  geringsten  Zweifel  daran  gelassen, ­
  was  das  Ziel  seiner  Lehre  ist:  das  Zuruhekommen  aller
Laumkaras,  d.  h.  aller  Gedanken,  die  aus  früheren  Existenzen  noch
im  Geiste  sind,  die  Vernichtung  der  Denksubstanz,  die  Aufhebung
aller  Skaliern  —  der  ewige  Tod.  Daß  dieses  Ziel  erreicht  werden
kann,  erkennt  der  Mensch  beim  Eintritt  in  das  erste  blirvaua,  wo
er  bei  Lebzeiten  erlöst  wird.  Dann  weiß  er,  daß  diese  Geburt
seine  letzte  ist,  daß  es  keine  Wiedergeburt  mehr  für  ihn  gibt,  daß
er  beim  Tode  das  bolle  Nirväna  erlangt.  So  ist  das  erste  Nirväna
  für  ihn  die  Ursache  des  Glücks,  das  kummerlose,  unvergleichliche ­
  Land  des  Friedens,  die  ewige  Stätte,  wo  man  kein  Leid
kennt,  ein  Ort,  den  die  buddhistischen  Quellen  mit  glühenden  Farben
1)  Daß  zwischen  Nirväna  und  Parinirväna  zu  scheiden  ist,  hat  zuerst ­
  Rhys  Davids  richtig  erkannt.  Die  Gleichsetzung  von  Jivanmukti
und  Samditthikam  Nibbänam  ist  bisher  übersehen  worden.
        <pb n="85" />
        Das  Parinirväna.

75

schildern.  Ausdrücke,  wie  die  eben  angeführten,  konnten  sehr  wohl
zu  der  Vorstellung  von  einem  Paradiese  führen,  und  das  ist  in
der  Tat  im  nördlichen  Buddhismus  geschehen.
Buddha  selbst  aber  hat  zweifellos  so  sein  Mrväna  nicht  verstanden. ­
  Für  ihn  war  es  das  völlige  Erlöschen  nach  dem  Tode,
das  Ende  der  Wiedergeburten.  Und  auch  hier  wieder  ist  Buddha
kein  Neuerer  und  Entdecker  gewesen.  Name  und  Ziel  finden  sich
ganz  gleich  nicht  nur  bei  den  Brahmanen,  sondern  auch  bei  den
Jainas  und  anderen  Sekten.  Als  philosophisches  System  steht  der
Buddhismus,  wie  schon  erwähnt,  nicht  hoch.  Er  ist  ganz  abhängig
vom  Sämkhya-Yoga  und  wurzelt  durchaus  in  rein  indischem  Boden.
Wollte  aber  Buddha  überhaupt  darauf  rechnen,  Jünger  zu  finden,
so  konnte  er  eine  philosophische  Begründung  nicht  entbehren.  Der
Gelehrte  galt  in  Indien  von  ältester  Zeit  an  nichts,  wenn  er  nicht
disputieren  konnte,  und  Buddha  hat  in  seinem  langen  Leben  sich
oft  mit  streitlustigen  Priestern  aller  Sekten  in  einen  Redewettkampf
eingelassen.  Nirgendwo  war  es  leichter,  ein  neues  philosophisches
System  zu  gründen,  als  in  Indien.  Schon  geringe  Abweichung
von  einem  älteren,  bestehenden  Systeme  genügte,  um  als  Gründer
eines  neuen  zu  erscheinen.  So  war  es  nicht  bloß  in  der  Philosophie, ­
  sondern  auch  in  der  Grammatik,  Rhetorik,  Medizin.  Aber
Buddha  war  das  System  nicht  Selbstzweck,  sondern  nur  Mittel
zum  Zweck,  wie  schon  hervorgehoben  (S.  50  f.).  Dem  Volke  gegenüber ­
  war  jedes  System  zwecklos,  und  ans  Volk  wandte  sich  Buddha.
Waren  die  drei  ersten  edlen  Wahrheiten  sein  philosophisches  Bekenntnis, ­
  so  ist  die  vierte,  der  Weg,  der  zur  Aufhebung  des  Leidens
führt,  sein  religiöses.  Die  vierte  Wahrheit  umfaßt  die  Ethik  des
Buddhismus.  Sie  ist  es,  die  tief  ins  tägliche  Leben  einschneidet,
und  in  der  Buddhas  Größe  in  Hellem  Lichte  erscheint.  Durch  sie
allein  wird  der  Buddhismus  zu  einer  Religion.
Die  Predigt  von  Benares  sagt  darüber:  „Dies,  ihr  Mönche,
ist  die  edle  Wahrheit  von  dem  Wege,  der  zur  Aufhebung  des  Leidens
führt.  Es  ist  dieser  edle,  achtgliedrige  Weg,  nämlich:  rechter  Glaube,
rechtes  Sichentschließen,  rechtes  Wort,  rechte  Tat,  rechtes  Leben,
rechtes  Sichbemühen,  rechtes  Gedenken,  rechtes  Sichversenken."
An  der  Spitze  steht  also  der  rechte  Glaube,  und  das  ist  ja  selbst--verständlich.
  Der  Lohn,  den  Buddha  verheißt,  wird  nur  dem  Gläubigen ­
  zuteil,  in  erster  Linie  dem  Mönche,  der  sich  von  dieser  Welt
losgesagt  hat.  Aber  auch  der  Laie  soll  danach  streben.  Die  Vorschriften ­
  für  den  Laien  sind  natürlich  wesentlich  andere  als  für  den
        <pb n="86" />
        76

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

Mönch.  Man  wird  ein  buddhistischer  Laie  durch  das  dreimalige
Aussprechen  der  „Drei  Zufluchten":  „Ich  nehme  meine  Zuflucht
zu  Buddha;  ich  nehme  meine  Zuflucht  zum  Gesetz;  ich  nehme  meine
Zuflucht  zur  Gemeinde."  Diese  drei  Sätze  werden  als  die  „Drei
Kleinodien"  bezeichnet.
Mit  seinem  Eintritt  in  die  Kirche  übernimmt  der  Laie  die  Verpflichtung, ­
  fünf  Gebote  zu  beachten,  die  für  alle  Buddhisten  bindend ­
  sind.  Sie  lauten:  1.  Du  sollst  nicht  töten;  2  du  sollst  nicht
stehlen;  3.  du  sollst  nicht  nnkeusch  leben;  4.  du  sollst  nicht  lügen;
5.  du  sollst  nicht  berauschende  Getränke  trinken.  Unter  diese  fünf
Gebote  werden  alle  Pflichten  des  Laien  untergeordnet.  Er  kann
sie  nur  daun  treu  erfüllen,  wenn  er  die  menschlichen  Leidenschaften
bezwingt  und  dadurch  sein  Herz  erlöst.  Diese  Erlösung  des  Herzens
(Ceto  vimukti,  Pali  Ootovimirtti)  aber  ist  die  Liebe  (MaitrI,
Pali  Mettä).
Wie  das  Christentum,  so  stellt  auch  der  Buddhismus  als  Kardinaltugend ­
  die  L  i  e  b  e  auf.  Am  Schlusse  der  Predigt  von  Benares  sagt  Buddha: ­
  „Und  mir  ging  die  Erkenntnis  und  Einsicht  auf:  Unerschütterlich
ist  die  Erlösung  meines  Herzens;  das  ist  meine  letzte  Geburt;  es  gibt
keine  Wiedergeburt  mehr  (für  mich)"  (S.  29).  Und  am  Schlüsse  der
„Bergpredigt"  heißt  es:  „Durch  Befreiung  von  der  Leidenschaft  wird
er  erlöst.  Wenn  er  erlöst  ist,  so  erkennt  er,  daß  er  erlöst  ist,  und  es
wird  ihm  klar,  daß  die  Wiedergeburt  zu  Ende,  die  Heiligung  vollendet ­
  ist,  daß  er  seine  Pflicht  getan  hat,  und  daß  es  für  ihn  keine
Rückkehr  zu  dieser  Welt  mehr  gibt."  Von  den  Zuhörern  dieser
Predigt  aber  wird  gesagt:  „Während  dieser  Auseinandersetzung
aber  wurden  die  Herzen  der  tausend  Mönche  ganz  von  den  Leidenschaften ­
  erlöst."  Und  damit  zieht  die  Liebe  in  ihr  Herz.  Sie  ist
die  „Erlösung  des  Herzens".  Alle,  die  bisher  über  den  Buddhismus ­
  geschrieben  haben,  haben  die  Hauptstelle  übersehen,  die  von
der  buddhistischen  Liebe  handelt.  Sie  lautet 1 ):  „Alle  Mittel  in  diesem
Leben,  uni  sich  religiöses  Verdienst  zu  erwerben,  ihr  Mönche,  haben
nicht  den  Wert  eines  Sechzehntels  der  Liebe,  der  Erlösung  des
Herzens.  Die  Liebe,  die  Erlösung  des  Herzens,  nimmt  sie  in  sich
auf  und  leuchtet  und  glänzt  und  strahlt.  Und  wie,  ihr  Mönche,
aller  Sternenschein  nicht  den  Wert  eines  Sechzehntels  des  Mondscheins ­
  hat,  sondern  der  Mondschein  ihn  in  sich  aufnimmt  und
leuchtet  und  glänzt  und  strahlt,  so  auch,  ihr  Mönche,  haben  alle

1)  Itivuttaka  §  27.
        <pb n="87" />
        Die  Siebe.

77

Mittel  in  diesem  Leben,  um  sich  religiöses  Verdienst  zu  erwerben,
nicht  den  Wert  eines  Sechzehntels  der  Liebe,  der  Erlösung  des
Herzens.  Die  Liebe,  die  Erlösung  des  Herzens,  nimmt  sie  in  sich
auf  und  leuchtet  und  glänzt  und  strahlt.  Und  wie,  ihr  Mönche,
im  letzten  Monat  der  Regenzeit,  im  Herbste,  die  Sonne  am  klaren,
wolkenfreien  Himmel,  am  Himmel  aufgehend,  alles  Dunkel  im  Luftraum ­
  beseitigt  und  leuchtet  und  glänzt  und  strahlt,  und  wie  in  der
Nacht,  am  frühen  Morgen,  der  Morgenstern  leuchtet  und  glänzt
und  strahlt,  so,  ihr  Mönche,.haben  alle  Mittel  in  diesem  Leben,
um  sich  religiöses  Verdienst  zu  erwerben,  nicht  den  Wert  eines  Sechzehntels ­
  der  Liebe,  der  Erlösung  des  Herzens.  Die  Liebe,  die  Erlösung ­
  des  Herzens,  nimmt  sie  in  sich  auf  und  leuchtet  und  glänzt
und  strahlt."  An  einer  anderen  Stelle  heißt  es:  „Wer,  ihr  Mönche,
am  Morgen,  Mittag  und  Abend  ein  Geschenk  von  je  hundert  Töpfen
Speise  macht,  und  wer  am  Morgen,  Mittag  und  Abend  auch  nur
einen  Augenblick  in  seinem  Herzen  Liebe  erzeugt,  der  zweite  hat
davon  größeren  Nutzen.  Deswegen,  ihr  Mönche,  sollt  ihr  so  lernen:
die  Liebe,  die  Erlösung  des  Herzens,  wollen  wir  erzeugen,  steigern,
befördern,  uns  aneignen,  sie  ausüben,  uns  gewinnen,  sie  richtig  anwenden." ­
  Die  Macht  der  Liebe  wird  als  groß  hingestellt.  Wer
Liebe  hegt,  der  hat  davon  acht  Vorteile:  er  schläft  gut;  er  wacht
gut  auf;  er  träumt  nicht  schlecht;  die  Menschen  haben  ihn  gern;
alle  andern  Wesen  haben  ihn  gern;  die  Götter  schützen  ihn;  Feuer,
Gift  und  Schwert  tun  ihm  nichts  an;  auch  wenn  er  nichts  weiter
sich  aneignet,  kommt  er  in  die  Welt  des  Brahman  (=  den  höchsten
Himmel).  Wenn  Buddha  einen  Menschen  für  sich  gewinnen  will,
so  „durchdringt  er  ihn  mit  dem  Geiste  der  Liebe".  Es  wird  erzählt, ­
  daß,  als  Buddha  einst  nach  RnsiaaAara  kam,  die  Mallas  bestimmten, ­
  daß  jeder,  der  dem  Herrn  nicht  zur  Begrüßung  entgegenginge, ­
  eine  Strafe  von  500  Goldstücken  bezahlen  solle.  Auch  ein
Freund  des  ämanäa,  der  Malla  Roja,  ging  Buddha  entgegen,  worüber ­
  ihm  Lnaaäa  seine  Freude  aussprach.  Er  sagte  aber,  er  mache
sich  nichts  aus  Buddha,  dem  Gesetz  und  der  Gemeinde;  er  sei  Buddha
nur  wegen  der  angedrohten  Strafe  entgegengegangen.  Lnanäa,
darüber  betrübt,  ging  zu  Buddha,  wies  ihn  darauf  hin,  daß  Roja
ein  angesehener  Mann  und  seine  Gewinnung  für  die  Lehre  nützlich ­
  sei,  und  bat  Buddha,  ihn  zu  bekehren.  Buddha  „durchdrang
ihn  mit  dem  Geist  der  Liebe",  und  Roja  ging  „durchdrungen  mit
dem  Geiste  der  Liebe",  „wie  eine  Kuh,  die  ein  junges  Kalb  hat",
von  Vitara  zu  Yihara  und  fragte  die  Mönche  nach  dem  Herrn,
        <pb n="88" />
        78

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

bis  er  ihn  gefunden  hatte.  Er  wurde  dann  bekehrt.  Auch  wilde
Tiere  bändigt  die  Macht  der  Liebe.  Als  Devadatta  die  Wächter
des  bösartigen  Elefanten  Nälägiri  bestochen  hatte,  den  Elefanten
gegen  Buddha  loszulassen,  da  „durchdrang  Buddha  den  Elefanten
mit  dem  Geiste  der  Liebe",  und  „durchdrungen  mit  dem  Geiste  der
Liebe"  blieb  der  Elefant  mit  erhobenem  Rüssel  vor  Buddha  stehen,
der  ihn  mit  der  Hand  streichelte.  Von  dieser  Zeit  an  war  Nälägiri
  zahm,  und  die  Leute  sangen  damals  den  Vers:  „Manche  bändigen ­
  mit  Stock,  Haken  und  Peitsche;  ohne  Stock  und  Waffe  wurde
der  Elefant  von  dem  großen  Heiligen  gebändigt."  Als  einst  ein
Mönch  durch  den  Biß  einer  Schlange  gestorben  war,  schob  Buddha
die  Schuld  darauf,  daß  derMönch  die  vier  Geschlechter  der  Schlangenkönige ­
  nicht  „mit  dem  Geiste  der  Liebe  durchdrungen  habe".  Er
lehrte  seine  Jünger  einen  Spruch,  der  das  älteste  Beispiel  aus  der
buddhistischen  Literatur  für  die  später  so  beliebten  Beschwörungsformeln ­
  ist.  Der  Sprechende  versichert,  daß  er  alle  Wesen  liebe,
die  fußloßen,  die  zweifüßigen,  die  vierfüßigen,  die  vielfüßigen.
Buddha  schärfte  den  Seinigen  immer  von  neuem  ein,  den  Geist
der  Liebe  zu  pstegen.  Im  Utzttasntta  des  Lnttanixäta  heißt  es:
„Wie  eine  Mutter  ihr  Kind,  ihr  einziges  Kind,  mit  ihrem  Leben
schützt,  so  soll  man  gegen  alle  Wesen  unermeßliche  Liebe  erzeugen.
Gegen  alle  Welt  soll  man  unermeßliche  Liebe  erzeugen,  nach  oben,
nach  unten,  nach  der  Seite,  uneingeschränkt,  ohne  Feindschaft  und
Gegnerschaft.  Stehend,  gehend,  sitzend,  liegend,  solange  man  wach
ist,  soll  man  diese  Gesinnung  ausüben  Das  nennt  man  ein  Leben
in  Gott."  Liebe,  Mitleid,  freundschaftliche  Teilnahme  und  Gleichmut ­
  machen  ein  Leben  in  Gott  aus;  sie  sind  die  „Vier  Unermeßlichen" ­
  oder,  wie  sie  der  nördliche  Buddhismus  nennt,  die  „Vier
Leben  in  Gott".  Die  Quelle  der  drei  letzten  aber  ist  die  Liebe
(Nsttä),  die  stets  an  der  Spitze  steht.  Sie  wird,  lote  wir  sahen,
hoch  über  alle  Werkheiligkeit  gestellt.  Alle  Opfer,  die  fromme  Könige
darbringen,  sind  nicht  ein  Sechzehntel  eines  Herzens  wert,  das
die  Liebe  erzeugt.  Die  Mönche  sind  auch,  mit  wenigen  Ausnahmen,
Buddhas  Ermahnung  gefolgt.  Es  ist  rührend  zu  lesen,  mit  welcher
Liebe  sie  Buddha  begegneten,  und  wie  sie  auch  untereinander  in
Liebe  und  Treue  zusammenhielten.  „Einst,  so  wird  erzählt,  begab ­
  sich  der  Erhabene  nach  Uräeioavamsadäva  („dem  östlichen  Bambuswald"). ­
  Damals  lebten  dort  der  ehrwürdige  Anuruddha  und
der  ehrwürdige  Nandika  und  der  ehrwürdige  Kimbila.  Der  Waldwärter ­
  sah  den  Erhabenen  von  ferne  herankommen,  und  als  er  den
        <pb n="89" />
        Der  Grundgedanke  des  Buddhismus.

79

Erhabenen  gesehen  hatte,  sprach  er:  „Betritt  diesen  Wald  nicht,
Asket!  Hier  leben  drei  vornehme  Herren,  die  sich  stets  gleichbleiben;
störe  sie  nicht!"  Der  ehrwürdige  Anuruddha  hörte,  wie  der  Waldwärter ­
  mit  dem  Erhabenen  sprach,  und  als  er  es  gehört  hatte,  sprach
er  zu  dem  Waldwärter:  „Bruder  Waldwärter,  hindere  den  Erhabenen
nicht.  Unser  erhabener  Lehrer  ist  da."  Und  der  ehrwürdige  Anuruddha
  ging  zu  dem  ehrwürdigen  Nandika  und  dem  ehrwürdigen
Kimbila  und  sagte  zu  ihnen:  „Kommt,  Ehrwürdige,  kommt  Ehrwürdige, ­
  unser  erhabener  Lehrer  ist  da!"  Und  der  ehrwürdige  Anuruddha
  und  der  ehrwürdige  Nandika  und  der  ehrwürdige  Kimbila
gingen  dem  Erhabenen  entgegen;  der  eine  nahm  dem  Erhabenen
den  Betteltopf  und  das  Gewand  ab,  der  andere  machte  ihm  einen
Sitz  zurecht,  der  andere  brachte  ihm  Fnßwasser,  eine  Fußbank  und
ein  Fußbecken.  Der  Erhabene  setzte  sich  auf  den  zurechtgemachten
Sitz  und  wusch  sich  die  Füße.  Und  nachdem  die  Ehrwürdigen  den
Erhabenen  begrüßt  hatten,  setzten  sie  sich  neben  ihn.  Und  zu  dem
ehrwürdigen  Anurnddüa,  der  neben  ihm  saß,  sprach  der  Erhabene
so:  „Geht  es  euch  leidlich,  o  Anuruddha?  Habt  ihr  zu  leben?
Habt  ihr  keine  Not  mit  den  Almosen?"  „Es  geht  uns  leidlich,  Erhabener. ­
  Wir  haben  zu  leben,  Erhabener,  und  wir  haben,  o  Herr,
keine  Not  mit  den  Almosen."  „Lebt  ihr,  o  Anuruddha,  zusammen
einträchtig,  ohne  Streit,  friedfertig,  indem  ihr  euch  einander  mit
freundschaftlichen  Blicken  anseht?"  „Wir  leben,  o  Herr,  zusammen
einträchtig,  ohne  Streit,  friedfertig,  indem  wir  uns  einander  mit
freundschaftlichen  Blicken  ansehen."  „Und  in  welcher  Weise  tut
ihr  dies,  o  Anuruddha?"  „Ich  denke,  o  Herr:  es  ist  für  mich
ein  Gewinn  und  Glück,  daß  ich  mit  solchen  Mitpriestern  zusammen
lebe.  In  mir  ist,  o  Herr,  zu  diesen  Ehrwürdigen  werktätige  Liebe
mit  Händen,  Mund  und  Herz,  offen  und  im  Verborgenen  entstanden. ­
  Ich  denke,  o  Herr:  könnte  ich  doch  meinen  eigenen  Willen
unterdrücken  und  nach  dem  Willen  dieser  Ehrwürdigen  handeln.
Und  ich  habe,  o  Herr,  meinen  eigenen  Willen  unterdrückt  und  handle
nach  dem  Willen  dieser  Ehrwürdigen.  Denn  unsere  Leiber,  o
Herr,  sind  verschieden,  aber  unser  Herz  ist,  glaube  ich,
ein  und  dasselbe."  Dieselbe  Antwort  erhielt  Buddha  auf  seine
Frage  auch  von  Nandika  und  Kimbila.
Gestalten,  wie  die  dieser  drei  Mönche,  sind  in  der  Geschichte  des
Buddhismus  nicht,  vereinzelt.  Sie  zeigen,  daß  die  Sittlichkeit  des
Buddhismus  doch  etwas  mehr  ist  als  eine  bloße  „Verständigkeitsmoral". ­
  Es  ist  wahr,  daß  der  Buddhismus  die  ideale  Forderung
        <pb n="90" />
        80

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

des  Christentums,  die  Feinde  zu  lieben,  nicht  gestellt  hat.  Er  lehrt
nur,  nicht  Haß  mit  Haß  zu  vergelten  und  denen  wohl  zu  tun,  die
uns  hassen.  Es  heißt  im  Dhammapada:  „Glücklich  leben  wir
feindschaftslos  unter  Feinden;  feindschaftslos  leben  wir  unter  feindlichen ­
  Menschen."  „Durch  Nichtzürnen  überwinde  man  den  Zorn;
das  Böse  überwinde  man  mit  Gutem;  den  Geizigen  überwinde
man  mit  Gaben;  durch  Wahrheit  überwinde  man  den  Lügner."
„Nicht  durch  Feindschaft  kommt  in  dieser  Welt  je  Feindschaft  zur
Ruhe;  durch  Nichtfeindschaft  kommt  sie  zur  Ruhe.  Das  ist  das
ewige  Gesetz  "  Mehr  als  nach  christlicher  Lehre  wird  nach  buddhistischer ­
  dem  Frommen  Belohnung  in  Aussicht  gestellt,  und
der  Buddhist  denkt  an  sie,  wenn  er  Gutes  tut.  Aber  in  der
Praxis  gibt  es  im  Buddhismus  nicht  weniger  uneigennützige  Fromme
als  im  Christentum.
Es  ist  auch  nicht  richtig,  wie  Harnack  tut,  den  Buddhismus
eine  Religion  zu  nennen,  die  „nicht  aus  einem  Prinzip  handelt",
und  in  der  „im  Grundgedanken  zu  wenig,  in  den  einzelnen  Gesetzen
zu  viel  normiert  ist".  Der  Grundgedanke  des  Buddhismus  ist  die
Naitri,  Pali  Llsttä.  DieNsttäist  weder  Mitleid,  noch  Freundschaftsgefühl, ­
  sondern  die  christliche  Liebe.  Mitleid  ist  Karunä,
und  Freundschaftsgefühl  ist  Nuckitü,  die  beiden  auf  Mettä  folgenden ­
  „Unermeßlichen".  Karunä  ist  das  „Traurigsein  mit  den
Traurigen",  Vluäita  das  „Sichfreuen  mit  den  Fröhlichen".  Sie
ergeben  sich  aus  der  Llottä.  Und  die  Aettä  wiederum  wird  im
Herzen  des  Menschen  erzeugt  dadurch,  daß  er  „Liebe  (Raga)  und
Haß  (Dosa)  aufgibt."  Raga  ist  die  sinnliche  Liebe,  das  Hängen
an  den  Dingen  dieser  Welt,  an  Weib  und  Kind,  an  Hab  und  Gut,
an  den  Freuden  und  Genüssen  des  Lebens.  Nottä  ist  die  Nächstenliebe, ­
  die  alle  Wesen  umfaßt,  und  die  nur  der  erlangt,  der  sich
von  Raga  und  Dosa  frei  macht.  Nur  dieser  tritt  in  den  Besitz
der  vierten  „Unermeßlichen",  der  Upekkhä  (Sanskrit  Upeksä),
des  „Gleichmuts".  Das  Ideal  dieser  Tugend  wird  uns  mit
den  Worten  geschildert,  die  Buddha  selbst  in  den  Mund  gelegt
werden:  „Die  mir  Schmerz  zufügen  und  die  mir  Freude  bereiten, ­
  gegen  alle  bin  ich  gleich;  Anteilnahme  und  Unwillen  finden
sich  bei  mir  nicht.  Freude  und  Schmerz,  Ehre  und  Unehre  halten
sich  in  mir  die  Wage;  gegen  alles  bin  ich  gleich;  das  ist  die  Vollendung ­
  meines  Gleichmuts  (Upekkhä)."  Auf  dieser  Stufe  ist
der  Mensch  von  den  Leidenschaften  erlöst  und  des  ewigen  Todes
sicher  (S.  74).
        <pb n="91" />
        Das  erste  Gebot.

81

Wenn  auch  „die  Sprache  des  Buddhismus  keine  Worte  für  die
Poesie  der  christlichen  Liebe  hat,  der  das  Loblied  des  Paulus  gilt"
(Oldenberg),  so  wird  doch  niemand  dem  Loblieds  Buddhas  auf
die  N8ttä,  das  ich  aus  dem  Itiyuttaka  angeführt  habe  (S.  76  f.),
Poesie  und  tiefe  Empfindung  absprechen  können.  Sv  verkehrt  es
ist,  das  Christentum  zugunsten  des  Buddhismus  herabzusetzen,  so
ungerecht  ist  es,  den  Buddhismus  zugunsten  des  Christentums  zu
verkleinern.  In  ihren  Sittengcsetzeu  stehen  sich  beide  Religionen
gleich,  und  in  der  Ausführung  dieser  Gesetze  gehen  die  Buddhisten
oft  weiter  als  die  Christen.  So  gleich  bei  dem  ersten  Gebote  des
Buddhismus:  „Du  sollst  nicht  töten."
Im  Dhammikasutta  des  Suttanipäta  heißt  es:  „Man  soll  nicht
töten,  noch  irgendein  lebendes  Wesen  töten  lassen,  noch  es  billigen,
wenn  andere  eins  töten;  sondern  man  soll  sich  enthalten,  den  Wesen
ein  Leid  anzutun,  sowohl  denen,  die  stark  sind,  als  denen,  die  in
der  Welt  zittern."  Mit  diesem  Gebote  hängt,  wie  erwähnt  (S.  36f.),
die  Sitte  des  Regenzeithaltens  zusammen.  Gegen  das  erste  Gebot
sündigt  nicht  nur,  wer  selbst  tötet,  sondern  auch,  wer  die  Tötung
befiehlt,  ihr  zuschaut,  sie  indirekt  veranlaßt.  Daher  sind  den  Buddhisten ­
  die  Tieropfer  der  Brahmanen  ein  Greuel,  ebenso  die  Jagd
und  der  Krieg.  Jäger,  Fischer,  Fleischer  werden  zu  den  verachtetsten
  Ständen  gerechnet.  Streng  durchgeführt,  muß  das  Verbot
natürlich  Albernheiten  zur  Folge  haben.  Danach  dürfte  man  auch
schädliche  und  lästige  Tiere  nicht  töten,  was  in  Indien  noch  viel
weniger  angeht  als  bei  uns.  Dort  plagt  ja  Ungeziefer  aller  Art
den  Menschen,  und  Tausende  fallen  alljährlich  den  Tigern  und
Schlangen  zum  Opfer  In  der  Praxis  ist  man  auch  nicht  soweit
gegangen.  Daß  aber  das  Verbot  von  günstigem  Einflüsse  gewesen
ist,  dafür  haben  wir  einen  Beweis  in  den  Inschriften  des  Königs
Asoka  Priyadarsin  (S.  67).  Das  erste  Edikt  lautet:  „Hier
(d.  h.  in  meinem  Reiche)  darf  kein  Tier  geschlachtet  und  geopfert
und  keine  Festversammlung  abgehalten  werden.  Denn  der  göttergeliebte ­
  König  Priyadarsin  findet  viele  Nachteile  in  den  Festversammlungen. ­
  Es  gibt  aber  manche  Festversammlungen,  die  von
dem  göttergeliebten  Könige  Priyadarsin  für  gut  gehalten  werden.
Früher  wurden  in  der  Küche  des  göttergeliebten  Königs  Priyadarsin ­
  viele  Tausende  von  Tieren  geschlachtet,  um  Brühe  daraus
zu  bereiten.  Jetzt,  seit  dieses  Religionsedikt  geschrieben  worden
ist,  werden  nur  noch  drei  Tiere  geschlachtet,  zwei  Pfauen  und  eine
Gazelle,  und  die  Gazelle  nicht  immer.  In  Zukunft  werden  aber
ANliG  109:  Pischel,  Leben  und  Lehre  des  Buddha.  2.  Allst.  6
        <pb n="92" />
        82

Yl.  Die  Lehre  des  Buddha.

auch  diese  drei  Tiere  nicht  mehr  geschlachtet  werden."  Deutlich
spricht  von  der  Sinnesänderung  des  Königs  auch  das  dreizehnte
Edikt,  in  dem  er  die  Grausamkeiten  tief  bedauert,  die  er  früher
bei  der  Eroberung  des  Landes  Kalinga  begangen  hatte.
Das  erste  Gebot  wird  aber  von  den  Buddhisten  auch  noch  so
verstanden,  daß  man  den  lebenden  Wesen  in  jeder  Hinsicht  Schonung
angedeihen  lassen  müsse.  Das  zweite  EdiktAsokas  lautet:  „Überall ­
  im  Reiche  des  göttergeliebten  Königs  Priyadarsin  und  bei  seinen
Nachbarn  .  .  .  .,  überall  hat  der  göttergeliebte  König  Priyadarsin
zwei  (Arten  von)  Heilstätten  einrichten  lassen,  Heilstätten  fürMenschen
und  Heilstätten  für  Tiere.  Wo  es  keine  für  Menschen  und  Tiere
zuträglichen  Kräuter  gibt,  da  hat  er  sie  überall  hinschaffen  und  anpflanzen ­
  lassen.  Ebenso  wo  es  keine  Wurzeln  und  Früchte  gibt,
hat  er  sie  hinschaffen  und  anpflanzen  lassen.  An  den  Straßen  hat
er  Bäume  Pflanzen  und  Brunnen  graben  lassen  zum  Gebrauche
für  Tiere  und  Menschen."  Überall  in  buddhistischen  Ländern  wird
die  Pflicht  der  Nächstenliebe  auf  die  Tiere  ausgedehnt.  Einen  hervorragenden ­
  Anteil  an  dieser  weitgehenden  Sorge  für  die  Tiere
hat  ohne  Zweifel  die  Lehre  von  der  Seelenwanderung.  Man  war
ja  nie  sicher,  ob  nicht  in  einem  Tiere  augenblicklich  die  Seele  eines
Verwandten  wohne.
Das  erste  Gebot  fordert  also  zugleich  die  weitgehendste  Nächstenliebe. ­
  Und  so  ist  keine  Religion  der  Erde  toleranter  gewesen  als
der  Buddhismus,  der  den  geraden  Gegensatz  zum  Islam  bildet.
Allein  von  allen  großen  Religionen  hat  er  sich  nie  durch  das  Schwert,
nie  durch  Gewalt  auszubreiten  gesucht.  Der  Buddhist  hält  zwar
seine  Religion  für  die  beste,  aber  er  läßt  auch  andern  ihren  Glauben.
Diese  Toleranz  zeigt  uns  das  zwölfte  Edikt  Asokas:  „Der  göttergeliebte ­
  König  Priyadarsin  ehrt  alle  Religionsgemeinschaften,  ob
sie  wandernde  oder  ansässige  sind,  durch  Geschenke  und  mannigfache ­
  Ehrenerweisung.  Aber  der  Göttergeliebte  legt  nicht  so  großes
Gewicht  auf  Geschenke  und  Ehrenerweisung  als  darauf,  daß  das,
was  ihre  Eigentümlichkeit  bildet,  gedeihe.  Das  Gedeihen  der  Eigentümlichkeit ­
  aller  Religionsgemeinschaften  ist  vielartig,  die  Grundlage ­
  dazu  aber  ist  Vorsicht  in  der  Rede,  daß  man  nämlich  nicht
die  eigene  Religionsgemeinschaft  hochpreist  oder  andere  Religionsgemeinschaften ­
  schmäht  oder  ohne  Grund  (die  Vorsicht  in  der  Rede)
gering  achtet,  sondern  daß  man  bei  gegebener  Veranlassung  fremde
Religionsgenieinschaften  ehrt.  Wenn  man  bei  gegebener  Veranlassung ­
  so  verfährt,  fördert  man  die  eigene  Religion  und  tut  auch
        <pb n="93" />
        Das  zweite  Gebot.

83

der  andern  Religion  Gutes.  Wer  anders  verfährt,  schädigt  die
eigene  Religion  und  tut  auch  der  andern  Religion  Übles.  Denn
wer  immer  seine  eigene  Religion  hochpreist  und  eine  andere  Religion ­
  schmäht,  der  schädigt,  während  er  die  eigene  Religion  erhöhen
will,  um  ihr  Glanz  zu  verleihen,  durch  solches  Tun  die  eigene
Religion  sehr.  Einigkeit  allein  frommt,  indem  einer  die  Lehre  des
andern  hört  und  gerne  hört."  Diese  Toleranz  ist  dem  Buddhismus ­
  verderblich  gewesen,  namentlich  überall,  wo  er  mit  dem  Islam
zusammentraf.
Das  zweite  Gebot  lautet:  „Du  sollst  nicht  stehlen."  Das  Dhammikasutta
  sagt  darüber:  „  Ein  verständiger  Jünger  des  Buddha
soll  an  keinem  Orte  etwas  nehmen,  was  ihm  nicht  gegeben  worden
ist;  er  soll  auch  keinen  andern  veranlassen  etwas  zu  nehmen,  noch
billigen,  daß  jemand  etwas  nimmt.  Er  soll  nichts  nehmen,  was
ihm  nicht  gegeben  worden  ist."  Auch  dieses  Gebot  hat  seine  positive ­
  Seite  und  besagt  dann:  „Du  sollst  geben."  Nächst  der  Liebe
ist  bei  den  Buddhisten  keine  Tugend  so  ausgebildet  wie  die  Freigebigkeit, ­
  ja,  manchmal  kann  es  scheinen,  als  ob  sie  an  die  Spitze
aller  Tugenden  gestellt  werde.  Dabei  mag  etwas  Eigennutz  im
Spiele  gewesen  sein.  Man  muß  bedenken,  daß  die  Mönche  nicht
arbeiteten,  sondern  ganz  auf  die  Freigebigkeit  der  Laien  angewiesen
waren.  Es  lag  also  in  ihrem  eigenen  Interesse,  diese  Tugend  möglichst ­
  hoch  zu  stellen.  Bon  der  Zeit  des  Egveda  an  haben  die  indischen
Priester  dies  vortrefflich  verstanden.  Im  Dhammapada  heißt  es:
„Geizige  kommen  nicht  in  die  Welt  der  Götter;  nur  Toren  rühmen
nicht  die  Freigebigkeit.  Der  Weise  erfreut  sich  an  Freigebigkeit
und  wird  dadurch  in  jener  Welt  glücklich."  Das  Verdienst  und
die  Belohnung  steigert  sich  nach  der  Gesinnung,  mit  der  der  Geber
schenkt.  Die  Lehre  des  Christentums,  daß  Gott  einen  fröhlichen
Geber  lieb  hat,  ist  auch  die  des  Buddhismus.  Wer  unwillig  gibt,
hat  von  seiner  Gabe  keinen  Nutzen,  sondern  Schaden.  Als  der
Herr  einst  im  Yeluvana  verweilte,  so  wird  erzählt,  kam  dort  ein
Mann,  der  ein  Bündel  Zuckerrohr  auf  der  Schulter  hatte  und  an
einem  Zuckerrohr  kaute.  Hinter  ihm  ging  ein  tugendhafter,  frommer
buddhistischer  Laie  mit  einem  kleinen  Knaben.  Der  Knabe  verlangte ­
  unter  Tränen  nach  einem  Zuckerrohr.  Der  Mann  aber  gab
ihm  nichts.  Als  der  Vater  mit  Hinweis  auf  das  laut  weinende
Kind  um  ein  Stück  Zuckerrohr  bat,  warf  der  Mann  es  ihm  schließlich ­
  unwillig  über  die  Schulter  zu.  Nach  seinem  Tode  wurde  er
wegen  seines  Geizes  unter  den  Gespenstern  wiedergeboren  und  sein
6*
        <pb n="94" />
        84

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

Lohn  entsprach  seinen  Taten.  Er  wurde  in  einem  großen,  mit  langen
Zuckerrohren  bewachsenen  Haine  wiedergeboren.  So  oft  er  davon
essen  wollte,  schlug  ihn  das  Rohr,  und  er  fiel  ohnmächtig  nieder.
Er  wurde  durch  Maudgaljäyana  erlöst,  der  ihm  riet,  das  Rohr
mit  abgewandtem  Gesicht  zu  fassen,  wie  er  einst  das  Stück  dem
Kinde  zugeworfen  hatte.  Die  Moral  der  Geschichte  ist,  daß  alles
in  freundlicher  Weise  und  gern  gegeben  werden  muß.  Auch  kleine
Geschenke  tragen  großen  Lohn.  Einst  erzählte  der  Herr  eine  Geschichte ­
  von  dem  Sohne  eines  reichen  Gildemeisters  in  Räjagrha.
Aus  übergroßer  Liebe  hatten  die  Eltern  ihren  Sohn  nichts  lernen
lassen,  weil  sie  ihren  Reichtum  für  so  groß  hielten,  daß  der  Sohn
ihn  nicht  vergeuden  könne.  Er  geriet  aber  in  schlechte  Gesellschaft,
verbrachte  seine  Zeit  in  Saus  und  Braus  mit  Schauspielern  und
Sängern  und  kam  schließlich  an  den  Bettelstab.  Im  Asyl  für
Obdachlose  traf  er  einst  mit  Dieben  zusammen,  die  ihn  überredeten,
mit  ihnen  gemeinsam  einen  Diebstahl  auszuführen.  Dabei  wurde
er  infolge  seiner  Ungeschicklichkeit  ergriffen  und  zum  Tode  verurteilt. ­
  Auf  dem  Wege  zum  Richtplatz  sah  ihn  eine  Hetäre,  mit  der
er  früher  Verkehr  gehabt  hatte.  Von  Mitleid  über  sein  trauriges
Geschick  erfaßt,  sandte  sie  ihm  vier  Stück  Zuckerzeug  und  Wasser.
In  diesem  Augenblicke  sah  Mahamaudgalyayana  mit  göttlichem
Blick  dessen  Unglück  und  versuchte  ihn  aus  der  Hölle  zu  retten.  Er
erschien  vor  ihm,  und  der  Verurteilte  bot  ihm  mit  gläubigem  Herzen
das  Zuckerzeug  und  Wasser  an.  Dafür  wurde  er  nach  der  Hinrichtung ­
  als  ein  Baumgott  auf  einem  großen  dichtschattigen  Feigenbaum ­
  in  einem  Bergwalde  geboren.  Da  er  ein  so  vorzügliches
Feld  für  gute  Taten  wie  den  Uaudgatyäyana  gehabt  hatte,  wäre
er  für  seine  gute  Tat  sogar  in  der  Götterwelt  wiedergeboren  worden.
Aber  im  Augenblicke  des  Todes  dachte  er  dankbar  an  die  Hetäre,
und  dadurch  wurde  sein  Herz  befleckt,  so  daß  er  sich  mit  dem  Range
eines  Erdgeistes  begnügen  mußte.  Dafür  hatte  er  aber  den  Bore
teil,  später  mit  seiner  geliebten  Hetäre  eine  Woche  vergnügt  leben
zu  können.  Der  Herr  aber  sprach  nach  der  Erzählung  dieser  Geschichte ­
  die  Verse:  „Die  Arhats  gleichen  dem  Felde,  die  Geber  den
Pflügern,  die  Gabe  dem  Samen;  daraus  entsteht  die  Frucht.  Dieser
Same,  dieses  Pflügen  und  dieses  Feld  kommen  den  Geistern  der
Toten  und  dem  Geber  zu  gute.  Die  Geister  der  Toten  genießen
es,  und  der  Geber  ivird  durch  seine  fromme  Tat  erhöht.  Wenn
er  hier  Gutes  tut  und  die  Geister  der  Toten  ehrt,  kommt  er  in
den  Himmel,  da  er  eine  schöne  Tat  verrichtet  hat."
        <pb n="95" />
        Das  dritte  Gebot.

85

Der  Buddhist  soll,  wenn  er  andern  Geschöpfen  nützen  kann,
ohne  Bedenken  gern  sein  Leben  opfern.  Auch  davon  werden  viele
Geschichten  erzählt.  Die  Freigebigkeit  wird,  wie  bei  den  Brahmanen,
namentlich  auch  den  Königen  zur  Pflicht  gemacht.  Als  die  vier
Tugenden,  wodurch  ein  König  sich  populär  machen  kann  und  soll,
werden  genannt:  Freigebigkeit,  Freundlichkeit,  Fleiß  in  Regierungsgeschäften ­
  und  Unparteilichkeit.  Die  Freigebigkeit  haben  die  buddhistischen ­
  Herrscher  aller  Zeiten  in  reichstem  Maße  geübt.  Im  dritten
und  elften  Edikt  nennt  Asoka  Priyadarsin  als  verdienstlich  und
gesetzlich  den  Gehorsam  gegen  die  Eltern,  Freigebigkeit  gegen
Freunde,  Bekannte,  Verwandte,  Brahmanen  und  Asketen,  Nichttöten ­
  lebender  Wesen  und  Enthaltung  von  Schmähungen  gegen
Andersgläubige.  Im  achten  Edikt  sagt  er,  auf  seinen  Reisen
empfange  er  Asketen,  Brahmanen  und  Greise,  die  er  beschenke  und
an  die  er  Gold  verteile.  Die  buddhistischen  Pilger  aus  China
schildern,  mit  welcher  Verschwendung  die  Könige  bei  den  großen
religiösen  Versammlungen  Geschenke  austeilten.  Wohltäter  wie
Anäthapindika  (S.  36)  und  Visäkhä  (S.  39)  leben  im  Gedächtnis ­
  bis  heute  fort.
Das  dritte  Gebot  ist:  „Du  sollst  nicht  unkeusch  leben."  Im
Dhammikasutta  heißt  es  darüber:  „Der  Verständige  vermeide  ein
unkeusches  Leben  wie  einen  Haufen  (brennender)  Kohlen.  Wenn
er  nicht  imstande  ist,  ein  keusches  Leben  zu  führen,  so  vergreife
er  sich  nicht  an  der  Frau  eines  andern."  Es  gilt  also  für  den
Laien  als  verdienstlich,  sich  des  Umgangs  mit  Frauen  zu  enthalten.
Für  den  Mönch  wurde  dies  gefordert.  Der  Buddhismus  schreibt
wie  der  Katholizismus  den  Zölibat  vor.  Für  den  Ehebruch  wird
die  schwerste  Strafe  in  Aussicht  gestellt,  die  sich  durch  viele  Geburten ­
  hinzieht.  Das  Dhammapada  lehrt:  „Allmählich  und  bei
jeder  Gelegenheit  entferne  der  Verständige  immer  ein  wenig  von
dem  Rost  an  sich,  wie  der  Schmied  den  am  Silber.  Rost,  der
am  Eisen  entsteht,  frißt  dieses  von  da  an  auf;  so  bringen  den  unverständig ­
  Handelnden  seine  Taten  in  die  Hölle.  Rost  ist  bei  einer
Frau  schlechter  Lebenswandel,  Rost  bei  einem  Geber  Geiz;  Rost
sind  sündhafte  Neigungen  in  dieser  und  jener  Welt."  „Vier  Dinge
erlangt  ein  unverständiger  Mann,  der  sich  mit  der  Frau  eines
andern  einläßt:  Sünde,  Beilager  ohne  Genuß,  Zurechtweisung,
Hölle.  Er  begeht  eine  Sünde,  der  Genuß  ist  für  ihn  gering,  da  er
und  sie  voll  Angst  (vor  Entdeckung)  sind,  der  König  verhängt  eine
schwere  Strafe.  Deswegen  soll  sich  ein  Mann  nicht  mit  der  Frau
        <pb n="96" />
        86

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

eines  andern  einlassen."  Der  Suttaaixäta  sagt:  „Wer  sich  mit
den  Frauen  von  Verwandten  oder  Freunden  einläßt,  mit  Gewalt
oder  ihrem  Einverständnis,  der  ist  ein  Ausgestoßener."
Das  vierte  Gebot  lautet:,  ,Du  sollst  nicht  lügen."  Das  Dhammikasutta
  sagt  davon:  „Weder  vor  Gericht  noch  in  einer  Versammlung
soll  einer  den  andern  belügen.  Man  soll  niemanden  zur  Lüge
verleiten,  noch  es  billigen,  daß  einer  lügt,  sondern  jede  Art  der
Lüge  vermeiden."  Im  Kokälijasutta  heißt  es:  „Im  Munde  des
Menschen  entsteht  bei  seiner  Geburt  eine  Axt,  mit  der  der  Tor  sich
selbst  verletzt,  wenn  er  schlechte  Rede  führt.  Wer  einen  lobt,  der
zu  tadeln  ist,  oder  einen  tadelt,  der  zu  loben  ist,  der  wirft  mit
seinem  Munde  einen  Unglückswurf  und  durch  den  Unglückswurf
findet  er  kein  Glück.  Das  ist  ein  unbedeutender  Unglückswurf,
durch  den  man  beini  Würfelspiel  sein  Geld  verliert;  der  tut  einen
größeren  Unglückswurf,  der  sich  an  Guten  versündigt.  Wer  die
Unwahrheit  spricht,  und  wer  leugnet,  was  er  getan  hat,  kommt  in
die  Hölle;  beide  niedrig  handelnde  Menschen  sind  nach  ihrem  Tode
im  Jenseits  gleich.  Wer  einen  nicht  Schlechten  schlecht  macht,
einen  reinen,  unschuldigen  Mann,  auf  den  Toren  fällt  die  Sünde
zurück,  wie  feiner  Staub,  der  gegen  den  Wind  geworfen  wird."
Die  Positive  Seite  des  Gebotes  ist:  „Du  sollst  von  deinem  Nächsten
nur  Gutes  reden."  In  einer  seiner  Reden  sagt  Buddha  von  dem
Mönche:  „Er  läßt  von  Verleumdungen  ab,  hört  mit  Verleumdungen ­
  auf.  Was  er  hier  gehört  hat,  sagt  er  nicht  dort  wieder,
um  diese  zu  veruneinigen;  was  er  dort  gehört  hat,  sagt  er  nicht
hier  wieder,  um  jene  zu  veruneinigen.  Er  versöhnt,  die  sich  veruneinigt ­
  haben,  und  bestärkt,  die  sich  geeinigt  haben.  Die  Eintracht
ist  seine  Wonne,  die  Eintracht  ist  seine  Freude,  die  Eintracht  ist
seine  Lust;  Eintracht  schaffende  Worte  spricht  er.  Er  läßt  von
grober  Rede  ab,  hört  mit  grober  Rede  auf.  Er  spricht  tadellose,
den  Ohren  angenehme,  liebe,  zu  Herzen  gehende,  höfliche,  der  Menge
liebe,  der  Menge  angenehme  Worte."  Was  hier  vom  Mönch  gesagt ­
  wird,  wird  an  einer  andern  Stelle  mit  genau  denselben
Worten  als  Eigenschaft  Buddhas  selbst  angegeben  und  gilt  für  alle
Menschen.
Das  fünfte  Gebot  ist:  „Du  sollst  nicht  berauschende  Getränke
trinken."  Das  indische  Klima  erfordert  Nüchternheit,  so  daß  das
völlige  Verbot  berauschender  Getränke  heilsam  und  notwendig  war,
um  so  mehr,  als  in  alter  Zeit  die  Inder  starke  Trinker  waren.
Das  vbawmikasutta  sagt:  „Der  Hausherr,  der  diesem  Gesetze
        <pb n="97" />
        Das  vierte  bis  zehnte  Gebot.

87

(d.  h.  der  Lehre  Buddhas)  folgt,  soll  nicht  beratischende  Getränke
trinken,  noch  andere  veranlassen,  sie  zu  trinken,  noch  es  billigen,
wenn  andere  sie  trinken,  weil  er  weiß,  daß  Wahnsinn  das  Ende
ist.  Denn  in  der  Trunkenheit  begehen  die  Toren  Sünde  und  machen
andere  Leute  trunken.  Man  soll  diese  Sünde  vermeiden,  die  Wahnsinn ­
  erzeugt,  zur  Torheit  verleitet  und  nur  dem  Dummen  schön  erscheint." ­

Das  sind  die  fünf  Gebote,  die  der  Laie  beachten  muß.  Wer  es
nicht  tut,  der  gräbt  sich,  wie  das  Dhammapada  sagt,  selbst  die
Wurzel  ab.  Dazu  kommen  für  den  Mönch  noch  fünf  weitere  Gebote, ­
  im  ganzen  also  zehn:  6.  nicht  zu  unerlaubter  Zeit  zu  essen;
7.  nicht  an  Tanz,  Gesang,  Musik,  Schauspielen  teilzunehmen;
8.  sich  keiner  Kränze,  Parfüms  und  Schmucksachen  zu  bedienen;
9.  nicht  in  hohem  oder  breitem  Bette  zu  schlafen;  10.  kein  Gold
und  Silber  anzunehmen.  Auch  für  den  Laien  ist  es  verdienstlich,
die  drei  ersten  dieser  Vorschriften  zu  beachten,  sei  es  für  sein  ganzes
Leben  oder  nur  für  bestimmte  Zeiten.  Er  gilt  aber  als  irreligiös,
wenn  er  sie  nicht  an  den  Cpavaoatba  -  (Pali  Cposatba-)  Tagen
befolgt.  Diese  Cpavasatba-Tage  entsprechen  unseren  Sonntagen,
insofern  sie  ein  wöchentlich  wiederkehrender  Festtag  sind.  Upavasatba-Tage
  sind  der  Tag  des  Vollmonds,  der  Tag  des  Neumonds
und  je  der  achte  Tag  nach  Voll-  und  Neumond.  Der  Name  bedeutet ­
  „Fasttag".  Im  Brahmanismus  war  es  der  Tag  vor  dem
großen  Somaopfer,  an  dem  gefastet  wurde.  Im  Buddhismus
aber  war  es  kein  Fasttag  mehr,  sondern  ein  Beichttag.  An  den  Upayasatba-Tagen
  kleiden  sich  die  Laien  in  ihre  besten  Kleider.  Die
Frommen  enthalten  sich  ihrer  Geschäfte  und  der  weltlichen  Vergnügungen. ­
  Sie  gehen  zu  einem  Priester  und  erklären  ihm  ihre
Absicht,  an  diesem  Tage  die  acht  Gebote  zu  halten.  Für  die  Priester
findet  am  Tage  des  Voll-  und  Neumondes  eine  große  Beichte  statt,
von  der  später  die  Rede  sein  wird.
Auf  den  Namen  eines  Frommen  hat  nach  altindischer  und  altiranischer ­
  Anschauung,  die  auch  ins  Christentum  übergegangen  ist,
der  Anspruch,  der  weder  mit  Gedanken  noch  Worten  noch  Taten
sündigt.  Im  Buddhismus  ist  diese  Dreiteilung  sehr  gewöhnlich,
und  die  Sünden  werden  danach  in  drei  Klassen  geteilt,  in  Sünden
des  Gedankens,  des  Wortes  und  des  Körpers  oder  der  Tat.  Sünden
des  Gedankens  sind:  Habsucht,  Bosheit,  Zweifelsucht;  Sünden  des
Wortes:  Lüge,  Verleumdung,  Fluchen,  eitles  Geschwätz;  Sünden
des  Körpers:  Mord,  Diebstahl,  unerlaubter  geschlechtlicher  Verkehr,
        <pb n="98" />
        88

YI.  Die  Lehre  des  Buddha.

im  ganzen  also  zehn.  In  dem  Sigälovädasutta  des  Dighanikäya
wird  ein  Kodex  der  Sittlichkeit  aufgestellt,  der  kaum  eine  Lücke  ausweist. ­
  Von  diesem  Sutta  hat  Childers  schon  mit  Recht  bemerkt,
daß  es  uns  nicht  eine  „gefrorene  Welt  des  Buddhismus"  bietet,
sondern  daß  es  voll  ist  von  dem  Enthusiasmus  der  Menschlichkeit.
Das  Verhältnis  zwischen  Eltern  und  Kindern,  Lehrer  und  Schüler,
Mann  und  Frau,  Herrn  und  Diener,  zwischen  Freunden,  Laien
und  Mönchen  wird  in  klarer  Weise  auseinandergesetzt,  die  gegenseitigen ­
  Pflichten  genau  vorgezeichnet.  Von  Eltern  und  Kindern
z.  B.  wird  dort  gesagt:  „In  fünffacher  Art  soll  ein  Sohn  für
seine  Eltern  sorgen.  Er  soll  sagen:  „Ich  will  sie  ernähren,  wie
sie  mich  ernährt  haben;  ich  will  für  sie  die  Arbeit  tun;  ich  will
mein  Geschlecht  fortpflanzen;  ich  will  mein  Erbe  antreten;  ich  will
ihnen,  wenn  sie  gestorben  sind,  Ehren  erweisen."  In  fünffacher
Art  zeigen  die  Eltern  ihre  Liebe  zu  ihrem  Sohn:  sie  halten  ihn
von  der  Sünde  ab,  unterweisen  ihn  in  der  Tugend,  lassen  ihn
etwas  Tüchtiges  lernen,  verschaffen  ihm  eine  passende  Frau  und
übergeben  ihm  seinerzeit  ein  Erbe."  Von  Herrn  nnd  Dienern  heißt
es:  „In  fünffacher  Art  soll  ein  Herr  für  seine  Diener  sorgen.  Er
soll  ihnen  Arbeit  nach  ihren  Kräften  zuweisen,  ihnen  Nahrung  und
Lohn  geben,  sie  pflegen,  wenn  sie  krank  sind,  sie  an  außergewöhnlichen ­
  Genüssen  teilnehmen  lassen  und  zur  rechten  Zeit  ihnen  Erholung ­
  gewähren.  In  fünffacher  Art  bezeigen  sie  ihm  ihre  Liebe.  Sie
stehen  früher  auf  als  er  und  gehen  später  als  er  zu  Bett,  sind  zufrieden ­
  mit  dem,  was  ihnen  gegeben  wird,  tun  ihre  Arbeit  gut
und  reden  von  ihrem  Herrn  Gutes."  Das  Sutta  schließt:  „Freigebigkeit, ­
  freundliche  Rede,  wohlwollendes  Benehmen,  Selbstlosigkeit ­
  gegen  alle  Wesen,  überall,  wie  es  sich  gehört,  diese  Eigenschaften ­
  sind  für  die  Welt,  was  die  Nabe  für  das  Rad  ist.  Wären
diese  Eigenschaften  nicht  vorhanden,  so  würden  weder  Mutter  noch
Vater  von  den  Kindern  Ehre  und  Achtung  erhalten.  Und  weil
Kluge  diese  Eigenschaften  pflegen,  deswegen  gedeihen  sie  und  werden
gelobt."
Die  erste  Stufe  des  Heilsweges,  der  rechte  Glaube,  war  die  unerläßliche ­
  Bedingung  für  jeden,  der  überhaupt  den  Heilsweg  beschreiten ­
  wollte.  Die  nächsten  fünf  Stufen:  rechtes  Sichentschließen,
rechtes  Wort,  rechte  Tat,  rechtes  Leben,  rechtes  Sichbemühen,  umfassen ­
  die  in  den  fünf  Geboten  den  Laien  vorgeschriebenen  Pflichten,
besonders  auch  die  Pflichten  gegen  den  Nächsten.  Die  beiden  letzten
Stufen:  rechtes  Gedenken  und  rechtes  Sichversenken  haben  es,  wie
        <pb n="99" />
        Die  Versenkung.

89

die  erste,  wieder  nur  mit  dem  einzelnen  Individuum  für  sich  zu
tun.  Der  Buddhismus  kennt,  wie  wir  sahen,  zwar  Götter,  aber
keinen  Gott.  Und  daher  hat  er  auch  kein  Gebet.  Er  hat  Bekenntnisformeln, ­
  Lobsprüche  und  Loblieder  auf  Buddha  und  die
Kirche,  aber  kein  Gebet.  Zu  wem  hätte  der  Buddhist  auch  beten
sollen?  Buddha  ist  für  ihn  stets  ein  Mensch  geblieben.  Mit  seinem
Eingang  ins  Larivirvärm  ist  er  jedem  Dasein  entrückt;  er  existiert
nicht  mehr.  Die  spätere  Zeit  hat  sich  Gegenstände  äußerer  Verehrung ­
  geschaffen,  und  sie  hat  auch  das  Gebet,  sogar  in  häufigerer
und  mechanischerer  Anwendung  als  andere  Religionen.  Aber  dem
alten  Buddhismus  ist  das  Gebet  fremd;  an  seiner  Stelle  erscheint
die  Versenkung.  Sie  kann  aber  nur  der  Mönch  ausüben.  Die
Texte  unterscheiden  vier  Stufen  der  religiösen  Versenkung.  Der
Mönch,  der  sich  der  Versenkung  hingeben  will,  zieht  sich  an  einen
ruhigen,  abgeschlossenen  Ort  zurück,  setzt  sich  mit  übereinandergeschlagenen
  Beinen  hin,  „den  Körper  gerade  aufgerichtet,  das  Antlitz
mit  wachsamem  Denken  umgebend."  So  konzentrierte  er  seinen
Geist  auf  einen  Punkt,  er  suchte,  wie  man  sagte,  einen  „Stützpunkt".
So  wird  erzählt,  daß  ein  Mönch,  der  Versenkung  üben  wollte,
einst  ani  Ufer  des  Flusses  L.oirs,vati  saß  und  dort  den  Schaum
der  Wellen  entstehen  und  bald  wieder  vergehen  sah.  Da  kani  ihm
der  Gedanke,  wie  der  Schaum  dieser  Wellen,  so  entsteht  und  vergeht ­
  auch  der  menschliche  Leib.  Diesen  Gedanken  nahm  er  sich
zum  Ausgangspunkt  für  seine  Versenkung;  er  wurde  sein  „Stützpunkt". ­
  Wenn  der  Mönch  dann  so  in  Gedanken  versunken  dasitzt,
wird  sein  Geist  allmählich  mit  Begeisterung  und  Klarheit  angefüllt.
Die  Lust  und  die  bösen  Neigungen  schwinden;  aber  der  Geist  wird
noch  beherrscht  vom  Überlegen  und  Erwägen  des  „Stützpunktes".
Das  ist  die  erste  Stufe.  Die  zweite  Stufe  ist,  daß  der  Geist  sich
von  diesem  Überlegen  und  Erwägen  frei  macht,  daß  er  zur  Gewißheit ­
  gelaugt,  und  nur  die  Begeisterung  und  Klarheit  übrig
bleiben.  Auf  der  dritten  Stufe  befreit  er  sich  von  der  Begeisterung
und  damit  von  Freude  und  Leid.  Auf  der  vierten  Stufe  wird  der
Geist  völlig  gleichgültig  gegen  alles;  der  Atem  stockt.  Auf  dieser
Stufe  glaubte  man  in  die  Vergangenheit  zurückblicken  und  seine
früheren  Geburten  erkennen  zu  können.  Jetzt  wähnte  man  auch
imstande  zu  sein,  sich  übernatürliche  Kräfte  zu  erwerben,  Wunder
zu  wirken,  die  Gedanken  anderer  zu  erkennen,  sein  eigenes  Ich  zu
vervielfältigen  und  beliebig  zu  versetzen.  Es  wird  oft  hervorgehoben,
daß  der  Mönch,  der  die  vierte  Stufe  der  Versenkung  erreicht  hat,
        <pb n="100" />
        90

YI.  Die  Lehre  des  Buddha.

dem  Nirväna  nahe  ist,  und  die  spätere  Zeit  hat  die  Lehre  entwickelt, ­
  daß  man  durch  Versenkung  in  einem  der  Himmel  wiedergeboren ­
  wird.  Um  in  den  für  die  Versenkung  nötigen  Zustand
zu  kommen,  wählte  man  nicht  immer  den  Weg  mittels  des  „Stützpunktes". ­
  Auch  die  Hypnose  durch  Hinstarren  auf  einen  bunten
oder  blitzenden  Gegenstand  war  wohl  bekannt.  Die  Seligkeit  der
Versenkung  wird  zuweilen  mit  begeisterten  Worten  geschildert.  So
sagt  der  Älteste  Bhuta  in  den  Theragäthäs:  „Wenn  am  Himmel
die  Trommel  der  Wolke  ertönt,  wenn  Regenströme  rings  den  Luftpfad ­
  erfüllen  und  der  Mönch  in  einer  Berghöhle  sich  der  Versenkung ­
  hingibt  —  eine  größere  Freude  als  diese  gibt  es  für  ihn
nicht.  Wenn  er  am  Ufer  blumengeschmückter  Flüsse,  die  mit  bunter
Krone  wohlduftenden  Grases  bekränzt  sind,  fröhlich  sitzt,  der  Versenkung ­
  hingegeben  —  eine  größere  Freude  als  diese  gibt  es  für
ihn  nicht.  Wenn  in  der  Nacht,  in  der  Einsamkeit,  im  Walde,  wenn
es  regnet  und  die  wilden  Tiere  brüllen,  der  Mönch  in  einer  Berghöhle ­
  sich  der  Versenkung  hingibt  —  eine  größere  Freude  als
diese  gibt  es  für  ihn  nicht."
Unter  den  Übungen  dieser  Art  war  bei  den  Mönchen  besonders
beliebt  die  Übung  des  „Ein-  und  Ausatmens",  die  Buddha  eine
treffliche  und  freudenreiche  nannte.  Sie  bestand  darin,  daß  der
Mönch  sich  wie  zur  Versenkung  hinsetzte  und  nun  auf  seine  Atemzüge ­
  acht  gab  Wenn  er  einen  langen  Atemzug  tat,  so  wußte  er:
„ich  atme  einen  langen  Atemzug  ein  (oder  aus);"  ebenso  bei  einem
kurzen.  Auch  dadurch  wurde  der  Geist  von  den  Dingen  dieser
Welt  abgelenkt  und  konzentriert.  Diese  Übungen  und  die  Versenkung ­
  zeigen,  wie  nahe  Buddha  noch  dem  Yoga  stand,  obwohl
er  alle  Askese  verwarf.
Wie  vier  Stufen  der  Versenkung,  so  werden  auch  vier  Stufen
der  Heiligkeit  unterschieden,  die  „vier  Wege".  Die  Personen,  die
sich  in  diesen  Stadien  befinden,  heißen  der  Reihe  nach  8rotaäpanna
  (Pali  Sotäpanna),  Sakfdagämin  (Pali  Sakadägämi),
  Anägämin  (Pali  Anägämi)  und  Arhat  (Pali
Arahä  oder  Araham).  Srotaäpanna  heißt  wörtlich:  „der  in
den  Strom  gelangt  ist,"  d.  h.  der  den  Pfad  der  Heiligkeit  betreten  hat.
Die  Srotaäpannas  sind  die  unterste  Stufe  derBekehrten.  Srotaäpanna
wird  jeder,  der  die  „drei  Zufluchten"  (S.  76)  ausspricht  und  darandas
folgende  Gelübde  schließt:  „Er  ist  der  Erhabene,  derHeilige,  der  Völligerleuchtete, ­
  der  Wissen  und  sittlichen  Lebenswandel  Besitzende,  derVollendete,
  der  die  Welten  kennt,  der  Höchste,  der  die  Menschenstiere  bän-
        <pb n="101" />
        Die  vier  Wege.

91

digt,  der  Lehrer  der  Götter  und  Menschen,  Buddha  der  Herr.  Wohlverkündigt ­
  ist  von  dem  Herrn  das  Gesetz.  Es  ist  sichtbar  auf  Erden,  unmittelbarerschienen, ­
  einladend,  zum  Heil  führend,  von  jedem  Verständigen ­
  zu  erlernen.  Richtig  lebt  die  Gemeinde  der  Jünger  des  Herrn;
gerade  lebt  die  Gemeinde  der  Jünger  des  Herrn;  recht  lebt  die
Gemeinde  der  Jünger  des  Herrn;  angemessen  lebt  die  Gemeinde
der  Jünger  des  Herrn.  Die  vier  Paare  und  die  acht  Persönlichkeiten^), ­
  das  ist  die  Gemeinde  der  Jünger  des  Herrn.  Sie  ist
würdig  der  Darbringungen,  würdig  der  Spenden,  würdig  der  Gaben, ­
  würdig  ehrfurchtsvoller  Begrüßung,  das  höchste  Feld  für  gute
Taten  der  Menschen.  Nach  den  Geboten  will  ich  leben,  die  den
Edlen  lieb  sind,  die  unverletzt,  lückenlos,  fleckenlos,  makellos,  frei,
von  den  Verständigen  gepriesen,  unbeeinflußt  sind  und  zur  Versenkung ­
  führen."
Der  Lrotaapauna  ist  befreit  von  der  Geburt  in  den  niederen
Welten:  den  Höllen,  der  Welt  der  Gespenster  und  der  Tierwelt.
Er  ist  der  Erlösung  sicher,  muß  aber  noch  siebenmal  wiedergeboren
werden,  ehe  er  das  höchste  Niryäna  erlangt.
Die  zweite  Stufe  ist  die  des  Lakräagamiu,  „der  noch  einmal
zurückkehrt."  Er  hat  Begier,  Haß  und  Betörung  bis  auf  einen
kleinen  Rest  vernichtet  und  wird  daher  nur  noch  einmal  auf  dieser
Welt  wiedergeboren  werden.
Der  Anägämin,  „der  nicht  wieder  zurückkehrt,"  wird  nicht  mehr
auf  der  Erde  wiedergeboren,  sondern  nur  noch  einmal  in  einer
der  Götterwelten,  von  wo  aus  er  das  höchste  Mrvana  erlangt.
Die  vierte  und  höchste  Stufe  ist  die  des  Arhat.  Sie  kann  kein
Laie  erreichen,  sondern  nur  ein  Mönch.  Der  Arhat  ist  es,  der
das  irdische  Mrväya  erlangt,  der  frei  ist  von  allen  Sünden,  der
alles  Verlangen  nach  Dasein  aufgegeben  hat  und  sich  unerschütterlichen ­
  Gleichmuts  erfreut.  Buddha  hat  gesagt:  „Die  Arbats  sind
erlöst  von  Furcht  und  Angst."
Außer  dieser  Einteilung  in  vier  Rangstufen  kennen  die  nördlichen ­
  Buddhisten  noch  eine  andere  in  drei  Klassen:  Srävaka,
„Schüler",  „Jünger",  „Zuhörer",  Pratyekahuddha,  „Buddha
für  sich"  und  Lodhlsattva,  „Zukunftsbuddha".  Die  erste  Klasse
umfaßt  alle  Gläubigen  bis  hinauf  zum  Arial.  Die  Pratyeka-1)
  Die  vier  Paare  sind  die  obengenannten  vier  Stufen  der  Heiligkeit ­
  und  Versenkung,  die  acht  Persönlichkeiten,  gewöhnlich  die  acht  edlen
Persönlichkeiten  genannt,  sind  die  Menschen,  die  in  je  eine  dieser  Stufen
eintreten  und  bis  zum  Ende  in  ihr  beharren,  also  den  Lohn  empfangen.
        <pb n="102" />
        92

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

budäbas  (Pali  Paccekabuddha)  sind  schon  den  alten  Pali-Texten
wohlbekannt,  erscheinen  aber  ziemlich  selten.  Man  denkt  sich  darunter ­
  Männer,  die  aus  eigener  Kraft  die  Kenntnis  erworben  haben,
die  für  die  Erreichung  des  Hirväua  nötig  ist.  Sie  behalten  aber
diese  Kenntnis  für  sich,  verkündigen  sie  nicht  den  Menschen,  sind
also,  wie  ihr  Name  es  besagt,  Buddhas  für  sich  allein  Später
hat  sich  die  Lehre  herausgebildet,  daß  die  Pratyeüabnddbas  nie
gleichzeitig  mit  einem  vollendeten  Buddha  auftreten.  Diese  Lehre
ist  nicht  ursprünglich,  wie  die  alten  Texte  zeigen,  in  denen  der
Pratyekabuddha  nur  eine  Stufe  höher  ist  als  der  Arbat.  Er
kann  für  sich  das  höchste  Nirväna  erreichen,  aber  er  kann  das  Gesetz ­
  nicht  andern  verkündigen,  „so  wie  ein  Stummer  Wohl  einen
wichtigen  Traum  haben,  aber  ihn  nicht  andern  erklären  kann",
oder  „wie  ein  Wilder,  der  eine  Stadt  betritt  und  von  einem  achtungswerten ­
  Bürger,  der  ihn  trifft,  bewirtet  wird,  nach  seiner
Rückkehr  in  den  Wald  nicht  imstande  ist,  seinen  Mitwilden  eine
Idee  zu  geben  von  der  Speise,  die  er  genossen  hat,  weil  sie  nicht
an  solche  Speise  gewöhnt  sind".  In  der  Legende  erscheinen  die
Pratyekabuddbas  stets  als  Einsiedler  mit  langem  Barte  und
struppigem  Haare,  und  sie  werden  gern  mit  dem  einsam  wandelnden ­
  Nashorn  verglichen,  ein  Vergleich,  der  für  den  buddhistischen ­
  Mönch  überhaupt  beliebt  ist.
Die  Bockbisattvas  (Pali  Bockbisatta)  sind  die  Wesen,
die  bestimmt  sind,  dereinst  Buddhas  zu  werden.  So  war  Buddha
bis  zu  seinem  34.  Lebensjahr  ein  Bodbisattva.  Ein  solcher  kann
als  Tier  wiedergeboren  werden;  er  bleibt  deswegen  doch  ein  Bodhisattva,
  begeht  aber  in  keiner  Existenz  Sünden.
Hoch  über  allen  andern  Wesen  steht  der  heilige,  erhabene  Buddha,
der  erleuchtete  oder  völlig  erleuchtete.  Die  gewöhnliche  Lobpreisnngsformel,
  die  an  der  Spitze  jeder  Pali-Handschrift  und  jedes  Pali-Buches
  steht,  ist:  namo  tassa  bbagavato  arahato  sammäsambuddhassa,
  „Verehrung  dem  Erhabenen,  Heiligen,  Vollständig  erleuchteten!" ­
  Man  sagt  von  Buddha,  daß  ihm  niemand  gleich  sei
unter  den  Nichtfüßlern,  den  Zweifüßlern,  den  Vierfüßlern,  niemand
in  der  Welt  der  Formen  und  der  formlosen  Welt,  kein  Gott,  kein
Brahman.  Selbst  Milliarden  von  Pratyskabudckbas  wiegen  einen
einzigen  vollendeten  Buddha  nicht  auf.  Niemand  kann  seine  Hoheit
und  Herrlichkeit  ergründen.  Wenn  jemand  auch  tausend  Köpfe
hätte  und  in  jedem  hundert  Münder  und  in  jedem  Munde  hundert
Zungen,  so  würde  doch  die  Dauer  eines  ganzen  Weltalters  nicht
        <pb n="103" />
        Bodhisattva  und  Buddha.

93

ausreichen,  um  die  Eigenschaften  eines  Buddha  auch  nur  herzusagen.
Die  scholastische  Systematik  der  späteren  Zeit  hat  indes  doch  ans
diesen  unzählbaren  Eigenschaften  eine  kleinere  Zahl  charakteristischer
Merkmale  hervorgehoben,  und  zwar  schreibt  sie  Buddha  10  Buddhakräfte, ­
  32  „Merkmale  eines  großen  Mannes"  und  80  oder  84
geringere  Kennzeichen  zu.  Unter  den  32  Merkmalen  sind  zwei
erwähnenswert,  weil  sie  stets  ans  den  Bildern  Buddhas  erscheinen,
der  sogenannte  Uchyisa  und  die  Haartracht.  Der  Usnioa  ist  eine
Art  Krone  auf  dem  Kopfe  des  Buddha.  Meist  erscheint  er  auf  den
Bildern  und  Statuen  als  ein  seltsamer  Auswuchs  mitten  auf  dem
Schädel,  bald  rundlich,  bald  spitz,  bald  oben  gespalten,  bald  flammenartig, ­
  oft  so  hoch,  daß  er  dem  Kopfe  an  Höhe  gleichkommt.
Man  hat  die  Vermutung  ausgesprochen,  daß  Buddha  wirklich  auf
dem  Kopfe  einen  Auswuchs  gehabt  habe.  Indes  das  ist  sehr  unwahrscheinlich, ­
  da  die  Texte  davon  nichts  erwähnen.  Wir  dürfen
unbedenklich  glauben,  was  der  Brahmane  Sonadanda  sagt,  daß
Buddha  ein  schöner,  gut  aussehender,  stattlicher  Mann  mit  ausgezeichnetem ­
  Teint  war.  Denn  seine  Persönlichkeit  hat  ohne  Zweifel
zu  seinem  Erfolge  viel  beigetragen.
Die  Haupthaare  werden  dargestellt  als  sehr  dunkel,  blauschwarz
wie  Augensalbe  oder  der  Schweif  eines  Pfaus,  gelockt  und  nach
rechts  gewandt.  Die  Schwärze  und  Steifheit  der  Haare  hat  Sir
William  Jones  zu  der  Behauptung  veranlaßt,  Buddha  sei  ein
Afrikaner  gewesen.  Zwischen  den  Augenbrauen  hat  Buddha  ferner
eine  Art  Knäuel,  die  Urna,  Pali  ünnä,  die  den  Glanz  des
Schnees  oder  Silbers  hat.  Von  hier  aus  sendet  er  die  Strahlen,
mit  denen  er  alle  Welten  bis  in  die  tiefste  Hölle  hinein  erleuchtet.
Sie  findet  sich  aber  nicht  auf  allen  Bildern.  Später  nahm  man
auch  an,  daß  auf  jeder  Fußsohle  des  Buddha  sich  108  Merkmale
befanden,  Figuren,  wie  das  Rad  mit  1000  Speichen,  der  Götter
berg  Nora,  Elefant,  Löwe,  Tiger,  Lotos,  das  Hakenkreuz  (der  Svastika;
  S.  45)  u.  dgl.  Dazu  koinmen  dann  noch  höchst  umständliche, ­
  ermüdende  und  törichte  Beschreibungen  der  Person  Buddhas,
von  denen  die  alten  Texte  nichts  wissen.  Aber  immer  bleibt  Buddha ­
  ein  Mensch,  zwar  ein  vollkommener,  aber  doch  ein  sterblicher
Mensch.  Ja,  er  ist  nicht  einmal  der  einzige  Buddha,  der  auf  Erden
erschienen  ist.  Nach  allgemein  indischer  Vorstellung  ist  die  Welt
in  bestimmten  großen  Zeiträumen,  Kalpa  genannt,  dem  Untergänge ­
  verfallen,  um  sich  dann  wieder  zu  erneuern.  Die  Lebensdauer ­
  der  Menschen  in  diesen  Weltperioden  ist  ganz  verschieden.
        <pb n="104" />
        94

VI,  Die  Lehre  des  Buddha,

Die  kürzeste  ist  zehn  Jahre,  die  längste  unberechenbar.  Die  Buddhisten ­
  unterscheiden  „leere  Kaipas"  und  „nichtleere  Kaipas".  „Leere
Kaipas"  sind  die,  in  denen  kein  Buddha  erschienen  ist,  „nichtleere
Kaipas"  die,  in  denen  ein  Buddha  aufgetreten  ist,  weshalb  ein
solcher  Kalpa  oucfi  ein  Buddhakalpa  heißt.  In  einem  Kalpa  können
auch  mehrere  Buddhas  auftreten,  bis  zu  fünf.  Ein  Kalpa  mit
fünf  Buddhas  heißt  einBbadrakalpa,  „ein  gesegnetes  Weltalter",
Ein  solches  ist  das  unsrige.  Unser  Buddha  ist  der  vierte,  der  fünfte
wird  noch  erscheinen.  Er  wird  Llaitrsya,  Pali  Metteyya,  sein,
auf  den  die  Buddhisten  hoffen,  wie  die  Juden  auf  den  Messias.
Er  wird  in  3000  Jahren  erscheinen  und  eine  neue  Ära  eröffnen;
jetzt  ist  er  Bodbisattva.  Wie  es  unzählige  Weltalter  gegeben  hat,
so  auch  unzählige  Buddhas.  Die  Namen  der  letzten  27  werden
überliefert,  von  24  außerdem  eine  kurze  Lebensbeschreibung  inBersen,
der  Liräädavaipsa,  der  in  den  südlichen  Kanon  aufgenommen
worden  ist.  Es  versteht  sich  von  selbst,  daß  alle  diese  24  Buddhas
mythische  Persönlichkeiten  sind.  Ihre  Lebensbeschreibung  ist  nach
einer  ganz  bestimmten  Schablone  gearbeitet.  Jeder  hat,  wie  unser
Buddha,  seine  Hauptschüler  und  Hauptschülerinnen  und  seinen  Baum
der  Erkenntnis,  Es  werden  die  Namen  seiner  Eltern  und  Hauptverehrer ­
  angegeben  und  erzählt,  wodurch  er  sich  zur  Buddhawürde
aufgeschwungen  hat.  Alter  und  Körpergröße  dieser  Buddhas  waren
verschieden.  Einzelne  wurden  100000  Jahre  alt,  andere  nur
20000;  der  größte  maß  90  Fuß,  der  kleinste  nur  20.  Der  Glaube
an  die  historische  Persönlichkeit  wenigstens  derdreiVorgänger  unseres
Buddha  wird  dadurch  bewiesen,  daß  dem  zweiten,  Konägamana,
ein  Reliquienhügel  errichtet  worden  war,  den  Asoka  Priyadarsin
14  Jahre  nach  Antritt  seiner  Regierung  zum  zweiten  Male  erhöhen
ließ,  wie  eine  im  Jahre  1895  gefundene  Inschrift  besagt.
Die  nördlichen  Buddhisten  kennen  noch  mehr  Buddhas.  Aber
nur  die  sieben  letzten,  einschließlich  unseres  Buddha,  spielen  eine
Rolle.  Diese  werden  als  Vläuuslbuddbas  bezeichnet,  „Buddhas
von  menschlicher  Art".  Drei  werden  ins  goldene  Zeitalter  versetzt,
zwei  ins  silberne,  einer  ins  kupferne,  und  unser  Buddha  ins  eiserne.
In  bezug  auf  diese  sieben  Buddhas  stimmt  die  nördliche  und  südliche ­
  Tradition  bis  auf  geringe  Abweichungen  genau  überein.  Neben
diesen  Mänusibuddhas  haben  die  nördlichen  Buddhisten  ferner  fünf
Dhyänibuddhas,  „Buddhas  der  Reflexion",  d.h.aus  der  Reflexion
hervorgegangene,  immaterielle  Buddhas,  Man  glaubte  in  der  nördlichen ­
  Kirche  später,  daß  jeder  Buddha,  der  auf  der  Erde  in  mensch-
        <pb n="105" />
        Manusibuddbas  und  Dhyänibuddhas.

95

licher  Gestalt  erscheint,  zugleich  sich  auch  in  der  übersinnlichen  Welt
offenbart,  ohne  Namen  und  Gestalt.  Der  irdische  Buddha  galt
also  nach  dieser  Auffassung  immer  nur  als  ein  Abbild,  eine  Emanation ­
  eines  himmlischen  Buddha.  Jeder  Nännstbuddba  hat  seinen
Dhyänibuddha,  sein  verklärtes  Selbst,  im  Himmel.  Diese  Dhyänibuddhas
  sind  faktisch  Götter.  Sie  haben  keine  Eltern,  aber  jeder
hat  einen  Sohn,  den  er  durch  Emanation  erzeugt  hat,  um  das  gute
Gesetz  auf  der  Erde  zu  überwachen.  Diese  Söhne  sind  Dhyänibodbisattvas.
  So  ist  unser  Gautama  der  Mänusibuddba;  sein
Dhyänibuddha  heißt  Amitäbba,  sein  Dhyänibodhisattva  heißt
Padmapäni,  „der  einen  Lotos  in  der  Hand  hat".  Dadurch  ist
Padmapäni  zu  einer  der  wichtigsten  Stellungen  in  der  nördlichen
Kirche  gelangt.  Bekannter  als  Padmapäni  ist  sein  Name  Avalokitesvara,
  „Herr  des  Anschauens",  d.  h.  der  Herr,  der  gnädig
auf  die  Menschen  herabsieht.  Avalokitssvara  ist  bei  den  nördlichen
Buddhisten  völlig  zum  Gott  geworden.  Er  ist  es,  von  dem  sie
Hilfe  in  aller  Not  und  Bedrängnis  erwarten,  und  den  sie  deshalb
auch  am  meisten  mit  Gebeten  verehren.  Auf  ihn  bezieht  sich  die
heilige  Gebetformel:  Om  mani  padme  bum:  „Ja,  du  Kleinod
im  Lotos!  Amen!"H  Dieses  Gebet  ist  so  ziemlich  das  einzige,  was
der  gemeine  Mann  in  Tibet  und  der  Mongolei  vom  Buddhismus
kennt.  Diese  sechs  Silben  sind  „die  ersten,  die  das  Kind  stammeln
lern,,  sie  der  letzte  Seufzer  des  Sterbenden.  Der  Wanderer  murmelt
sie  auf  seinem  Wege  vor  sich  her,  der  Hirt  bei  seiner  Herde,  die
Frau  bei  ihren  häuslichen  Arbeiten,  der  Mönch  in  allen  Stadien
der  Beschauung,  d.  h.  des  Nichtstuns;  sie  sind  zugleich  Feld-  und
TriumphgeschreiDas  Gebet  steht  an  allen  Lamentempeln,  oft
in  Sanskritschrifl.  Es  findet  sich  überall,  wo  der  Lamaismus  herrscht,
auf  Felsen,  Bäumen,  Mauern.  Es  wird  auf  Fahnen  und  Papierstreifen ­
  geschrieben,  die  mittels  Maschinen  bewegt  werden.  Kein
Gebet  wird  so  viel  hergesagt  und  ist  so  oft  geschrieben  worden  wie
dieses.  Es  wird  oft  überschwänglich  gepriesen  als  der  Inbegriff
aller  Religion  und  Weisheit  und  mystisch  gedeutet.
Wie  Vtsnn  bei  den  Brahmanen,  so  nimmt  Avalokitesvara  bei
den  nördlichen  Buddhisten  alle  möglichen  Arten  von  Existenzen  auf

1)  Avalokitssvara  wird  zuweilen  dargestellt  als  aus  einem  Lotos  geboren, ­
  wie  er  ja  auch  einen  Lotos  in  der  Hand  tragt,  wonach  er  Padmapäni ­
  heißt.  Om  ist  eine  Interjektion  der  feierlichen  Bekräftigung
und  Verehrung.
2)  Köppen  II,  59.
        <pb n="106" />
        96

VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

sich.  Er  erscheint  in  der  Hölle,  unter  Löwen,  in  Gestalt  eines  Pferdes,
als  Wirbelwind.  Wann  seine  Verehrung  aufgekommen  ist,  können
wir  noch  nicht  bestimmt  sagen.  Er  wird  bereits  in  einem  Werke
erwähnt,  das  schon  im  3.  Jahrhundert  nach  Chr.  ins  Chinesische
übersetzt  worden  ist,  also  erheblich  älter  sein  muß.  Der  chinesische
Pilger  Fa  hian  fand  um  400  n.  Chr.  den  Kultus  des  Avalokitesvara
  zu  Mathurä  an  der  Yamunä  und  bemerkt,  daß  ihm  von
den  Anhängern  des  Mahäyäna  Verehrung  erwiesen  würde.  Er
selbst  rief  Avalokitesvara,  nicht  Buddha,  um  Hilfe  au,  als  sein
Schiff  auf  der  Heimfahrt  nach  China  in  einen  großen  Sturm  geriet, ­
  und  er  Gefahr  lief,  alle  seine  heiligen  Bücher  und  Bilder  zu
verlieren,  die  er  in  Indien  gesammelt  hatte.  Etwa  200  Jahre
später,  als  bluau  Thsang  Indien  besuchte,  stand  Avalokitesvara
dort  immer  noch  in  großen  Ehren.  Seine  Bildsäule  fand  sich  überall, ­
  selbst  in  Magadha,  dem  Heimatlande  des  Buddhisinus,  sogar
in  unmittelbarster  Nähe  des  Baumes  der  Erleuchtung  (S.  23  f.).
Huan  Thsang  berichtet,  es  sei  allgemeiner  Glaube  gewesen,  daß
das  Gesetz  des  Buddha  gänzlich  erlöschen  werde,  wenn  der  Leib
des  Avalokitesvara  unsichtbar  geworden  sei.
Ob  die  Lehre  von  den  vllMniboäbisattvas,  wie  man  vermutet
hat,  auf  persischen  oder  gnostischen  Lehren  beruht,  oder  umgekehrt
diese  auf  jener,  läßt  sich  zurzeit  noch  nicht  sagen.  Sehr  spät  erst
ist  dieLehre  aufgekommen,  daß  auch  die  fünfvüMuibuädbas  Emanationen ­
  eines  Ädibuddha,  „Urbuddha",  seien,  wodurch  eine  Art
Monotheismus  innerhalb  des  Buddhismus  geschaffen  wurde.
        <pb n="107" />
        VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus

Sobald  Buddha  einen  größeren  Kreis  von  Jüngern  um  sich
gesammelt  hatte,  war  die  notwendige  Folge,  daß  er  dieser  Gemeinde ­
  Gesetze  gab.  Wir  sahen  (S.  34,  39),  daß  Buddha  schon
selbst  mit  Unzufriedenen  und  Aufrührern,  zu  kämpfen  hatte.  Er
wird  also  selbst  frühzeitig  die  Notwendigkeit  empfunden  haben,
durch  bestimmte  Vorschriften  das  Leben  innerhalb  der  Gemeinde
zu  regeln.  Die  Vorschriften,  die  uns  erhalten  sind,  stammen  aus
sehr  verschiedener  Zeit.  Als  ältester  Kern  sondert  sich  eine  kurze
Sammlung  aus,  die  den  Namen  Prütiinokon  (Pali  Pätimokkha)
  führt  und  ihrem  Inhalte  nach  in  der  Hauptsache  wohl
direkt  auf  Buddha  selbst  zurückgeht.  Das  Prätiwoksu  ist,  wenn
nicht  das  älteste  aller  buddhistischen  Werke  überhaupt,  jedenfalls
eines  der  ältesten.  Es  zerfällt  in  zwei  Teile  mit  zusammen  zehn
kurzen  Abschnitten,  ein  Prätimoksa  für  die  Mönche  und  eins  für
die  Nonnen.  Jeder  Abschnitt  beginnt  mit  den  schwersten  Vergehen ­
  und  gibt  an,  welcher  Art  der  Verschuldung  sich  der  Mönch
oder  die  Nonne  dadurch  schuldig  machte,  und  welche  Strafe  darauf
steht.  In  jüngeren  Texten  werden  diese  Vorschriften  ergänzt  und
erläutert,  und  zwar  werden  neue  Bestimmungen  durchweg  in  der
Weise  getroffen,  daß  der  Erlaß  eines  Gebotes  oder  Verbotes  an
ein  bestimmtes  Ereignis  angeknüpft  wird.  Die  Hauptsünder  sind
sechs  Mönche  und  sechs  Nonnen,  „die  Sechszahl",  die  offenbar
erfunden  sind,  um  die  Entstehung  der  Gebote  und  Verbote  historisch ­
  zu  begründen.
Buddha  hat,  wie  erwähnt  worden  ist  (S.  29  f.),  von  Anfang  an
ganz  besonderes  Gewicht  darauf  gelegt,  seine  Lehre  durch  Sendboten ­
  zu  verbreiten.  So  waren  seine  Mönche  über  ganz  Indien
und  über  die  Grenzen  von  Indien  hinaus  zerstreut.  Viele  hatten,
weit  von  Buddhas  Aufenthalt  entfernt,  eigene  kleine  Gemeinden
gegründet,  auf  die  sich  Buddhas  Einfluß  unmöglich  erstrecken
konnte.  So  gab  es  schon  zu  Buddhas  Lebzeiten  in  Wahrheit
nicht  eine  Gemeinde,  sondern  sehr  viele  Gemeinden.  Solange
ANuG  109:  Pis  cheI,  Leben  und  Lehre  des  Buddha.  2.  Ausl.  7
        <pb n="108" />
        98

VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

Buddha  lebte,  war  seine  Persönlichkeit  der  Stützpunkt  der  Einigkeit, ­
  obwohl  ja  schon  damals  Unruhen  vorkamen.  Mit  seinem
Tode  mußten  sich  die  Schwierigkeiten  steigern.  Man  sollte  nun
glauben,  daß  Buddha  in  Voraussicht  dessen  rechtzeitig  für  einen
Nachfolger  gesorgt  habe.  Das  ist  aber  nicht  der  Fall.  Im  Gegenteil, ­
  er  hat  eine  solche  Bestimmung  direkt  zurückgewiesen.  Als
Buddha  nach  der  schweren  Erkrankung  im  Dorfe  Lsluva  (S.  43)
sich  noch  einmal  erholt  hatte,  kam  Luanda  zu  ihm  und  sagte,
während  der  Krankheit  sei  ihm  der  Gedanke  ein  Trost  gewesen,
daß  Buddha  nicht  sterben  werde,  ehe  er  nicht  über  die  Gemeinde
eine  Verfügung  getroffen  habe.  Da  erwiderte  Buddha:  „Was
verlangt  die  Mönchsgemeinde  noch  von  mir,  o  Änanda?  Ich  habe,
o  Luanda,  das  Gesetz  verkündigt,  indem  ich  nichts  ausließ  und
überging;  in  bezug  auf  die  Gesetze  hat,  o  Luanda,  der  Vollendete,
nicht  vergessen,  daß  er  ihr  Lehrer  ist.  Wem  nun,  o  Luanda,  der
Gedanke  kommt:  sich  will  die  Mönchsgemeinde  leiten',  oder:  ,mir
soll  die  Mönchsgemeinde  gehorchen',  der  mag,  o  Luanda,  über  die
Mönchsgemeinde  Verfügungen  treffen.  Der  Vollendete  aber,  o
Luanda,  meint  nicht:  sich  will  die  Mönchsgemeinde  leiten),  oder:
,mir  soll  die  Mönchsgemeinde  gehorchen';  weshalb  also,  o  Luanda,
soll  der  Vollendete  über  die  Mönchsgemeinde  Verfügungen  treffen?
Ich,  o  Luanda,  bin  jetzt  greis,  alt,  betagt,  im  Lebensalter  vorgeschritten, ­
  ins  Greisenalter  gelangt;  80  Jahre  alt  bin  ich  ...  .
Lebet,  o  Luanda,  indem  ihr  eure  eigene  Leuchte,  eure  eigene  Zuflucht ­
  seid,  keine  andere  Leuchte  habt,  als  die  Leuchte  des  Gesetzes,
keine  andere  Zuflucht,  als  die  Zuflucht  des  Gesetzes."  Denselben
Sinn  haben  die  Worte,  die  er  kurz  vor  seinem  Tode  zu  Luanda
sprach  (S.  43).  Buddha  traf  damals  nur  die  Bestimmung,  daß
fortan  die  Mönche  sich  nicht  mehr  mit  „Bruder"  anreden  sollten,
sondern  daß  der  ältere  den  jüngeren  niit  Familien-  oder  Geschlechtsnamen ­
  oder  mit  „Bruder"  anreden  solle,  der  jüngere  den  älteren
mit  „Herr"  oder  „Ehrwürden".
Solange  noch  die  direkten  Jünger  Buddhas  lebten,  mochte
allenfalls  die  Einigkeit  leidlich  bestehen.  Später  aber  war  ohne
ein  sichtbares  Oberhaupt  eine  dauernde  Eintracht  undenkbar.  Die
jüngeren  Texte  erzählen  auch  wirklich  von  beständigem  Streit  und
Zank  unter  den  Mönchen  und  von  Spaltungen  in  der  Gemeinde,
die  zu  Schulenbildungen  führten.  Bis  zum  Anfange  des  dritten
Jahrhunderts  nach  Buddhas  Tode  sonderten  sich  nach  der  Tradition ­
  nicht  weniger  als  achtzehn  Schulen  mit  eigenen  Klöstern
        <pb n="109" />
        Kein  Oberhaupt.

99

ab.  Bei  dem  Wanderleben  der  Mönche  änderte  sich  naturgemäß
die  Zusammensetzung  der  einzelnen  Mönchsgemeinden  häufig,  und
es  blieb  nicht  aus,  daß  von  fern  herkommende  Mönche  Ansichten
mitbrachten,  die  der  betreffenden  Gemeinde  fremd  waren  und  zu
ihrem  bisherigen  Leben  nicht  paßten.  Fand  sich  dann  nicht  eine
Persönlichkeit,  die  unter  den  Mönchen  sich  Ansehen  zu  verschaffen
wußte,  so  war  eine  Spaltung  in  Parteien  fast  unausbleiblich.
Ein  wirklicher  Rangunterschied  zwischen  den  Mönchen  war  nicht
vorhanden.  Man  sonderte  zwar  unter  ihnen  eine  Anzahl  aus,
die  man  als  8tbavira,  Pali  Thera,  „die  Alten",  bezeichnete,
unter  den  Nonnen  als  8tbaviri,  Pali  Theri.  Diese  entsprachen
aber  nur  dem  Namen  nach  den  christlichen  Presbytern.  Die
Sthaviras  waren  nicht,  wie  die  Presbyter,  Beamte,  sondern
8tbavrra  war  ein  Ehrentitel,  den  man  Mönchen  gab,  die  schon
lange  ordiniert  waren.  Lediglich  ihr  Alter  und  ihre  größere  Erfahrung ­
  in  Gemeindeangelegenheiten  wies  ihnen  eine  Art  Vorrang ­
  zu;  gesetzlich  war  derselbe  nicht  bestimmt.  In  Wahrheit  war
die  ganze  Gemeinde,  der  Samgha,  die  oberste  Autorität.  Das
zeigt  sehr  deutlich  die  Geschichte  der  sogenannten  vier  buddhistischen
Konzile  (Zaiuxitü),  aus  der  auch  hervorgeht,  wie  schwer  man  die
Spaltungen  empfand,  und  wie  man  ihnen  abzuhelfen  suchte.
Die  unehrerbietigen  Worte,  die  8nbbadra  nach  dem  Tode  Buddhas ­
  gesprochen  hatte,  und  die  für  die  Gemeinde  das  Schlimmste
befürchten  ließen  (S.  41),  bestimmten  Nabäbäsyapa,  nach  der
Verbrennungsfeierlichkeit  Buddhas  in  Lnsinagara  den  dort  versammelten ­
  Mönchen  vorzuschlagen,  eine  Kommission  zur  Feststellung ­
  des  Gesetzes  (dharma,  Pali  dhamma)  und  der  Disziplin ­
  (vinaya)  einzusetzen.  Die  Mönche  gingen  auf  den  Vorschlag ­
  ein,  und  Kääyapa  wählte  499  Arhats  (S.  91)  und  als
fünfhundertsten  den  Luanda,  der  bald  die  Arbaischaft  erreichen
sollte.  Die  Gemeinde  bestätigte  die  Wahl  und  wählte  als  Versammlungsort ­
  Eäjagrlia.  Es  wurde  beschlossen,  daß  die  500  die
Regenzeit  in  Räjagrha  verbringen,  und  daß  während  dieser  Zeit
kein  anderer  Mönch  sich  in  der  Stadt  aufhalten  solle.  So  geschah
es  auch.  König  Asäiasatru  errichtete  für  die  500  Arbats  eine
Halle  am  Berge  Vaibbära  in  der  Nähe  seiner  Hauptstadt.  Die
Versammlung  wurde  im  zweiten  Monat  der  Regenzeit  eröffnet
und  dauerte  sieben  Monate.  Mit  Hilfe  des  üpäli  (S.  34)  revidierte ­
  Käsyapa  die  Vorschriften  über  die  Disziplin,  und  mit  Hilfe
des  Auauda  die  über  das  Gesetz.  Der  Tradition  nach  wurde  also
        <pb n="110" />
        100  VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

damals  ein  Text  des  Vinayapitaka  und  Suttapitaka  zu  Räjagrha
festgestellt,  eine  Angabe,  an  der  zu  zweifeln  kein  Grund  vorliegt.
Dieses  Dhammavinaya,  „Gesetz  und  Disziplin",  wie  man  es
mit  den  Pali-Texten  nennen  kann,  war  gewiß,  wie  erwähnt
(S.  5),  in  Mägadhi  abgefaßt  und  bildete  die  Grundlage,  auf  der
später  alle  andern  Kanons  aufgebaut  wurden.  Dem  Inhalte  nach
wird  es  sich  mit  den  beiden  ersten  Pitakas  des  südlichen  Kanons
in  allen  wichtigen  Teilen  gedeckt  haben,  schwerlich  aber  im  Umfang. ­
  Die  spätere  Tradition  berichtet,  daß  nach  Schluß  der  Versammlung ­
  Käsyapa  noch  selbst  die  Tribüne  bestieg  und  auch  das
dritte  Pitaka,  das  Abhidhammapitaka,  verkündete.  Daß  diese
Überlieferung  ganz  ungeschichtlich  ist  und  durch  die  im  Abhidhammapitaka ­
  enthaltenen  Werke  selbst  widerlegt  wird,  ist  bereits  erwähnt ­
  worden  (S.  6).  Die  alten  Texte  wissen  davon  nichts;  sie
erzählen  im  Gegenteil,  daß  der  von  den  Ältesten  festgestellte  Kanon
zunächst  nicht  allgemeine  Annahme  fand.  Nach  Schluß  des  Konzils, ­
  so  wird  berichtet,  kam  der  Lthavira  Puräna  aus  Daksinägiri
nach  Räjagrha.  Die  Ältesten  sagten  zu  ihm:  „Von  den  Ältesten,
Bruder  Puräna,  ist  das  Gesetz  und  die  Disziplin  festgesetzt  worden;
  nimm  diesen  Kanon  an."  Darauf  erwiderte  Puräna:  „Das
Gesetz  und  die  Disziplin,  ihr  Brüder,  ist  von  den  Ältesten  gut
festgesetzt  worden.  Aber  ich  will  doch  lieber  an  dem  festhalten,
was  ich  von  dem  Herrn  selbst  gehört  und  gelernt  habe."  Die
Ältesten  entgegneten  darauf  nichts.  Sie  hatten  also  kein  Mittel,
um  Puräna,  dem  die  Tradiüon  die  übliche  große  Zahl  von  500
Mönchen  zuschreibt,  zur  Annahme  ihres  Kanons  zu  zwingen.
Das  zweite  Konzil  fand  der  südlichen  Überlieferung  nach
100  Jahre  später  statt  als  das  erste.  Damals  herrschte  in  Magadha
  König  Asoka,  zum  Unterschiede  Von  Asoka  Priyadarsin,
der  auch  Dharmäsoka  genannt  wird,  Käläsoka,  „der  schwarze
Aäoka",  genannt.  Die  Veranlassung  zu  diesem  Konzile  geben  die
südlichen  und  nördlichen  Quellen  ganz  gleich  an.  Es  wird  berichtet, ­
  daß  die  Mönche  zu  Vaisäli  sich  zehn  Übertretungen  der
Gesetze  Buddhas  zuschulden  kommen  ließen.  Einige  davon  erscheinen ­
  überaus  geringfügig.  Buddha  hatte  verordnet,  ein  Mönch
solle  sich  keine  Vorräte  aufspeichern.  Dagegen  verstießen  nach
Ansicht  der  Orthodoxen  die  Mönche  von  Vaisäli,  indem  sie  sich
Salz  in  einem  Hörne  aufhoben.  Gegen  Buddhas  Vorschriften  war
ferner,  daß  sie  nicht  bloß  zur  Mittagszeit  aßen,  sondern  auch  am
Abend,  wenn  der  Schatten  schon  zwei  Finger  breit  war.  Bedenk-
        <pb n="111" />
        Die  Konzile.

101

licher  war,  daß  sie  Palmwein  tranken  und  Gold  und  Silber  annahmen. ­
  An  den  Hpavs.8s.tim.-Tagen  (S.  87)  stellten  sie  im
Kloster  eine  Messingschale  auf,  die  mit  Wasser  angefüllt  war,
und  forderten  die  Gläubigen  auf,  in  die  Schale  Geld  zu  werfen.
Spätere  Texte  erzählen  sogar,  daß  der  Prior  des  Klosters  einen
Betteltopf  aus  reinem  Golde  hatte  und  zur  Zeit  des  Vollmonds
einen  Mönch  in  die  Stadt  schickte,  um  darin  Geld  und  Edelsteine
zu  sammeln.  Gegen  diesen  Unfug  trat  der  ehrwürdige  Yasas  auf,
als  er  einst  das  Kloster  besuchte.  Entrüstet  wies  er  den  Anteil  an
Gold  zurück,  den  ihm  die  Mönche  anboten.  Diese  bezeichneten  das
als  eine  Beleidigung  der  frommen  Laien  und  legten  dem  Yasas
als  Buße  auf,  die  Laien  um  Verzeihung  zu  bitten.  Doch  Yasas
überzeugte  die  Laien,  daß  die  Mönche  gegen  die  Vorschriften
Buddhas  verstießen,  und  er  allein  ein  wahrer  8akys-Sohn  sei.
Der  Exkommunikation  durch  die  Mönche  entzog  er  sich  durch  die
Flucht,  und  es  gelang  ihm  außer  andern  namentlich  auch  den  sehr
angesehenen  Ältesten  Raivata  für  sich  zu  gewinnen.  Vergeblich
versuchten  die  Mönche  den  Laivata  zu  bestechen.  Er  setzte  es
durch,  daß  eine  Versammlung  nach  Yaisäli  berufen  wurde,  von
der  acht  Älteste  gewählt  wurden,  um  den  Streit  beizulegen.  Sie
entschieden  sich  gegen  die  Mönche  von  Vaisäli,  und  ihrem  Beschlusse ­
  trat  eine  danach  berufene  Versammlung  von  700  Mönchen ­
  bei.  Nach  jüngeren  Quellen  hätten  die  acht  Ältesten,  nachdem
sie  die  zehn  falschen  Lehren  beseitigt  und  die  sündigen  Mönche
vertrieben  hatten,  700  Arhats  ausgewählt,  um  das  Gesetz  zu
reinigen.  Die  besten  Gelehrten  hätten  in  acht  Monaten  eine  Revision ­
  des  Gesetzes  vorgenommen.  Das  ist  zweifellos  eine  späte
Erfindung.  Die  alte  Überlieferung,  die  uns  im  Oullavagga  des
Vinayapitaka  vorliegt,  hätte  ein  so  wichtiges,  einschneidendes
Ereignis  gewiß  nicht  mit  Schweigen  übergangen.  Das  zweite
Konzil  war  also  nur  ein  örtlich  begrenztes.  Es  beseitigte  Übelstände, ­
  die  sich  an  einer  Stelle  gezeigt  hatten,  gab  aber  keine
neuen  Vorschriften  für  die  gesamte  Gemeinde  der  Mönche  oder
gar  die  gesamte  Kirche.  Ja,  dieselbe  jüngere  Überlieferung  berichtet ­
  sogar,  daß  die  Gegenpartei  ihrerseits  auch  ein  Konzil  berief, ­
  das  viel  mehr  Teilnehmer  hatte  als  das  der  orthodoxen
Partei  und  daher  „das  große  Konzil"  genannt  wird.  Dieses
„große  Konzil"  soll  den  Kanon  ganz  umgestürzt  und  neu  geordnet,
vieles  getilgt,  anderes  hinzugefügt  und  dem  Alten  neue  Bedeutung
untergelegt  haben.
        <pb n="112" />
        102  VH.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.
Das  dritte  Konzil  fand  statt  zu  Pätaliputra  245  vor  Chr.,
im  18.  Regierungsjahre  des  Königs  Asoka  Priyadarsin.  Asoka
hatte  den  Buddhismus  zur  Staatskirche  erhoben,  ohne,  wie  wir
gesehen  haben,  anderen  Religionen  und  Sekten  feindlich  gegenüber
zu  treten.  Er  hatte  im  13.  Jahre  seiner  Regierung  eine  eigene
Behörde,  dieOllarinainalläinätras,  „Kultnsbeamte",  geschaffen,
die  die  Ordnung  und  Zucht  im  Reiche  aufrecht  erhalten  sollten,
soweit  die  Religion  dabei  in  Betracht  kam.  über  sie  spricht  er
ausführlich  im  fünften  seiner  Edikte.  Seine  große  Freigebigkeit
gegen  den  Klerus  veranlaßte  sehr  viele  in  den  geistlichen  Stand
zu  treten.  So  sollen  damals  viele  schlechte  Elemente,  auch  Ketzeraller
  Art  in  die  buddhistischen  Klöster  eingedrungen  sein,  was  um
so  leichter  war,  als  es  ja  damals  schon  zahlreiche  Sekten  gab,  so
daß  mancher  sich  für  einen  Buddhisten  ausgeben  konnte,  der  es
gar  nicht  war.  In  den  Klöstern  war  allmählich  eine  so  große
Unordnung  entstanden,  daß  sieben  Jahre  lang  die  wichtigsten
Vorschriften  der  Disziplin  nicht  beachtet,  ja  nicht  einmal  die
Upavasatüa-Beichten  von  den  Mönchen  abgehalten  wurden.  Vergeblich ­
  versuchte  der  Abt  des  Hauptklosters  Tisya  Maudgaliputra
  (Pali  Tissa  Moggaliputta),  der  angesehenste  Priester
des  Landes,  die  Dinge  zu  ändern.  Als  er  sah,  daß  alle  seine  Bemühungen ­
  fruchtlos  waren,  zog  er  sich  in  die  Einsamkeit  jenseits
des  Ganges  zurück.  Das  kam  Asoka  zu  Ohren,  und  er  beschloß
einzuschreiten.  Er  schickte  einen  seiner  Minister  nach  dem  Hauptkloster, ­
  dem  von  ihm  erbauten  und  nach  ihm  benannten  Asokäräma,
  mit  dem  Befehle,  die  Mönche  sollten  den  Upavasafcha  abhalten. ­
  Die  Mönche  aber  weigerten  sich,  dies  zusammen  niit  den
Ketzern  zu  tun.  Über  die  Weigerung  erzürnt,  zog  der  Minister
sein  Schwert  und  schlug  den  Ältesten  der  Reihe  nach  den  Kopf
ab.  Er  hörte  erst  auf,  als  sich  Tisya,  der  Stiefbruder  des  Königs,
der  Mönch  geworden  war,  an  die  Stelle  des  zuletzt  Enthaupteten
setzte.  Ihn  wagte  der  Minister  nicht  anzurühren.  Er  kehrte  zu
Asoka  zurück  und  erstattete  ihm  Bericht.  Asoka  war  natürlich
untröstlich.  Er  eilte  sofort  ins  Kloster  und,  um  von  den  Folgen
der  Untat  befreit  zu  werden,  wandte  er  sich  auf  Rat  der  Mönche
an  Naudgaliputra,  der  aber  erst  nach  langem  Bitten  sich  bereit
fand,  zurückzukehren.  Am  siebenten  Tage  begaben  sich  Asoka  und
Maudgaliputra  in  den  Asokäräma,  wohin  eine  allgemeine  Zusammenkunft ­
  der  Geistlichen  ausgeschrieben  war.  Jeder  einzelne
wurde  vorgerufen  und  von  Maudgaliputra  befragt,  was  die  Lehre-
        <pb n="113" />
        Die  Konzile.

103

des  Buddha  sei.  60000  wußten  diese  Frage  nicht  richtig  zu  beantworten ­
  und  wurden  deshalb  als  Ketzer  ausgestoßen.  Dann  feierte
man  zum  ersten  Male  seit  sieben  Jahren  wieder  den  Upavasatha.
Maudgaliputra  wählte  darauf  1000  durch  Kenntnis  der  heiligen
Schriften  und  durch  Tugend  ausgezeichnete  Brüder  aus,  und  diese
hielten  unter  seinem  Vorsitz  das  dritte  Konzil  zu  Pätaliputra  ab.
Maudgaliputra  verfaßte  ein  eigenes  Werk,  das  Kathävatthu,  in
dem  die  Lehre  so  festgestellt  wurde,  wie  Maudgaliputra  und  seine
Anhänger  sie  für  richtig  hielten.  Wie  erwähnt  (S.  6),  steht  das
Kathävatthu  im  Abhidhammapitaka  des  südlichen  Kanons.
Das  dritte  Konzil  war  also  auch  nur  eine  Diözesenversammlung, ­
  und  zwar  hat  hier  eine  bestimmte  kirchliche  Richtung,  die
des  Maudgaliputra,  den  Sieg  davongetragen,  der  die  Singhalesen
bis  auf  den  heutigen  Tag  folgen.
Für  die  Geschichte  des  Buddhismus  ist  das  dritte  Konzil  außerordentlich ­
  wichtig.  Nach  der  Überlieferung,  der  wir  hierin  nicht
zu  mißtrauen  brauchen,  datiert  von  diesem  Konzil  an  die  Missionstätigkeit ­
  des  Buddhismus  nach  außerindischen  Ländern.  Maudgaliputra, ­
  den  die  nördlichen  Buddhisten  nur  unter  dem  Namen
Upagupta  kennen,  bestimmte  eine  Anzahl  Sthaviras  zu  Missionaren. ­
  So  wurden  damals  Glaubensboten  gesandt  nach  Kaschmir,
Kabulistan,  dem  griechisch-baktrischen  Reiche,  den  Ländern  am
Fuße  des  Himalaya,  dem  westlichen  Dekhan  und  Hinterindien.
Nach  Ceylon  ging  als  Missionar  Aäokas  eigener  Sohn  Maheudra
(Pali  Mahinda).  Damit  wurde  der  Buddhismus  Weltreligion.
Er  trat  seine  weltgeschichtliche  Aufgabe  an,  die  rohen,  unzivilisierten ­
  Völker  Asiens  an  indische  Gesittung  und  Bildung  zu  gewöhnen.
Wenn  man  die  Wohltäter  der  Menschheit  nennt,  sollte  auch  der
Name  des  Tisya  Maudgaliputra  nicht  vergessen  werden.  Die
Trümmerstätten  Zentralasiens,  die  jetzt  aufgedeckt  werden,  verkünden ­
  seinen  Ruhm  und  die  Schande  des  Zeloten  Muhammad
Am  folgenreichsten  wurde  die  Mission  nach  Ceylon.  Während  der
Buddhismus  in  seinem  Heimatlande  durch  die  Gegenreformation
der  Guptas,  die  Uneinigkeit  seiner  Bekenner  und  seinen  unindischen
Kosmopolitismus  allmählich  zugrunde  ging  und  im  Norden  entartete, ­
  erhielt  er  sich  in  Ceylon  in  der  Abgeschlossenheit  rein.
Das  Konzil  von  Pätaliputra  bezeichnet  also  einen  Wendepunkt  in
der  Geschichte  des  Buddhismus.
Die  Scheidung,  die  das  dritte  Konzil  anbahnte,  verschärfte  das
vierte.  Es  fand  statt  unter  dem  indoskythischen  Könige  Kaniska,
        <pb n="114" />
        104

VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

der  im  ersten  Jahrhundert  vor  Chr.  ein  weites  Reich,  darunter
auch  einen  großen  Teil  von  Indien,  beherrschte.  WieAsoka  bei
den  südlichen  Buddhisten,  so  ist  Kaniska  bei  den  nördlichen  der
gefeierte  Glaubensheld.  In  der  ersten  Zeit  seiner  Regierung  war
er  dem  Buddhismus  feindselig  gesinnt.  Später  wurde  er  ein
eifriger  Buddhist  und  machte  Kaschmir  zu  einem  Hauptsitze  des
Buddhismus.  Die  Chinesen  berichten,  daß  er  in  den  wenigen
freien  Stunden,  die  ihm  die  Regierungsgeschäfte  ließen,  eifrig  die
heiligen  buddhistischen  Schriften  studierte  und  sich  dieselben  von
dem  Ältesten  Uärsvika  nach  dem  Systeme  von  dessen  Schule  auslegen ­
  ließ.  Kaniska  errichtete  zahlreiche  buddhistische  Bauwerke
und  prägte  auf  seinen  Münzen  das  Bild  des  Buddha  mit  Umschrift. ­
  Er  war  ein  Freund  indischer  Bildung.  Als  Leibarzt
hatte  er  Oaraka,  einen  der  berühmtesten  indischen  Ärzte,  dessen
Werk  auf  uns  gekommen  ist,  und  an  seinem  Hofe  lebte  Asvagdosa,
der  Dichter  des  Luäällaoarita,  „LebenBuddhas",  des  ältesten  uns
erhaltenen  Kunstepos  der  Inder  (S.  18).  Kaniska  war  es,  der
das  vierte  Konzil  berief,  um  die  Lehre  Buddhas  in  ihrer  Reinheit
wiederherzustellen.  Das  Konzil  fand  statt  in  einem  Kloster  bei
llälanällara  in  Kaschmir  unter  dem  Vorsitz  der  Patriarchen  ?arsvikaund
  Vasumitra.  Auch  auf  diesem  Konzile  sollen  die  heiligen
Schriften  einer  Revision  unterzogen  worden  sein,  bis  zu  welchem
Umfange,  läßt  sich  nicht  sagen.  Ebenso  ist  es  nicht  sicher,  in  welcher
Sprache  dieser  Kanon  abgefaßt  war.  Jedenfalls  war  die  Sprache
nicht  Pali,  ob  Sanskrit  oder  Oatba-Dialekt  oder  irgendeine  andere ­
  Sprache,  ist  noch  nicht  auszumachen.  Die  versammelten
Priester  sollen  auch  Kommentare  zu  den  drei  Teilen  des  Tripitaka
verfaßt  haben,  die  Kaniska  sorgfältig  auf  Kupferplatten  eingraben
und  in  einen  steinernen  Behälter  legen  ließ,  über  dem  er  einen
Stupa  erbaute.
Eine  Zentralgewalt  schuf  auch  dieses  Konzil  nicht.  Die  Spaltung ­
  in  Sekten  ging  weiter.  Um  194  nach  Chr.  gründete  Nägärjuna
  eine  Schule,  die  im  Norden  bald  großen  Anklang  fand  und
die  dortigen  Buddhisten  in  zwei  Lager  teilte.  Die  neue  Lehre
nannte  sich  Mahäyäna,  „das  große  Fahrzeug";  die  ihr  nicht  Folgenden ­
  dagegen  bezeichneten  sich  als  Anhänger  des  Hinayäna,  be§
„kleinen  Fahrzeuges".  Der  Name  kommt  daher,  daß  die  Anhänger
des  Mahäyäna  danach  strebten,  als  Bodhisattva  wiedergeboren  zu
werden,  also  „die  große  Karriere"  machen  wollten,  während  die
des  Hinayäna  nur  ihre  eigene  Erlösung  suchten,  sich  also  mit  „der
        <pb n="115" />
        Spätere  Schulen.

105

niederen  Karriere"  begnügten.  Das  Hinayäna  stellt  den  älteren,
verhältnismäßig  echten  Buddhismus  dar,  das  Mahäyäna  den
späteren,  entarteten.  Dem  Mahäyäna  gehören  die  Dhyänibuddhas
und  Dhyänibodhisattvas  an,  also  auch  Avalokitesvara.  Es  hat
zuerst  dem  Buddhismus  Götter  gegeben  und  den  Kultus  auf
Äußerlichkeiten  geleitet.  Sein  heiliges  Buch  ist  das  krasnäpäramitäsütra,
  „das  Lehrbuch  von  der  Vollkommenheit  der
Erkenntnis".  Es  wird  auf  Nägärjuna  selbst  zurückgeführt,  auf
den  ja  auch  die  Grundlage  zurückgehen  mag.  Später  aber  hat  es
viele  Zusätze  erfahren  und  liegt  in  fünf  verschiedenen  Bearbeitungen ­
  vor,  die  sich  nach  Umfang  und  Inhalt  sehr  voneinander
unterscheiden.  Die  kürzeste  Fassung  ist  die  am  höchsten  geschätzte.
In  Neapel  wird  sie  zu  den  neun  kanonischen  Büchern  gerechnet.
Sie  umfaßt  32  Kapitel  in  Sanskritprosa,  meist  in  Form  eines
Dialogs  zwischen  Buddha,  Läriputra  und  Subhüti.  Der  Inhalt
ist  sehr  bunt,  mehr  spekulativ  als  religiös.  Hier  findet  sich  ini
18.  Kapitel  der  kürzesten  Rezension  die  Lehre  entwickelt,  die  man
früher  für  den  ältesten  Buddhismus  hielt,  daß  das  wahre  Wesen
aller  Dinge  die  Leere,  das  Nichts  ist.  Es  existiert  nichts;  eine
Gewißheit  gibt  es  nicht;  alles  ist  unsicher;  an  allem  muß  man
zweifeln.  So  ist  die  Lehre  des  Mahäyäna  der  denkbar  schärfste
Skeptizismus,  zu  dem  die  Lehre  von  den  Dhyänibuddhas  und
Dhyänibodhisattvas  in  merkwürdigem  Gegensatz  steht.
Die  letzte  Phase,  die  der  Buddhismus  durchmachte,  war  die  des
Mystizismus  und  der  Magie^  des  Yogäeära.  Der  Stifter  dieser
Schule  ist  Aryäsanga  oder  Aryäsahgha,  der  aus  Peschawar  in
Kabulistan  stammte  und  im  6.  Jahrhundert  nach  Chr.  lebte.  Er
hat  es  verstanden,  die  philosophischen  und  religiösen  Lehren  des
Mahäyäna  in  Einklang  zu  setzen  mit  der  brahmanischen  Yoga-Lehre,
  wie  sie  sich  im  Kultus  des  Gottes  Öiva  entwickelt  hatte.
Hier  hatte  sich  eine  förmliche  Theorie  der  Zauberei  ausgebildet,
die  in  eigenen  Schriften,  den  Tantras,  vorgetragen  wird.  Es  wird
darin  gelehrt,  wie  man  übernatürliche  Kräfte  erlangen  und  sie
durch  kurze,  mystische  Formeln,  die  Dhäranis,  oder  durch  magische
Kreise,  Mandala,  durch  Amulette,  Mudrä,  mystische  Abwaschungen,
bestimmte  Gebräuche,  bei  denen  Frauen  eine  große  Rolle  spielten,
und  die  teilweise  höchst  unzüchtig  waren,  ausüben  könne,  um  sich
in  den  Besitz  aller  gewünschten  Dinge  zu  bringen.  Eine  besonders
große  Rolle  spielten  die  Dhäranis,  mit  denen  man  glaubte,  Gewalt ­
  über  die  Götter,  über  Regen  und  Wind  gewinnen  zu  können.
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        106  VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

Mit  ihnen  wollte  man  Krankheiten  heilen,  sich  gegen  den  Biß  der
Schlangen,  gegen  Gift,  böse  Gestirne,  Armut  schützen,  je  nach
Wunsch  die  Geburt  eines  Knaben  oder  Mädchens  bewirken  u.  dgl.
Diese  Pantra-Lehre  hat  der  Buddhismus  in  seiner  letzten  Phase
übernommen,  und  erst  auf  dieser  Stufe  hat  er  sich  ein  Oberhaupt
geschaffen,  wie  es  die  römisch-katholische  Kirche  im  Papst  besitzt,
freilich  nur  in  Tibet,  und  erst  um  1260  nach  Chr.
In  China  ist  der  Buddhismus  nie  zu  einer  so  machtvollen
Stellung  gelangt  und  nie  so  einheitlich  geschlossen  aufgetreten,  daß
die  Priester  das  Bedürfnis  einer  Zentralleitung  empfunden  hätten.
Es  war  in  China  wesentlich  wie  in  Indien.  Über  das  große  Reich
waren  Mönche  in  eigenen,  abgeschlossenen  Klöstern  zerstreut.  Über  die
Einführung  des  Buddhismus  in  China  ist  oben(S.  18)  gesprochen.
Im  4.  Jahrhundert  wurde  er  Staatsreligion,  hatte  aber  in  den  folgenden ­
  Jahrhunderten  heftige  Gegner  und  Verfolger,  namentlich
unter  den  Anhängern  des  Confucius.  Als  1206  die  mongolische
Dynastie  zur  Herrschaft  kam,  wurde  er  von  neuem  begünstigt,  und
seit  dieser  Zeit  gibt  es  in  China  zwei  buddhistische  Schulen,  oder
richtiger  Kirchen:  die  der  Poisten  und  die  bet  Lamas.  Po  ist
chinesische  Entstellung  von  Buddho  (Nominativ  zu  Buddha);
Lama,  richtiger  geschrieben  bLama,  ist  tibetisch  und  bedeutet
„Oberer".  Von  Tibet  aus  haben  die  Mongolen  und  durch  sie  die
Chinesen  diese  Form  des  Buddhismus  erhalten.  Die  beiden  Arten
unterscheiden  sich  voneinander  viel  weniger  durch  die  Lehre  und
Disziplin,  als  durch  den  Kultus  und  die  äußere  Organisation
und  die  Stellung  im  Staate  und  zur  Regierung.  Die  Fo’isten
haben  keine  höhere  Geistlichkeit;  jedes  Kloster  steht  für  sich,  und
nur  der  Abt  nimmt  eine  Stellung  im  Staate  ein,  insofern  er  den
Beamten  der  12.  Klaffe  gleichgestellt  wird.  Die  Lamas  dagegen
bilden  eine  streng  geschlossene  Korporation,  die  größtenteils  vom
Staate  erhalten  wird  und  geistliche  und  weltliche  Oberherrschaft
in  bestimmten  Gebieten  ausübt.  Im  eigentlichen  China  ist  die
Zahl  der  Lama-Klöster  nicht  groß.  Dagegen  herrscht  diese  Religionsform, ­
  der  Lamaismus,  in  allen  Provinzen,  die  an  Tibet  und
die  Mongolei  grenzen  oder  ihnen  nahe  liegen.  Es  finden  sich  dort
hochberühmte  Klöster,  die  als  Wallfahrtsorte  viel  besucht  werden.
Analog  der  Hierarchie  hat  sich  auch  der  Kultus  im  Laufe  der
Zeit  geändert.  Der  Eintritt  in  die  Mönchsgemeinde  stand  ursprünglich ­
  jedem  frei.  Es  stellten  sich  aber  bald  Übelstände  heraus,
die  eine  Einschränkung  notwendig  machten.  Die  Texte,  die  das
        <pb n="117" />
        Die  Weihen.

107

Gemeinderecht  überliefern,  der  Mahävagga  und  der  Cullavagga
des  Vinayapitaka,  knüpfen  die  Gebote  und  Verbote  oft  an  einen
ganz  bestimmten  Fall  an.  Wie  bei  der  „Sechszahl"  (S.  97),
werden  auch  sonst  hier  Personen  und  Situationen  erfunden  sein.
So  wird  erzählt,  daß  in  Eäjagpha  die  Eltern  eines  gewissen
Upäli,  der  an  der  Spitze  einer  Schar  von  siebzehn  Altersgenossen
stand,  sich  überlegten,  wie  sie  ihrem  Sohne  das  Leben  recht  leicht
und  behaglich  machen  könnten.  Sie  sagten  sich,  daß,  wenn  er
Schreiber  würde,  ihn  die  Finger  schmerzen  würden,  wenn  Rechner,
die  Brust,  wenn  Kopist,  die  Augen,  und  kamen  überein,  er  solle
buddhistischer  Mönch  werden,  weil  ein  solcher  bequem  lebe,  gut
esse  und  geschützt  schlafe.  Upäli  hörte  das  Gespräch  seiner  Eltern,
lief  zu  seinen  Gefährten  und  überredete  sie,  mit  Erlaubnis  ihrer
Eltern,  die  gern  erteilt  wurde,  Mönch  zu  werden.  Sie  wurden
auch  alle  ohne  weiteres  ordiniert.  Am  andern  Morgen  verlangten
sie  ganz  früh  nach  Essen.  Die  andern  Mönche  vertrösteten  sie
auf  später,  falls  etwas  da  sein  sollte;  sonst  müßten  sie  sich  erst
das  Essen  erbetteln.  Das  paßte  aber  den  jungen  Leuten  nicht.
Sie  machten  Lärm  und  betrugen  sich  unanständig.  Als  Buddha
den  Lärm  hörte  und  die  Ursache  erfuhr,  war  er  unwillig,  daß
man  so  junge  Leute  ordiniert  habe,  die  den  Strapazen  des  Mönchslebens ­
  nicht  gewachsen  seien  und  bestimmte,  daß  niemand  vor
zwanzig  Jahren  Mönch  werden  dürfe.  So  war  es  jedenfalls
später.  Mit  fünfzehn  Jahren  konnte  man  Novize,  mit  zwanzig
Jahren  Mönch  werden.  Ausgeschlossen  aus  dem  Orden  waren
ferner  mit  ansteckenden  Krankheiten  Behaftete,  mit  auffallenden
körperlichen  Gebrechen  Versehene,  wie  Lahme,  Bucklige,  Blinde,
Taubstumme  u.  dgl.,  ferner  schwere  Verbrecher,  Verschuldete,  Leibeigene, ­
  Soldaten,  überhaupt  alle,  die  nicht  frei  über  sich  verfügen
konnten,  also  auch  Kinder,  die  nicht  Erlaubnis  von  ihren  Eltern
hatten.  Daß  man  aber  Ausnahmen  machte,  zeigt  das  Beispiel
des  Aiigulimäla  (S.  42,  47).  Man  unterschied  zwei  Grade  der
Weihe.  Der  erste  war  die  Pravrajya  (Pali  Pabbajjä),  „das
Hinausgehen",  „das  Ausziehen",  der  zweite  die  vpasainpaäa,
„das  Hingelangen".  Die  Pravrajya  war  der  Austritt  aus  dem
bürgerlichen  Leben  oder  einer  andersgläubigen  Sekte.  Man  sagte
von  einem,  der  in  den  Orden  tritt,  ganz  stehend:  „Er  geht  aus
der  Heimat  in  die  Heimatlosigkeit"  und  nannte  ihn  Pravrajlta,
Pali  Pabbajita,  „Einer,  der  hinausgegangen  ist".  Zu  einem
Pravrajita  wurde  jeder,  der  das  gelbe  Gewand  anlegte,  sich  Haar
        <pb n="118" />
        108  VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

und  Bart  scheren  ließ  und  vor  einem  ordinierten  Mönch  dreimal
in  ehrfurchtsvoller  Haltung  die  „Drei  Zufluchten"  (S.  76)  aussprach. ­
  Einige  Texte  lassen  der  Aufnahme  eine  Probezeit  von
vier  Monaten  vorausgehen,  falls  der  Aufzunehmende  Mitglied
einer  andersgläubigen  Sekte  war.  Andere  legen  die  Probezeit
nur  vor  die  Upasampada.  Buddha  machte  davon  eine  Ausnahme.
Wenn  sich  ein  Säkya,  also  ein  Mitglied  seiner  Familie,  der  vorher
andersgläubig  gewesen  war,  zum  Eintritt  meldete,  so  sollte  er
ohne  Probezeit  ordiniert  werden.  „Dieses  Privileg  bewillige  ich
meinen  Verwandten",  läßt  ihn  der  Text  sagen.  Der  Novize
wählte  sich  zwei  Lehrer,  die  er  zu  bedienen  und  ehrfurchtsvoll
zu  behandeln  hatte,  wofür  sie  ihn  in  die  Lehre  Buddhas  einführten. ­

Umständlicher  war  die  Upasampada.  Sie  erfolgte  vor  der
versammelten  Gemeinde,  von  der  wenigstens  zehn  vollberechtigte
Mitglieder  anwesend  sein  mußten.  Zunächst  mußte  der  Lehrer
des  Aufzunehmenden  unter  der  Versicherung,  daß  der  Aufnahme
nichts  im  Wege  stehe,  einen  formellen  Antrag  stellen.  Der  Kandidat ­
  trat  dann  ein,  in  demütiger  Haltung,  mit  dem  Obergewand
über  der  linken  Schulter,  verbeugte  sich  tief  vor  der  Versammlung,
setzte  sich  auf  die  Erde  und  bat  dreimal,  indem  er  die  gefalteten
Hände  erhob,  um  Aufnahme.  Der  Vorsitzende  richtete  darauf
nach  ernstlicher  Vermahnung,  die  Wahrheit  zu  sagen,  dreimal  an
ihn  die  Fragen:  „Hast  du  Beulen,  Aussatz,  Schwindsucht,  Epilepsie?
Bist  du  ein  Mensch?  Ein  Mann?  Unabhängig?  Hast  du  keine
Schulden?  Stehst  du  im  Dienste  des  Königs?  Haben  dir  die
Eltern  die  Erlaubnis  gegeben?  Bist  du  volle  zwanzig  Jahre
alt?  Hast  du  alles,  Betteltopf  und  Kleider?  Wie  heißt  du?
Wie  heißt  dein  Lehrer?"  Fallen  die  Antworten  befriedigend  aus,
so  spricht  der  Vorsitzende  dreimal:  „Die  hohe  Gemeinde  höre  auf
michl  Dieser  17.  N.,  der  Schüler  des  ehrwürdigen  X.  N.,  wünscht
die  Upasampada.  Nichts  hindert  ihn  daran.  Er  hat  alles,  Betteltopf ­
  und  Kleider.  Dieser  17.  17.  bittet  die  Gemeinde  um  die  üpasampadä
  mit  dem  N.  17  als  Lehrer.  Wenn  es  der  Gemeinde  gut
scheint,  so  möge  die  Gemeinde  dem  17.17.  die  Upasampada  erteilen
mit  dem  17.  17.  als  Lehrer.  Das  ist  der  Antrag.  Die  hohe  Gemeinde ­
  höre  auf  michl  Dieser  17.17.,  der  Schüler  des  ehrwürdigen
17.17.,  wünscht  die  Upasampada.  Nichts  hindert  ihn  daran.  Er
hat  alles,  Almosenschale  und  Kleider.  Der  17.  17.  bittet  die  Gemeinde ­
  um  die  Upasampada  mit  dem  17.  17.  als  Lehrer.  Die
        <pb n="119" />
        Die  Upasampadä.

109

Gemeinde  erteilt  dem  N.  N.  die  Upasampadä  mit  dem  N.  ’N.  als
Lehrer.  Wer  von  den  Ehrwürdigen  für  die  Upasampadä  des  N.  N.
mit  dem  N.  N.  als  Lehrer  ist,  der  schweige,  wer  dagegen  ist,  der
redel"  Wenn  alle  schwiegen,  so  verkündigte  der  Vorsitzende:
„Dem  Iss.  N.  ist  von  der  Gemeinde  die  Upasampadä  erteilt  worden ­
  mit  dem  K  N.  als  Lehrer.  Die  Gemeinde  ist  dafür;  deswegen ­
  schweigt  sie;  so  nehme  ich  an."  Dann  wird  der  Schatten
gemessen,  d.  h.  die  Stunde  des  Tages  bestimmt,  Jahreszeit,  Tag
und  Zusammensetzung  der  Gemeinde  verkündigt  und  darauf  dem
Kandidaten  die  „Bier  Hilfsquellen"  mitgeteilt,  d.  h.  die  Art  und
Weise,  wie  er  sich  verschaffen  darf,  was  er  im  Leben  notwendig
braucht.  Sie  sind:  Bissen  von  Speisen,  die  er  sich  erbettelt,
Kleider  von  Lumpen,  die  er  auf  Kehrichthaufen  findet,  Lagerstätte
an  den  Wurzeln  der  Bäume,  stinkender  Urin  als  Heilmittel.  Es
ist  aber  dem  Mönche  nicht  verwehrt,  freiwillige  Gaben  der  Laien
anzunehmen,  die  ihm  ein  besseres  Leben  gestatten,  wie  Einladungen
zu  Mahlzeiten,  leinene,  baumwollene,  seidene,  wollene,  hänfene
Kleider,  zerlassene  Butter,  frische  Butter,  Öl,  Honig,  Sirup  bei
Krankheiten;  auch  durfte  er  in  Klöstern,  Wohnhäusern  und  Höhlen
wohnen.  Die  „Vier  Hilfsquellen"  sind  also  nur  Vorschriften  für
die  Not  und  bezeichnen  die  strengste  Form  mönchischen  Lebens.
Nach  den  „Vier  Hilfsquellen"  werden  ihm  die  „Vier  zu  unterlassenden ­
  Dinge"  mitgeteilt:  Geschlechtlicher  Verkehr,  auch  mit
einem  Tiere,  nichts  wegzunehmen,  selbst  nicht  einen  Grashalm,
kein  lebendes  Wesen  zu  töten,  selbst  nicht  einen  Wurm  oder  eine
Ameise,  sich  nicht  der  höchsten  menschlichen  Vollkommenheit  zu
rühmen,  selbst  nicht,  daß  er  sagt:  „ich  liebe  in  leeren  Häusern  zu
wohnen."  Damit  schloß  die  Upasampadä.  Dickson,  der  1872
Gelegenheit  hatte,  einer  solchen  Ordination  beizuwohnen,  versichert,
daß  der  ganze  Akt  einen  überaus  feierlichen  Eindruck  mache.  Die
nördliche  Kirche  hat  außer  diesen  beiden  Weihen  noch  eine  dritte,
schon  im  siebenten  oder  neunten  Lebensjahre.  Verging  sich  ein
Mönch  gegen  eines  der  vier  Hauptverbote,  oder  erwies  er  sich
sonst  als  für  den  Orden  ungeeignet,  so  konnte  er  von  der  Gemeinde ­
  entfernt  werden,  auf  Zeit  oder  für  immer.  Ebenso  konnte
er  aber  auch  jederzeit  freiwillig  wieder  austreten,  entweder  stillschweigend ­
  oder  durch  Erklärung  vor  einem  Zeugen.  Mit  dem
leichten  Eintritt  und  Austritt  wurde  öfter  Mißbrauch  getrieben,  da
der  Orden  schon  seit  der  Zeit  des  Königs  Uimbisära  Indemnität
genoß.  Im  Ujliudapaülla  (S.  69f.)  gibt  Nägasena  zu,  daß  einige
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        110  VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

Mönche  werden,  um  sich  dem  Militärdienst  zu  entziehen,  andere,
um  der  Strafe  für  einen  Diebstahl  zu  entgehen,  andere  wegen
Schulden,  andere,  weil  sie  mittellos  sind  und  bequemer  leben
wollen.  Das  geschieht  noch  heute  in  südlichen  Ländern  und  kam
schon  in  ältester  Zeit  vor,  wie  das  Beispiel  des  Upäli  (S.  107)
zeigt.  Macht  heute  ein  Mönch  eine  unerwartete  Erbschaft  oder
verliebt  er  sich,  so  scheidet  er  im  Süden  nach  Belieben  aus;  niemand ­
  hält  ihn.  Im  Norden  ist  der  Austritt  nach  der  dritten
Weihe  nicht  mehr  gestattet.
Mit  dem  Eintritt  in  den  Orden  wird  die  Ehe  gelöst.  Die
Frau  ist  für  den  Mönch  nur  noch  die  frühere  Frau.  Ebenso  gibt
der  Mönch  jedes  Privateigentum  auf  und  erwirbt  fortan  nichts
mehr  für  sich  allein.  Besonders  streng  verboten  war  die  Annahme
von  Geld.  Ein  Mönch,  der  doch  einmal  Geld  annahm  und  dies
bereute,  mußte  das  Geld  in  einer  Versammlung  des  Ordens  abliefern. ­
  Es  wurde  einem  Klosterdiener  oder  Laien  übergeben,
damit  er  Butter  oder  Öl  oder  Honig  für  die  Gemeinde  kaufe.
Von  den  gekauften  Gegenständen  erhielt  der  Sünder  nichts.
Weigerte  sich  der  Laie,  das  Geld  zu  nehmen,  so  wurde  er  gebeten,
es  wegzuwerfen,  und  wenn  er  auch  dies  nicht  tun  wollte,  so  wurde
ein  zuverlässiger  Mönch  als  „Geldverwerfer"  bestimmt,  der  das
Geld  vergrub,  ohne  ein  sichtbares  Zeichen  an  der  Stelle  zu  lassen.
Daß  auch  dieses  Verbot  von  den  Mönchen  übertreten  wurde,  zeigt
das  Konzil  von  Vaisäli  (S.  100ff.).  Seit  den  Zeiten  von  Asoka
Priyadarsin  nahm  die  Geistlichkeit  sehr  gern  Gold  an.  Die  jüngere
Tradition  erzählt,  wie  gewöhnlich  mit  großer  Übertreibung,  daß
Asoka  dreimal  sein  Reich,  seine  Frauen  und  Kinder  und  sich  selbst
der  Kirche  schenkte  und  dann  alles  mit  Gold  und  Edelsteinen  aus
seiner  Schatzkammer  zurückkaufte.  Die  chinesischen  Pilger  Fa  Hian
und  Huan  Thsang  berichten,  daß  zu  ihrer  Zeit  bei  den  großen
fünfjährigen  Versammlungen  Gold  und  Silber  den  Mönchen  in
Fülle  gegeben  wurde.  In  vielen  buddhistischen  Klöstern  wurden
zur  Zeit  des  Huan  Thsang  die  dort  aufbewahrten  Reliquien  den
Gläubigen  nur  gegen  Entrichtung  einer  bestimmten  Geldsumme
gezeigt.  Heute  nimmt  jeder  Geistliche  unbedenklich  Geld,  höchstens
bedeckt  er  seine  Hand  mit  einem  Tuche  oder  zieht  Handschuhe  an.
So  reich  die  Klöster  in  Ceylon  und  Hinterindien  auch  sind,  so
hat  sich  dort  die  alte  Sitte  des  Bettelganges  doch  noch  erhalten.
Der  Mönch  geht  täglich  aus,  um  seine  Nahrung  zu  erbetteln.
Im  Norden,  namentlich  in  Tibet  und  der  Mongolei,  geschieht
        <pb n="121" />
        Kleidung  der  Mönche.

111

dies  nur  ganz  ausnahmsweise  noch  von  herabgekommenen  Lamen,
meist  fremden  oder  besonders  habsüchtigen,  die  dann  hoch  zu  Roß
und  von  vielen  Schülern  begleitet  im  Lande  umherziehen  und
unter  allerlei  frommen  Vorwänden  von  den  Laien  Geld  und
Vieh  eintreiben.
Die  alte  Gemeinde  hatte  ganz  bestimmte,  strenge  Vorschriften
über  Kleidung  und  Nahrung.  Der  Mönch  durfte  nur  einen  Anzug ­
  haben,  der  aus  drei  Kleidern  und  einem  Gürtel  bestand.  Die
Kleider  waren  1.  ein  Unterkleid,  eine  Art  Weste,  die  als  Hemd
diente,  also  auf  dem  bloßen  Leibe  getragen  wurde,  2.  das  eigentliche ­
  Mönchsgewand,  eine  Art  Kittel,  der  bis  aus  die  Knie  reichte
und  mit  einem  Gürtel  um  die  Hüften  befestigt  wurde,  3.  der
Überwurf,  eine  Art  Mantel,  der  die  Beine  bedeckte  und  über  die
linke  Schulter  geschlagen  wurde,  so  daß  die  rechte  Schulter  und
ein  Teil  der  Brust  frei  blieb.  Man  trug  ihn  auch  über  beide
Schultern.  Die  alte  Farbe  der  Gewänder  war  die  gelbe.  Sie  ist
es  noch  heute  im  südlichen  Buddhismus.  Bei  den  Lamas  dagegen
ist  der  Mantel  stets  rot,  und  bei  der  Sekte  der  Rotmützen  sind
alle  Gewänder  karmesinrot  oder  violett.  In  China  tragen  die
Foisten  nicht  selten  graue  Kleider.  Die  Spaltung  in  Sekten  und
das  verschiedene  Klima  hat  nicht  bloß  in  der  Farbe,  sondern  auch
in  der  ganzen  Art  der  Kleidung  in  den  einzelnen  Ländern  große
Unterschiede  hervorgerufen.  In  Ladakh  z.  B.  tragen  die  niederen
Geistlichen  der  Kälte  wegen  Hosen.  Die  Lamen  haben  in  Tibet
und  der  Mongolei  mehrere  Unterkleider  und  bei  Prozessionen  und
Hochämtern  tragen  sie  weite,  wallende  Meßgewänder.  In  der
südlichen  Kirche  gehen  die  Priester  in  der  Regel  barfuß  und  stets
mit  unbedecktem  Kopfe.  In  der  nördlichen  dagegen  tragen  sie
Schuhe  oder  Halbstiefeln,  und  hier  spielt  die  Mütze  eine  große
Rolle,  da  an  ihr  die  Rangunterschiede  der  Geistlichen  zu  erkennen ­
  sind.
Bon  der  Gemeinde  wurde  je  ein  Mönch  bestimmt,  der  die
Kleider,  die  die  Laien  als  Geschenk  brachten,  in  Empfang  nahm,
sie  aufbewahrte  und  verteilte.  Bei  der  Verteilung  entschied  das
Los.  Starb  ein  Mönch,  so  erbte  Kleider  und  Betteltopf  sein  Pfleger.
Hatte  er  sonst  noch  geringen  Besitz,  so  wurde  dieser  unter  die  Gemeinde ­
  des  Ortes  verteilt;  war  der  Besitz  groß,  so  wurde  er
Eigentum  der  Gesamtkirche  oder,  wie  der  offizielle  Ausdruck  ist,
„der  Gemeinde  der  Anwesenden  und  Abwesenden  in  allen  vier
Weltgegenden."
        <pb n="122" />
        112

VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

Außer  den  Kleidern  muß  jeder  Mönch  einen  Betteltopf  besitzen. ­
  Dieses  ihm  ganz  unentbehrliche  Gerät  ist  ein  ziemlich  großer,
runder,  bauchiger  Topf  mit  eiförmigem  Boden  und  enger  Öffnung
nach  oben,  meist  aus  Eisen,  aber  auch  aus  Ton  oder  Holz  und
gewöhnlich  schwarz  oder  blau  lackiert.  Diesen  Topf  trägt  der
Mönch  stets  in  der  Hand.  Auf  seinem  Bettelgange  tritt  er  schweigend
ins  Haus,  empfängt  die  Gabe  und  entfernt  sich,  wie  dies  oben
(S.  38)  geschildert  ist.  Die  Lamen  tragen  den  Topf  nicht  mehr
sichtbar,  da  sie  ja  in  der  Regel  nicht  mehr  betteln.  Sie  haben  im
Gürtel  oder  Ärmel  eine  hölzerne  Schale,  aus  der  allein  sie  Nahrung ­
  zu  sich  nehmen.  Außer  dieser  Schale  führen  sie,  namentlich
in  der  Mongolei,  stets  ein  Fläschchen  mit  Wasser  bei  sich.  Aus
ihm  gießen  sie  nach  beendigter  Mahlzeit  einige  Tropfen  in  die
Hand  und  schlürfen  sie  ein,  was  als  reinigend  gilt.
Auf  Reinlichkeit  wurde  im  Orden  streng  gehalten.  Jeder  Mönch
besaß  ein  Schermesser  Zweimal  im  Monat  am  Uxavasatba-Tage
  des  Neu-  und  Vollmondes  mußte  er  Haar  und  Bart  scheren.
Regelmäßig  mußten  die  Mönche  auch  die  Nägel  schneiden  und
rein  halten  und  die  Zähne  putzen.  Später  wurde  die  Tonsur
üblich,  die  aber  schwerlich  auf  Buddha  selbst  zurückgeht.  Manche
Sekten  im  Norden  scheren  sich  nicht.
Der  Mönch  hat  ferner  ein  Sieb  bei  sich.  Durch  dieses  gießt
er  das  Wasser,  ehe  er  trinkt,  um  alle  Unreinigkeit  zu  entfernen,
vor  allem  aber,  um  kleine  Tiere  abzusondern  und  so  am  Leben  zu
erhalten.  Die  Ausrüstung  vollendete  eine  Nähnadel.
Die  drei  Kleider  mit  dem  Gürtel,  der  Betteltops,  das  Schermesser, ­
  das  Sieb  und  die  Nähnadel  bildeten  in  alter  Zeit  das
ganze  Eigentum  des  Mönches.  Später  kam  dazu  noch  ein  Bettelstab, ­
  der  jetzt  nur  noch  selten  getragen  wird.  Im  südlichen  Buddhismus ­
  hat  seine  Stelle  der  Sonnenschirm  eingenommen,  mit  dem
der  Mönch  sein  kahles  Haupt  schützt.  Die  Lamas  tragen  bei  sich
das  Gebetszepter,  ein  unsern  Mörserkeulen  ähnliches  Instrument,
das  sie  beim  Hersagen  der  Gebete  und  kirchlichen  Verrichtungen
in  mannigfacher  Weise  bewegen,  eine  Klingel,  eine  Trommel  ans
Menschenschädeln,  eine  kleinere  Trommel,  einen  Rosenkranz,  Amulett
und  Büchelchen.  Beim  Betteln  blasen  sie  eine  Trompete  aus  dem
Schenkelknochen  eines  Menschen.  Einzelne  tragen  auch  an  Stelle
des  alten  Bettelstabes  den  „Alarmstab",  einen  Stab,  der  in  einen
Dreizack  oder  eine  blattartige  Schleife  ausläuft,  an  der  Ringe
hängen,  die  durch  ihr  Klingen  weltliches  Geräusch  von  den  Ohren
        <pb n="123" />
        Ausrüstung  und  Wohnung  der  Mönche.  113
des  Mönches  fernhalten  und  kleine  Tiere  warnen  sollen,  damit  sie
nicht  zertreten  werden.
Buddha  hat  die  Mönche  nicht  gezwungen  in  Klöstern  zu  leben.
Das  widersprach  sogar  seiner  Absicht.  Der  Mönch  sollte  möglichst
viel  wandern,  um  die  Lehre  weit  zu  verbreiten.  Der  eigentliche
Wohnort  des  Mönches  war  der  Wald  oder  einsame  Berghöhlen.
In  der  Regel  blieb  der  Mönch  aber  in  der  Nähe  eines  Dorfes
oder  einer  Stadt,  die  er  auf  seinem  Bettelgange  leicht  erreichen
konnte.  Zu  anderer  Zeit  sie  zu  betreten,  war  streng  verboten.
Klöster  in  unserem  Sinne  hat  es  zu  Buddhas  Zeit  überhaupt  nicht
gegeben.  Gewöhnlich  zimmerte  sich  der  Mönch  selbst  eine  Hütte
aus  Holz,  das  er  im  Walde  sammelte,  oder  baute  sie  aus  Rasenstücken
  auf.  Oft  halfen  ihm  dabei  die  Laien.  Zuweilen  wohnten
mehrere  Mönche  zusammen.  In  größerer  Anzahl  führte  sie  die
Regenzeit  zusammen.  Fromme  Laien  suchten  den  Mönchen  ihr
Obdach  während  dieser  Zeit  möglichst  behaglich  zu  machen.  Sie
ließen  Bauwerke  aufführen,  zu  denen  die  Mönche  alljährlich  während ­
  der  Regenzeit  zurückkehrten.  Diese  Wohnungen,  Villära  genannt, ­
  waren  oft  sehr  reich  ausgestattet  und  mit  allen  Bequemlichkeiten, ­
  wie  Vorrichtungen  für  warme  Bäder  und  gedeckte  Hallen
zum  Spazierengehen,  versehen.  Später  blieb  man  auch  zu  anderen
Zeiten  als  der  Regenzeit  in  den  Villaras  wohnen,  wozu  vielleicht
die  Zulassung  der  Frauen  zum  Orden  mit  beigetragen  haben  mag,
da  sie  des  Schutzes  bedürftiger  waren  als  die  Männer.  So  entstanden ­
  allmählich  wirkliche  Klöster.
In  der  alten  Zeit  durfte  der  Mönch  nur  einmal  essen,  am  Mittage, ­
  wenn  er  von  seinem  Bettelgange  zurückgekehrt  war.  Später
lebten  die  buddhistischen  Mönche  nicht  weniger  herrlich  und  in
Freuden  als  die  christlichen.  In  den  Klöstern  der  Lamen  wird,
obwohl  die  Disziplin  im  allgemeinen  streng  ist,  sehr  häufig  gegen
das  Gebot  verstoßen,  geistige  Getränke  zu  genießen.  Es  ist  leicht
zu  umgehen,  weil  keine  gemeinschaftlichen  Mahlzeiten  stattfinden,
sondern  jeder  Mönch  seine  eigene  Wirtschaft  hat.
Das  vierte  der  „Bier  zu  unterlassenden  Dinge"  (S.  109)  war
das  Verbot,  sich  nicht  der  höchsten  menschlichen  Vollkommenheit  zu
rühmen.  Über  seine  Entstehung  wird  im  Yinayapitaka  folgende
Geschichte  erzählt.  Einst  verbrachten  viele  Mönche  zusammen  die
Regenzeit  am  Ufer  des  Flusses  Valgumudä  im  Lande  der  Vrjjis.
Damals  herrschte  eine  große  Hungersnot,  so  daß  die  Mönche  großen
Mangel  litten.  Einige  schlugen  vor,  bei  den  Laien  Dienste  als
ARnG  log;  Pischel,  Leben  und  Lehre  der  Buddha.  2.  Aufl.  8
        <pb n="124" />
        114

VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

Handarbeiter  oder  Boten  zu  nehmen,  andere  aber  rieten,  sie  sollten
sich  bei  den  Laien  gegenseitig  der  höchsten  menschlichen  Vollkommenheit ­
  rühmen.  Das  taten  sie.  Sie  sagten  voneinander:  „Dieser
Mönch  befindet  sich  auf  der  ersten,  dieser  auf  der  zweiten,  dieser
auf  der  dritten,  dieser  auf  der  vierten  Stufe  der  Versenkung;  dieser
Mönch  ist  ein  Srotaäpanna,  dieser  ein  Sakfdägämin,  dieser  ein
Anägamin,  dieser  ein  Arhat;  dieser  Mönch  besitzt  das  dreifache
Wissens,  dieser  die  sechs  übernatürlichen  Fähigkeiten."^)  Die
Laien  waren  darüber  sehr  erfreut  und  sagten:  „Das  haben  wir
gut  getroffen,  sehr  gut  getroffen,  daß  solche  Mönche  bei  uns  die
Regenzeit  zubringen.  Früher  haben  nie  solche  Mönche  bei  uns  die
Regenzeit  zugebracht,  wie  diese  frommen  trefflichen  Männer."  Sie
gaben  den  Mönchen  bessere  Speise  und  besseren  Trank  als  sie  selbst
genossen  und  ihren  Eltern,  Frauen  und  Kindern,  Dienstboten,
Freunden  und  Verwandten  gaben.  Am  Ende  der  Regenzeit  waren
die  Mönche  daher:  „rosig,  wohlgenährt,  von  frischer  Farbe  des
Gesichts  und  der  Haut."  Als  sie  nach  VaiMi  zu  Buddha  kamen,
stachen  sie  von  den  andern  Mönchen,  die  infolge  der  schlechten  Zeit
mager  und  abgehungert  aussahen,  sehr  ab.  Sie  mußten  ihren  Kniff
angeben,  worauf  Buddha  das  Verbot  erließ.
Im  Lamaismus  wird  das  Hilfsmittel,  sich  für  besonders  gottbegnadigt ­
  auszugeben,  zur  Vermehrung  der  Einkünfte  maßlos  ausgebeutet. ­
  Die  Lamen  sind  nicht  bloß  die  Vermittler  zwischen  den
Göttern  und  Menschen,  sondern  sie  sind  auch  Wahrsager,  Ärzte
und  vor  allem  Teufelaustreiber.  Der  Buddhismus  hat  ja,  wie
erwähnt,  in  seiner  letzten  Phase  den  Geisterglauben  aus  dem
Öivaismus  übernommen,  und  das  lamaistische  Pantheon  weist  Teufel
in  gewaltiger  Fülle  und  in  abschreckendster  Gestalt  auf.  Sie  sind
für  die  Lamen  eine  unerschöpfliche  Goldgrube.  Jedes  Unglück  in
und  außer  dem  Hause  wird  einem  Teufel  zugeschrieben,  und  nur
der  Lama  kann  aus  seinen  Büchern  feststellen,  welcher  Teufel  gerade ­
  schuld  ist,  und  nur  er  hat  die  Macht,  ihn  zu  bannen.  Das
kostet  aber  viel  Mühe  und  dementsprechend  Geld.  Die  Lamen
1)  Unter  dreifachem  Wissen  sind  hier  verstanden  die  Erinnerung  an
die  früheren  Geburten,  die  Kenntnis,  wie  die  Wesen  aus  einer  Existenz
in  eine  andere  geraten  sind,  und  die  Kenntnis  vom  Untergang  der
Lüste.
2)  Die  sechs  übernatürlichen  Fähigkeiten  sind:  Die  Kunst,  Wunder
zu  wirken,  das  göttliche  Ohr,  Kenntnis  der  Gedanken  anderer,  Kenntnis
der  früheren  Geburten,  das  göttliche  Auge,  die  Kenntnis  vom  Untergang ­
  der  Lüste.
        <pb n="125" />
        Das  Leben  der  Mönche.

115

treiben  aber  auch  wirkliche  Gewerbe  und  Künste.  Sie  malen
Heiligenbilder,  haben  Druckereien  und  Erzgießereien,  sie  schreiben
Bücher  ab,  verfertigen  Rosenkränze,  Amulette,  geweihte  Pillen  und
Reliquien,  treiben  Ackerbau  und  Viehzucht,  sind  Schneider,  Schuster,
Färber,  Weber  u.  dgl.
Das  war  im  alten  Buddhismus  ganz  unerhört.  Der  Mönch
des  alten  Glaubens  wollte  nichts  weiter  sein  und  war  auch  nichts
weiter  als  Mönch,  d.  h.  er  widmete  alle  seine  Zeit  geistlichen
Übungen  und  dem  Streben  nach  Heiligkeit.  Man  stand  bei  Tagesanbruch ­
  auf.  Dann  wurden  Abschnitte  aus  dem  Gesetz  und  der
Disziplin  rezitiert.  Entweder  tat  dies  jeder  für  sich,  oder  mehrere
setzten  sich  nebeneinander,  wobei  der  eine  vortrug  und  die  andern
zuhörten,  oder  auch  an  ihn  Fragen  stellten.  Gegen  Mittag  folgte
der  Bettelgang,  auf  die  Mahlzeit  eine  Ruhepause  während  der
größten  Hitze.  Am  Abend  wurden  die  geistlichen  Gespräche  wieder
aufgenommen  und  oft  bis  in  die  späte  Nacht  fortgesetzt.  Oft  trug
ein  älterer  Bruder  vor,  oder  man  saß  schweigend  stundenlang  zusammen. ­
  Das  war  „das  edle  Schweigen",  wir  würden  sagen:  „das
süße  Nichtstun."  Unterbrochen  wurde  dieses  Leben  nur  dadurch,  daß
zuweilen  Laien  nach  dem  Vidara  kamen,  um  sich  geistlichen  Rat  und
Trost  zu  holen.  Arbeit  kannte  der  Mönch  nicht.
Den  Mönchen  untergeordnet  waren  die  Nonnen.  Für  sie  galten
die  „Acht  großen  Regeln":  1.  Eine  Nonne,  auch  wenn  sie  schon
hundert  Jahre  ordiniert  ist,  hat  einen  Mönch,  wenn  er  auch  erst
an  diesem  Tage  ordiniert  ist,  zu  grüßen,  vor  ihm  aufzustehen,  ihn
ehrfurchtsvoll  und  wie  es  sich  gebührt  zu  empfangen;  2.  sie  darf
nicht  die  Regenzeit  an  einem  Orte  zubringen,  wo  keine  Mönche
sind;  3.  sie  muß  halbmonatlich  die  Mönchsgemeinde  um  Angabe  des
Upavasatha-Sageg  bitten  und  sich  zur  Unterweisung  zu  ihr  begeben; ­
  4.  sie  muß  am  Ende  der  Regenzeit  an  die  Versammlung
der  Mönche  und  Nonnen  die  drei  Fragen  stellen,  ob  jemand  von
ihr  etwas  Schlechtes  gesehen  oder  gehört  hat  oder  vermutet;  5.  wenn
sie  sich  gegen  eine  der  acht  großen  Regeln  vergangen  hat,  muß  sie
sich  gegenüber  der  Versammlung  der  Mönche  und  Nonnen  einer
vierzehntägigen  Buße  unterwerfen;  6.  sie  hat  um  die  Erteilung  der
üpasampadä  bei  der  Gemeinde  der  Mönche  und  Nonnen  zu  ersuchen, ­
  nachdem  sie  zwei  Jahre  lang  in  den  sechs  PflichtenH  unter-1)
  Das  sind  die  fünf  auch  für  den  Laien  geltenden  Pflichten
(S.  76),  und  die  für  den  Mönch  geltende  Pflicht,  nur  einmal  am  Tage
zur  Mittagszeit  zu  essen.

8
        <pb n="126" />
        116  VH  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.
wiesen  worden  war;  7.  sie  darf  unter  keinen  Umständen  einen
Mönch  schmähen  und  beschimpfen;  8.  die  Nonne  darf  sich  bei  dem
Mönch  Rat  holen,  aber  nicht  der  Mönch  bei  der  Nonne.
Alle  diese  Regeln  haben  den  Zweck,  die  Nonnen  von  den  Mönchen
abhängig  zu  machen.  Bei  Streitigkeiten  der  Nonnen  untereinander
entschieden  die  Mönche.  Über  den  Verkehr  der  Mönche  mit  den
Nonnen  waren  ganz  feste  Bestimmungen  getroffen.  Bei  der  Upusaiupadä
  wurden  an  die  Nonnen  im  ganzen  24  Fragen  gestellt,  außer
den  an  die  Mönche  mit  den  nötigen  Änderungen  gerichteten
(S.  108  f.)  noch  eine  Reihe  anderer,  die  sich  bis  jetzt  unserem  vollen
Verständnis  entziehen.  Außer  den  Gegenständen,  die  die  Ausrüstung ­
  eines  Mönches  bildeten,  war  den  Nonnen  noch  eine  Jacke
und  ein  Badeanzug  gestattet.  Jeder  Putz  war  verboten.  Im
übrigen  galten  für  das  tägliche  Leben  der  Nonnen  wesentlich  dieselben ­
  Vorschriften  wie  für  das  der  Mönche.  Nur  durften  die
Nonnen  nicht  im  Walde  leben,  sondern  mußten  im  Dorfe  oder
in  der  Stadt  leben,  und  auch  dort  nicht  allein.  Die  Nonnen  sind
nie  so  zahlreich  gewesen  wie  die  Mönche,  und  die  Zahl  der  buddhistischen ­
  Nonnenklöster  hat  nie,  auch  nur  annähernd,  die  der
christlichen  erreicht.  In  den  Ländern  des  südlichen  Buddhismus
scheint  es  heute  kein  einziges  mehr  zu  geben.  Heute  können  alte
Jungfern  und  ältere,  kinderlose  Witwen  ihre  Dienste  dem  Orden
anbieten.  Sie  geloben  Keuschheit,  scheren  das  Haupt,  erhalten  ein
weißes  Kleid  und  damit  die  Erlaubnis,  für  das  Kloster  zu  betteln.
Sie  wohnen  in  der  Nähe  des  Klosters  oder  in  diesem  selbst  in
eigens  für  sie  eingerichteten  Zellen  und  fegen  das  Kloster,  holen
für  die  Mönche  Wasser  u.  dgl.  Sie  können  jeden  Augenblick  ihr
Verhältnis  zum  Kloster  lösen  oder  fortgeschickt  werden,  wenn  sie
sich  nicht  bewähren.  So  ist  es  im  nördlichen  Buddhismus  auch
in  der  Mongolei.  In  China,  Tibet  und  den  Himalaya-Ländern
gibt  es  dagegen  noch  heute  wirkliche  Nonnenklöster.
Der  Kultus  war  in  der  alten  Gemeinde  der  denkbar  einfachste.
Zweimal  im  Monat  zur  Zeit  des  Neu-  und  Vollmonds  kamen
die  Mönche  eines  Bezirks  zusammen,  um  den  Ilxavasatba-Tag
(S.  67)  zu  halten.  Der  älteste  unter  den  Mönchen  sagte  die
Feier  an,  und  am  Abend  des  festgesetzten  Tages  versammelten  sich
alle  Mönche  des  Bezirks  an  dem  bestimmten  Orte  in  einem  dazu
ausgewählten  Raume.  Es  durfte  niemand  fehlen.  Selbst  Kranke
wurden  hingetragen,  wenn  kein  geeigneter  Mönch  sich  fand,  der
die  Erklärung  des  Kranken  überbrachte,  daß  er  frei  sei  von  den
        <pb n="127" />
        Gemeindefeiern.

117

Sünden,  die  gesühnt  werden  sollten.  Es  kam  auch  vor,  daß  die
Mönchsgemeinde  sich  am  Bett  eines  Schwerkranken  versammelte.
In  dem  Versammlungsräume  nahmen  die  Mönche  bei  Fackelschein
auf  niedrigen  Sitzen  Platz.  Nur  ordinierte  Mönche  durften  zugegen ­
  sein,  da  jetzt  das  Lratiiuoüsa  (S.  97)  vorgetragen  wurde,
dessen  Kenntnis  nur  ordinierten  Mönchen  gestattet  war.  Der  Vorsitzende ­
  eröffnete  die  Vorlesung  mit  folgender  Ansprache:  „Verehrung ­
  dem  Erhabenen,  Heiligen,  Vollständigerleuchteten!  Die  Gemeinde ­
  höre  auf  mich!  Heut  ist  am  fünfzehnten  der  Upavasatha.
Wenn  es  der  Gemeinde  recht  ist,  möge  sie  den  llpavasatba  vollziehen ­
  und  das  Lratimoirsa  verlesen.  Gebet  an,  Ehrwürdige,  ob
ihr  frei  von  Sünde  seid;  ich  werde  das  kraiimoüsa  verlesen."
„Wir  wollen  es  alle  hier  sorgfältig  hören  und  beherzigen."  H  „Wer
eine  Sünde  begangen  hat,  der  bekenne  sie;  wer  keine  Sünde  begangen ­
  hat,  schweige.  Ein  Mönch,  der  dreimal  gefragt,  eine  Sünde,
deren  er  sich  bewußt  ist,  nicht  bekennt,  macht  sich  einer  wissentlichen
Lüge  schuldig.  Eine  wissentliche  Lüge  aber  hat  der  Erhabene  als
ein  Hindernis  (für  die  Erlösung)  bezeichnet.  Deswegen  muß  ein
Mönch,  der  sich  einer  Sünde,  die  er  begangen  hat,  bewußt  ist  und
von  ihr  frei  zu  werden  wünscht,  sie  bekennen.  Denn  ein  Bekenntnis
bringt  ihm  Erleichterung."  Darauf  werden  an  jeden  einzelnen  die
Fragen  gestellt,  und  wer  sich  einer  Schuld  bewußt  war,  bekannte  und
sühnte  sie.  In  Ceylon  hat  sich  die  Feier  bis  heute  treu  erhalten,  wie
die  Mitteilungen  von  Dickson  zeigen,  der  auch  dem  Ilpavasatba-Fest
  1874  beiwohnen  konnte,  wie  1872  derI7pa8ampaää(S.109).
Außer  dem  Upavasatha  gab  es  noch  eine  alljährlich  wiederkehrende ­
  Feier,  die  Lravarauä  (Pali  Uavärayä),  die  „Einladung", ­
  „die  Aufforderung".  Sie  fand  alle  Jahre  am  Ende  der
Regenzeit  statt,  ehe  das  Wandern  wieder  begann.  Alle  Mönche
desselben  Bezirks  kamen  zu  einer  feierlichen  Sitzung  zusammen,
und  jeder  einzelne  bat  seine  Brüder,  ihm  anzugeben,  ob  er  irgendeine ­
  Schuld  gegen  sie  begangen  habe.  Er  legte  dabei  sein  Obergewand ­
  über  eine  Schulter,  setzte  sich  auf  den  Erdboden,  streckte
die  gefalteten  Hände  aus  und  sprach  dreimal:  „Ich  fordere,  ihr
Brüder,  die  Gemeinde  auf:  wenn  ihr  etwas  von  mir  gesehen  oder
gehört,  oder  einen  Verdacht  gegen  mich  habt,  so  mögen  es  die
Ehrwürdigen  mir  aus  Mitleid  sagen.  Wenn  ich  es  einsehe,  werde
ich  es  sühnen."  Die  LravarauZ  sank  später,  ebenso  wie  die  Upa-1)

  Diesen  Satz  spricht  die  Gemeinde.
        <pb n="128" />
        118

VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

vasatba-Feier,  zu  einer  bloßen  Form  herab,  da  alle  Differenzen
schon  vorher  ausgetragen  wurden.
Das  war  alles,  was  man  in  alter  Zeit  Kultus  nennen  konnte.
Schon  sehr  früh  scheint  sich  aber  ein  Reliquiendienst  und  die  Verehrung ­
  heiliger  Stätten  herausgebildet  zu  haben.  Im  Mabaparinibbänasntta
  gibt  Buddha  selbst  dem  Änanda  vier  Stätten
an,  die  für  einen  gläubigen  Mann  aus  guter  Familie  sehenswert
und  herzbewegend  seien:  der  Ort,  wo  der  Buddha  geboren  wurde,
wo  er  die  Erleuchtung  erlangte,  wo  er  zuerst  das  vorzüglichste
Rad  des  Gesetzes  in  Bewegung  setzte  (d.  h.  wo  er  zuerst  gepredigt
hat,  S.  27),  und  wo  er  ins  Pariuirväua  eingegangen  ist.  Zu
diesen  Orten  sollen  die  gläubigen  Mönche  und  Nonnen,  Laien  und
Laienschwestern  gehen,  und  allen,  die  auf  einer  solchen  Pilgerfahrt
reinen  Herzens  sterben,  wird  verheißen,  daß  sie  nach  Auflösung
des  Leibes  jenseits  des  Todes  im  Himmel  wiedergeboren  werden.
Dasselbe  8utta  erzählt,  daß  nach  Buddhas  Tode  die  zum  Buddhismus ­
  sich  bekennenden  Könige,  Adelsgeschlechter  und  einzelne
Geistliche  Boten  zu  den  Mallas  schickten  und  einen  Teil  seines
Körpers  als  Andenken  verlangten.  Die  Mallas  schlugen  ihnen  aber
die  Bitte  ab,  weil  der  Herr  in  ihrem  Gebiete  gestorben  sei.  Um
Streit  zu  vermeiden,  wußte  der  Brahmane  vrona  die  Mallas  zu
bewegen,  die  Reliquien  Buddhas  in  acht  Teile  zu  zerlegen  und
jedem  der  Bittenden  einen  Teil  zu  übergeben,  vrona  selbst  bekam ­
  den  Wasserkrug  Buddhas,  und  die  Mauryas  von  Pipphalivana,
  bereit  Bote  erst  nach  der  Verteilung  ankam,  die  Kohlen,
auf  denen  Buddha  verbrannt  worden  war.  Alle  errichteten  über
ihren  Reliquien  ein  Monument  aus  Steinen  und  Erde,  einen
Stupa,  Pali  Thupa  (woher  „Tope“)  und  feierten  ihnen  zu
Ehren  ein  Fest.  Ein  Stupa  braucht  nicht  immer  Reliquien  zu  enthalten. ­
  Der  Hügel  allein  dient  schon  zum  Andenken  an  irgendeine
Person  oder  ein  Ereignis.  Werden  in  ihn  Reliquien  gelegt,  so  heißt
dieser  Raum  im  Innern,  der  sie  einschließt,  Dbätugarbha,  Pali
Dhätugabbba,  „Reliquienbehälter".  Daraus  ist  im  Singhalesischen
  v  8  g  a  b  a  entstanden,  wonach  wir  von  einem  v  a  g  o  b  e  sprechen.
Irrtümlich  werden  Tope  und  Dagobe  oft  einander  gleichgesetzt.
Der  Reliquiendienst  trat  später  im  Buddhismus  ganz  an  die
Stelle  unseres  Gottesdienstes  und  ist  zu  üppiger  Blüte  gelangt.
Besonders  berühmt  ist  der  Angenzahn  Buddhas,  über  den  ein
eigenes  Werk  handelt.  Später  wurden  auch  Bilder  des  Buddha
angefertigt,  zu  denen  im  nördlichen  Buddhismus  die  der  Pratye-
        <pb n="129" />
        Reliquiendienst.

119

kabuddhas,  Dhyänibuddhas  und  der  verschiedenen  Bodhisattvas
kamen.  Ebenso  wurden  Prachtvolle  Tempel  erbaut.  Im  Lamaismus ­
  hat  man  außerdem  noch  kleinere  Kapellen,  die  oft  an  der
Landstraße  oder  an  Kreuzwegen  oder  mitten  in  der  Steppe  errichtet ­
  sind,  ferner  die  Gebetstürme,  die  aus  den  8tupao  hervorgegangen ­
  sind,  von  ganz  geringer  Höhe  bis  zu  über  hundert  Fuß,
dann  die  sogenannten  Nanis,  d.  h.  Mauern  oder  Steinwände  von
verschiedener  Hohe  und  Länge,  auf  denen  das  heilige  Gebet  Om
mani  padme  hum  (S.  95)  eingegraben  ist,  um  die  Gläubigen
zum  Gebet  zu  veranlassen.  Zu  Gebeten  werden  ferner  im  Lamaismus ­
  gebraucht  die  Gebetsräder  oder  Gebetszylinder,  tonnenoder
  zylinderförmige  Maschinen,  die  mit  auf  Blättern  geschriebenen
Gebetsformeln  vollgestopft  sind,  die  sich  um  eine  Achse  drehen.
Schon  Fa  hian  erwähnt  diese  Gebetsräder.  Sie  sind  von  verschiedener ­
  Größe.  Priester  und  Laien  haben  kleine,  leicht  zu  handhabende; ­
  im  Freien  werden  große  aufgestellt,  die  oft  wie  Mühlen
aussehen  und  durch  Maschinen  oder  den  Wind  in  Bewegung  gesetzt ­
  werden.  Das  Umdrehen  des  Rades  setzt  die  Gebete  in  Bewegung, ­
  und  so  kann  man  ohne  Mühe  viele  Tausende  von  Gebeten
auf  einmal  abmachen.  Denn  das  Drehen  ist  ebensoviel  wert  wie
das  Hersagen?)  Neben  den  Gebetsrädern  werden  ferner  Gebetsfahnen ­
  gebraucht,  die  ebenfalls  die  Aufschrift  Om  mani  padme
hum  tragen  und  überall  angebracht  sind,  auf  Felsen  und  Bäumen,
auf  Türmen  und  Hausdächern,  aus  hohen  Stangen  u.  dgl.  Der
Lamaismus  hat  ferner  den  Rosenkranz  aus  dem  brahmanischen
Sivaismus  übernommen.  Er  enthält  108  Kugeln.  An  beiden  Enden
befinden  sich  noch  drei  besondere  größere  Kugeln,  von  denen  die
mittelste  die  größte  ist.  Sie  bezeichnet  Buddha,  die  beiden  andern
das  Gesetz  und  die  Gemeinde,  alle  drei  also  die  „drei  Kleinodien"
1)  Mehrere  vorzügliche  Exemplare  solcher  Gebetsmaschinen  besitzt
das  Museum  für  Völkerkunde  in  Berlin.  Die  Bibliothek  der  Deutschen
Morgenländischen  Gesellschaft  in  Halle  besitzt  ein  für  den  Handgebrauch
bestimmtes  Exemplar.  Bon  den  dazu  gehörigen  12  Blättern  mißt
jedes  in  der  Höhe  23,  in  der  Länge  67  cm,  der  Rand  oben  und  unten
fast  1%,  an  den  Seiten  fast  3  cm.  Der  übrige  Raum  enthält  41
Reihen,  in  deren  jeder  in  Rotdruck  und  tibetischer  Schrift  60mal  das
Gebet  Om  mani  padme  hum  steht.  Jedes  Blatt  enthält  also
41  x60  —  2460  Gebete,  alle  12  Blätter  also  12x2460  =  29620
Gebete,  die  bei  einer  einmaligen  Umdrehung  hergebetet  werden.  Mit
Leichtigkeit  lassen  sich  in  einer  Minute  120  Umdrehungen  machen,  also
3  542  400  Gebete  hersagen,  eine  Zahl,  die  auch  den  frömmsten  Laien
befriedigen  kann.
        <pb n="130" />
        120

YII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

(S.  76).  Diese  drei  Kugeln  halten  die  eigentlichen  Gebetskugeln
in  ihrer  Lage  und  geben  dem  Betenden  an,  daß  er  mit  einer
Runde  fertig  ist.  Beim  Gottesdienst  werden  ferner  im  Lamaismus
verwendet:  Kirchenmusik,  Klingeln,  brennende  Kerzen,  Opferschalen,
Weihrauch,  Weihwasser.  Nimmt  man  dazu  den  Pomp  der  Kleidung
der  Priester,  ihre  Tonsur,  ihr  Gebetszepter,  die  Beichte,  die  Heiligenbilder, ­
  so  kann  es  nicht  wundern,  wenn  dem  ersten  katholischen
Missionar,  der  einem  Gottesdienst  der  Lamen  beiwohnte,  Huc,  derselbe ­
  wie  ein  „Blendwerk  des  Teufels"  erschien,  und  daß  seine  Schilderung ­
  desselben  sein  Werk  auf  den  Index  Ilbrorum  probibitorum
brachte.  Ohne  Zweifel  ist  vieles  aus  dem  Lamaismus  in  die  katholische
Kirche  gewandert,  die  ja  auch  Buddha  selbst  als  Josaphat  =  Bodbisattva
  unter  ihre  Heiligen  ins  Martyrologium  Eomanum  aufgenommen ­
  hat.  Auch  die  Sage  vom  Priesterkönig  Johannes  in
Asien  mag  in  letzter  Linie  auf  den  nördlichen  Buddhismus  zurückgehen.
Die  Zahl  der  religiösen  Feste  wurde  später  noch  vermehrt,  ist
aber  in  den  einzelnen  Ländern  sehr  verschieden.  Allen  gemeinsam
sind  drei:  das  Lampenfest,  ursprünglich  am  Ende  der  Regenzeit
abgehalten  und  mit  großer  nächtlicher  Illumination,  Predigt  und
Verteilung  von  Almosen  verbunden,  das  Fest  des  Frühlingsanfangs ­
  und  das  Fest  des  Geburtstags  Buddhas.  Sie
werden  in  den  einzelnen  buddhistischen  Ländern  zu  verschiedener
Zeit  und  in  mannigfacher  Weise  gefeiert.
Es  gibt  keine  Religion  der  Erde  aus  alter  Zeit,  deren  Geschichte ­
  schon  jetzt  so  klar  vor  Augen  liegt,  und  deren  Quellen  so
reichlich  fließen,  wie  den  Buddhismus.  Er  zeigt  uns,  wie  aus
einer  ursprünglich  sehr  einfachen,  kultuslosen  Lehre  eine  in  Formelkram ­
  und  pfäffischem  Schaugepränge  aufgehende  Kirche  entstehen
konnte.  Buddha  ist  an  der  Entartung,  die  seine  Lehre  im  Norden
erfahren  hat,  nicht  schuld.  In  den  alten  buddhistischen  Texten  tritt
uns  in  Buddha  ein  Mann  entgegen,  der  ein  bequemes,  üppiges
Leben  eintauschte  gegen  ein  Leben  voll  Mühsal  und  Entbehrungen,
und  der  von  der  Heimat  in  die  Heimatlosigkeit  ging,  um  die  Wahrheit ­
  zu  suchen.  Während  seines  langen  Lebens  hat  er  nur  Gutes
gewollt  und  Gutes  getan.  Ein  echter  Sohn  seines  Volkes  muß  er
als  Inder  beurteilt  werden.  Und  wer  dies  tut,  wird  nicht  Anstand
nehmen,  ihn  für  einen  der  größten  und  bedeutendsten  Männer  zu
erklären,  die  die  Weltgeschichte  kennt.

1)  Vgl.  Ernst  Kuhn,  Barlaam  und  Joasaph.  München  1894.
        <pb n="131" />
        Literatur.

Die  Literatur  über  den  Buddhismus  ist  ganz  unübersehbar.
Das  gesamte  Gebiet  des  Buddhismus  hat  behandelt  Isidor
Silbernagl,  Der  Buddhismus  nach  seiner  Entstehung,  Fortbildung ­
  und  Verbreitung.  München  1891;  2.  Auflage  1903;  ein
völlig  unbrauchbares  Buch.  Für  weitere  Kreise  hat  in  knappster  Form
dasselbe  versucht  H.Hackmann,  Der  Buddhismus  (----Religionsgeschichtliche ­
  Volksbücher  für  die  deutsche  christliche  Gegenwart
III.  Reihe,  Heft  4—5  und  7).  3  Teile.  Halle  a.  S.  1905.  1906.
Eine  Übersicht  über  das  ganze  Gebiet  gibt  auch  Edv.  Lehmann,
Buddha,  haus  leere  og  dens  gaerning.  K0benhavu  1907.  Sonst
hat  ein  größeres  Gebiet  nur  noch  behandelt:  Friedrich  Köppen,
Die  Religion  des  Buddha.  2  Bände.  Berlin  1857.  1859.  Der
2.  Band  behandelt  die  lamaische  Hierarchie  und  Kirche.  Köppens
geistreiches  und  fesselndes  Buch  ist  im  ersten  Band  jetzt  zwar  in
vielen  Einzelheiten  veraltet,  aber  immer  noch  lesenswert  und  verdienstlich, ­
  im  zweiten  Bande  noch  unübertroffen.  Ein  anastatischer
Neudruck  erschien  Berlin  1905.  Den  Buddhismus  in  Indien  in
seiner  Entwicklung  behandelt  Heinrich  Kern,  Der  Buddhismus
und  seine  Geschichte  in  Indien.  Vom  Verfasser  autorisierte  Übersetzung ­
  von  Hermann  Jacobi.  2  Bände.  Leipzig  1882.  1884.
In  kürzerer  Bearbeitung:  Manual  of  Indian  Buddhism.  Straßburg ­
  1896  (=  Grundriß  der  indo-arischen  Philologie  und  Alter
tumskunde.  III.  Band,  8.  Heft).
Für  den  südlichen  Buddhismus  waren  von  großer  Bedeutung
die  auf  singhalesischen  Werken  beruhenden  Arbeiten  von  R.  Spence
Hardy,  Eastem  Monachism.  London  1850 1 ),  und  A  Manual
of  Buddhism.  London  1853  *);  2.  Aust.  1880.  Sie  sind  noch  heute
dem  Spezialforscher  unentbehrlich.  Auf  Grund  der  Pali-Quellen
behandelte  zuerst  den  Buddhismus  wissenschaftlich  T.  W.  Rhys
Davids,  Buddhism.  London  1877.  Nach  der  17.  Auslage  wurde
das  Buch  ins  Deutsche  übersetzt  von  Arthur  Pfungst,  Der
1)  Beide  Bücher  weisen  auf  dem  Titelblatt  auch  das  Jahr  1860  aus.
ANnN  109:  Pischel,  Leben  und  Lehre  des  Buddha.  S.  Auf!  9
        <pb n="132" />
        122

Literatur.

Buddhismus.  Leipzig,  Reclam  (1899).  Das  Buch  berührt  auch  den
nördlichen  Buddhismus.  Von  Rhys  Davids  ist  auch  zu  nennen:
Buddhism,  its  History  and  Literature.  New  Jork  1896.  Am  bekanntesten ­
  ist  das  Buch  von  HermannOldenberg,  Buddha.  Sein
Leben,  seine  Lehre,  seine  Gemeinde.  Berlin  1881;  5.  Auflage
Stuttgart  und  Berlin  1906.  Das  Buch  behandelt  nur  die  älteste
Zeit  des  Buddhismus,  ausschließlich  nach  südlichen  Quellen.  Etwas
weiter  als  Oldenberg  führt  die  Geschichte  des  Buddhismus  Edmund
Hardy,  Der  Buddhismus  nach  älteren  Pali-Werkeu  dargestellt.
Münster  i.  W.  1890,  eine  selbständige  Quellenarbeit.  Eine  Schilderung ­
  der  Persönlichkeit  Buddhas,  seiner  geschichtlichen  Erscheinung
und  seiner  Stellung  zu  den  Zeitfragen  hat  Hardy  gegeben  in  dem
kleinen  Buche:  Buddha.  Leipzig  1903  (Sammlung  Göschen).  Eine
katholische  Tendenzschrift  ist  das  Buch  von  Josef  Dahlmann,
Buddha.  Ein  Kulturbild  des  Ostens.  Berlin  1898.  Sehr  verdienstlich ­
  ist  die  Arbeit  von  Henry  Clarke  Warren,  Buddhism
in  Translations.  Cambridge,  Mass.  1896.
Für  den  nördlichen  Buddhismus  hat  die  Bahn  gebrochen  Eugene
Burnouf,  Introduction  a  l’histoire  du  Buddhisme  Indien.
Paris  1844;  2.  Auflage  Paris  1876  (Neuabdruck).  Grundlegend
war  ferner  das  Buch  von  W.  Wassiljew,  Der  Buddhismus,
seine  Dogmen,  Geschichte  und  Literatur.  1.  Teil:  Allgemeine
Übersicht.  Aus  dem  Russischen  übersetzt,  St.  Petersburg  1860.
Ferner  sind  zu  nennen:  I.  Minayeff,  Reoherohss  sur  le  Bouddhisme
  (1887),  traduetion  franyai.se  par  M.  .Ässier  de  Pompignan.
  Paris  1894,  Louis  de  la  Yallee  Poussin,  Bouddhisme.
  Etudes  et  materiaux.  London  1898,  und  D.  T.  Suzuki,
Outlines  of  Mahäyäna  Buddhism.  London  1907.  Die  Kenntnis
des  Lamaismus  fördern  die  reich  mit  Abbildungen  versehenen
Werke  von  L.  Austine  Waddell,  The  Buddhism  of  Tibet  pr
Lamaism.  London  1895,  und  Albert  Grünwedel,  Mythologie
des  Buddhismus  in  Tibet  und  der  Mongolei.  Leipzig  1900.
Für  das  Verständnis  der  Philosophie  des  Buddhismus  sind
wichtig:  Richard  Garbe,  Die  Samkhya-Philosophie.  Leipzig
1894,  und  Samkhya  und  Yoga.  Straßburg  1896  (—  Grundriß
der  indo-arischen  Philologie  und  Altertumskunde.  III.  Band,
4.  Heft).  Ferner  Mrs.  Rhys  Davids,  Buddhist  Manual  of
Psychological  Ethics.  London  1900,  und  Max  Walleser,  Die
philosophische  Grundlage  des  älteren  Buddhismus.  Heidelberg  1904.
Die  Geschichte  der  buddhistischen  Dogmatik  behandelt  L.  de  la
        <pb n="133" />
        Literatur.

123

Vallee  Poussin,  Bouddhisme,  Opinions  sur  l’histoire  de  la  dogmatique.
  Paris  1909.
Über  buddhistische  Einflüsse  auf  neutestamentliche  Schriften
vergleiche  man  Rudolf  Seydel,  Das  Evangelium  Jesu  in  seinen
Verhältnissen  zur  Buddha-Sage  und  Buddha-Lehre.  Leipzig  1882,
und  Die  Buddha-Legende  und  das  Leben  Jesu  nach  den  Evangelien. ­
  Leipzig  1884;  2.  Auflage  1897;  G.  A.  van  den  Bergh
van  Eysinga,  Indische  Einflüsse  auf  evangelische  Erzählungen.
Göttingen  1904;  2.  Auflage  1909;  Albert  I.  Edmunds,  Buddhist ­
  and  Christian  Gospels.  Fourth  Edition.  2  Vols.  Philadelphia ­
  1908.  1909,  und  die  Kritik  der  dritten  Auflage  dieses
Buches  von  Bouis  de  la  Vallee  Poussin,  Ee  bouddhisme  et
les  evangiles  canoniques,  in  der  Revue  biblique,  Nouv.  Serie.
Tome  III,  p.  353  ff.
Zur  Kenntnis  der  Zeitverhältnisse  beachte  man:  Richard  Fick,
Die  soziale  Gliederung  im  nordöstlichen  Indien  zu  Buddhas  Zeit.
Kiel  1897;  T.  W.  Rhys  Davids,  Buddhist  India.  London
1903.  Über  Asoka  Priyadarsin  Handeln:  Vincent  A.  Smith,
Asoka,  the  Buddhist  Emperor  of  India.  Oxford  1901  (Eulers
of  India),  und  Edmund  Hardy,  König  Asoka.  Mainz  1902
(Weltgeschichte  in  Charakterbildern).  Im  allgemeinen  ist  zu
nennen:  Vincent  A.  Smith,  The  Early  History  of  India  from
600  B.  C.  to  the  Muhammadan  Conquest.  Oxford  1904;  2.  Auflage ­
  1908.
        <pb n="134" />
        Register.
Von  Wilhelm  Printz.
Ein  *  bezeichnet  philosophische  und  religiöse  Termini.

Addidkaioma-pitaka  6.  100.
Abstinenz  86.
*Aliamkära  68.
Ajätaäatru  10.  12.  34.  42,  99.
Ajivika-©e!te  40.  67.
Änanda  33f.  37.  42  f.  77.  98  s.
Anäthapindika  36.
Anuruddha  33  f.
*Arhat  91.
Asita-devala  17.  19.
Askese  verworfen  28.  49.
Asoka  5.  67.  81  ff.  94.  102.
Asvaghosa  18.  104.
Atheismus  irrig  zugeschr.  51  f.
^Atroau  13.
Autoritätsglaube  bekämpft  51.
^Avalokitssvara  95.
*Avidyä  66.
Bädaräyana  14.  48.
Barlaam  u.  Josaphat  120.
Benares,  Predigt  v.  27  f.  63.65.  75.
Bcttcltopf  112.
Bimbisära  10.  31.  34.
*Bodhisattva  58.  92.
*Brahman  13.  77.
Buddhas,  unzählige  94.
*Buddhi  65.  67.
China  18.  106,
Chines.  Pilger  1.  16.
Christentum  4.  17,  76.

Bevadatta  10.  33  ff.  78.
Dhammapada  23.  26.  40.  48.  61
72.  80.  83.  85.
Dhammikasutta  81.  83,  85  f.
Erlösung  72  ff.
Fabelwanderung  19.  59.
Forsten  106.
Frauenverachtung  38.  50.
Gätbä-Dialekt  8.  17.
Gautama  15.
Gaja  1.  22.
Gayäsiisa,  Predigt  v.  30.  76.
Gebetsrüder  119.
Gleichnisse  41.  55  ff.  69  ff.
Hetären  12.
Hlnayäna  104.
Individuum"  68.
Itivuttaka  76.
Jaina  14.
Jätaka  17.  58  f.
Jetavana  36.
*Jlyanmukti  73.
Kauiska  18.  103f.
Kantb  aka  21.
Kapiia  14.  22.  48.  62.
        <pb n="135" />
        Register

125

Kapilavastu  15.  33.
*Karman  13.  65f.
Kasten  46.
Käkyapa  5.  99,
Kathävatthu  6.  103.
^Kausalnexus  64.
*Khaiidha  69.
Kisägotami  54.  71,
Kleiderlrachten  Hl.
„^Kleinodien,  drei"  76.
Lokäliyasntta  86.
Konzile  5f.  99ff.
^Körper,  grober  u.  seiner  65.
Xrsi-bharadyäga  41.
LuÄnagara  5.  11.  77.
Laien  39.  76.
Lalitavistara  17.
Lamaismus  106.
Licchavi  11  f.
Lumbini  15.  17.
Magadha  6.  10.  22.
Mägadhi  10.  100.
Mahäparinibbänasutta  24.  42.  59.
Mahäprajäpati  1.  16.  37.
Mahävagga  24.
Mahäyastu  17.
Mahäyäna  94s.  104.
*  Mai  tri  76  ff.  80.
Malla  11.  77.  118.
Manichäer  18  f.
Mara  24  f.
Mandgalyäyana  31.  52.  84.
Mäyä  15.  19.
Metaphysik,  indifferent  gegen  50  s.
MUindapanha  69.
Missionstätigkeit  103.
Mönchsweihen  107.
Mülasarvästiyädin-SeEte  8.
Nächstenliebe  76  ff.  80.
Nägärjuna  104.
*Nämarüpa  68.

Nidänakathä  17.
*Niryäna  24,  28.  38.  66.  72.
Nonnen  38.  115  f.
Om  mani  padme  hum  95.  119.
Päli  6.
*Parinirväna  74.
Pätaliputra(Eßatna)  6.10.  42.  102.
Pataiijali  21,  49.  62.
Piprävä  44,
*Prätimoksa  97.
*Pratyekabuddha  91  f.
*Praväranä  117.
*Pravrajyä  107.
Rähula  8.  16.  20,  33.
Räjagrha  5  s.  10.  31.  99.
Rosenkranz  119.
Säkya  11.  15.  17.  33.
Sakyamxmi  11.
Sämkhya  14.  22.  29.  48.  62.
65  ff.  75.
*Samsära  68.
*Samskära  65.
Säriputra  31.  72.
Schopenhauer  4.  62.
Seele,  Existenz  d.  71.
Sekten  5  s.  35.  41.  98.
Siddhärtha  16.
Sittenkodex  88.
*Skandha  69.
Örävasti  10.  36.
*Sthavira  47.  99.
Stüpa  44.  118.
Suddhodana  15.  17.  19.  33.  37.
Suttanipäta  17.  41.  48f.  72s.
78.  81  ff.
Sutta-pitaka  6.  100.
Svastika  45.
Tantra-Seljie  105.
‘Tathägata  32.
        <pb n="136" />
        126

Reg  ister.

*Thera  47.  99.
Theragäthä  33.  72.  90.
Therlgäthä  12.  71.
Tierschonung  81  f.
Tisya  Maudgaliputra  6.  102  f.
Toleranz  82.
Tripitaka  6.
*Trsnä  63.  74.
Turkestan  8.  18.
Upäli  33  f.  99.
*Upasampadä  107  f.
*Upavasatha-3:age  87.  116f.
*üpeksä  80.
Urnä,  Usnisa  93.
Uruvelä  22  f.  30.

Vattagämani  7.
j  Yedänta  48  f.
!  ^Versenkung,  religiöse  89.
Vibhajyavädm-Sdte  6.
*Yijnäna  67.  69.
j  Yinaya-pitaka  6.  100.
Yisäkhä  39.
Wahrheiten,  vier  edle"  61s.
„^Weg,  achtgliedriger"  61  f.
„"Wege,  vier"  90.
j  Weltperioden  93.
Yäsuavalkya  13.
Yoga  22.  49.  62.  65.  75.  90.  105
j  Zölibat  85.

Berichtigungen.
S.  8,  Z.  24  lies:  Rähula.
S.  105,  Z.  13  lies:  Nepal.
viU-I
        <pb n="137" />
        Verlag  von  B.  G.  Teubner  in  Leipzig  und  Berlin,

Die  hellenistischen  Mysterienreligionen,  ihre  Grundgedanken  und
Wirkungen.  Von  R.  Heitren  stein.  [IV  u.  222  S.]  8.  1910.  Geh.
M.  4.—,  geb  M  4.80
Das  Buch,  möchte  eine  Ergänzung  zu  A.  Dieterichs  „Mithrasliturgie“  bieten.  Ausgehend ­
  von  der  Tatsache,  daß  Paulus  die  Scheidung  der  Menschen  in  Pneumatiker  und
Psychiker  den  hellenistischen  Mysterienreligionen  entnommen  hat,  andrerseits  der  Beobachtung, ­
  daß  wir  die  theologischen  Abschnitte  des  XI.  Buches  der  Metamorphosen  des
Apuleius  nur  ins  Griechische  zurück  zu  übertragen  brauchen,  um  die  Grundbegriffe  und
technischen  Worte  auch  zahlreicher  anderer  Mysterien  in  ihrem  ursprünglichen  Zusammenhang ­
  wiederzufinden,  hebt  es  einerseits  die  Grundvorstellung  schärfer  hervor,  aus  der  die
dort  erklärten  Kulturgebräuche  und  Bilder  hervor  wachsen,  andererseits  schildert  es  die
Verinnerlichung  der  Mysterien  von  der  rohen  Zauberhandlung  zur  schriftlichen  Darstellungrein
  seelischer  Erlebnisse.  Sodann  weist  der  Verfasser  die  Bedeutung  des  hellenistischen,
der  Mysterienfrömmigkeit  entlehnten  Elementes  neben  dem  jüdischen  in  der  Theologie
des  Apostels  Paulus  nach  und  zeigt  an  einzelnen  Beispielen,  was  die  Wortgeschichte  zum
Verständnis  des  Werdeganges  des  Apostels  beitragen  kann.  Endlich  bietet  er  noch
philologische  Beiträge  zur  Beantwortung  der  Frage  nach  dem  Wesen  des  christlichen
Gnostizimus.
Die  Mysterien  des  Mithra.  Ein  Beitrag  znr  Religionsgeschiohte  der
römischen  Kaiserzeit.  Von  Franz  Cumont.  Autorisierte  deutsche
Übersetzung  von  Georg  Gehrich.  Mit  9  Abbildungen  im  Text  und
auf  2  Tafeln,  sowie  1  Karte.  2.  Auflage.  [XVI  u.  176  S.]  gr.  8.  1910.
Geh.  M.  5.—,  geb  M.  5.60.
Cumonts  umfassende  Forschungen  über  den  Kultus  des  iranischen  Lichtgottes
Mithra,  welcher  im  Gewände  der  antiken  Mysterien  seit  dem  Anfange  unserer  Zeitrechnung
auch  im  Abendlande  zahlreiche  Anhänger  gewann  und  als  mächtiger  Nebenbuhler  des
Christentums  mit  diesem  um  die  Weltherrschaft  rang,  gehören  nach  dem  Urteil  maßgebender ­
  Fachgenossen  zu  dem  Bedeutendsten,  was  in  jüngster  Zeit  auf  dem  Gebiete  der
Religionsgeschichte  des  Altertums  geleistet  worden  ist.  Das  vorliegende  Buch  faßt  die
wesentlichen  Ergebnisse  dieser  Forschungen  in  knapper,  aber  fließender  Darstellung  zusammen, ­
  ohne  den  Leser  durch  viel  gelehrtes  Beiwerk  zu  ermüden.

Die  orientalischen  Religionen  im  römischen  Heidentum.  Von  Franz
Cumont.  Autorisierte  deutsche  Ausgabe  von  Georg  Gehrich.  [XXIV
u,  844  S.]  gr.  8.  1910.  Geh.  M.  5.—,  geb..  .......  M  6.—
„Das  Werk  eines  Meisters  über  eine  Reihe  brennender  Fragen  zu  lesen,  ist  immer
eine  Freude.  Die  Freude  wird  dem  zuteil,  der  sich  in  die  vorliegende  Schrift  Cumonts
vertieft.  .  .  .  Bei  Cumonts  religionsgeschichtlicher  Darstellung  hat  man  das  angenehme
Bewußtsein,  eine  Stoffauswahl  zu  erhalten,  die  nicht  im  Dienste  einer  bestimmten  religionsgeschichtlichen ­
  Gesamtanschauung  steht.  Gerade  darum  ist  Cumont  ein  guter  Wegweiser
für  den,  der  das  Verhältnis  des  Urchristentums  zu  seiner  religiösen  Umwelt  verstehen
will.  .  .  .  Cumonts  Werk  liefert  zur  geschichtlichen  Erklärung  des  Neuen  Testamentes
Beiträge.  Es  kann  deshalb  den  Theologen  warm  empfohlen  werden.“
(Theolog.  Literaturblatt.)
Jesus  im  Urteil  der  Jalirhunderte.  Die  bedeutendsten  Auffassungen
Jesu  in  Theologie,  Philosophie,  Literatur  und  Kunst  bis  zur  Gegenwart.
Herausgegeben  von  Lic.  theol.  Gustav  Pfaimmülicr.  Mit  Buchschmuck
und  15  Kunstbeilagen.  [VI  u.  578  S.]  gr.  8.  1908.  Geb.  .  M  5.—
„Es  ist  ein  ganz  eigenartiger  Genuß,  dieses  Buch  zu  durchblättern  und  die  mannigfachen ­
  Formen  und  Farben  zu  bewundern,  in  denen  sich  die  Person  Jesu  bis  heute  dargestellt ­
  hat,  von  denen  an,  die  es  wagen,  Jesu  religiösen  und  sittlichen  Charakter  zu
verdächtigen,  bis  zu  denen,  die  ihn  im  Überschwang  der  Begeisterung  an  Gottes  Stelle
setzen.  Ich  empfehle  Theologen  wie  Laien  das  Buch  warm  zu  fleißigem  Gebrauch.“
(Zeitschrift  für  Missionskunde  und  Religionswissenschaft.)
        <pb n="138" />
        Verlag  von  B.  G.  Teubner  in  Leipzig  und  Berlin.

DIE  KULTUR  DER  GEGENWART
IHRE  ENTWICKLUNG  UND  IHRE  ZIELE
HERAUSGEGEBEN  VON  PROF.  PAUL  HINNEBERG
Die  orientalischen  Religionen.  (Teil  I,  Abt,  3,  I.)  [YII  u.  267  S.]
Lex.-8,  1906.  Geh.  Jl  7,—,  geb  Jl  9.—
Inhalt:  Die  Anfänge  der  Religion  und  die  Religion  der  primitiven  Völker:  Ed.
Lehmann.  —  Die  ägyptische  Religion:  A.  Erman.  —  Die  asiatischen  Religionen:
Die  babylonisch-assyrische  Religion:  C.  Bezold.  —  Die  indische  Religion  :  H.  Oldenberg.  —
Die  iranische  Religion:  H.  Oldenberg.  —  Die  Religion  des  Islams:  J.  Goldziher.  —  Der
Lamaismus:  A.  Grünwedel.  —  Die  Religionen  der  Chinesen:  J.  J.  M.  de  Groot.  —  Die
Religionen  der  Japaner,  a)  Der  Shintoismus:  K.  Florenz.  b)  Der  Buddhismus:  H.  Haas.
„.  ..  Diese  Darstellungen  der  orientalischen  Religionen  sind  ein  kostbares  Rüstzeug  für
jeden  Gebildeten,  der  an  dieser  religiösen  Bewegung  im  Geistesleben  der  modernen  Kulturmenschheit
  teilnimmt.  Sie  lehren  ihn,  seine  eigene  Religion  aufzufassen  als  etwas  allmählich ­
  Gewordenes  innerhalb  der  Gesamtentwicklung  des  menschlichen  Geistes,  sie  zeigen
ihm,  was  daran  menschlich  und  wandelbar,  was  göttlich  und  ewig  ist,  und  so  bewahren
sie  ihn  vor  jener  finsteren  Unduldsamkeit,  die  zuletzt  immer  auf  Unwissenheit  oder  dem
Bewußtsein  eigener  Schwäche  beruht.“  (Kölnische  Zeitung 1 .)
Die  orientalischen  Literaturen.  (Teil  I,  Abt.  7.)  [IX  u.  419  S.]
Lex.-8.  1906.  Geh.  JC.  10.—,  geb  M.  12.—
Inhalt:  Die  Anfänge  der  Literatur  und  die  Literatur  der  primitiven  Völker:
E.  Schmidt.  —  Die  ägyptische  Literatur:  A.  Erman.  —  Die  babylonisch-assyrische  Literatur:
C.  Bezold.  —  Die  israelitische  Literatur:  H.  Gunkel.  —  Die  aramäische  Literatur:  Th.
Nöldeke.  —  Die  äthiopische  Literatur:  Th.  Nöldeke.  —  Die  arabische  Literatur:  M.  J.
de  Goeje.  —  Die  indische  Literatur:  R.  Pischel.  —  Die  altpersische  Literatur:  K.  Geldner.
Die  mittelpersische  Literatur:  P.  Horn.  —  Die  neupersische  Literatur:  P,  Horn.  —  Die
türkische  Literatur;  P.  Horn.  —  Die  armenische  Literatur:  F.  N.  Finck.  —  Die  georgische
Literatur:  F.  N.  Finck.  —  Die  chinesische  Literatur:  W.  Grube.  —  Die  japanische  Literatur ­
  :  K.  Florenz.
„Vor  allem  interessieren  die  Kapitel  über  die  Ägypter,  die  Babylonier  und  die  Bibel,
das  alte  Persien  und  Indien,  zuletzt  die  über  China  und  Japan.  Immer  deutlicher  zeigt
es  sich,  daß  wir  uns  die  alten  Völker  in  regstem  Weohselverkehr  zu  denken  haben.  Ein
günstiges  Schicksal  hat  uns  die  Bibel  gegeben,  in  der  wir  den  Niederschlag  der  mannigfachen ­
  Strömungen  des  alten  Orients  erblicken  dürfen.  Hier  finden  wir  die  babylonischen
Mythen  von  der  Weltschöpfung,  von  Paradies  und  Sintflut,  die  babylonischen  Psalmen,
die  ägyptische  Prophetie,  Gnomik  und  Weltschmerzdichtung,  hier  —  im  Neuen  Testament
—  Parsismus  und  buddhistisch-brahmanische  Legende  (Krischna-Jesus),  alles  in  einer  gewissen ­
  Umgestaltung  und  in  Verschmelzung  mit  Originalem,  das  nun  erst  klar  ersichtlich ­
  ist.“  (Das  literarische  Echo.)
Allgemeine  Geschichte  der  Philosophie.  (Teil  I,  Abt.  5.)  |  VIII  u.
572  S.]  Lex.-8.  1909.  Geh.  Jl  12.—,  geb  M  —
Inhalt:  Einleitung.  Die  Anfänge  der  Philosophie  und  die  Philosophie  der  primitiven ­
  Völker:  W.  Wundt.  I.  Die  indische  Philosophie:  H.  Oldenberg.  II.  Die  islamische
und  die  jüdische  Philosophie:  J.  Goldziher.  III.  Die  chinesische  Philosophie:  W.  Grube.
IV.  Die  japanische  Philosophie:  T.  Inouye.  V.  Die  europäische  Philosophie  des  Altertums:
H.  v.  Arnim.  VI.  Die  europäische  Philosophie  des  Mittelalters:  C.  Bäumker.  VII.  Die
neuere  Philosophie:  W.  Windelband.
„Wer  sich  einen  Überblick  über  die  Gesamtgeschichte  der  Philosophie  im  Morgenund
  Abendland  von  den  ältesten  Zeiten  bis  zur  Gegenwart  verschaffen  will,  kann  jetzt
kaum  zu  einem  besseren  Buch  greifen  als  zu  der  'Allgemeinen  Geschichte  der  Philosophie'.
Eine  Reihe  namhafter  Gelehrter  hat  sich  zu  gemeinsamer  Arbeit  vereinigt,  und  so  ist  da«
Ganze  eine  unerschöpfliche  Quelle  gediegenster  Belehrung  und  reichster  Anregung  geworden.“ ­
  (Berliner  Tageblatt.)
        <pb n="139" />
        t

Hus  JMatur  und  ßeistcewelt.
Sammlung  wissenschaftlich  -  gemeinverständlicher
Darstellungen  aus  allen  Gebieten  des  Wissens.
Jeder  Band  ist  in  sich  abgeschlossen  und  einzeln  käuflich.

Jeder  Band  geh.  M.  I.—,  in  Leinwand  geb.  M.  1.25.

Übersicht  nach  Wissenschaften  geordnet.
Allgemeines  Vildungswefen.  Erziehung  u.  Unterricht.
Das  deutsche  Vildungswesen  in  seiner  geschichtlichen  Entwicklung,  von
weil.  Prof.  Dr.  Friedrich  Paulsen.  2.  Auflage.  Mit  einem  Geleitwort
von  Prof.  Dr.  w.  Münch  und  einem  Bildnis  paulfens.  (Bd.  100.)
Eins  unparteiische  Darstellung  der  Entwicklungsgeschichte  des  deutschen  Lildungswesens  nach
seinen  Isauptrichtlinisn,  zugleich  ein  Spiegelbild  deutscher  Rulturentwicklung.
Der  Leipziger  Student  von  1409—1909.  von  Dr.  Wilhelm  Bruchmüller.
  mit  25  Abbildungen.  (Bd.  273.)
Eine  zusammenfassende  tluliur-  und  Sittengeschichte  der  Leipziger  Studenten,
allgemeine  Pädagogik,  von  Prof.  Dr.  Th.  Ziegler.  3.  Aufl.  (Bd.  33.)
Behandelt  das  mit  der  große»  sozialen  Frage  unserer  seit  in  so  engem  Zusammenhang  stehende
Problem  der  Volkserziehung  in  praktischer,  selbständiger  weise  und  in  sittlich-sozialem  Geiste.
Experimentelle  Pädagogik  mit  besonderer  Rücksicht  aus  die  Erziehung
durch  die  Tat.  von  Dr.  w.  A.  Lay.  Mit  2  Abbildungen.  (Bd.  224.)
Behandelt  Gechsichte,  Aufgaben,  Wesen  und  Bedeutung  der  experimentellen  Pädagogik  und
ihrer  Zorschungsmethode.
Moderne  Erziehung  in  Haus  u.  Schule.  Von  Johannes  Tews.  (Bd.  159.)
Zeichnet  scharf  die  Schattenseiten  der  modernen  Erziehung  und  zeigt  Mittel  und  Wege  für  eine
allseitige  Durchdringung  des  Erzishungsproblcms.
Dis  höhere  Mädchenschule  in  Deutschland,  von  Oberlehrerin  Marie
Martin.  (Bd.  65.)
Bietet  aus  berufenster  Zeder  eine  Darstellung  der  Ziele,  der  historischen  Entwicklung,  der
heutigen  Gestalt  und  der  Zukunftsaufgaben  der  höheren  Mädchenschulen.
Dom  Hilfsschulwesen.  von  Rektor  Dr.  B.  Maennel.  (Bd.  73.)
Gibt  in  kurzen  Zügen  eine  Theorie  und  Praxis  der  yilfsschulpädagogik  nach  ihrem  gegenwärtigen ­
  Stand  und  zugleich  Richtlinien  für  ihre  künftige  Entwicklung.
Das  deutsche  Kortbildungsschulwesen.  von  Direktor  Dr.  Friedrich
Schilling.  (Bd.  256.)
Würdigt  die  gegenwärtige  Ausgestaltung  des  gesamten  (einschließlich  des  gewerblichen  und  kaufmännischen) ­
  Fortbildungsschulwesens  und  zeichnet  Richtlinien  für  einen  konsequenten  Weiterbau.
Die  Unabenhandarbeit  in  der  heutigen  Erziehung.  Von  Serninar-Dir.
Dr.  A.  pabst.  Mit  21  Abbildungen  und  1  Titelbild.  (Bd.  140.)
Gibt  einen  Überblick  über  die  Geschichte  des  Rnabenhandarbeitsunterrichir,  untersucht  seine
Stellung  im  Lichte  der  modernen  pädagogischen  Strömungen  sowie  seinen  wert  als  Erziehungsmittel ­
  und  erörtert  sodann  die  Art  des  Betriebes  in  den  verschiedenen  Schulen  und  Ländern.
Geschichte  des  deutschen  Schulwesens,  von  Oberrealschuldireltor
Dr.  Rarl  Rnabe.  (Bd.  35.)
Eine  übersichtliche  Darstellung  der  Entwicklungsgeschichte  des  deutschen  Schulwesens  von  seinen
Knsängen  an  bis  zum  nationalen  Humanismus  der  Gegenwart.
        <pb n="140" />
        Llus  Natur  und  Geisteswelt.
Jeder  Band  geheftet  M.  I.—,  in  Leinwand  gebunden  M.  1.25.

2

Das  deutsche  Unterrichtswese«  der  Gegenwart,  von  Gberrealschuldirektor
  vr.  Karl  Knabe.  (Bd.  299.)
Bietei  einen  anregenden  Überblick  über  das  Gesamtgebiet  des  gegenwärtigen  deutschen  Unter»
richtswesens.
Das  moderne  Volksbildungswesen.  Bücher-  und  Lesehallen,  Volkshochschulen ­
  und  verwandte  Bildungseinrichtungen  in  den  wichtigsten  Kulturländern ­
  in  ihrer  Entwicklung  seit  der  Mitte  des  neunzehnten  Jahrhunderts,
von  Ltadtbibliothekar  vr.  Gottlieb  Fritz.  Mit  l4  Abbildungen.  (Ld.266.)
Gibt  einen  zusammenfassenden  Überblick  über  das  für  den  Aufschwung  des  geistigen  Lebens
der  modernen  liulturoölker  so  wichtige  Volksbildungswesen.
Schulkämpfe  der  Gegenwart,  von  Johannes  Tews.  (Bd.  HI.)
Stellt  die  Probleme  dar,  um  dis  es  sich  bei  der  Reorganisation  der  Volksschulen  handelt,  deren
Stellung  zu  Staat  und  Kirche,  Abhängigkeit  vom  Zeitgeist  und  Wichtigkeit  für  die  kjsrausgesialtung
  einer  volksfrsundlichen  Sesamtkultur  scharf  beleuchtet  werden.
Deutsches  Ringen  nach  Kraft  und  Schönheit.  Aus  den  literarischen
Zeugnissen  eines  Jahrhunderts  gesammelt,  von  Turninspektor  llarl  Möller.
2n  2  Länden.
Band  1:  von  Schiller  bis  Lange,  (Bd.  188.)  Sand  II:  2n  Vorbereitung.
Lins  feinsinnige  Auslese  von  Aussprüchen  und  Aufsätzen  unserer  führenden  Leister  über  eine
allseitig  harmonische  Ausbildung  von  Leib  und  Seeie.
Schulhygiene,  von  Prof.  vr.  Leo  Burgerstein.  2.  Auflage.  Mit
33  Figuren.  (Bd.  96.)
(Ein  alle  in  Betracht  kommenden  fragen  gleichmäßig  berücksichtigendes  Gesamtbild  der  modernen
Schulhygiene.
Jugend-Fürsorge.  von  Waifenhaus-Direktor  vr.  Johannes  petersen.
2  Bände.  (öd.  161.  162.)
Sand  I:  vie  ösfentliche  Fürsorge  für  die  hilfsbedürftige  Jugend.  (vd.  kbk.)
Land  I!:  vie  öffentliche  Fürsorge  für  die  sittlich  gefährdete  und  die  gewerblich  tätige  Jugend.
(öd.  162.)
Behandelt  das  gesamte  öffentliche  Fürforgewefen,  dessen  Vorzüge  und  Mängel  sowie  die  Möglichkeit ­
  der  Reform.
Die  amerikanische  Universität.  vonLb.v.  Edward  Velavanperry.
Mit  22  Abbildungen.  (Bd.  286.)
Schildert  die  Entwicklung  des  gelehrten  Unterrichts  in  Nordamerika,  belehrt  über  das  dortige
innere  und  äußere  akademische  Leben  und  bietet  interessante  vergleiche  zwischen  deutschem  und
amerikanischem  Hochschulwesen.
Lechnische  ksochschulen  in  Nordamerika,  von  Prof.  Siegmund  Müller.
Mit  zahlreichen  Abbildungen,  Karte  und  Lageplan.  (Bd.  198.)
Schildert,  von  lehrreichen  Abbildungen  unterstützt,  die  Einrichtungen  und  den  Unterrichtsbetrieb
der  amerikanischen  technischen  Hochschulen  in  ihrer  Eigenart.
Volksschule  und  Lehrerbildung  der  Vereinigten  Staaten  in  ihren
hervortretenden  Zügen,  von  Direktor  vr.  Franz  Küppers.  Mit  49  Abbildungen. ­
  (Bd.  158.)
Schildert  anschaulich  das  amerikanische  Schulwesen  vom  Kindergarten  bis  zur  Hochschule,  überall
das  wesentliche  der  amerikanischen  Erzlehungsweise  (die  stete  Erziehung  zum  Leben,  das  Wecken
des  Betätigungstriebes,  das  Eindrängen  auf  praktische  Verwertung  usw.)  hervorhebend.
Pestalozzi.  Lein  Leben  und  seine  Ideen.  von  Prof.  vr.  Paul  Natorp.
Mit  einem  Bildnis  und  einem  Brieffaksimile.  (Bd.  258.)
Sucht  durch  systematische  Darstellung  der  Prinzipien  Pestalozzis  und  Ihrer  Durchführung  eine
von  feiner  zeitlichen  Bedingtheit  losgelöste  Würdigung  des  Pädagogen  anzubahnen.
        <pb n="141" />
        ctus  Natur  und  Geistesrvelt.
Jeder  Bank»  geheftet  M.  I.—,  in  Leinwand  gebunden  M.  1.25.

S

1

kserbarts  Lehren  und  Leben,  von  Pastor  G.  Flügel.  Mit  einem
Bildnisse  Herbarts.  (Bd.  164.)
Sucht  durch  liebevolle  Vorstellung  von  Ijerbaris  werden  und  Lehre  seine  durch  eigenartige
Terminologie  und  Deduktionsweise  schwer  verständlich-  Philosophie  und  Pädagogik  weiteren
Rreisen  zugänglich  zu  machen.
Friedrich  Fröbel.  Sein  Leben  und  sein  Wirken,  von  Adele  von
Portugal!.  Mit  5  Tafeln.  (Bd.  82.)
Lehrt  die  grundlegenden  Gedanken  der  Methode  Fröbels  kennen  und  gibt  einen  Überblick  seiner
wichtigsten  Schriften  mit  Betonung  aller  jener  Rernaussprüche,  die  treuen  und  oft  ratlosen
Müttern  als  Wegweiser  in  Ausübung  ihres  hehrsten  und  heiligsten  Berufes  dienen  können.
hierzu  siehe  ferner:
Gaupp,  Psychologie  des  Rindes  s.  6.  hensel,  Rousseau  S.  5.  Sander,  Die  Leibesübungen ­
  S.  18.
Religionswissenschaft.
Leben  und  Lehre  des  Buddha,  von  Prof.  Dr.  Richard  pifchel.
Mit  I  Tafel.  (Bö.  T09.)
Gibt  eine  wissenschaftlich  begründete,  durchaus  objektive  Darstellung  des  Lebens  des  Buddha,
seiner  Stellung  zu  Staat  und  Rirche,  seiner  Lehrweise  und  Lehre  sowie  der  weiteren  Entwicklung
des  Buddhismus.
Mystik  im  Heidentum  und  Christentum,  vonvr.  EdvinLehmann.  (Bd.217.)
verfolgt  die  Erscheinungen  der  Mystik  von  der  niedrigsten  Stufe  durch  die  orientalischen
Religionen  bis  zu  den  mystischen  Phänomenen  in  den  christlichen  Riechen  aller  Seiten.
Palästina  und  seine  Geschichte.  Von  Prof.  Dr.  Hermann  Freiherr  von
Soden.  2.  Auflage.  Mit  2  Karten,  1  Plan  von  Jerusalem  und  6  Ansichten
des  heiligen  Landes.  (Bd.  6.)
Ein  Bild,  nicht  nur  des  Landes  selbst,  sondern  auch  alles  dessen,  was  aus  ihm  hervor-  oder
über  es  hingegangen  ist  im  Laufe  der  Jahrhunderte,  in  deren  Verlauf  die  Patriarchen  Israels
und  die  Ureuzfahrcr,  David  und  Christus,  die  alten  Assyrer  und  die  Scharen  Mohammeds
einander  ablösten.
Palästina  und  seine  Kultur  in  fünf  Jahrtausenden.  Nach  den  neuesten
Ausgrabungen  und  Forschungen,  von  Gqmnasialoberlehrer  Dr.  Peter
Thomsen.  Mit  36  Abbildungen.  (Bd.  266.)
will,  indem  es  die  wichtigste»  bis  in  das  4.  Jahrtausend  vor  Ehristi  zurückreichenden  Ergebnisse ­
  der  neuesten  Ausgrabungen  in  Palästina  zum  ersten  Male  gemeinverständlich  darstellt,
zugleich  ein  Führer  sein  zu  neuem  und  tieserem  Eindringen  in  die  geschichtlichen  Grundlagen
unserer  Religion.
Die  Grundzüge  der  israelitischen  Religionsgeschichte.  von  Prof.
Dr.  Friedrich  Giesebrecht.  2.  Auflage.  (Bd.  52.)
Schildert,  wie  Israels  Religion  entlieht,  wie  sie  die  nationale  Schale  sprengt,  um  in  den
Propheten  die  Ausätze  einer  Menschyeitsreligion  auszubilden,  und  wie  auch  diese  neue  Religion
sich  verpuppt  in  die  Formen  eines  Priesterstaats.
Die  Gleichnisse  Jesu.  Zugleich  Anleitung  zu  einem  quellenmäßigen
Verständnis  der  Evangelien,  von  Lic.  Prof.  Dr.  Heinrich  Weinet
2.  Auflage.  (Bd.  46.)
will  gegenüber  kirchlicher  und  nichtkirchlicher  Allsgorisierung  der  Gleichnisse  Jesu  mit  ihrer
richtigen,  wörtlichen  Auffassung  bekannt  machen  und  verbindet  damit  eine  Einführung  in  die
Arbeit  der  modernen  Theologie.
Wahrheit  und  Dichtung  im  Leben  Jesu.  von  Pfarrer  D.  Paul
Mehlhorn.  (Bd.  187.)
will  zeigen,  was  von  dem  im  Reuen  Testament  uus  überlieferten  Leben  Jesu  als  geschichtlich
beglaubigter  Tatbestand  festzuhalten  und  was  als  Sage  oder  Dichtung  zu  betrachten  ist.
        <pb n="142" />
        Aus  Natur  und  Geisteswelt.
Jeder  Band  geheftet  M.  !.—,  in  Leinwand  gebunden  M.  1.28.

4

Jesus  und  seine  Zeitgenossen.  Geschichtliches  und  Erbauliches,  von
Pastor  Carl  Bonhoff.  (Bd.89.)
Sucht  der  ganzen  Fülle  und  Eigenart  der  Persönlichkeit  Jesu  gerecht  zu  werden,  indem  es  ihn
in  seinem  Verkehr  mit  den  ihn  umgebenden  INenschsngsstaltsn,  Volks-  und  Parteigruppen  zu
verstehen  sucht.
Der  Text  des  Neuen  Testamentes  nach  seiner  geschichtlichen
Entwicklung,  von  Viv.-Pfarrer  Rugust  Pott.  Mit  8  Tafeln,  (öd.  134.)
will  die  Frage:  „2st  der  ursprüngliche  Text  des  Neue»  Testamentes  überhaupt  noch  herzustellen?" ­
  durch  eins  Darstellung  seiner  Entwicklung  von  der  ersten  schriftlichen  Fixierung  bis
zum  heutigen  „berichtigten"  Text  beantworten.
Christentum  und  Weltgeschichte,  von  Prof.  vr.  K.  Seil.  2  Bände.
(Bö.  297.  298.)
Zeigt  durch  eingehende  Charakterisierung  der  schöpferischen  Persönlichkeiten  die  Wechselbeziehungen
zwischen  Kulturentwicklung  und  Christentum  auf.
Aus  der  Werdezeit  des  Christentums.  Studien  und  Lharakteristiken.
Von  Prof.  Br.  Johannes  Geffcken.  2.  Auflage.  (Bd.  54.)
Ein  Bild  der  vielseitigen,  kultur-  und  religionsgeschichtlichen  Bedingtheiten,  unter  denen  die
werdezeit  des  Lhristsntums  steht.
Der  Apostel  Paulus  und  sein  Werk,  von  Prof.  vr.  Eberhard
Bischer.  (Bd.  389.)
Zeigt  durch  eingehende  Darstellung  von  Leben  und  Lehre  die  Persönlichkeit  des  Apostels  in
ihrer  zeitlichen  Bedingtheit  und  in  ihrer  bleibenden  weltgeschichtlichen  Bedeutung.
Luther  im  Lichte  der  neueren  Forschung.  Ein  kritischer  Bericht,  von  Prof,
vr.heinrich  Boehmer.  2.  Auflage.  Mit  2  Bildnissen  Luthers.  (80.113.)
Gibt  auf  kulturgeschichtlich  em  Hintergründe  eine  unparteiische,  Schwächen  und  Stärken  gleichmäßig ­
  beleuchtende  Darstellung  von  Luthers  Leben  und  wirken.
Johann  Laloin.  Vonpfarrer  vr.  G.  Sodeur.  Mit  1  Bildnis.  (Bd.247.)
Sucht  durch  eingehende  Darstellung  des  Lebens  und  Wirkens  sowie  der  Persönlichkeit  des  Genfer
Reformators,  sowie  der  Wirkungen,  welche  von  ihm  ausgingen,  Verständnis  für  seine  Größe
und  bleibende  Bedeutung  zu  wecken.
Die  Jesuiten.  Line  historische  Skizze,  von  Prof.  Vr.  Heinrich  Boehmer.
2.  vermehrte  Auflage.  '  (Bd.  49.)
Ein  Büchlein  nicht  für  oder  gegen,  sondern  über  die  Jesuiten,  also  der  versuch  einer
gerechten  Würdigung  des  vielgenannten  Drdens  nach  seiner  bleibenden  geschichtlichen  Bedeutung. ­

Die  religiösen  Strömungen  der  Gegenwart,  von  Superintendent
v.  August  Heinrich  Braasch.  2.  Auflage.  (Bd.  66.)
will  durch  eine  großzügige  historische  Übersicht  über  das  an  Richtungen  und  Problemen  so
reiche  religiöse  Leben  der  Gegenwart  den  innerlichsten  und  höchsten  Lobenswerten  gegenüber
einen  eigenen  Standpunkt  finden  helfen.
Dis  Stellung  der  Religion  im  Geistesleben,  von  Lic,  Dr.  Paul
Ralweit.  (Bö.  225.)
will  das  Verhältnis  der  Religion  zu  dem  übrigen  Geistesleben,  insbesondere  zu  Wissenschaft,
Sittlichkeit  und  Kunst  klarlegen,  indem  es  die  bedeutsamsten  Anschauungen  darüber  erörtert.
Religion  und  Naturwissenschaft  in  Kampf  und  Frieden.  Ein  geschichtlicher ­
  Rückblick,  von  Dr.  August  pfannknche.  (Bd.  141.)
will  durch  geschichtliche  Darstellung  der  Beziehungen  beider  Gebiete  eine  vorurteilsfreie  Beurteilung ­
  des  heiß  umstrittenen  Problems  ermöglichen.
hierzu  siehe  ferner:
von  Nsgolein,  Germanische  Mythologie  S.  io.
wachtler,  vis  Blütezeit  der  griechischen  Runst  im  Spiegel  der  Reliefsarkophags  §.  8.
        <pb n="143" />
        S

ctus  Natur  und  Geisteswelt.
Jeder  Band  geheftet  IR.  I.—,  in  Leinwand  gebunden  IR.  1.25.

Philosophie  und  Psychologie.

Einführung  in  die  Philosophie,  von  Prof.  Or.RaoulRichter.  2.6ufl.

(Bd.  155.)

Bietet  eine  anschauliche,  zugleich  wissenschaftlich-gründliche  Darstellung  der  philosophischen
Hauptprobleme  und  der  Richtungen  ihrer  Lösung,  insbesondere  des  Erkenntnisproblems,  und
nimmt  dabei,  nach  einer  vorherigen  Abgrenzung  des  Gebietes  der  Philosophie  und  Bestimmung
ihrer  Aufgabe,  zu  den  Standpunkten  des  Materialismus,  Spiritualismus,  Theismus  und  Pantheismus ­
  Stellung,  um  zum  Schluffe  die  fragen  der  Moral-  und  Religionsphilosophie  zu  beleuchten.
Die  Philosophie.  Einführung  in  die  Wissenschaft,  ihr  Wesen  und  ihre
Probleme,  von  Realschuldirektor  Hans  Richert.  (Bd.  186.)
Will  die  Stellung  der  Philosophie  im  Geistesleben  der  Gegenwart  beleuchte»,  ihre»  wert  als
Weltanschauung  sicher  stellen,  ihre  Grundprobleme  und  deren  Lösungsversuche  charakterisiere»
Und  in  die  philosophische  Literatur  einführen.
Führende  Denker.  Geschichtliche  Einleitung  in  die  Philosophie,  von
Prof.  Or.  Jonas  Lohn.  Mit  6  Bildnissen.  (Bd.  176.)
Will  durch  Geschichte  in  die  Philosophie  einführen,  indem  es  von  sechs  großen  Denkern,  Sokrates
und  Platon,  Descartes  und  Spinoza,  Rani  und  Lichte  das  für  die  Philosophie  dauernd  Bedeutende ­
  herauszuarbeiten  sucht  aus  der  Überzeugung,  daß  aus  der  Renntnis  der  Persönlichkeiten ­
  am  besten  das  Verständnis  für  ihre  Gedanken  zu  gewinnen  ist.
Die  Weltanschauungen  der  großen  Philosophen  der  Neuzeit,  von  weil.
Prof.  Dr.  Ludwig  Busse.  4.  Kuflage,  herausgegeben  von  Prof.  Or.  R.
Falckenberg.  (Bd.  56.)
Gine  sich  auf  die  Darstellung  der  großen  klassischen  Systeme  beschränkende,  aber  deren  beherrschende ­
  und  charakteristische  Grundgedanken  herausarbeitende  und  so  ein  klares  Gesamtbild
der  tn  ihm  cnthaktenen  Weltanschauungen  entwerfende  Einführung  in  die  neuere  Philosophie.
Die  Philosophie  der  Gegenwart  in  Deutschland.  Line  Lharakteristik  ihrer
Hauptrichtungen,  von  Prof.  Or.  Gswald  Rülpe.  4.  Ruflage.  (Bd.  41.)
Schildert  die  vier  ksauptrichtungeu  der  modernen  deutschen  Philosophie:  den  Positivismus,
Materialismus,  Naturalismus  und  Idealismus  unter  eingehender  Würdigung  der  bedeutendsten
Vertreter  der  verschiedenen  Richtungen.
Rousseau.  von  Prof.  vr.  Paul  hensel.  Mit  1  Bildnisse.  (Bd.  180.)
Stellt  Rousseau  als  Vorläufer  des  deutsche»  Idealismus,  seine  Lebensarbeit  als  unumgänglickfe
Voraussetzung  für  Goethe,  Schiller,  Herder,  Rank,  Lichte  dar.
Emmanuel  Uant.  Darstellung  und  Würdigung,  von  Pros.  vr.  Gswald
llülpe.  2.  Ruflage.  Mit  einem  Bildnisse  Rants.  (Bd.  146.)
Eine  Einführung  in  das  Verständnis  Kants  und  eine  Würdigung  seiner  Philosophie  in  ihrer
Unvergleichlichen  und  schier  unerichöpflichen  Kraft  der  Anregung,  wie  seiner  Persönlichkeit  in
ihrer  echten  in  sich  geschlossenen  Eigenart.
Schopenhauer-  Seine  Persönlichkeit,  seine  Lehre,  seine  Bedeutung.  Sechs
Vorträge  von  Realschuldirektor  Hans  Richert.  2.Ruflage.  Rlit  dem  Bildnis
Schopenhauers.  (Bd.  81.)
Gibt.  in  das  werden  dieses  großen  deutschen  Philosophen  und  Schriftstellers  mit  seine»  geschichtlichen ­
  Bedingungen  und  Nachwirkungen  einführend,  einen  zusammenfassenden  Überblick  über
das  Ganze  feines  Systems.
Herbert  Lpeneer.  von  Or.  Rarl  Schwarze.  Mit  Bildnis.  (Bd.  245.)
Tibi  eine  klar  gefaßte  Darstellung  des  Lebens  und  des  auf  dem  Entwicklmigsgedanken  aufgebauten ­
  Systems  Herbert  Spencers  nach  seinen  verschiedenen  Seiten,  nämlich  philosophische
Grundlegung,  Biologie,  Psychologie,  Soziologie  und  Ethik.
        <pb n="144" />
        stus  Natur  und  Geisteswelt.
Jeder  Rand  geheftet  M.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  HI.  1.25.

6

Das  Weltproblem  von  positivistischem  Standpunkte  aus.  von  Prof,
vr.  Josef  Petzoldt.  (Bd.  133.)
Sucht  die  Geschichte  des  Nachdenkens  über  die  Welt  als  eins  sinnvolle  Geschichi«  von  Irrtümern
psychologisch  verständlich  zu  machen  im  Dienste  der  von  Schuppe,  Ulach  und  Nvcnarius  vertretenen ­
  Anschauung,  daß  es  keine  Welt  an  sich,  sondern  nur  eine  Welt  für  uns  gibt.
Kufgaben  und  Kiele  des  Menschenlebens,  von  vr.  J.  Unold.
3.  Auflage.  (Bd.  12.)
Stellt  sich  in  den  Dienst  einer  nationalen  Erziehung,  indem  es  zuversichtlich  und  besonnen  eine
von  konfessionellen  Schranken  unabhängige,  wissenschaftlich  haltbare  Lebensanschauung  und
Lebensorünung  begründet  und  entwickelt.
Sittliche  Lebensanschauungen  der  Gegenwart,  von  Prof.  vr.  Otto
Kirn.  (Bö.  177.)
übt  verständnisvolle  Kritik  tm  den  Lebensanschauungen  des  Naturalismus,  des  Utilitarismus, ­
  des  Evolutionismus,  an  der  ästhetischen  Lebensauffassung,  um  dann
für  das  überlegene  Recht  des  sittlichen  Idealismus  einzutreten,  indem  er  dessen  folgerichtige ­
  Durchführung  in  der  christlichen  Weltanschauung  ausweist.
Die  Mechanik  des  Geisteslebens,  von  Prof.  vr.  Nlax  verwarn.
2.  Auflage.  Hlit  18  Figuren.  (Bd.  2VV.)
Schildert  vom  monistischen  Standpunkt  aus  die  modernen  kinschaunngci!  über  die  physiologische»
Grundlagen  der  Gehirnvorgänge.
Hypnotismus  und  Suggestion,  von  vr.  Ernst  Trömner.  (Bd.  19S.)
Listet  eine  rein  sachliche  Darstellung  der  Lehre  von  ksypnotismus  und  Suggestion  und  zeigt
deren  Einfluh  auf  die  wichtigsten  Kulturgebiete.
Psychologie  des  Rindes,  von  Prof.  vr.  Hob.  Gaupp.  Hlit  18  Abbildungen. ­
  (Bd.  213.)
Behandelt  dis  wichtigsten  Kapitel  aus  der  Kinderpsychologie  unter  Betonung  der  Bedeutung
des  psychologischen  Versuchs  für  die  Erkenntnis  der  Eigenart  geistiger  Tätigkeit  wie  der  individuellen ­
  Verschiedenheiten  im  Kindesalter.
Dis  Psychologie  des  Verbrechers.  Von  vr.  Paul  Poklitz,  Strafanftaltsdirektor.
  Mit  5  Diagrammen.  (Bd.  248.)
Gibt  sine  umfassende  Übersicht  und  psychologische  Knalqse  des  Verbrechens  als  Produkt  sozialer
und  wirtschastlicherverhältnisje,  defekter  geistigerNnlags  wiepersönlicher,  verbrechsrisch-rTendenz.
Die  Seele  des  Menschen,  von  Prof.  vr.  Joh.  Rehmke.  3.  kiufl.  (Bd.  36.)
Gibt  allgemeinverständlich  eine  eingehende  wissenschaftliche  Antwort  auf  die  Grundfrage:
„Was  ist'dis  Seels?"
Hierzu  siehe  ferner:
Lehmann,  Mystik  in  Heidentum  lind  Thristentum  §.  3.  pifchel,  Leben  und  Lehre  des
Buddha  s.  2.  zuigel,  Herbarts  Lehre  und  Leben  s.  3.  pfannlmche,  Naturwissenschaft
und  Religion  in  Kamps  und  Frieden  S.  4.  volbehr,  Sau  und  Leben  der  bildenden  Kunst  s.  8.
Mückle,  Geschichte  der  sozialistischen  Ideen  im  lS.  Jahrhundert  S.  14.

Literatur  und  Sprache.
Die  Sprachstämme  des  Erdkreises,  von  Prof.  vr.  Franz  Nikolaus
Sind  (Bd.  267  )
Gibt  einen  auf  den  Resultaten  moderner  Sprachforschung  aufgebauten,  umfassenden  Überblick
über  die  Sprachstämme  des  Erdkreises,  ihre  Verzweigungen  in  Etnzelsprachen  sowie  über  deren
gegenseitige  Zusammenhänge.
Die  Haupttypen  des  menschlichen  Sprachbaues,  von  Prof.  vr.
Franz  Nikolaus  Find  (Bd.  268.)
will  durch  Erklärung  je  eines  charakteristischen  Textes  aus  acht  Ifauptsprachtypsn  eilten  unmittelbaren ­
  Einblick  in  dis  Gesetze  der  menschlichen  Sprachbildung  geben.
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        ctus  Natur  und  Geisteswslt.
Jeder  Band  geheftet  M.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  DT.  1.25.

7

Schrift-  und  Buchwesen  in  alter  und  neuer  Zeit,  von  Prof.  vr.
CD.  ID  cif  e.  2.  Auflage.  Mit  37  Abbildungen.  (Bd.  4.)
verfolgt  Schrift-.  Brief-  und  Zeitungswessn,  Buchhandel  und  Bibliotheken  von  den  Bibliotheken
der  Babylonier  und  den  Zeitungen  im  alten  Rom  bis  zu  der  großartigen  Entwicklung  des
Schrift-  und  Buchwesens  feit  Erfindung  der  Buchdruckerkunst.
Wie  ein  Buch  entsteht,  von  Pros.  Arthur  lD.  Unger.  2.  Anklage.
Mit  7  Tafeln  und  26  Abbildungen.  (Bd.  175.)
Schildert  in  einer  durch  Abbildungen  und  Papier-  und  Illustrationsproben  unterstützten  Vorstellung ­
  Geschichte,  Herstellung  und  Vertrieb  des  Buches  unter  eingehender  Behandlung  sämtlicher
buchgewerbltcher  Techniken.
Entstehung  und  Entwicklung  unserer  Muttersprache,  von  Prof,
vr.  Wilhelm  Uhl.  Mit  vielen  Abbildungen  und  1  Karte.  (vd.  84.)
Eine  Zusammenfassung  der  Ergebnisse  der  sprachlich-wissenschaftlich  lautphysiologischen  wie  der
Philologisch-germanistischen  Forschung,  die  Ursprung  und  ülrgan.  Bau  und  Bildung,  andererseits
di«  Hauptperioden  der  Entwicklung  unserer  Muttersprache  zur  Darstellung  bringt.
Rhetorik,  von  vr.  Ewald  Geißler.  (vd.  310.)
Eine  zeitgemäß«  Rhetorik  für  den  Berufsredner  wie  für  jeden  nach  sprachlicher  Ausdrucksfähigkeit ­
  Strebenden.
Die  deutschen  Personennamen,  von  Direktor  A.Bähnisch.  (Bö.2%.)
Gibt  einen  vollständigen  historischen  Überblick  über  das  gesamte  Gebiet  der  deutschen  vor-  und
Familiennamen  und  erklärt  ihre  Entstehung  und  Bedeutung  nach  ihren  verschiedenen  Gattungen.
Das  deutsche  Volkslied,  über  Wesen  und  werden  des  deutschen  Volksgesanges. ­
  von  vr.  I.  w.  Bruinier.  3.  Auslage.  (Bd.  7.)
Eine  von  warmem  Empfinde»  getragene,  durch  reiche  Proben  belebte  Einführung  in  das  Verständnis ­
  des  Werdens  und  Wesens  des  deutsche»  vollsgesangss.
Die  deutsche  volkssage.  Übersichtlich  dargestellt,  von  vr.  Vtto  Böckel.
(vd.  262.)
Bietst  zum  erstenmal  eine  vollständige  Übersicht  über  die  reichen  Schätze  der  deutschen  volkssags.
  als  des  tiefverschüttetsn  Grundes  deutscher  Anschauungs-  und  Denkweise.
Schiller.  von  Prof.  vr.  Theobald  Ziegler.  Mit  dem  Bildnis  Schillers  von
Üügelgen  in  Heliogravüre.  2.  Auslage.  (Bd.  74.)
will  durch  eingehende  Analyse  der  Einzelwerks  in  das  Verständnis  von  Schillers  Leben  und
Gedankenwelt  einfuhren.
Friedrich  Hebbel,  von  vr.  Anna  Sch  apire-Neurath.  Mit  einem
Bildnis  Hebbels.  (Bd.  238.)
Gibt  eine  eindringende  Analyse  des  Werker  und  derwslianfchanung  des  großen  deutschen  Tragikers.
Eerhart  Hauptmann,  von  Pros.  vr.  &amp;lt;E.  Snlger-Gebing.  (Bd.  283.)
bucht  durch  eindringende  Analyse  des  Linzelwcrkes  in  die  Gedankenwelt  Gerhart  Haupt-Manns
  einzuführen.
Deutsche  Romantik,  von  Pros.  vr.  Gskar  §.  walzel.  (Bd.  232.)
Gibt  auf  Grund  der  modernen  Forschungen  ein  knappes,  lebendiges  Bild  jener  Eyachs.  deren
Wichtigkeit  für  unser  Bewußtsein  ständig  wächst,  und  die  an  Reichtum  der  Gefühle,  Gedanken
und  Erlebnisse  von  keiner  anderen  iibertrofsen  wird.
Das  deutsche  Drama  des  neunzehnten  Jahrhunderts.  In  seiner  Entwicklung ­
  dargestellt  von  Pros.  vr.  Georg  Witkowski.  3.  Auflage.  Mit
einem  Bildnis  Hebbels.  (Bd.  Sl.)
bucht  in  erster  Linie  auf  historischem  Wege  das  Verständnis  des  Dramas  der  Gegenwart  au-ZUbadnen
  und  bsrückstchtiot  die  drei  Faktoren,  b  reit  jeweilige  Beschaffenheit  die  Gestaltung
des  Dramas  bedingt:  Rimstanschauung,  Schauspielkunst  und  Publikum.
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        Kus  Natur  und  Geisteswelt.
Jeder  Band  geheftet  ITC.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  DT,  1.25.

J

Das  Drama.  Band  I.  von  der  Bntike  zum  französischen  Klassizismus,
von  Dr.  Bruno  Buffe.  Mit  3  Abbildungen.  (Bö.  287.)
verfolgt  die  Entwicklung  des  Dramas  von  den  primitiven  Anfängen  Uber  Altertum.  Mittelalter
und  Renaissance  bis  zum  französischen  Klassizismus.
Das  Theater.  Schauspielhaus  und  Schauspielkunst  vom  griech.  Bltertum  bis
auf  dis  Gegenwart,  von  Dr.  Christian  Gaehde.  Mit  20  Bbbild.  (Bd.  230.)
Eins  Geschichte  des  Theaters  vom  griechischen  Altertum  durch  Mittelalter  und  Renaissance  bis
auf  dis  Schauspielkunst  der  Gegenwart,  deren  verschiedene  Strömungen  in  ihren  historischen
und  psychologischen  Bedingungen  dargestellt  werden.
Geschichte  der  deutschen  Lyrik  seit  Claudius,  von  Dr.  Heinrich
Spiero.  (Bö.  254.)
Schildert  unter  liebevoller  Würdigung  der  größten  und  feinsten  Meister  des  Liedes  an  der  Hand
wohlgewühlter  Proben  die  Entwicklungsgeschichte  der  deutschen  Lyrik.
Henrik  Ibsen,  Vjörnstjerne  Vjörnson  und  ihre  Zeitgenossen,  von
Prof.  Dr.  B.  ttahle.  Mit  7  Bildnissen.  (Bd.  193.)
Sucht  Entwicklung  und  Schaffen  Ibsens  und  Vjörnsons  sowie  der  bedeutendsten  jungen  norwegi
  chen  Dichter  auf  Grund  der  Veranlagung  und  Entwicklung  des  norwegischen  Volkes
verständlich  zu  machen  und  im  Zusammenhang  mit  den  kulturellen  Strömungen  der  zweiten
Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  darzustellen.
Shakespeare  und  seine  Zeit,  von  Prof.  Dr.  Ernst  Sieper.  Mit  3  Tafeln
und  3  Textbildern.  (Bd.  185.)
Schildert  Shakespeare  und  seine  Zeit,  seine  Vorgänger  und  eigenartige  Bühne,  seine  Persönlichkeit ­
  und  seine  Entwicklung  als  Mensch  und  Künstler  und  erörtert  die  vielumstrittene  Shake-Ipeare-Bacon-Lrage.

hierzu  siehe  ferner:
Gerber,  Die  Stimme  S.  ly.  Vas  Buchgewerbe  und  dis  Kultur  S.  II.
Bildende  Runst  und  Musik.
Bau  und  Leben  der  bildenden  Kunst,  von  Direktor  Dr.  Theodor
volbehr.  Mit  44  Bbbilüungen.  (Bd.  68.)
Führt  von  einem  neuen  Standpunkte  aus  in  das  Verständnis  des  Wesens  der  bildenden  Runst
ein,  erörtert  die  Grundlagen  der  menschlichen  Gestaltungskraft  und  zeigt,  wie  das  künstlerische
Interesse  sich  allmählich  weitere  und  immer  weitere  Stoffgebiete  erobert.
Die  Blütezeit  der  griechischen  Kunst  im  Spiegel  der  Reliefsarkophage.
Line  Einführung  in  die  griechische  Plastik,  von  Dr.  h.  Wachtler.  Mit
8  Tafeln  und  32  Bbbilüungen.  (Bd.  272.)
Gibt  an  der  ksaud  der  Entwicklung  des  griechische»  Sarkophags  eine  Liitwicklungsgeschichie  der
gesamten  griechischen  Plastik  in  ihrem  Zusammenhang  mit  Kultur  und  Religio».
Deutschs  Baukunst  im  Mittelalter,  von  Prof.  Dr.  Bdalbert  Matthaei.
2.  Bufiage.  Mit  29  Bbbildungen.  (Bd.  8.)
will  intt  der  Darstellung  der  Entwicklung  der  deutschen  Baukunst  des  Mittelalters  über
das  Wesen  der  Baukunst  aufklären,  indem  es  zeigt,  wie  sich  im  Verlauf  der  Entwicklung  die  Naumvorstellung
  klärt  und  vertieft,  wie  das  technische  Rönnen  wächst  und  die  praktischen  Aufgaben
sich  erweitern.
Die  deutsche  Illustration,  von  Prof.  Dr.  Rudolf  Kautzsch.  Mit
35  Bbbildungen.  (Bd.  44.)
Behandelt  ein  besonders  wichtiges  und  lehrreiches  Gebiet  der  Kunst  und  leistet  zugleich,
indem  es  au  der  Hand  der  Geschichte  das  Charakteristische  der  Illustration  als  Kunst  zu
erforschen  sucht,  ein  gut  Teil  „Kunsterziehung".
8
        <pb n="147" />
        ctus  Natur  und  Geisteswskt.
Jeder  Band  geheftet  M.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  ITC.  1.25.

S

Deutsche  Nunst  im  täglichen  Leben  bis  zum  Schluffe  des  18.  Jahrhunderts,
von  Prof.  Dr.  Berthold  haendcke.  Mit  63  Kbbildungen.  (Bd.  IS8.)
Zeigt  an  der  Hand  zahlreicher  Abbildungen,  wie  die  angewandte  Kunst  im  Laufe  der  Jahrhunderte
das  deutsche  Heim  in  Burg,  Schloß  und  Haus  behaglich  gemacht  und  geschmückt  hat,  wie  die
Gebrauchs-  und  Luxusgegenstände  des  täglichen  Lebens  entstanden  sind  und  sich  gewandelt  haben.
«brecht  Dürer,  von  Dr.  Rudolf  wustmann.  Mit  33  klbb.  (Bd.  97.)
Eine  schlicht-  Mid  knapp-  Erzählung  des  gewaltigen  nienschlichsn  und  küiistlsrischsn  Entwicklungsganges ­
  Albrecht  Dürers,  verbunden  mit  einer  eingehenden  Analyse  seiner  vorziiglichsten  Werke.
Rembrcrndt.  Von  Prof.  Dr.  Paul  Schubring.  Mit  50  klbb.  (Bd.  158.)
Eine  durch  zahlreiche  Abbildungen  unterstützte  lebensvolle  Darstellung  des  menschlichen  und
künstlerischen  Entwicklungsganges  R-nibrandts.
Ostasiatifche  Kunst  nnd  ihr  Einfluß  ans  Europa,  von  Direktor  Prof.
Dr.  Richard  Graul.  Mit  49  Abbildungen.  (Bd.  87.)
Bringt  unter  Mitteilung  eines  reichen  Bildermaterials  die  mehr  als  einmal  für  die  Entwicklung
der  Kunst  bedeutsame  Einwirkung  der  japanischen  und  chinesischen  Kunst  auf  die  europäische
zur  Darstellung.
Kunstpflege  in  Haus  und  Heimat,  von  Superintendent  Richard
Bürkner.  2.  Auflage.  Mit  29  Abbildungen.  (Bd.  77.)
Zeigt,  daß  gesunde  Uunstpflsge  ZN  wahrem  Nlenschentum  gehört,  und  wie  es  jedermann  tu  seine»
Verhältnissen  möglich  ist,  sie  zu  verwirklichen.
Geschichte  dev  Gartenkunst,  von  Reg.-Baumeister  Ehr.  Ranck.  Mit
41  Abbildungen.  (Bd.  274.)
Eine  Geschichte  des  Gartens  als  Kunstwerk,  vom  Altertum  bis  zu  den  modernen  Bestrebungen.
Geschichte  der  Musik.  Von  Dr.  Friedrich  Spiro.  (Bd.  143.)
Gibt  in  großen  Zügen  eine  übersichtliche,  äußerst  lebendig  gehaltene  Darstellung  van  der  Entwicklung ­
  der  Musik  vom  Altertum  bis  zur  Gegenwart  mit  besonderer  Berücksichtigung  der
führenden  Persönlichkeiten  und  der  großen  Strömungen.
Haydn»  Mozart,  Beethoven.  von  Prof.  Dr.  Carl  Krebs.  Mit  vier
Bildnissen  auf  Tafeln.  (Bd.  92.)
Eine  Darstellung  des  Entwicklungsganges  und  der  Bedeutung  eines  jeden  der  drei  großen  UomponUtsn
  sllr  die  Musikgeschichte.  Sie  gibt  mit  wenigen,  aber  scharfen  Striche»  ein  Bild  der  menschlichen ­
  Persönlichkeit  und  des  künstlerischen  Wesens  der  drei  Heroen  mit  h-rvorhcbniig  dessen,
was  ein  jeder  aus  seiner  Zeit  geschöpft  und  was  er  aus  Eignem  hinzugebracht  hat.
Die  Grundlagen  der  Tonkunst,  versuch  einer  genetischen  Darstellung
der  allgemeinen'Musiklehre.  von  Prof.  Dr.  Heinrich  Rietfch.  (Bd.  178.)
Tin  anschauliches  Entwicklung-bild  der  nmsikalischen  Erscheinungen,  des  Stoffes  der  Tonkunst,
wie  seiner  Bearbeitung  und  der  Musik  als  Tousprache.
Einführung  in  das  Wesen  der  Musik,  von  Prof.  Carl  N.  hennig.
(Bd.  119.)
Untersucht  das  Wesen  des  Tones  als  eine-  Runstmaierials,  prüft  di-  Natur  der  musikalischen
varstellnugsmittel  und  erörtert  die  Gbj-kt-  der  Darstellung,  indem  sie  klarlegt,  welch-  Ideen
im  musikalischen  Nunstwerke  gemäß  der  Natur  des  Tonmaterials  und  der  varstelluugsmittsl
Zur  Darstellung  gebracht  werden  können.
Die  Blütezeit  der  musikalischen  Romantik  in  Deutschland,  von  Dr.
Edgar  Istel.  Mit  einer  Silhouette  von  E.  T.  5l.  hoffmann.  (Bd.  239.)
Gibt  eine  erstmalige  Gesamtdarstellung  der  Epoche  Schuberts  und  Schumanns,  der  an  per,önlichkeiten,
  Schöpfungen  und  Anregungen  reichsten  der  deutschen  Mllsilgeschichte.
Das  moderne  Orchester,  von  Prof.  Dr.  Fritz  volbach.  Mit  Parliturbeispielen
  und  2  Instrumententabellen.  (Bd.  308.)
Gibt  zum  ersten  Mal  einen  Überblick  über  die  Entwicklungsgeschichte  der  Drchestrierung  vo:n
Altertum  bis  auf  Richard  Strauß.
        <pb n="148" />
        ctus  Natur  und  Geistesrvett.
Jeder  Band  geheftet  M.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  M.  1.28.

Geschichte  und  Kulturgeschichte.
Dke  Knfänge  der  menschlichen  Kultur.  von  Prof.  vr.  Ludwig
Stein.  (Bd.  93.)
Behandelt  als  Einführung  in  dis  ltuliurprobleme  der  Gegenwart  den  vorgeschichtlichen  Menschen,
die  Ansänge  der  Arbeitsteilung,  die  Anfänge  der  Raffenbildung  sowie  der  wirtschaftlichen,  intellektuellen, ­
  moralischen  und  sozialen  Kultur.
Kulturbilder  aus  griechischen  Städten,  von  Oberlehrer  vr.  Erich
Ziebarth.  Mit  22  Abbildungen  im  Text  und  auf  i  Tafel.  (Bd.  131.)
Sucht  auf  Grund  der  Ausgrabungen  und  der  inschriftlichen  Denkmäler  ein  anschauliches  Bild
von  dem  Aussehen  einer  altgriechische-l  Stadt  und  von  dem  städtischen  Leben  in  ihr  zu  entwerfen.
Pompeji,  eine  hellenistische  Stadt  in  Italien,  von  Hofrat  Prof.  vr.
Friedrich  v.  vuhn.  Mit  62  Abbildungen.  _  (Bb.  114.)
Sucht  an  dem  besonders  greifbaren  Beispiel  Pompejis  die  Übertragung  der  griechischen  Kultur
und  Bullst  nach  Italien,  ihr  werden  zur  Weltkultur  und  Weltkunst  verständlich  zu  machen.
Soziale  Kämpfe  im  alten  Rom.  von  Privatdozent  vr.  Leo  Bloch.
2.  Auflage.  (Bd.  22.)
Behandelt  die  Sozialgeschichte  Roms,  soweit  sie  mit  Rücksicht  auf  die  die  Gegenwart  bewegenden
Fragen  von  allgemeinem  Interesse  ist.
Byzantinische  Tharaktertöpfe.  von  Privatdozent  vr.  Rarl  Dieterich.
Mit  2  Bildnissen.  (Bd.  244.)
Bietet  durch  Tharakterisierung  markanter  Persönlichkeiten  eine»  Einblick  in  das  wirkliche  Wesen
des  gemeinhin  so  wenig  bekannten  und  doch  so  wichtigen  mittelalterlichen  Byzanz.
Germanische  Kultur  in  der  Urzeit,  von  Prof.  vr.  Georg  Steinhaufen.
2.  Auflage.  Mit  13  Abbildungen.  (Bd.  75.)
Beruht  auf  eingehender  Guelleufvrschung  und  gibt  in  fesselnder  Darstellung  einen  Überblick  über
germanisches  Leben  von  der  Urzeit  bis  zur  Berührung  der  Germanen  mit  der  römischen  Uultur.
Germanische  Mythologie.  von  vr.  Julius  v.  Negelein.  (Bd.  95.)
Gibt  ein  Bild  gerniauischen  Glanbenslebens,  indem  es  die  Äußerungen  religiösen  Lebens,
namentlich  auch  im  Kultus  und  in  den  Gebräuchen  des  Aberglaubens  aufsucht  und  sich  überall
bestrebt,  das  ihnen  zugrunde  liegende  psychologische  Motiv  aufzudecken.
Mittelalterliche  Kulturideals.  Band  I.  Heldenleben.  von  Prof.  vr.
v.  vedel.  (Bd.  292.)  ,
Zeichnet  auf  Grund  besonders  der  griechischen,  gerniauischen,  persischen  und  nordischen  Heldendichtung
  ein  Bild  des  heroischen  Kriegsrideals,  um  so  Verständnis  für  die  bleibende  Bedeutung
dieses  Ideals  für  die  Ausbildung  der  Uultur  der  Menschheit  zu  wecken.
Kulturgeschichte  des  deutschen  Bauernhauses.  von  Regierungsbaumeister ­
  a.  v.  Thristian  Ranck.  Mit  70  Abbildungen.  (Bd.  121.)
Gibt  eine  Entwicklungsgeschichte  des  deutschen  Bauernhauses  von  der  germanischen  Urzeit  über
Skandinavien  und  Mittelalter  bis  zur  Gegenwart.
Das  deutsche  Dorf,  von  Robert  mielke.  Mit  51  Abbild.  (Bd.  192.)
Schildert  die  Entwicklung  des  deutschen  Dorfes  von  den  Anfängen  dörflicher  Siedelungen  an  bis
in  die  Neuzeit,  kn  der  uns  ein  fast  wunderbares  Mosaik  ländlicher  Siedeln  ngstypen  entgegentritt.
Das  deutsche  Haus  und  sein  Hansrat.  von  Prof.  vr.  Rudolf  Meringer.
Mit  106  Abbildungen.  (Bd.  116.)
will  das  Interesse  an  dem  deutschen  Hause,  wie  SS  geworden  ist,  fördern,  indem  es  das  „herdhaus",
das  oberdeutsche  Haus,  die  Einrichtung,  der  für  dieses  charakteristischen  Stube,  den  Dfe",  den
Gisch,  das  Eßgerät  schildert  und  einen  Überblick  über  die  Herkunft  von  Haus  und  Hausrat  gibt.
Deutschs  Städte  und  Bürger  im  Mittelalter,  von  Prof.  vr.  B.  heil.
2.  Auflage.  Mit  zahlreichen  Abbildungen  und  1  voppeltafel.  (Bd.  43.)
Stellt  die  geschichtliche  Entwicklung  dar,  schildert  die  wirtschaftlichen,  sozialen  und  staatsrechtlichen ­
  Verhältnisse  und  gibt  ein  zusammenfassendes  Bild  von  der  äußeren  Erscheinung  und  dem
inneren  Leben  der  deutschen  Städte.

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        «US  Natur  und  Gersteswelt.
Jeder  Band  geheftet  TU.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  TU.  1.25.

«

Deutsche  Volksfeste  und  Volkssitten-  von  Hermann  $.  Rehm.  Mit
11  Abbildungen.  (Bö.  214.)
will  durch  die  Schilderung  der  wichtigsten  deutschen  Volksfeste  und  Brauche  Teilnahme  und
Verständnis  für  sie  als  Äußerungen  des  Seelenlebens  unseres  Volkes  neu  erwecken  und  beleben.
Historische  Städtebilder  aus  Holland  und  Niederdeutschland,  von
Negierungs-Baumeister  a.  D.  Albert  Erbe.  INit  59  Abbildungen.  (Bö.  117.)
will  dem  Sinn  für  die  Reize  der  alten  malerischen  Städtebilder  durch  eine  Schilderung  der
eigenartigen  Herrlichkeit  Alt-Hollands  wie  Niedsrdeutschlands,  ferner  Danzigs,  Lübecks,  Bremens
und  Hamburgs  nicht  nur  vom  rein  künstlerischen,  sondern  auch  vom  kulturgeschichtlichen  Standpunkt ­
  aus  entgegen  kommen.
Das  deutsche  Handwerk  in  seiner  kulturgeschichtlichen  Entwicklung,  von
Direktor  vr.  Eduard  Gtto.  3.  Auflage.  Mit  27  Abbildungen.  (Bö.  14.)
Line  Darstellung  der  Entwicklung  der  deutschen  Handwerks  bis  in  die  neueste  Zeit  und  der
.Handwerkerbewegungen  des  IS.  Jahrhunderts  wie  des  älteren  Handwerkslebcus,  seiner  Sitten,
Bräuche  und  Dichtung.
Deutsches  Zrauenleben  im  Wandel  der  Jahrhunderte,  von  Dir.  Dr.
Eduard  Otto.  2.  Auflage.  Mit  27  Abbildungen.  (Bö.  45.)
Gibt  et»  Bild  des  deutschen  Zrauenlcbens  von  der  Urzeit  bis  zum  Beginn  des  l?.  Jahrhunderts,
von  Denken  und  Zählen,  Stellung  und  Wirksamkeit  der  deutschen  Frau,  wie  sie  sich  im  Wandel
der  Jahrhunderte  darstellt.
Das  Buchgewerbe  und  die  Kultur.  Lechs  Vorträge,  gehalten  im  Aufträge ­
  des  Deutschen  Buchgewerbevereins.  Mit  1  Abbildung.  (Bö.  182.)
Inhalt:  Buchgewerbe  und  Wissenschaft:  Prof.  Dr.  Rudolf  Zocke.  —  Buchgewerbe  und
Literatur:  Prof.  vr.  Georg  Witkowski.  —  Buchgewerbe  und  Kunst:  Pros.  Dr  Rudolf
Kautzsch.  —  Buchgewerbe  und  Religion:  Privatdozent  Die.  Dr.  Heinrich  Hermeltnk.  —
Buchgewerbe  und  Staat:  Prof.  Dr.  Robert  wuttke.  —  Buchgewerbe  und  Volkswirtschaft:
Prof.  Dr.  Heinrich  waeutig.
will  für  das  mit  sämtlichen  Gebieten  deutscher  Kultur  durch  tausend  Lüden  verknüpfte  Buchgewerbe ­
  verständnisvolle  Zreunde,  tatkräftige  Berufsgenosseu  werben.
Die  Münze  als  historisches  Denkmal  sowie  ihre  Bedeutung  im  Rechts-Nnd
  Wirtschaftsleben,  von  vr.  Arnold  Lufchin  v.  Ebsngreuth.  Mit
83  Abbildungen.  (Bö.  91.)
Zeigt,  wie  Münzen  zur  Aufhellung  der  wirtschaftlichen  Zustünde  und  der  Rechtsetnrtchtuugen
'rüherer  Zeiten  dienen;  legt  die  verschiedenen  Arten  von  Münzen,  ihre  äußeren  und  inneren
Merkmale  sowie  ihre  Herstellung  in  historischer  Entwicklung  dar  und  gibt  im  Anschluß  daran
Münzensammlern  beherzigenswerte  winke.
Von  Luther  zu  Bismarck.  12  Eharakterbilder  aus  deutscher  Geschichte.
Von  Prof.  vr.  (vttocar  Weber.  2  Bände.  (Bö.  123.  124.)
Ein  knappes  und  doch  eindrucksvolles  Bild  der  national,n  und  kulturellen  Entwicklung  der  Neuzeit, ­
  das  aus  den  vier  Jahrhunderten  je  drei  Persönlichkeiten  herausgreist,  die  bestimmend
eingegriffen  haben  in  de»  Werdegang  deutscher  Geschichte.
Friedrich  der  Grotze.  Lechs  vortrüge,  von  Privatdozent  Theodor
B  i  11  e  r  a  u  f.  Mit  2  Bildnissen.  (Bö.  246.)
Schildert  in  knapper,  wohldurchdachter,  durch  charakteristische  Selbstzeugnisse  und  authentische  Äußerungen ­
  bedeutender  Zeitgenossen  belebter  Darstellung  des  großen  ttönigs  Leben  und  wirken,  das
den  Grund  gelegt  hat  für  die  ganze  spätere  geschichtliche  und  kulturelle  Entwicklung  Deutschlands.
Politische  Hauptströmungen  in  Europa  im  19.  Jahrhundert,  von
Prof.  vr.  Narl  Theodor  v.  Heigel.  (Bö.  129.)
Bietet  eine  knappe  Darstellung  der  wichtigsten  politischen  Ereignisse  im  19.  Jahrhundert,  womit
eine  Schilderung  der  politischen  Ideen  Hand  in  Hand  geht,  und  wobei  der  innere  Zusammenhang
der  einzelnen  Vorgänge  dargelegt,  auch  Sinnesart  und  Taten  wenigstens  der  einflußreichsten
Persönlichkeiten  gewürdigt  werden.
Restauration  und  Revolution-  Skizzen  zur  Entwicklungsgeschichte  der
deutschen  Einheit,  von  Prof.  vr.  Richard  Lchwemer.  2.Ausl.  (Bd.  37.)
        <pb n="150" />
        Kus  Natur  und  Geisteswett.
Jeder  Banb  geheftet  Ist.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  ITC.  1.25.

12

'  Dis  Reaktion  und  die  neue  Ära.  Skizzen  zur  Entwicklungsgeschichte
der  Gegenwart,  von  Prof.  Dr.  Richard  Schwemer.  (Bb.  101.)
Vom  Bund  zum  Reich.  Neue  Skizzen  zur  Entwicklungsgeschichte  der
deutschen  Einheit,  von  Prof.  Dr.  Richard  Schwemer.  (öd.  102.)
Die  3  Lände  geben  zusammen  eine  in  Auffassung  und  Darstellung  durchaus  eigenartige
Geschichte  des  deutschen  Volkes  im  19.  Jahrhundert.  „Restauration  und  Revolution"  behandelt
das  Leben  und  Streben  des  deutschen  Volkes  von  dem  ersten  Aufleuchten  des  Gedankens  des
nationalen  Staates  bis  zu  dem  tragischen  fehlschlagen  aller  Hoffnungen  in  der  Mitte  des  Jahrhunderts. ­
  „Die  Reaktion  und  die  neue  Ara",  beginnend  mit  der  Zeit  der  Ermattung  nach  dem
großen  Aufschwung  von  1848.  stellt  in  den  Mittelpunkt  des  Prinzen  von  Preußen  und  Dtto  von
Bismarcks  Schaffe»,  „vom  Bund  zum  Reich"  zeigt  uns  Bismarck  mit  sicherer  Kand  die  Grundlage
des  Reiches  vorbereitend  und  dann  immer  entschiedener  allem  Geschehenen  das  Gepräge  seines
Geistes  verleihend.
11848°  5echs  Vorträge.  Von  Prof.  Or.  Ottocar  Weber.  2.  Hufl.  (Bö.  53.)
Sucht  in  kritischer,  abwägender  Darstellung  den  einzelnen  Ständen  und  Parteien,  den  rechts
und  links  auftretenden  Extremen  gerecht  zu  werden  und  hebt  besonders  den  großartigen  deutschnationalen
  Aufschwung  jenes  Jahres  hervor.
Das  Zeitalter  der  Entdeckungen,  von  Prof.  vi.  Siegmund  Günther.
2.  Ruflage.  Mit  einer  Weltkarte.  (Bb.  26.)
Schildert  die  großen  weltbewegenden  Ereignisse  der  geographischen  Renaissancezeit  von  der
Begründung  der  portugiesischen  Kolonialherrschaft  und  den  fahrten  des  Kolumbus  an  bis  zu
dem  Hervortreten  der  französischen,  britischen  und  holländischen  Seefahrer.
Englands  Weltmacht  in  ihrer  Entwicklung  vom  17.  Jahrh,  bis  auf  unsere
Tage,  von  Prof.  Dr.  Wilh.  Langenbeck.  Mit  IS  Bilbnissen.  (Bb.  174.)
Eine  großzügige  und  fesselnde  Darstellung  der  für  uns  so  bedeutsamen  Entwicklung  des  britischen
Weltreichs,  seiner  inneren  und  äußeren  Ausgestaltung  als  einer  der  gewaltigsten  Erscheinungen
der  Weltgeschichte.
Napoleon!.  von  privatbozent  Dr.  Theobor  Bitterauf.  Mit  einem
Bilbnis  Napoleons.  (Bb.  195.)
will  zum  Verständnis  für  das  System  Napoleons  führen  und  zeigen,  wie  die  napoleonifchm
Kriege  nur  unter  dem  Gesichtswinkel  der  imperialistischen  Politik  zu  verstehen  sind.

Österreichs  innere  Geschichte  von  1848  bis  1907.  Von  Richard

(Bb.  242.  243.)

CH  arm  atz.  2  Bänbe.
Band  l:  Die  Vorherrschaft  der  Deutschen.
Band  II:  Der  Kampf  der  Nationen.

(Bd.  242.)
(Bd.  243.)

Gibt  zum  ersten  Male  in  lebendiger  und  klarer  Sprache  eine  Gesamtdarstellung  der  Entstehung
des  modernen  Österreichs,  seiner  interessanten,  durch  das  Zusammenwirken  der  verschiedensten
faktoren  bedingten  innerpolitischen  Entwicklung  seit  1848.
Geschichte  der  vereinigten  Staaten  von  kkmerika.  von  Prof.  Dr.
Ernst  Daenell.  (Bb.  147.)
Gibt  eine  übersichtliche  Darstellung  der  geschichtlichen.  kulturgeschichtlichen  und  wirtschaftlichen
Entwicklung  der  vereinigten  Staaten  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  verschiedenen  politischen,
ethnographischen,  sozialen  und  wirtschastlichcn  Probleme  der  Gegenwart.
vom  Kriegswesen  im  19..Jahrhunbert.  Zwanglose  Skizzen  von  Major
lvtto  von  Lothen.  Mit  9  Übersichtskarten.  (Bb.  59.)
Sn  einzelnen  abschnitten  wird  insbesondere  die  llapoleonische  und  Moltkesche  llriogsührung  an
Beispielen  (Zena-Mniggrätz-Sedan)  dargestellt  und  durch  llartenskizzen  erläutert.  Damit  verbunden ­
  sind  kurze  Schilderungen  der  preußischen  Armee  von  1806  und  nach  den  Befreiungskriegen
sowie  nach  der  Reorganisation  von  l8S0,  endlich  des  deutschen  Heeres  von  1870  bis  zur  Gegenwart.
Der  Krieg  im  Zeitalter  bes  Verkehrs  unb  berTechnik,  von  kikfreb  Meyer,
kfauptmann  im  TCgl.  Zächs.  Inf.-Reg.  Nr.  133  in  Zwickau.  Mit  3  Rbbilbungen
im  Text  unb  zwei  Tafeln.  (Bb.  271.)
Stellt  die  ungeheuren  Umwälzungen  dar,  welche  die  Entwicklung  des  modernen  Verkehrswesens
und  der  modernen  Technik  auf  das  Rrisgswefen  ausgeübt  hat,  wie  sie  bei  einem  europäischen
Arieg  der  Zukunft  in  die  Erscheinung  treten  würden.
        <pb n="151" />
        Kris  Naiur  und  Gekstsswelt.
Jeder  Band  geheftet  BI.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  ITT.  1.25.

13

Der  Seekrieg.  Eine  geschichtliche  Entwicklung  vom  Zeitalter  der  Entdeckungen ­
  bis  zur  Gegenwart.  Von  Rurt  Freiherr  von  Maltzahn,  vizs-Admiral
  a.  V.  (Bd.  SS.)
Bringt  den  Seekrieg  als  Rrlsgsmlttel  wie  als  Mittel  der  Politik  zur  Darstellung,  indem  es
zunächst  die  Entwicklung  der  Uricgsflotte  und  der  Seekriegsmittcl  schildert  und  dann  die  heutigen
Weltwirtschaftsstaaten  und  den  Seekrieg  behandelt.
Die  moderne  Friedensbewegung,  von  Alfred  y.  Fried,  (Bd.  137.)
Entwickelt  das  Wesen  und  die  Ziele  der  Friedensbewegung,  gibt  eine  Darstellung  der  Schiedsgerichtsbarkeit ­
  ln  ihrer  Entwicklung  und  ihrem  gegenwärtigen  Umfang  sowie  des  Abrüstungsproblemes
  und  gibt  zun,  Schluß  einen  eingehenden  Überblick  über  die  Geschichte  der  Friedensbewegung ­
  und  eine  chronologische  Darstellung  der  für  sie  bedeutsamen  Ereignisse.
Die  moderne  Frauenbewegung.  Ein  geschichtlicher  Überblick,  von  Dr
Räthe  Schirmacher.  2.  Auflage.  (Bd.  67.)
Unterrichtet  eingehend  und  zuverlässig  über  die  moderne  Frauenbewegung  aller  Länder  auf
oen  Gebieten  der  Bildung,  Arbeit,  Sittlichkeit,  Soziologie  und  Politik.
Hierzu  siehe  ferner:
kf.  v.  Soden,  Palästina  und  feine  Geschichte.  S.  3.  Thomfan,  Palästina  »ach  den  neuesten
Ausgrabungen.  S.  3.  Neurath,  Antike  Wirtschaftsgeschichte.  S.  IS.  Gsffcken,  Aus  der
wsrüezeit  des  Ehristentums.  S.  4.  Sell,  Christentum  und  Weltgeschichte.  S.  4.  weise,
Sie  deutschen  volksstämms  und  Landschaften.  S.  17.  Matthael,  Deutsche  Baukunst  im  Mittelalter.
  S.  8.  Bithnifch,  Die  deutschen  Personennamen.  S.  7.  Böcksk,  vis  deutsche  volkssags.
  L.  7.  Bruinisr,  Vas  deutsche  Volkslied.  S.  7.  paulsen,  Das  deutsche  Büdungswesen
in  seiner  geschichtlichen  Entwicklung.  L.  I.  Nnabe,  Geschichte  des  deutschen  Schulwesens.  S.  I.
Bruchmüller,  Der  Leipziger  Student  von  1404—14V9.  §.  I.  voehmer,  Luther  im  Lichts
der  neueren  Forschung.  S.4.  Sodeur,  Johann  Calvin.  S.  4.  Boehmer,  Die  Jesuiten.  S.  4.
Mückle,  Geschichte  der  sozialistischen  Ideen  im  14.  Jahrhundert.  S.  14.  pshls,  Vie  Entwicklung ­
  des  deutschen  Wirtschaftslebens  im  14.  Jahrhundert.  L.  14.  Laughlin,  Aus  dem
amerikanischen  Wirtschaftsleben.  S.  14.  Schmidt,  Geschichte  des  Welthandels.  S,  14.  Fried,
Internationales  Leben  der  Gegenwart.  S.  14.  wislicenus.  Der  Aalender.  S.  24.  weife,
Schrift-  und  Buchwesen.  S.  7.  Rmttft,  Geschichte  der  Gartenkunst.  S.  S.

Rechts-  und  ZLastZwUenschKsL-  Volkswirtschaft-Deutsches
  Fürstentum  und  deutsches  vorfafsungswefen.  von  Prof.  Dr.
Eduard  Hubrich.  (Bd.  80.)
Zeigt  den  weg,  auf  dem  deutsches  Fürstentum  und  deutsche  Volksfreiheit  zu  dein  in  der  Gegenwart ­
  geltenden  wechselseitigen  Ausgleich  gelangt  sind,  unter  besonderer  Berücksichtigung  der
Entwicklungsgeschichte  der  preußischen  Verfassung.
GrundZüge  der  Verfassung  des  Deutschen  Reiches.  Von  Prof.  Dr.
Edgar  Loening.  3.  Auflage.  (Bb.  34.)
Eine  durch  geschichtliche  Rückblicke  und  vergleiche  das  Verständnis  des  geltenden  Rechtes  fördernde
Einführung  in  das  vsrfaffungsrscht  des  Deutschen  Reiches,  soweit  seine  Aenntnis  für  jeden
Deutschen  erforderlich  ist.
Finanzwissenschaft.  von  Dr.  §.  p.  ftltmcnm.  (Bb.  306.)
Ein  Überblick  über  das  Gesamigebisi  der  Finanzwissenschaft,  der  jedem  die  Möglichkeit  einer
objektiv-wissenschaftlichen  Beurteilung  der  Rerchsfinanzreform  bietst.
Zoziale  Bewegungen  und  Theorien  bis  zur  modernen  Arbeiterbewegung,
von  Gustav  Maier.  4.  Auflage.  (Bb.  2.)
Schildert  die  sozialen  Bewegungen  und  Theorien  in  ihrer  geschichtlichen  Entwicklung  von  den
altorienialischen  und  antiken  Aulturvölkern  an  durch  das  Mittelalter  bis  zur  Entstehung  des
modernen  Sozialismus.
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        Kus  Natur  und  Geistsswelt.
Jeder  Band  geheftet  VfL  1.—,  in  Leinwand  gebunden  11t.  1.25.

14

Geschichte  der  sozialistischen  Ideen  im  IS.  Jahrhundert.  Bon  Br.
Friedrich  Mückle.  2  Bände.  (Bd.  269.  270.)
Band  I:  Die  Geschichte  der  sozialistischen  Ideen  im  l9.  Jahrhundert.  (Bd.  269.)
Band  II:  proudhon  und  der  entwicklungsgeschichtliche  Lozialismus.  (Bd.  270.)
Gibt  eine  seine  philosophischen  Grundlagen  aufzeigende  Darstellung  der  Entwicklung  des  sozialen
Ideals  im  29.  Jahrhundert  mit  lieöevollür  Charakterisierung  der  Einzelpersönstchkeiten  von
Gwen,  Fourier,  Weitling  über  proudhon,  Saint-Simon,  Rodbertus  bis  zu  Uarl  Marx  und  Lassalle.
Das  internationale  Leben  der  Gegenwart,  von  Alfred  k).  Fried.
Mit  einer  lithographischen  Tafel.  (Bb.  226.)
Ein  „Baedeker  für  das  internationale  Land",  der  durch  eine  Zusammenstellung  der  internationalen
Vereinbarungen  und  Einrichtungen  nach  ihrem  Umfang  und  ihrer  Wirksamkeit  zu  zeigen
sucht,  wie  weit  der  internationale  Zusammenschluß  der  Rulturwelt  auf  nationaler  Grundlage
bereits  gediehen  ist.
Geschichte  des  Welthandels.  Bon  Gberlehrer  Dr.Max  Georg  Schmidt.
(Bd.  118.)
BeJjnttSel*  dis  Entwicklung  6cs  Handels  vom  Rtterium  an  über  dar  Mittelalter,  in  dem
Konstantinopel,  teil  den  Kreuzzügen  Italien  und  Deutschland  den  Weltverkehr  beherrschen,  zur
Neuzeit,  die  mit  der  Entdeckung  Amerikas  beginnt,  und  bir  zur  Gegenwart,  in  der  auch  der
deutsche  Kaufmann  den  ganzen  Erdball  erobert.
Geschichte  d.  deutschen  Handels.  vonProf.Dr.W.Langenbeck.(Bd.237.)
Schildert  dis  Entwicklung  von  primitivsten  prähistorischen  Anfängen  bis  zur  heutigen  wcltinachtstellung
  der  deutschen  Handels  mit  ihren  Bedingungen  und  gibt  ein  übersichtliches  Bild
dieser  weitverzweigten  Brganismus.
Deutschlands  Stellung  in  der  Weltwirtschaft.  von  Prof.  vr.  Paul
llrndt.  (Bd.  179.)
Stellt  unsere  wirtschaftlichen  Beziehungen  zum  Kurlands  sowie  die  Ursachen  der  gegenwärtigen
hervorragenden  Stellung  Deutschlands  in  der  Weltwirtschaft  dar,  erörtert  die  Vorteils  und
Gefahren  dieser  Stellung  eingehend  und  behandelt  endlich  die  uteten  wirtschaftlichen  und
politischen  ausgaben,  die  sich  aus  Deutschlands  internationaler  Stellung  ergeben.
Deutsches  Wirtschaftsleben.  Auf  geographischer  Grundlage  geschildert
von  weil.  Prof.  Dr.  Christian  ©ruber.  2.  Auflage.  Neubearbeitet  von
Dr.  Hans  Neinlein.  (Bd.  42.)
will  Verständnis  für  den  sieghaften  Aufschwung  unseres  wirtschaftlichen  Lebens  fett  der  Wiederaufrichtung ­
  des  Ne  ichs  herbeiführen  und  darlegen,  inwieweit  sich  Produktion  und  vcrkehrsbewegung
  auf  die  natürlichen  Gelegenheiten,  dis  geographischen  Vorzüge  unseres  Vaterlandes
fingen  können  utld  i»  ihnen  sicher  verankert  liegen.
Die  Entwicklung  des  deutschen  Wirtschaftslebens  im  letzten  Jahrhundert. ­
  von  Prof.  Dr.  Ludwig  Pohle.  2.  Auflage.  (Bd.  87.)
Eine  objeliive,  ruhig  abwägende  Darstellung  der  gewaltigen  Umwälzung,  die  das  deutsche
Wirtschaftsleben  im  Laufe  des  einen  Jahrhunderts  erfahren  hat.
Die  deutsche  Landwirtschaft,  von  Dr.  Walter  Tlaaßen.  Mit
15  Abbildungen  und  1  Karte.  (Bd.  215.)
Behandelt  die  naiürlichen  Grundlagen  der  Bodenbersitung,  die  Technik  und  Betriebsorganisation
des  Bodenbaues  und  der  Viehhaltung,  dis  volkswirtschastlichs  Bedeutung  des  Landbauos  sowie
die  agrarpolitischen  Fragen,  ferner  die  Bedeutung  des  Menschen  als  Produktionsfaktor  in  der  Landwirtschaft ­
  und  andererseits  dis  Rolls,  dis  das  Landvolk  im  Lebsnsprozssfs  der  Nation  spielt.
Innere  Kolonisation.  von  6.  Brenning.  (Bd.  261.)
Gibt  in  knappen  Sögen  ein  vollständiges  Bild  von  dem  Stande  der  inneren  Kolonisation  in
Deutschland  als  einer  der  volkswirtschaftlich,  wie  sozial  und  national  wichtigsten  Ausgaben  der
Gegenwart.
Kus  dem  amerikanischen  Wirtschaftsleben,  von  Prof.  I.  Laurencs
Laughlin.  Mit  9  graphischen  Varsteilungen.  (Bd.  127.)
Ein  Amerikaner  behandelt  für  deutsche  Leser  die  wirtschaftkichen  Fragen,  die  augenblicklich  im
Vordergrunds  des  öffentlichen  Lebens  in  Amerika  stehen.
        <pb n="153" />
        sttts  Natur  und  Geisteswelt.
Jeder  Band  geheftet  Ni.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  ITC.  1.25.

18

Die  Japaner  und  ihre  wirtschaftliche  Entwicklung,  von  Prof.  vr.  Karl
«athgen.  (Bb.  72.)
Schildert  aus  Grund  langsähriger  eigener  Erfahrungen  Land  und  Leute»  Staat  und  Wirtschaftsleben ­
  sowie  die  Stellung  Japans  im  Weltverkehr  und  ermöglicht  so  ein  wirkliches  Verständnis
für  die  staunenswerte  iniiere  Neugestaltung  des  Landes  in  den  letzten  Jahrzehnten.
ktntikL  Wirtschaftsgeschichte,  von  vr.  G.  Neurath.  (Bd.  238)
Gibt  au)  Grund  der  modernen  Forschungen  einen  gemeinverständlichen  Überblick  über  die  Wirtschaftsgeschichte ­
  der  Antike  unter  stetem  vergleich  mit  modernen  Verhältnissen.
Die  Gartenstadtbewegung,  von  Generalsekr.  Hans  Rainpffmeyer.
ITtit  43  Abbildungen.  (Bö.  259.)
Orientiert  zum  ersten  Maie  umfassend  über  Ursprung  und  Geschichte,  Wege  und  Ziele,  Bedeutung ­
  und  Erfolge  der  Gartenstadtbewegung.
Nevölkerungslehre.  von  Pros.  vr.  Max  Haushofer.  (Bd.  50.)
will  in  gedrängter  Form  das  wesentliche  der  Bevölkerungslehre  geben  über  Ermittlung  der
volkszahl,  über  Gliederung  und  Bewegung  der  Bevölkerung»  Verhältnis  der  Bevölkerung  zum
bewohnten  Boden  und  die  Ziele  der  Vevölkerungspolitlk.
Arbeiterschutz  und  Arbeiterversicherung.  von  weil.  Prof.  Or.  Gtto
v.  Zwiedineck-Lüdenhorst.  (Bd.  78.)
Bietet  ein-  gedrängte  Darstellung  des  gemeiniglich  unter  dem  Titel  „Arbeiterfrage"  behandelten
Stoffes  unter  besonderer  Berücksichtigung  der  fragen  der  Notwendigkeit,  Zweckmäßigkeit  und
der  ökonomischen  Begrenzung  der  einzelnen  Schutzmaßnahmen  und  versicherungscinrichtungen.
Die  Nvnsumgenossenschaft.  von  Pros.  vr.  Franz  Stau  dinge  r.
(Bd.  222.)
Stellt  die  lkonsumgenossenschast  nach  ihrer  Bedeutung  und  ihren  Grundlagen,  ihrer  geschichtlichen ­
  Entwicklung  und  heutigen  wrganisation  und  in  ihren  ltämpfen  und  Zukunsisaussichten  dar
Die  Frauenarbeit.  Lin  Problem  des  Kapitalismus.  von  Privatdozent
vr.  Robert  Wilbrandt.  (Bd.  106.)
Behandelt  von  dem  Verhältnis  von  Beruf  und  Mutterschaft  aus,  als  dem  zentrale»  Problem
der  ganzen  Frage,  die  Ursachen  der  niedrigen  Bezahlung  der  weiblichen  Arbeit,  die  daraus
entstehenden  Schwierigkeiten  in  der  Konkurrenz  der  Frauen  mit  den  Männer»,  den  Gegensatz
von  Arbciterinnenschutz  und  öesreiung  der  weiblichen  arbeit.
Grundzüge  des  Versicherungswesens,  von  Pros.  vr.  Rlfred  Manes.
(Bd.  105.)
Behandelt  die  Stellung  der  Versicherung  im  Wirtschaftsleben,  ihre  Entwicklung  und  wrganisation,
den  Geschäftsgang  eines  vsrsichernngsbstriebs,  di-  verstcherungspolitik,  das  Versicherungsvertragsrecht ­
  und  dis  vsrsicherunqswissenschaft,  ebenso  die  einzelnen  Zweige  der  Versicherung,  wie
Lebensversicherung,  Unfallversicherung  usw.
Verkehrsentwickiung  in  Deutschland.  1800—1900.  Vorträge  über
Deutschlands  Eisenbahnen  und  Binnenwasserstraßen,  ihre  Entwicklung  und
Verwaltung  sowie  ihre  Bedeutung  für  die  heutige  Volkswirtschaft,  von  Prof,
vr.  Walter  Lotz.  3.  Ruflage,  fortgeführt  bis  1909.  (Bd.  15.)
Gibt  nach  einer  kurzen  Übersicht  über  die  ksauptfortschritte  in  den  Verkehrsmitteln  ein-  Geschichte
des  Eisenbahnwesens,  schildert  den  heutigen  Stand  der  Eisenbahnverfassung,  das  Güter-  und
das  personentariiwescn,  die  Neformversnche  und  die  Resormsrage,  ferner  die  Bedeutung  der
Binnenwasserstraßen  und  endlich  die  Wirkungen  der  modernen  Verkehrsmittel.
Das  Postwesen»  seine  Entwicklung  und  Bedeutung,  von  postrat  Johannes
Bruns.  (Bd.  165.)
Eine  umfassende  Darstellung  des  gesamten  postwcsens  unter  Berücksichtigung  der  geschichtlichen,
Entwicklung  sowie  der  Bedürfnisse  der  Praxis.
Die  Telegraphie  in  ihrer  Entwicklung  und  Bedeutung,  von  Postrat
Johannes  Bruns.  Mit  4  Figuren.  (Bd.  183.)
Gibt  aus  der  Grundlage  eingehender  praktischer  Kenntnis  der  einschlägigen  Verhältnisse  einen
Einblick  in  das  für  die  heutige  liuttur  so  bedeutungsvolle  Gebiet  der  Telegraphie  und  seine
großartigen  Fortschritte.
        <pb n="154" />
        Kirs  Natur  und  Geisteswett.
Zeder  Band  geheftet  M.  L—,  in  Leinwand  gebunden  ITT.  1.25.

1b

Oie  Telegraphen-  und  Fernsprechtechnik  kn  ihrer  Entwicklung-,
von  Telegrapheninspektor  Helmut  Brick.  Mit  58  Abbildungen.  (Bd.  235.)
Schildert  unter  klarer  Veranschaulichung  der  zugrundeliegenden  Prinzipien  den  Entwicklungsgang ­
  der  Telegraphen-  und  Fernsprechtechnik  von  Llammenzeichen  und  Rufposten  bis  zum
modernen  Mehrfach-  und  Maschlnentelegraphen  und  von  Philipp  Reis'  und  Graham  Bells
Erfindung  bis  zur  Einrichtung  unserer  großen  Fernsprechämter.
Deutsche  Schiffahrt  und  Schiftahrtspolitik  der  Gegenwart,  von  Prof.
Dr.  Karl  Thieß.  (Bd.  169.)
Gibt  in  übersichtlicher  Darstellung  der  großen  für  ihre  Entwicklung  und  ihr  Gedeihen  in  Betracht
kommenden  volkswirtschaftlichen  Gesichtspunkte  eine  Nationalökonomik  der  deutschen  Schiffahrt.
Moderne  Nechtsprobleine.  von  Prof.  Josef  Köhler.  (Bd.  123.)
Behandelt  nach  einem  einleitenden  Abschnitte  über  Rechtsphilosophie  die  wichtigsten  und
interessantesten  Probleme  der  modernen  Rechtspflege,  insbesondere  di-  des  Strafrechts,  des
Strafprozesses,  des  Eenossenschaftsrechts,  des  Zivilprozesses  und  des  Völkerrechtes.
Verbrechen  und  Aberglaube.  Skizzen  aus  der  volkskundlichen  Kriminalistik. ­
  von  Kammergerichtsreferendar  Dr.  flIBert  hellwig.  (Bd.  212.)
Bietet  eine  Reihe  interessanter  Bilder  aus  dem  Gebiete  des  kriminellen  Aberglaubens,  wie  z.  B.
von  modernen  hexenprozesssn,  vampyrglauben,  Syrnpathiekuren,  verborgenen  Schützen,  Meineidszeremonien
  usw.
Das  dtsch.  Iivilprozetzrecht.  von  Rechtsanw.  Dr.M.  Strauß.  (Bd.318.)
vis  erste  zusanlmensassenüe  Grientierung  auf  Grund  der  neuen  Sivilprozetzreform.
Die  Jurisprudenz  im  häuslichen  Leben.  Zur  Familie  und  Haushalt
dargestellt,  von  Rechtsanwalt  Paul  Bienengräber.  2  Bände.  (Bd.219.  220.)
Band  I:  Die  Familie.  (Bd.  2!9.)  Band  ll:  Der  Haushalt.  (Bd.  220.)
Behandelt  in  anregender,  durch  zahlreiche,  dem  täglichen  Leben  entnommene  Beispiele  belebter
Darstellung  alle  in  der  Familie  und  dem  Haushalt  vorkommenden  Rechtsfragen  und  Rechtsfälle.
Ehe  und  Eherecht,  von  Prof.  Dr.  Ludwig  lvahrmund.  (Bd.  116.)
Schildert  dis  historische  Entwicklung  des  Ehebegriffes  nach  seiner  natürlichen,  sittlichen  uni»
rechtlichen  Leite,  untersucht  das  Verhältnis  von  Staat  und  Rirche  auf  dem  Gebiete  des  Ehsrechieund
  behandelt  darüber  hinaus  auch  alle  jene  Fragen  über  die  rechtliche  Stellung  der  Frau  und
besonders  der  Mutter,  dis  immer  lebhafter  die  öffentliche  Meinung  beschäftigen.
Der  gewerbliche  Rechtsschutz  in  Deutschland,  von  Patentanwalt
Bernhard  Tolksdorf.  (Bd.  138.)
Behandelt  die  geschichtliche  Entwicklung  des  gewerblichen  Rechtsschutzes  und  führt  in  Sinn  und
Wesen  des  Patent-,  Muster-  und  Warenzeichenrechts  ein.
Oie  Miete  nach  dem  Bürgerlichen  Gesetzbuch.  Tin  Handbüchlein  für  Juristen,
Mieter  und  Vermieter,  von  Rechtsanwalt  Dr.  Max  Strauß.  (Bd.  194.)
will  durch  eine  objektive,  gemeinverständliche  Darstellung  des  Mietrechts  die  beiden  Gruppen  Mieter
und  Vermieter  über  ihr  gegenseitiges  Verhältnis  aufklären  und  gleichzeitig  durch  Berücksichtigung
der  einschlägigen  Literatur  und  Entscheidungen  den:  praktischen  Juristen  als  Handbuch  dienen.
Das  Wahlrecht,  von  Rsgierungsrat  Dr.  (vskar  poensgen.  (Bd.  249.)
Rietst  eins  Würdigung  der  verschiedenen  wahlrechtssysteme  und  Bestimmungen  sowie  eine  Übersicht ­
  über  die  heutzutage  in  den  einzelnen  Staaten  geltenden  Wahlrechte.
hierzu  siehe  ferner:
Bloch,  Soziale  Rümpfe  im  alten  Rom  S.  10.  Barth,  Uns.  Schutzgebiete  nach  ihren  wirtschafil.
Verhältnissen.  3m  Lichte  d.  Erdkunde  dargestellt  S.  17.  pollitz,  Psychologie  des  Verbrechers  S.  6.
Erdkunde.
Mensch  und»  Erde.  Skizzen  von  den  Wechselbeziehungen  zwischen  beiden,
von  Prof.  Dr.  Rlfred  Kirchhofs.  3.  Ruslage.  (Bd.  5!.)
Zeigt,  wie  die  Ländernatur  aus  den  Menschen  und  seine  Rultur  einwirkt,  durch  Schilderungen,
allgemeiner  und  besonderer  Art,  der  Steppen-  und  wüftenvölker,  der  Entstehung  von  Nationen,
wie  veuischland  und  China  u.  a.  m.
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        ctus  Natur  und  GetstesrveU.
Jeder  Band  geheftet  M.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  M.  1.28.

17

Wirtschaft!.  Erdkunde.  vonweil.prof.Dr.Ehristian  Gruber.  (Bd.122.)
MM  die  ursprünglichen  Zusammenhänge  zwischen  der  natürlichen  Ausstattung  der  einzelnen
Länder  und  der  wirtschaftlichen  Uraftäußerung  ihrer  Bewohner  klarmachen  und  Verständnis  für
die  wahre  Machtstellung  der  einzelnen  Völker  und  Staaten  erwecken.
Die  deutschen  Volksstämme  und  Landschaften,  von  Prof.  Dr.  Gskar
Weife.  3.  Auflage.  Mit  29  Abbildungen.  (Bd.  16.)
Schildert,  durch  eine  gute  Auswahl  von  Städte-,  Landschafts-  und  anderen  Bildern  unterstützt,
die  Eigenart  der  deutschen  Saue  und  Stämme,  die  charakteristischen  Eigentümlichkeiten  der
Landschaft,  den  Einfluß  auf  das  Temperament  und  die  geistige  Anlage  der  Menschen,  die
Leistungen  hervorragender  Männer,  Sitten  und  Gebräuche,  Sagen  und  Märchen  u.  a.  m.
Die  deutschen  Kolonien.  (Land  und  Leute.)  von  Dr.Adolf  heilborn.
2.  Auflage.  Mit  26  Abbildungen  und  2  Karten.  (Bd.  98.)
Gibt  eine  durch  Abbildungen  und  Barten  unterstützte  objektive  und  allseitige  Darstellung  der
geographischen  und  ethnographischen  Grundlagen,  wie  der  wirtschaftlichen  Entwicklung  unserer
deutschen  tlolonien.
Unsere  Schutzgebiete  nach  ihren  wirtschaftlichen  Verhältnissen.  Im  Lichte
der  Erdkunde  dargestellt,  von  Dr.  Ehr.  &amp;lt;b.  Barth.  (Bd.  29Ü.)
Unsere  kolonisatorischen  Errungenschaften  materieller  und  ideeller  Art,  wie  auch  die  weitere
Lntwicklungsflihigleit  unserer  Schutzgebiete  werden  geographisch  und  statistisch  begründet.
Die  Städte.  Geographisch  betrachtet,  von  Prof.  Dr.  Kurt  hassert.  Mit
21  Abbildungen.  (Bd.  163.)
Erörtert  die  Ursachen  des  Entstehens,  Wachsens  und  Vergehens  der  Städte,  sowie  Ihre  wirtschaftsgeographischs
  Bedeutung  und  schildert  das  Städtsbild  als  geographische  Erscheinung.
Der  Grient.  Eine  Länderkunde,  von  Ewald  Banse.  (Bd.  277.  273.  27S.)
Band  I.  Vie  Atlasländer.  Marokko,  Algeiien,  Tunesien.  Mit  IS  Abbildungen,  10  Uartsnskizzen,
5  Diagrammen  und  1  Tafel.  (Bö.  277.)
Band  II.  Der  arabische  Grient.  Mit  29  Abbildungen  und  7  Diagrammen.  (Bd.  278.)
Band  III.  Der  arische  Grient.  (öd.  279.)
Der  erste  Band  gibt,  durch  zahlreiche  Abbildungen  unterstützt,  eine  lebendige  Schilderung  von
Land,  Leuten  und  wirtschastlichen  Verhältnissen  in  Marokko,  Algier  und  Tunis,  der  zweite  eine  solche
von  Ägypten,  Arabien,  Syrien  und  Mesopotamien,  der  dritte  von  Illeinasien,  Armenien  und  Iran.
Oie  polarforschung.  Geschichte  der  Entdeckungsreisen  zum  Bord-  und
Südpol  von  den  ältesten  Zeiten  bis  zur  Gegenwart,  von  Prof.  Dr.  Kurt
hassert.  2.  Auslage.  Mit  6  Karten.  (Bd.  38.)
Faßt  in  gedrängtem  Überblick  die  Fortschritte  und  wichtigsten  Ergebnisse  der  Nord-  und  §üd-&amp;gt;
Polarforschung  von  den  ältesten  Zeiten  bis  zur  Gegenwart  zusammen.
Meeresforschung  und  Meeresleben.  von  Dr.  lvtto  Janfon.  2.  Aufl.
Mit  41  Figuren.  (Bd,  3S.)
Schildert  kurz  und  lebendig  die  Fortschritte  der  modernen  Mecresuntersuchung  auf  geographischem,
Physikalisch-chemischem  und  biologischem  Gebiete,  die  Verteilung  von  Wasser  und  Land  auf  der
Erde,  die  Tiefen  des  Meeres,  dis  physikalischen  und  chemischen  Verhältnisse  des  Meerwassers,
endlich  die  wichtigsten  Organismen  des  Meeres,  die  Pflanzen  und  Eiere.
Dis  Alpen-  vonhermannReishauer.  Mit26Abb.u.  2Karten.  (Bd.276.)
Gibt,  durch  zahlreiche  Abbildungen  unterstützt,  eine  umfassende  Schilderung  des  lleiches  dev
Alpen  in  landschaftlicher,  erdgeschichtlicher,  sowie  klimatischer,  biologischer,  wirtschaftlicher  und
verkehrstschnljcher  Hinsicht.
Anthropologie.  Heilwissenschoft  u.  Gefundheitslehrs.
Dev  Mensch.  Sechs  Vorlesungen  aus  dem  Gebiete  der  Anthropologie,
von  Dr.  Adolf  heilborn.  Mit  44  Abbildungen.  (Bd.  62.)
Bringt  streng  sachlich  und  doch  durchaus  volkstümlich  das  wissen  vom  Ursprung  des  Menschen,
die  Entwicklungsgeschichte  des  Individuums,  dis  Menschenrassen,  die  rassenanatomischen  Verschiedenheiten ­
  und  den  Tertiärmenschen  zur  Darstellung.
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        aus  Natur  und  fficlfteswclt.
Jeder  Band  geheftet  M.  I.—,  in  Leinwand  gebunden  M.  1.28.

18

Die  anutomle  des  Menschen.  Don  Prof.  Dr.  Karl  v,  Bardeleben.
3n  5  Bänden.  Mit  zahlreichen  Abbildungen.  (Bd.  26l.  202.  263.  264.  263.)
I.  Teil:  Allgemeine  Anatomie  und  Entwicklungsgeschichte.  Mit  69  Abbildungen,  (Bd.  201.)
!!.  Teil:  Das  Skelett.  Mit  53  Abbildungen.  (Bd.  202.)
III.  Teil:  Vas  Muskel-  und  Gefäßsystem.  Mit  68  Abbildungen.  (Bö  203.)
ÜV.  Teil:  Die  Eingeweide  (Darm,  Atmungs-,  Harn-  u.  Geschlechtsorgane).  Mit38Abb.  (Bd.  204.)
V.  Teil:  Statik  und  Mechanik  des  menschlichen  Körpers.  Mit  26  Abbildungen.  (Bd.  263.)
3n  dieser  Reihe  von  5  Bünden  wird  öie  menschliche  Anatomie  in  knappem,  für  gebildete  Laien
leicht  verständlichem  Texte  dargestellt,  wobei  eine  große  Anzahl  sorgfältig  ausgewählter  Abbildungen ­
  die  Anschaulichkeit  erhöht.  Der  erste  Band  enthält  u.  a.  einiges  aus  der  Geschichte
der  Anatomie  von  Homer  bis  zur  Neuzeit,  ferner  die  Wellen-  und  Gewebelehre,  die  Entwicklungsgeschichte, ­
  sowie  Können,  Maß  und  Gewicht  des  Körpers.  Im  zweiten  Band  werden
dann  Skelett,  Knochen  und  die  Gelenke  nebst  einer  Mechanik  der  letzteren,  im  dritten  die
bewegenden  Grgane  des  Körpers»  die  Muskeln,  das  Herz  und  die  Gefäße,  im  vierten  die  Eingeweidelehre, ­
  namentlich  der  Darmtraktus,  sowie  die  Harn-  und  Geschlechtsorgane,  und  im
fünften  werden  die  verschiedenen  Ruhelagen  des  Körpers,  Liegen,  Stehen,  Sitzen  usw.,  sodann
die  verschiedenen  Arten  der  Grtsbewegung,  Gehen,  Laufen,  Tanzen,  Schwimmen,  Reiten  usw.,
endlich  die  wichtigsten  Bewegungen  innerhalb  des  Körpers,  die  der  Wirbelsäule,  des  Herzens
und  des  Brustkorbes  bei  der  Atmung  zur  Darstellung  gebracht.
Bau  und  Tätigkeit  des  menschlichen  Körpers,  von  privatdozent
Dr.  Heinrich  Lachs.  2.  Auflage.  Mit  37  Abbildungen.  (Bd.  32.)
(Erläutert  öie  Einrichtung  und  öie  Tätigkeit  öcr  einzelnen  Grgane  öes  Körpers  mtö  zeigt  öabei
vor  mietn,  wie  öicje  einzelnen  Grgane  in  ihrer  Tätigkeit  aufeinanöer  einwirken,  miteinander
zusammenhängen  unö  so  öen  menschlichen  Körper  zu  einem  einheitlichen  Ganzen  machen.
acht  Vorträge  aus  der  Gesundheitslehre.  Don  weil.  Prof.  Dr.  H.
Büchner.  3.  Aufl.,  besorgt  von  Prof.  Dr.  M.v.Gruber.  Mit26Abb.  (Bd.  1.)
Unterrichtet  über  die  äußeren  Lebensbedingungen  des  Menschen,  über  das  Verhältnis  von  Luft,
Licht  und  Wärme  zum  menschlichen  Körper,  über  Kleidung  und  Wohnung,  Bodenverhältnisse
und  Wasserversorgung,  die  Krankheiten  erzeugenden  Pilze  und  die  Infektionskrankheiten,  kurz
über  die  wichtigsten  Kragen  der  Hygiene.
Die  moderne  kfsilwiffenschaft.  Wesen  und  Grenzen  des  ärztlichen
Wissens.  Don  Dr.  Edmund  Biernacki.  Deutsch  von  Dr.  S.  Ebel.  (Bd.25.)
Will  in  den  Inhalt  des  ärztlichen  Wissens  und  Könnens  einführen,  indem  die  geschichtliche  Entwicklung ­
  der  medizinischen  Grundbegriffe,  die  Kortschritte  der  modernen  Heilkunst»  die  Beziehungen
zwischen  Diagnose  und  Therapie,  sowie  die  Grenzen  der  modernen  Diagnostik  behandelt  werden.
Der  Arzt.  Leine  Stellung  und  Aufgaben  im  Kulturleben  der  Gegenwart.
Ein  Leitfaden  der  sozialen  Medizin.  Don  Dr.  nieü.  Moritz  Zürst.  (Bd.  265.)
Gibt  einen  vollständigen  Überblick  über  das  Wesen  des  ärztlichen  Berufes  in  seinen  verschiedenen
Betätigungen  und  veranschaulicht  die  heutige  soziale  Bedeutung  unseres  Arztestandes.
Der  aberglauDe  in  der  Medizin  und  feine  Gefahr  für  Gesundheit
und  Leben.  Don  Prof.  Dr.  D.  von  kfansemann.  (Bd.  83.)
Behandelt  alle  menschlichen  Verhältnisse,  die  in  irgendeiner  Beziehung  zu  Leben  unö  Gesnnöheit
stehen,  besvnöers  mit  Rücksicht  ans  viele  schädliche  Arten  des  Aberglaubens,  die  geeignet  sind,  Krankheiten ­
  zu  fördern,  die  Gesundheit  herabzusetzen  unö  auch  i»  moralischer  Beziehung  zu  schädigen.
Die  Leidesübungen  und  ihre  Bedeutung  für  die  Gesundheit.  Don  Prof.
Dr.  Richard  Sander.  2.  Auflage.  Mit  ly  Abbildungen.  (Bd.  13.)
Will  darüber  aufklären,  weshalb  und  unter  welchen  Umständen  die  Leibesübungen  segensreich
wirken,  indem  es  ihr  wesen,  andererseits  die  in  Betracht  kommenden  Grgane  bespricht!  erörtert
besonders  die  Wechselbeziehungen  zwischen  körperlicher  und  geistiger  Arbeit,  die  Leibesübungen
der  Zrauen,  die  Bedeutung  des  Sportes  und  die  Gefahren  der  sportlichen  Übertreibungen.
Ernährung  und  Volks  nach  rungsmittel-  Don  weil.  Prof.  Dr.  Johannes
Lrentzel.  2.  Auflage.  Reu  bearbeitet  von  Geh.  Rat  Prof.  Dr.  R.  Zuntz.
Mit  7  Abbildungen  und  2  Tafeln.  (Bd.  19.)
Gibt  einen  Überblick  über  die  gesamte  Ernährungslehre.  Durch  Erörterung  der  grundlegenden
Begriffe  werden  die  Zubereitung  der  Nahrung  und  der  Verdauungsapparat  besprochen  und  endlich
die  Herstellung  der  einzelnen  Nahrungsmittel,  insbesondere  auch  der  Konserven  behandelt.
        <pb n="157" />
        aus  Natur  und  Geisteswelt.
Jeder  Band  geheftet  M.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  M.  1.25.

2*

14

Der  aikoholismus.  Herausgegeben  vom  Zentralverband  zur  Bekämpfung
des  Alkoholisinus.  In  3  Bänden.  (Bd.  103.  104.  145.)
Die  drei  Bändchen  sind  ein  kleines  wissenschaftliches  Kompendium  der  Alkoholfrage,  verfaßt
von  den  besten  Kennern  der  mit  ihr  zusammenhängenden  sozial-hqgieniscben  und  sozial-ethischen
Probleme,  und  enthalten  eine  Lulle  von  Material  in  übersichtlicher  und  schöner  Darstellung.
Krankenpflege.  von  Chefarzt  vr.  Bruno  Leick.  (Bd.  152.)
Erörtert  nach  einem  Überblick  über  Bau  und  Funktion  der  inneren  Organe  und  deren  hauptsächlichste ­
  Erkrankungen  die  hierbei  zu  ergreifenden  Maßnahmen,  wobei  besonders  eingehend  d-ie
Pflege  bei  Infektionskrankheiten,  sowie  bei  plötzlichen  Unglücksfällen  und  Erkrankungen  behandelt ­
  werden.
Vom  Nervensystem,  seinem  Bau  und  seiner  Bedeutung  für  Leib  und
Seele.  Von  Prof.  vr.  Richard  Zander.  Mt  27  Figuren.  (3b.  48.)
Erörtert  die  Bedeutung  der  nervösen  Vorgänge  für  den  Körper,  die  Geistesiätigkeit  und  das
Seelenleben  und  sucht  klarzulegen,  unter  welchen  Bedingungen  Storungen  der  nervösen  Vorgänge
auftreten,  wie  sie  zu  beseitigen  und  zu  vermeiden  sind.
Geisteskrankheiten.  von  Anstaltsoberarzt  vr.  Georg  Ilberg.  (Bd.  151.)
Erörtert  an  eingehend  dargestellten  Beispielen  die  wichtigsten  formen  geistiger  Erkrankung,  um
so  die  richtige  Beurteilung  der  seichen  geistiger  Erkrankung  und  damit  eine  rechtzeitige  verständnisvolle ­
  Behandlung  derselben  zn  ermöglichen.
Die  Geschlechtskrankheiten,  ihr  Wesen,  ihre  Verbreitung,  Bekämpfung
und  Verhütung,  von  Generaloberarzt  Prof.  vr.  Wilhelm  Schumbnrg.
Mit  4  Abbildungen  und  1  Tafel.  (Bd.  251.)
Gibt  in  sachlicher,  aber  rückhaltlos  ossener  Darlegung  ein  Bild  von  dem  Ivesen  der  Geschlechtskrankheiten ­
  und  von  ihren  Erregern,  erörtert  ausführlich  ihre  Sekämpfunq  und  Verhütung,  mit
besonderer  Rücksicht  aus  das  gefährliche  Treiben  der  Prostitution  und  der  Kurpfuscher,  die
Persönlichen  Schutzmahregeln,  sowie  die  Aussichten  aus  erfolgreiche  Behandlung.
Die  fünf  Sinne  des  Menschen,  von  Prof.  vr.  Josef  Riemens  Rreibig.
2.  Auflage.  Mit  30  Abbildungen.  (Bd.  27.)
Eine  Darstellung  der  einzelnen  Sinnesgebiete,  der  wrgane  »nd  ihrer  Funktionsweise,  der  als
Beiz  wirkenden  nutzeren  Ursachen,  sowie  der  Empfindungen  nach  Inhalt,  Stärke  und  Merkmalen.
Herz,  Blutgefäße  und  Blut  und  ihre  Erkrankungen,  von  Prof.  vr.
Heinrich  Rosin.  (Bd.  512.)
Eine  allgemeinverständliche  Darstellung  von  Bau  und  Funktion  des  Herzens  und  der  Blutgefäße, ­
  sowie  den  verschiedene»  formen  ihrer  Erkrankungen.
Das  äuge  des  Menschen  und  seine  Gesundheitspflege,  von  prwatdozeni
vr.  med.  Georg  Abelsdorff.  Mit  16  Abbildungen.  (Bd  149.)
Schildert  dis  Anatomie  des  menschlichen  kluges,  sowie  die  Leistungen  des  Gesichtssinnes  und
behandelt  dis  Hygiene  des  kluges,  seine  Erkrankungen  und  Verletzungen,  Kurzsichitgieit,
Vererbung  usw.
Die  menschliche  Stimme  und  ihre  Hhgiene.  von  Prof.  vr.  Pani
H.  Gerber.  Mit  20  Abbildungen.  (Bd.  136.)
Nach  den  notwendigsten  Erörterungen  über  das  Zustandekommen  und  über  die  Natur  der  Töne
werden  der  Kehlkopf  des  Menschen  und  seine  Funktion  als  musikalisches  Instrument  behandelt;
dann  werden  dl«  Gesang-  und  die  Sprechsttmms,  ihre  klusbildung,  ihre  Fehler  und  Erkrankungen,
sowie  deren  Verhütung  und  Behandlung  erörtert.
Das  menschliche  Gebitz,  seine  Erkrankung  und  Pflege,  von  Zahnarzt
Fritz  Jäger.  Mit  24  Abbildungen.  (Bd.  224.)
Schildert  Entwicklung  und  Aufbau,  sowie  die  Erkrankungen  der  Zähne,  die  Wechselbeziehungen
zwischen  Sahnzerstörnis  und  Gesamtorganismus  und  die  zur  Schaffung  und  Erhaltung  eines
gesunden  Gebisses  dienlichen  Maßnahmen.
        <pb n="158" />
        kkus  Natur  und  Geisteswett.
Jeder  Band  geheftet  ITC.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  ITC.  1.25.

2)

Die  Tuberkulose,  ihr  Wesen,  ihre  Verbreitung,  Ursache,  Verhütung  und
Heilung.  von  Generaloberarzt  Prof.  Dr.  Wilhelm  Schumburg.  Mit  1  Tafel
und  8  Figuren.  (Bd.  47.)
Schildert  nach  einem  Überblick  über  die  Verbreitung  der  Tuberkulose  das  wesen  derselben,
beschäftigt  sich  eingehend  mit  dem  Tuberkelbazillus,  bespricht  die  Maßnahmen,  durch  die  man
ihn  von  sich  fernhalten  kann,  und  erörtert  die  Fragen  der  Heilung  der  Tuberkulose.
Die  krankheiterregenden  Bakterien,  von  Privatdozent  Dr.  Max
Loehlein.  Mit  31  Abbildungen.  (Bd.  387.)
Gibt  eine  Darstellung  der  wichtigsten  Errungenschaften  der  modernen  Bakteriologie  und  eine
Übersicht  über  die  häufigen  Infektionskrankheiten  nach  dem  Stande  der  neueren  Forschungen.
Der  Säugling,  seine  Ernährung  und  seine  Pflege,  von  Dr.  Walter
Raupe.  Mit  17  Abbildungen.  (Bd.  154.)
will  der  jungen  Mutier  oder  Pflegerin  in  allen  in  Betracht  kommenden  Fragen  den  nötigen
Rat  erteilen.  Äußer  der  allgemeinen  geistigen  und  körperlichen  pflege  des  Kindchens  werden
besonders  die  natürliche  und  künstliche  Ernährung  behandelt  und  für  alle  diese  Fälle  zugleich
praktische  Anleitung  gegeben.
Gesundheitslehre  fiir  Frauen,  von  weil.  Privatdozent  Dr.  Roland
Sticher.  Mit  13  Abbildungen.  (Bd.  17l.)
Unterrichtet  über  den  Bau  des  weibliche»  wrganismus  und  seine  Pflege  vom  Rindesalter  an,
vor  allem  aber  eingehend  über  den  Berns  der  Frau  als  Gattin  und  Mutter.

Naturwissenschaften.  Mathematik.
Die  Grundbegriffe  der  modernen  Naturlehre.  von  Prof.  Dr.
Felix  Auerbach.  2.  Auflage.  Mit  79  Figuren.  (Bö.  40.)
Eine  -usammenhängende,  für  jeden  Gebildeten  verständliche  Entwicklung  der  in  der  moderne»
Naturlehre  eine  allgemeine  und  exakte  Nolle  spielenden  Begriffe  Raum  und  Bewegung,  Rraft  !
und  Masse  und  der  allgemeinen  Eigenschaften  der  Materie,  arbeit,  Energie  und  Lutropie.
Die  Lehre  von  der  Energie,  von  Dr.  Alfred  Stein.  Mit  13
Figuren.  (Bd.  257.)
vermittelt  fiir  jeden  verständlich  eine  Vorstellung  von  der  umfassenden  Einheitlichkeit,  die  durch
die  Aufstellung  des  Energiegefstzes  in  unsers  gesamte  Ilaturausfafsung  gekommen  ist.
Moleküle  —  Atome  —  Wettäther,  von  Prof.  Dr.  Gustav  Mie.
2.  Auflage.  Mit  27  Figuren.  (Bd.  58.)
Stellt  die  physikalische  lltomlehre  als  die  kurze,  logische  Zusammenfassung  einer  grasen  Menge
physikalischer  Tatsachen  unter  einem  Begrisse  dar,  die  ausführlich  und  nach  Möglichkeit  als
einzelne  Experimente  geschildert  werden.
Das  Licht  und  dis  Farben,  von  Prof.  Dr.  Leo  Graetz.  2.  Auflage.
Mit  116  Abbildungen.  (Bd.  17.)
Behandelt,  ausgehend  von  der  scheinbar  geradlinigen  Ausbreitung,  Zurückwerfung  und  Brechung
des  Lichtes,  das  Wesen  der  Farben,  di-  »eugungserscheinungen  und  die  Photographie.
Sichtbare  und  unsichtbare  Strahlen,  von  Prof.  Dr.  Richard  Börnstein ­
  und  Prof.  Dr.  w.  Marckwalö.  2.  Auflage.  Mit  85  Abb.  (Bd.  64.)
Schildert  die  verschiedenen  klrten  der  Strahlen,  darunter  die  Rathoden-  und  Röntgenstrahlen,
di-  kserhschen  Wellen,  die  Strahlungen  der  radioaktiven  Rörper  (Uran  und  Radium)  „ach  ihrer
Entstehung  und  Wirkungsweise,  unter  Darstellung  der  charakteristischen  Vorgänge  der  Strahlung.
Einführung  in  die  chemische  Wissenschaft,  von  Prof.  Dr.  Walter
Löb.  Mit  16  Figuren.  (Bd.  264.)
Ermöglicht  durch  anschauliche  Darstellung  der  den  chemischen  Vorgängen  zugrunde  liegenden
allgemeinen  Tatsachen,  Begriffe  und  Gesetze  ein  gründliches  Verständnis  dieser  und  ihrer  praktischen ­
  Rnwendungen.
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        £tus  Natur  und  Geisteswett.
Jeder  Band  geheftet  M.  1,—,  in  Leinwand  gebnnden  M.  1.23.

21

D!e  optischen  Instruments,  von  Or.  Moritz  von  Kohr.  Mit  84Abbildungen. ­
  (Bd.  88.)
Gibt  eine  elementare  Darstellung  der  optischen  Instrumente  nach  den  modernen  Anschauungen,
wobei  das  Ultramikroskop,  die  neuen  Apparate  zur  Mikrophotographie  mit  ultraviolettem  Licht,
die  Prismen-  und  die  Zielfernrohre,  die  Projektionsapparate  und  stereoskopischen  Entfernungsmesser ­
  erläutert  werden.
Spektroskopie.  Von  Or.  L.  Grebe.  Mit  62  Abbildungen.  (Bd.  284.)
Gibt  -ine  von  zahlreichen  Abbildungen  unterstützte  Vorstellung  der  spektroskopischen  Forschung
Und  ihrer  weittragenden  Ergebnisse  für  Wissenschaft  und  Technik.
Das  Mikroskop»  seine  Gptik,  Geschichte  und  Anwendung,  von  Or.
ID.  Schesfer.  Mit  66  Abbildungen.  (Bd.  35.)
Nach  Erläuterung  der  optischen  tkonstruktion  und  Wirkung  des  Mikroskops  und  Darstellung  der
historischen  Entwicklung  wird  eine  Beschreibung  der  modernsten  Mikroskoptiipen,  Hilfsapparats
und  Instrumente  gegeben  und  gezeigt,  wie  die  mikroskopische  Untersuchung  die  Einsicht  in
Naturvorgänge  vertieft.
Das  Stereoskop  und  seine  Anwendungen,  von  Pros.  Theodor  Hartwig.
Mit  40  Abbildungen  und  Id  Tafeln.  (Bö.  135.)
Behandelt  die  verschiedene»  Erscheinungen  und  Anwendungen  der  St-rcoskopie,  insbesondere
die  stereoskopischen  Himmclsphotographien,  die  stereoskopische  Darstellung  mikroskopischer  tvb-Jelte,
  das  Stereoskop  als  Meßinstrument  und  die  Bedeutung  und  Anwendung  des  Stereokomparators. ­

Die  Lehre  von  der  Wärme,  von  Prof.  Or.  Richard  Börnstein.
Mit  33  Abbildungen.  __  (Bö.  172.)
Behandelt  ausführlich  dis  Tatsachen  und  Gesetze  der  Wärmelehre.  Ausdehnung  erwärmter
Körper  und  Tcmperaturmessung.  wärmemessung.  Wärme-  und  MItequcIlcn,  Wärme  als
Energieform.  Schmelzen  und  Erstarren.  Sieden,  verdampfen  und  verfliissigen,  verhalte»  des
wasserdampses  in  der  Atmosphäre,  Vamps-  und  andere  Wärmemaschinen  und  schUcßlich  die
Bewegung  der  Wärme.
Die  Physik  der  Hätte,  von  Dr.  Heinrich  Alt.  (Bö.  311.)
Ein  Überblick  über  die  künstliche  Erzeugung  tiefster  Tentperaturen  und  ihre  so  wichtige
technische  Verwendung.
Luft,  Wasser,  Licht  und  Wärme.  Neun  Vorträge  aus  dem  Gebiete
der  Txperimental-Themie.  von  Prof.  Or.  R.einhart  Blochmann.  3.  Aufl.
Mit  115  Abbildungen.  (Bö.  5.)
zllhrt  unter  besonderer  Berücksichtigung  der  alltäglichen  Erscheinungen  des  praktische'!  Lebens
in  das  Verständnis  der  chemischen  Erscheinungen  ein  und  zeigt  die  außerordentliche  Bedeutung
derselben  für  unser  Wohlergehen.
Das  Wasser,  von  Privatdoz.  Or.  (V.Anselmino.  Mit44Abb.  (Bö.  291.)
Gibt  eine  zusammenfassende  varsiellung  unseres  gesamten  Wissens  über  das  Wasser,  dies
Lebenselement  der  Erde,  unter  besonderer  Berücksichtigung  des  praktisch  wichtigen.
Natürliche  und  künstliche  Pflanzen-  und  Tierstoffe,  von  Or.
D.  Bavink.  Mit  7  Figuren.  (Bö.  187.)
will  einen  Einblick  in  die  wichtigsten  theoretischen  Erkenntnisse  der  organischen  Chemie  geben
Und  das  Verständnis  für  ihre  darauf  begründeten  praktischen  Entdeckungen  und  Erfindungen
Vermitteln.
Der  Luftskickstoff  u.  seine  Verwertung.  vonprof.Or.Karl  Kaiser.  (Bö.  513.)
Ein  Überblick  über  Wesen,  Bedeutung  und  Geschichte  dieses  wichtigsten  und  niodernsten  Problems
der  Agrikulturchemie  bis  auf  dis  neuesten  erfolgreichen  versuche  zu  seiner  Lösung.
Die  Erscheinungen  des  Lebens,  von  Privatdozent  Or.  h.  Miehe.
Mit  40  Figuren.  (Bö.  130.)
Sucht  eine  umfassende  Totalansicht  des  organischen  Lebens  zu  geben,  indem  es  nach  einer
Erörterung  der  spekulativen  Vorstellungen  über  das  Leben  und  einer  Beschreibung  des  Protoplasmas ­
  und  der  Zelle  die  hauptsächlichsten  Äußerungen  des  Lebens,  wie  Entwicklung.  Ernährung,
kttmung,  das  Sinnesleben,  die  Fortpflanzung,  den  Tod  und  die  Variabilität  behandelt.
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        aus  Natur  und  Geisteswelt.
Jeder  Band  geheftet  M.  I.—,  in  Leinwand  gebunden  Ist.  1.25.

22

Abstammungslehre  und  Darwinismus,  von  Prof.  Dr.  Richard
Hesse.  3.  Ruflage.  Mit  37  Figuren.  (Bö.  39.)
Gibt  einen  kurzen,  aber  klaren  Einblick  in  den  gegenwärtigen  Stand  der  Abstammungslehre
und  sucht  di-  Frage,  wie  die  Umwandlung  der  organischen  Wesen  vor  sich  gegangen  ist,  nach
dem  neuesten  Stande  der  Forschung  zu  beantworten.
Der  Vefruchtnngsvorgang,  sein  Wesen  und  seine  Bedeutung.  Von
Dr.  Ernst  Ceichmann.  Mit  7  Rbbildungen  und  4  Voppeltaseln.  (Bd.  70.)
Eine  gemeinverständliche,  streng  sachlich«  Darstellung  der  bedeutsamen  Ergebnisse  Ser  modernen
Forschung  über  das  Lefruchtungsproblem.
Das  werden  und  vergehen  der  Pflanzen-  von  Prof.  Dr.  Paul
Gisevius.  Mit  24  Rbbildungen.  (Bd.  173.)
Eine  lsichtfaßlichs  Darstellung  alles  dessen,  was  uns  allgemein  an  der  pflanze  interessiert,
eine  kleine  „Botanik  des  praktischen  Lebens".
Vermehrung  und  Sexualität  bei  den  Pflanzen.  Von  Prof.  Dr.
Ernst  Rüster.  Mit  38  Rbbildungen.  (Bd.  112.)
Gibt  eine  kurze  Übersicht  über  die  wichtigsten  Formen  der  vegetativen  Vermehrung  und
beschäftigt  sich..eingehend  mit  der  Sexualität  der  pflanzen,  deren  überraschend  vielfache  und
wannigsaltige  Äußerungen,  ihre  große  Verbreitung  im  Pflanzenreich  und  ihre  in  allen  Einzelheiten ­
  erkennbare  Übereinstimmung  mit  der  Sexualität  der  Tiere  zur  Darstellung  gelangen.
Unsere  wichtigsten  Kulturpflanzen  (die  Getreidegräser),  von
Prof.  Dr.  Rarl  Giesenhagen.  2.  Kufl.  Mit  38  Figuren.  (Bd.  10.)
Behandelt  die  Getreidepflanzen  und  ihren  Anbau  nach  botanischen  wie  kulturgeschichtlichen  Gesichtspunkten, ­
  damit  zugleich  in  anschaulichster  Form  allgemeine  botanische  Kenntnisse  vermittelnd.
Der  deutsche  Wald,  von  Prof.  Dr.  Hans  hanrrath.  Mit  15  Kbbildungen
  und  2  Rarten.  (Bö.  153.)
Schildert  unter  Berücksichtigung  der  geschichtlichen  Entwicklung  die  Lebensbedingnngen  und  den
Zustand  unseres  deutschen  Waldes,  die  Verwendung  seiner  Erzeugnisse  sowie  seine  günstige
Einwirkung  aus  Klima,  Fruchtbarkeit,  Sicherheit  und  Gesundheit  des  Landes,  und  erörtert  zum
Schlüsse  die  pflege  des  Waldes.  Lin  Büchlein  also  für  jeden  waldsreund.
Der  Obstbau,  von  Dr.  Ernst  voges.  Mit  13  Rbbildungen.  (Bd.  107.)
will  über  die  wissenschaftlichen  und  technischen  Grundlagen  des  Obstbaues  sowie  seine  Naturgeschichte ­
  und  große  volkswirtschaMche  Bedeutung  unterrichten.  Die  Geschichte  des  Obstbaues,
das  Leben.des  Obstbaumes,  Gbftbaumpflege  und  Gbstbaumschutz,  die  wissenschaftliche  Gbstkunde,
  die  Ästhetik  des  Obstbaues  gelangen  zur  Behandlung.
Kolonialbotanik.  vonprivatdoz.  Dr.F.Tobler.  Mit21Rbb.  (Bd.  184.)
Schildert  die  allgemeinen  Grundlagen  und  Methoden  tropischer  Landwirtschaft  und  behandelt
im  besonderen  die  bekanntesten  Kolonialprodukte,  wie  Kaffee,  Zucker,  Neis,  Baumwolle  usw.
Kaffee,  Tee,  Kakao  und  die  übrigen  narkotischen  Getränke.  Von  Prof.
Dr.  Rrwed  wieler.  Mit  24  Abbildungen  und  1  Rarte.  (Bd.  132.)
Behandelt  Kaffee,  Tee  und  Kakao,  sowie  Mate  und  Kola  in  bezug  auf  die  Art  und  Verbreitung
der  StammpflanZen,  ihre  Kultur  und  Ernte  bis  zur  Gewinnung  der  fertigen  Ware.
Die  Pflanzenwelt  des  Mikroskops,  von  Bürgerschullehrer  Ernst
Reukauf.  Mit  100  Rbbildungen.  (Bd.  181.)
Eröffnet  einen  Einblick  in  den  staunenswerten  Formenreichtum  des  mikroskopischen  pslanzenlebens
  und  lehrt  den  Ursachen  ihrer  wunderbaren  c-bsnserscheinungen  nachforsche».
Die  Tierwelt  des  Mikroskops  (die  Urtiere).  Von  Privatdozent  Dr.
Richard  Goldschmidt.  Mit  39  Rbbildungen.  (Bd.  160.)
Eröffnet  dem  Naturfreunde  -in  Bild  reichen  Lebens  im  wassertropfen  und  sucht  ihn  zugleich
zu  eigener  Beobachtung  anzuleiten.
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        ftus  Natur  und  Geisteswett.
Jeder  Band  geheftet  M.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  M.  7.25.

-  -

Die  Beziehungen  der  Giere  zueinander  und  zur  Pflanzenwelt.
Von  Prof.  Dr.  K.  Kraepeltn.  (Bd.  79.)
Stellt  in  grotzeii  Zügen  eine  Fülle  wechselseitiger  Beziehungen  der  wrganismen  zueinander  bar.
Familienleben  und  Staatenbildung  der  Tiere,  wie  die  interessanten  Beziehungen  der  Tiere  und
Pflanzen  zueinander  werden  geschildert.
Gierkunde.  Tine  Einführung  in  die  Zoologie,  von  Privatdoz.  Dr.  Kurt
Hennings.  Itlit  34  klbb.  (Bd.  142.)
Stellt  die  charakteristischen  Eigenschaften  aller  Tiere  —  Bewegung  und  Empfindung,  Stoffwechsel ­
  und  Fortpflanzung  —  dar  und  sucht  die  Tätigkeit  des  Tierleibes  aus  seinem  Bau  verständlich ­
  zu  machen.
Vergleichende  Anatomie  der  Sinnesorgane  der  Wirbeltiere.
von  Prof.  Dr.  Wilhelm  Lubofch.  Mit  107  Abbildungen.  (Bd.  282.)
Gibt  eine  auf  dem  Entwicklungsgedanksn  aufgebaute  allgemeinverständliche  Darstellung  eines
der  interessantesten  Gebiete  der  modernen  Naturforschung.
Die  Stammesgeschichte  unserer  Haustiere,  von  Prof.  Dr.  Carl
Keller.  Mit  28  Abbildungen.  (Bd.  282.)
Schildert  eingebend  den  verlauf  der  kfaustierwerdung,  die  allmählich  eingetretene  Umbildung
der  Nassen  sowie  insbesondere  die  Stammformen  und  Bildungsherde  der  einzelnen  Haustiere.
Die  Fortpflanzung  der  Giere,  von  Privatdozent  Dr.  Richard  Goldschmidt. ­
  Mit  77  Abbildungen.  (Bd.  283.)
Gewäbrt  durch  anschauliche  Schilderung  der  zu  den  wechselvollsten  und  überraschendsien  biologischen ­
  Tatsachen  gehörenden  Formen  der  tierischen  Fortpflanzung  sowie  der  Brutpflege  Einblick
in  das  mit  der  menschlichen  Sittlichkeit  in  so  engem  Zusammenhang  stehende  Tatsachengebiet.
Deutsches  vogelleben,  von  Prof.  Dr.  Alwin  Voigt.  (Bd.  221.)
will  durch  Schilderung  des  deutschen  Vogellebens  ln  der  verschiedenartigkeit  der  vascinsbedingungen
  in  den  wechselnden  Landschaften  die  ltenntnis  der  charakteristischen  vogelarten
und  namentlich  auch  ibrer  Stimmen  fördern.
Vogelzug  und  Vogelschutz,  von  Dr.  lvilhelm  R.  Lckardt.  (Bd.  218.)
Eine  wissenschaftliche  Erklärung  der  rätselhaften  Tatsachen  des  Vogelzugs  und  der  daraus  entspringenden' ­
  praktischen  Forderungen  des  Vogelschutzes.
Korallen  und  anders  gesteinsbildende  Tiere,  von  Prof.  Dr.  ID.  May.
Mit  45  klbbildungen.  (Bd.  231.)
Schildert  die  gesteinsbildenden  Tiere,  vor  allem  die  für  den  Bau  der  Erdrinde  so  wichtigen
ltorailen  nach  Bau,  Lebensweise  und  vorkommen.
Lebensbedingungen  und  Verbreitung  der  Tiere,  von  Prof.  Dr.
ivtto  Maas.  Mit  11  Karten  und  Abbildungen.  (Bd.  139.)
Zeigt  die  Tierwelt  als  Teil  des  organischen  Erdganzen,  die  Abhängigkeit  der  Verbreitung  des
Tieres  von  dessen  Lebensbedingungen  wie  von  der  Erdgeschichte,  ferner  von  Nahrung,  Temperatur, ­
  Licht.  Luft  und  Vegetation,  wie  von  dem  Eingreife»  des  Menschen,  »nd  betrachtet  an  der
Hand  von  klarten  die  geographische  Einteilung  der  Tierwelt.
Die  Batterien.  von  Prof.  Dr.  Ernst  Gutzeit.  Mit  13  Abbild.  (Bd.253.)
Setzt,  gegenüber  der  laienhaften  Identifikation  von  Bakterien  und  llrankheiten,  die  allgemeine
Bedeutung  der  lileinlebewelt  für  den  Kreislauf  des  Stoffes  in  der  Natur  und  dem  Haushalt
des  Menschen  auseinander.
Die  Welt  der  Grgauismen.  In  Entwicklung  und  Zusammenhang  dargestellt. ­
  von  Prof.  Dr.  Kurt  Lampert.  Mit  62  Abbildungen.  (Bd.  23S.)
Gibt  einen  allgemeinverständlichen  Überblick  über  die  Gesamtheit  des  Tier-  »nd  pflanzenrelches,
über  den  Aufbau  der  wrganismen,  ihre  Lebensgeschichte,  ihre  Abhängigkeit  von  der  äußeren
Umgebung  und  die  Wechselbeziehungen  zwischen  de»  einzelnen  Gliedern  der  belebten  Natur.
Iwiegestalt  der  Geschlechter  in  der  Tierwelt  (Dimorphismus).  von
Dr.  Friedrich  Knauer.  Mit  37  Abbildungen.  (Bd.  148.)
Die  merkwürdigen,  oft  erstaunlichen  Verschiedenheiten  in  Aussehen  und  Bau  der  Tiergeschlechter
werden  durch  zahlreiche  Beispiele  aus  allen  Gruppen  auf  wissenschaftlicher  Grundlage  dargestellt.
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        ftus  Natur  und  Geisteswelt.
Jeder  Band  geheftet  M.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  M.  1.23.

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Die  Kmeisen.  von  Dr.  Friedrich  Knauer.  Mit  61  Figuren.  (Bd.  94.)
Laßt  die  Ergebnisse  der  Forschungen  über  das  Tun  und  Treiben  einheimischer  und  exotischer
Ameisen,  über  die  Vielgestaltigkeit  der  Formen  im  Ameisenstaate,  über  die  Bautätigkeit,  Brutpflege ­
  und  die  ganze  Ökonomie  der  Ameisen,  über  ihr  Zusammenleben  mit  anderen  Tieren  und
mit  Pflanzen,  und  über  die  Sinnestätigkeit  der  Ameisen  zusammen.
Das  Sützwaffer-Plankton.  von  Dr.  Gtto  Zacharias.  Mit  49  Abbildungen. ­
  (Bd.  156.)
Gibt  eine  Anleitung  zur  Kenntnis  jener  mikroskopisch  kleinen  und  für  die  Existenz  der  höheren
Lebewesen  und  für  die  Naturgeschichte  der  Gewässer  so  wichtigen  Tiere  und  Pflanzen.  Die
wichtigsten  formen  werden  vorgeführt  und  die  merkwürdigen  Lebcnsverhältnisse  und  -bedingungen
dieser  unsichtbaren  Welt  einfach  und  doch  vielseitig  erörtert.
Der  Kampf  zwischen  Mensch  und  Mer.  von  Prof.  Dr.  Karl  Eckstein.
2.  Auflage.  Mit  61  Figuren.  (Bd.  18.)
Der  hohe  wirtschaftliche  Bedeutung  beanspruchende  Kampf  zwischen  Mensch  und  Tier  erfährt
eine  eingehende  Darstellung,  wobei  besonders  die  Kampfmittel  beider  Gegner,  hier  Schußwaffen,
Lallen,  Gifte  oder  auch  besondere  Wirtschaftsmethoden,  dort  spitzige  Kralle,  scharfer  Zahn,  furchtbares ­
  Gift,  List  und  Gewandtheit  geschildert  werden.
Wind  und  Wetter,  von  Prof.  Dr.  Leonhard  lveber.  2.  Auflage.
Mit  28  Figuren  und  6  Tafeln.  (Bd.  55.)
Schildert  die  historischen  wurzeln  der  Meteorologie,  ihre  physikalischen  Grundlagen  und  ihre
Bedeutung  im  gesaniten  Gebiete  des  Wissens,  erörtert  die  hauptsächlichsten  Aufgaben,  die  dem
ausübenden  Meteorologen  obliegen,  wie  die  praktische  Anwendung  in  der  Wettervorhersage.
Der  Vau  des  Weltalls,  von  Prof.  Dr.  I.  Scheiner.  3.  Ruflage.  Mit
26  Figuren.  (Bd.  24.)
Gibt  eine  anschauliche  Darstellung  vom  Bau  des  Weltalls  wie  der  einzelnen  Weltkörper  und
der  Mittel  zu  ihrer  Erforschung.
Entstehung  der  Welt  und  der  Erde,  nach  Sage  und  lvissenschaft.
von  Geh.  Regierungsrat  Prof.  D.  M.  B.  Weinstein.  (Bd.  223.)
Zeigt,  wie  die  Frage  der  Entstehung  der  Welt  und  der  Erde  in  den  Sagen  aller  Völker  und
Zeiten  und  in  den  Theorien  der  Wissenschaft  beantwortet  worden  ist.
Das  astronomische  Weltbild  im  Wandel  der  Zeit,  von  Prof.  Dr.
Samuel  Dppenheim.  Mit  24  Rbbildungen.  (Bd.  IIS.)
Schildert  den  Kampf  des  geozentrischen  und  heliozentrischen  Weltbildes,  wie  er  schon  im  Altertum
bei  den  Griechen  entstanden  ist,  anderthalb  Jahrtausende  später  zu  Beginn  der  Neuzeit  durch
Kopernikus  von  neuem  aufgenommen  wurde  und  da  erst  mit  einem  Siege  des  heliozentrischen
Systems  schloß.
Der  Mond,  von  Prof.  Dr.  Julius  Franz.  Mit  31  Rbbild.  (Bd.  90.)
Gibt  die  Ergebnisse  der  neueren  Mondforschung  wieder,  erörtert  die  Mondbewegung  und  Mondbahn, ­
  bespricht  den  Einfluß  des  Mondes  auf  die  Erde  und  behandelt  die  Fragen  der  Gberflächenbedingungen
  des  Mondes  und  die  charakteristischen  Mondgebilde,  anschaulich  zusammengefaßt ­
  in  „Beobachtungen  eines  Mondbewohners",  endlich  die  Bewohnbarkeit  des  Mondes.
Die  Planeten,  von  Prof.  Dr.  Bruno  Peter.  Mit  18  Figuren.  (Bd.  240.)
Bietet  unter  steter  Berücksichtigung  der  geschichtlichen  Entwicklung  unserer  Erkenntnis  eine  eingehende ­
  Darstellung  der  einzelnen  Körper  unseres  Planetensystems  und  ihres  Wesens.
Der  Kalender,  von  Prof.  Dr.  w.  F.  wislicenus.  (Bd.  69.)
Erklärt  die  für  unsere  Zeitrechnung  bedeutsamen  astronomischen  Erscheinungen  und  schildert  die
historische  Entwicklung  des  Kalenderwesens  vom  römischen  Kalender  ausgehend,  den  Werdegang
der  christlichen  Kalender  bis  auf  die  neueste  Zeit  verfolgend,  setzt  ihre  Einrichtungen  auseinander
und  lehrt  die  Berechnung  kalendarischer  Angaben.
Aus  der  Vorzeit  der  Erde,  von  Prof.  Dr.  Fritz  Frech.  In  5  Bänden.
2.  Ruflage.  Mit  zahlreichen  Rbbildungen.  (Bd.  207—211.)
In  5  Bänden  wird  eine  vollständige.  Darstellung  der  Fragen  der  allgemeinen  Geologie  und
physischen  Erdkunde  gegeben,  wobei  Ubersichtstabellen  die  Lachausdrücke  und  die  Reihenfolge
der  geologischen  Perioden  erläutern  und  auf  neue,  vorwiegend  nach  Griginal-Photographien  angefertigte ­
  Abbildungen  und  auf  anschauliche,  lebendige  Schilderung  besonders  wert  gelegt  ist.
        <pb n="163" />
        ctus  Natur  und  Geisteswelt.
Jeder  Band  geheftet  M.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  Bi.  1.25.

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Band  I:  Gebirgsbau,  Erdbebenlehre  und  Vulkanismus.  (Bd.  207.)
Band  II:  Kohlenbildung  und  Klima  der  Vorzeit.  (Bö.  208.)
Band  III:  Die  Arbeit  des  fließenden  Wassers.  Eine  Einleitung  in  die  physikalische  Geologie.
Mit  51  Abbildungen  im  Text  und  auf  S  Tafeln.  (Bö.  209.)
Behandelt  als  eines  der  interessantesten  Gebiete  der  Geologie  die  Arbeit  fließenden  Wassers,  Talbildung
  u.  Karstphänomen,  Höhlenbildung  u.  Schlammvulkane,  Wildbäche,  Ouellen  u.  Grundwasser.
Band  IV:  Die  Arbeit  des  Ozeans  und  die  chemische  Tätigkeit  des  Wassers  im  allgemeinen.
Mit  l  Titelbild  und  5l  Textabbildungen.  (Bö.  210.)
Behandelt  die  grundlegenden  erdgeschichtlichen  Vorgänge  der  Bodenbildung  und  Abtragung,  der
Küstenbrandung  und  maritimen  Gesteinsbildung  und  schließlich  die  Geographie  der  großen
Ozeane  in  Vergangenheit  und  Zukunft.
Band  V:  Gletscher  und  Eiszeit.  (Bö.  211.)
Arithmetik  und  Algebra  zum  Selbstunterricht,  von  Prof.  0r.  Paul
Crantz.  Zn  2  Bänden.  TTtit  Figuren.  (Bd.  120.  205.)
i.  Seil:  Die  Rechnungsarten.  Gleichungen  eilten  Grades  mit  einer  und  mehreren  Unbekannten.
Gleichungen  zweiten  Grades.  2.  Auflage.  Mit  9  Figuren.  (Bi).  120.)
II.  Seil:  Gleichungen.  Arithmetische  und  geometrische  Reihen.  Zinseszins-und  Rentenrechnung.
Komplexe  Zahlen.  Binomischer  Lehrsatz.  Mit  21  Figuren.  (Bd.  205.)
Band  l  unterrichtet  in  leicht  faßlicher,  für  das  Selbststudium  geeigneter  eingehender  Darstellung
unter  vcisügung  ausführlich  berechneter  Beispiele  über  die  sieben  Rechnungsarten,  die  Gleichungen
ersten  Grades  mit  einer  und  mehreren  Unbekannten  und  die  Gleichungen  zweiten  Grades  mit
einer  Unbekannten.  Band  II  ebenso  über  Gleichungen  höheren  Grades,  arithmetische  und  geometrische
Reihen,  Zinseszins-  und  Rentenrechnung,  komplexe  Zahlen  und  über  den  binomischen  Lehrsatz.
Einführung  ln  die  Infinitesimalrechnung  mit  einer  historischen
Übersicht,  von  Prof.  vr.  Gerhard  üowalewski.  Mit  18  Fig.  (Bd.  197.)
will,  ohne  große  Kenntnis  vorauszusetzen,  in  die  moderne  Behandlungsweise  der  Infinitesimalrechnung ­
  einführen,  die  die  Grundlage  der  gesamten  matheniatischen  RaturMissenschaft  bildet.
MathematischeSpiele.  von  vr.Wilhelm  Ührens.  Mit70Fig.  (Bd.170.)
Ein  kurzweiliger  und  doch  zuverlässiger  Führer  für  jeden,  dem  das  tiefere  Verständnis  der
täglich  von  ihm  geübten  Unterhaltungsspiele  Freude  macht.
Das  Schachspiel  und  seine  strategischen  Prinzipien.  Von  Dr.  Max  Lange.
Mit  den  Bildnissen  E.  Lasters  und  p.  Morphps,  1  Schachbrettafel  und  45
Darstellungen  von  Übungsspielen.  (Bd.  281.)
Sucht  durch  eingehende,  leichtverständliche  Einführung  in  die  Spielgesetze  sowie  durch  eine
größere,  mit  Erläuterungen  versehene  Auswahl  interessanter  Schachgänge  berühmter  Meister
diesem  anregendsten  und  geistreichsten  aller  Spiele  neue  Freunde  und  Anhänger  zu  werben.
hierzu  siehe  ferner:
Janson,  Meeresforschung  und  Meeresleben  S.  17.
Angewandte  Naturwissenschaft.  Technik.
Am  sausenden  Webstuhl  der  Zeit.  Übersicht  über  die  Wirkungen  der
Entwicklung  der  Naturwissenschaften  und  der  Technik  auf  das  gesamte  üulturleben.
  von  Geh.  Üeg.-Rat  Prof.  Vr.  Ing.  Wilhelm  Launhardt.  2.  kiufl.
Mit  16  Abbildungen.  (Bd.  25.)
Ein  geistreicher  Rückblick  auf  die  Entwicklung  der  Naturwissenschaften  und  der  Technik,  der  die
Weltwunder  unserer  Zeit  verdankt  werden.
Die  Uhr.  von  Neg.-Bauführer  a.  v.  h.  Bock.  Mit  47  Abbild.  (Bd.  216.)
Behandelt  Grundlagen  und  Technik  der  Zeitmessung,  sowie  eingehend,  durch  zahlreiche  technische
Zeichnungen  unterstützt,  den  Mechanismus  der  Zeitmesser  und  der  feinen  Präzisionsuhren  nach
seiner  theoretischen  Grundlage  wie  in  seinen  wichtigsten  Teilen.
Sildsr  aus  der  Ingenieurtechnik,  von  Baurat  Kurt  Merckel.  Mit
43  kibbildungen.  (Bd.  60.)
Zeigt  in  einer  Schilderung  der  Ingenieurbauten  der  Babylonier  und  Assyrer,  der  Ingenieurtechnik ­
  der  alten  Aegypter  unter  vergleichsweiser  Behandlung  der  modernen  Irrigationsanlagen
daselbst,  der  Schöpfungen  der  antiken  griechischen  Ingenieure,  des  Städtebaues  im  Altertum  und
der  römischen  tvasserleitungsbauten  die  hohen  Leistungen  der  Völker  des  Altertums.
        <pb n="164" />
        ctus  Natur  und  Geisteswett.
Jeder  Band  geheftet  Bk.  k.—,  in  Leinwand  gebunden  Bk.  1.25.

Schöpfungen  der  Ingenieurtechnik  der  Neuzeit,  von  Baurat  Kurt
Merckel.  2.  Auflage.  Bkit  55  Abbildungen.  (Bd.  28.)
Führt  eine  Reihe  interessanter  Ingenieur!  anten,  die  Gebirgsbahnen  und  die  Gebirgsstraßen  der
Schweiz  und  Tirols,  die  großen  Eisenbahnverbindungen  in  Asien,  endlich  die  modernen  Kanalund
  Hafenbauten  nach  ihrer  technischen  und  wirtschaftlichen  Bedeutung  vor.
DerEisenbetonbau.  von  vipl.-öng.G.haimovici.  Mit8k  Bbb.  (Bd.275.)
Gibt  eine  fachmännische  und  dabei  doch  allgemein  verständliche  Darstellung  dieses  neuesten,  in
seiner  Bedeutung  für  Hoch-  und  Tiefbau,  Brücken-  und  Wasserbau  stetig  wachsenden  Zweiges
der  Technik.
Das  Eisenhüttenwesen.  von  Geh.  Bergrat  Prof.  Or.  Hermann
lvedding.  3.  Auflage.  Mit  k5  Figuren.  (Bd.  28.)
Schildert,  wie  (Eisen  erzeugt  und  in  seine  Gebrauchsformen  gebracht  wird,  wobei  besonders  der
Hvchofenprozetz  nach  seinen  chemischen,  physikalischen  und  geologischen  Grundlagen  dargestellt
und  die  Erzeugung  der  verschiedenen  Lisenarten  und  die  dabei  in  Betracht  kommenden  Prozesse
erörtert  werden.
DieMetalle.  von  Prof.  vr.Karl  Scheid.  2.  Auflage.  Mitl6Abb.  (Bd  29.)
Behandelt  die  für  Kulturleben  und  Industrie  wichtigen  Metalle,  die  mutmaßliche  Bildung  der
Erze,  die  Gewinnung  der  Metalle  aus  den  Erzen,  das  hüt'enwesen  mit  seinen  verschiedenen
Systemen,  die  Fundorte  der  Metalle,  ihre  Eigenschaften,  Verwendung  und  Verbreitung.
Mechanik.  Bd.  I.  Die  Mechanik  der  festen  Körper,  von  Geh.  Regierungrrat
Albrecht  von  Jhering.  Mit  61  Abbildungen.  (Bd.  363.)
Durch  Anwendung  der  graphischen  Methode  und  Einfügung  instruktiver  Beispiele  eine  ausgezeichnete ­
  Darstellung  der  Grundiehren  der  Mechanik  der  festen  Körper.
Sand  II:  Die  Mechanik  der  flüssigen  Körper.  (In  Vorbereitung.)
Land  IN:  Die  Mechanik  der  gasförmigen  Körper.  (In  Vorbereitung.)
Mcrfchinenelemente.  von  Prof.  Richard  Vater.  Mit184Adb.  (Bd.381.)
Eine  Übersicht  über  dis  Fülle  der  einzelnen  ineinandergreifenden  Teile,  aus  denen  die  Maschinen
zusammengesetzt  sind,  und  ihre  Wirkungsweise.
Hebezeuge.  Vas  l)eben  fester,  flüssiger  und  luftförmiger  Körper,  von
Prof.  Richard  Vater.  Mit  67  Abbildungen.  (Bd.  196.)
Eine  für  weitere  Kreise  bestimmte,  durch  zahlreiche  einfache  Skizzen  unterstützte  Abhandlung
über  die  Hebezeugs,  wobei  das  Heben  fester,  flüssiger  und  luftförmiger  Körper  nach  dem
neuesten  Stande  der  Forschungen  eingehend  behandelt  wird.
Dampf  und  Dampfmaschine,  von  Prof.  Richard  Vater.  2.  Auflage.
Mit  45  Abbildungen.  (Bd.  63.)
Schildert  die  inneren  Vorgänge  im  Dampfkessel  und  namentlich  im  Zylinder  der  Dampfmaschine, ­
  um  so  ein  richtiges  Verständnis  des  Wesens  der  Dampfmaschine  und  der  in  der
Dampfmaschine  sich  abspielenden  Vorgänge  zu  ermöglichen.
Einführung  in  die  Theorie  und  den  Bau  der  neueren  Wärmekraftmaschinen ­
  (Gasmaschinen).  von  Prof.  Richard  Vater.  3.  Auflage.
Mit  33  Abbildungen.  (Bd.  21.)
Gibt  eine  die  neuesten  Fortschritte  berücksichtigende  Vorstellung  des  Wesens,  Betriebes  und
der  Bauart  der  immer  wichtiger  werdenden  Benzin-,  Petroleum-  und  Spiritusmaschinen.
Neuere  Fortschritte  auf  dem  Gebiete  der  Wärmekraftmaschinen,
von  Prof.  Richard  Vater.  2.  Auflage.  Mit  48  Abbildungen.  (Bd.  86.)
Will  ein  Urteil  über  die  Konkurrenz  der  modernen  wärmekrafimaschlnen  nach  ihren  vor-  und
Nachteilen  ermöglichen  und  weiter  in  Bau  und  Wirkungsweise  der  Dampfturbine  einführen.
Die  Wasserkraftmaschinen  und  die  Ausnützung  der  kvafferkräfte.  von
Geh.  Regierungsrat  Albrecht  v  Ihering.  Mit  73  Figuren.  (Bd.  228.)
Führt  von  dem  primitiven  Mühlrad  bis  z»  den  großartigen  Anlagen,  mit  denen  die  moderne
Technik  die  Kraft  des  Wassers  ZN  den  gewaltigsten  Leistungen  auszunutzen  versteht.
Landwirtsch.  Maschinenkunde,  von  Prof.  l)r.  Gu  st.  Fischer.  (Bd.316.)
Ein  Überblick  über  dis  verschiedenen  Arten  der  landwirtfchaftlichen  Maschinen  und  ihre
modernsten  Vervollkommnungen.

LS
        <pb n="165" />
        Bus  ttaiuv  und  Geisteswett.
Jeder  Band  geheftet  ITC.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  ttt.  1.25.

27

Die  Eisenbahnen,  ihre  Entstehung  und  gegenwärtige  Verbreitung,  von
Prof.  vr.  Friedrich  Hahn.  Mit  zahlreichen  Abbildungen.  (Bd.  71.)
Nach  einem  Rückblick  auf  die  frühesten  Jetten  des  LisenLahnbaues  führt  der  Verfasser  die
moderne  Eisenbahn  im  allgemeinen  nach  ihren  Hauptmerkmalen  vor.  Der  Vau  des  Bahnkörpers, ­
  der  Tunnel,  dis  großen  Brückenbauten  sowie  der  Betrieb  selbst  werden  besprochen,
schließlich  ein  Überblick  über  die  geographische  Verbreitung  der  Eisenbahnen  gegeben.
Heizung  und  Lüftung,  von  Ingenieur  Johann  Eugen  Mäher.  Mit

40  Abbildungen.

will  über  die  verschiedene»  Lüfiungs-  und  heizungsarten  menschlicher  wohn-  und  Aufenthalts,
räume  orientieren  und  zugleich  ein  Bild  von  der  modernen  Lüftungs.  und  kseizungstechnik
gebe»,  um  dadurch  Interesse  und  Verständnis  für  die  dabei  in  Betracht  kommenden,  in  gesundheitlicher ­
  Beziehung  so  überaus  wichtigen  Gesichtspunkte  zu  erwecken.
Die  technische  Entwicklung  der  Eisenbahnen  der  Gegenwart,  von
Eisenbahnbau-u.  Betriebsinsp.  Ernst  Biedermann.  Mit60  Abb.  (Bb.  144.)
Behandelt  die  wichtigsten  Gebiete  der  modernen  Lisenbahntechnik,  Oberbau,  Entwicklung  und
Umfang  der  Spurbahnnetze  in  den  verschiedenen  Ländern,  die  Geschichte  des  Lokomotivenwesens
bis  zur  Ausbildung  der  Heißdampflokomotioen  einerseits  und  des  elektrischen  Betriebes  andererseits ­
  sowie  der  Sicherung  des  Betriebes  durch  Stellwerks-  und  Blockanlagen.
Das  Automobil.  Eine  Einführung  in  Bau  und  Betrieb  des  modernen
Urastwagens.  von  Ing.  Karl  Blau.  Mit  83  Abbild.  (Bd.  166.)
Gibt  einen  anschaulichen  Überblick  über  das  Gesamtgebiet  des  modernen  Automobilismus,
wobei  besonders  das  Benzinautomabil,  das  Llektromabil  und  das  vampfautomobil  nach  ihren
Kraftquellen  und  sonstigen  technischen  Einrichtungen  wie  Zündung,  Nllhlung,  Bremsen,  Steuerung,
Bereifung  usw.  besprochen  werden.
Grundlagen  der  Elektrotechnik.,  von  vr.  Rudolf  Blochmann.  Mit
128  Abbildungen.  (Bd.  168.)
Sine  durch  lehrreiche  Abbildungen  unterstützte  Darstellung  der  elektrischen  Erscheinungen,  ihrer
Grundgesetze  und  ihrer  Beziehungen  zum  Magnetismus  sowie  eine  Einführung  in  dar  Verständnis ­
  der  zahlreichen  praktischen  Anwendungen  der  Elektrizität.
Dis  Telegraphen-  und  Fernsprechtechnik  in  ihrer  Entwicklung«
von  Telegrapheninspektor  Helmut  Brick.  Mit  58  Abbildungen.  (Bd.  235.)
Sine  erschöpfende  Darstellung  der  geschichtlichen  Entwicklung,  der  rechtlichen  und  technischen
Grundlagen  sowie  der  Organisation  und  der  verschiedenen  Betriebsformen  des  Telegraphiennd
  Zernsprechwesens  der  Erde.
Drähte  und  Nahe!,  ihre  Anfertigung  und  Anwendung  in  der  Elektrotechnik. ­
  von  Telegrapheninfpektor  helmuth  Brick.  Mit47Abb.  (Bd.  285.)
Gibt,  ohne  auf  technische  Einzelheiten  einzugehen,  durch  Illustrationen  unterstützt,  nach  einer
elementaren  Darstellung  der  Theorie  der  Leitung,  einen  allgemein  verständlichen  Überblick
über  die  Herstellung,  Beschaffenheit  und  Wirkungsweise  aller  zur  Übermittlung  von  elektrischem
Strom  dienenden  Leitungen.
Die  FunkerrteleZraphie.  Don  Gberpostpraktikant  h.  Thurn.  Mit
53  Illustrationen.  (Bd.  167.)
Nach  eingehender  Darstellung  des  Systems  Telestmlen  werken  die  für  die  verschiedenen  Anwendungsgebiete ­
  erforderlichen  RonstruMonstypen  vorgeführt,  wobei  nach  dem  neuesten  stand
von  Wissenschaft  und  Technik  in  jüngster  Zeit  ansgesührte  Anlagen  beschrieben  werben.  Danach
wird  der  Einfluß  der  Zunkentelegraphie  auf  Wirtschaftsverkehr  und  Wirtschaftsleben  sowie  die
Regelung  der  Zunkentelegraphie  im  deutschen  und  intcrnaiionaien  Verkehr  erörtert.
Nautik,  von  Gberlehrer  vr.  Johannes  Möller.  Mit  58  Fig.  (Bd.  255.)
Gibt  eine  allgemeinverständliche  Übersicht  über  das  gesamte  Gebiet  der  Steuermannskullst,  die
Mittel  und  Methoden,  mit  deren  Hilfe  der  Seemann  sein  Schiss  sicher  über  See  bringt.
Die  Luftschiffahrt«  ihre  wissenschaftlichen  Grundlagen  und  ihre  technische
Entwicklung,  vonvr.Raimund  Rimführ.  2.6ufl.  Mit42Abb.  (Bd.Mg.)
Bietet  eine  umfassende  Darstellung  der  wissenschastlichcn  Grundlagen  und  technischen  Entwicklung
der  Luftschiffahrt,  indem  es  vor  allem  das  Problem  des  vogelflnges  und  das  aerostatische  und
aerodynamische  Prinzip  des  künstlichen  Fluges  behandelt  und  eine  ausführliche,  durch  zahlreiche
Abbildungen  unterstützte  Beschreibung  der  verschiedenen  Konstruktionen  von  Luftschiffe»,  von
der  Montgolfiere  bis  zum  Motorballon  und  zum  modernen  Aeroplan  gibt.
        <pb n="166" />
        ££us  Natur  und  Geiftsswslt.
Jeder  Band  geheftet  M.  1.—,  in  Leinwand  gebunden  M.  7.25.

Die  Veleuchtungsarten  der  Gegenwart,  von  vr.  pkil.  Wilhelm  Brüfch.
Mit  755  Abbildungen.  (Bd.  108.)
Behandelt  die  technischen  und  wissenschaftlichen  Bedingungen  für  die  Herstellung  einer  wirtschaftlichen ­
  Lichtquelle  und  die  Methoden  für  die  Beurteilung  ihres  wirklichen  wertes  für  den
Verbraucher,  die  einzelnen  Beleuchtungsarten  sowohl  hinsichtlich  ihrer  physikalischen  und  chemischen
Grundlagen  als  auch  ihrer  Technik  und  Herstellung.
Bilder  aus  der  chemischen  Technik,  von  vr.  Artur  Müller.  717it
24  Abbildungen.  (Bd.  797.)
Eine  durch  lehrreiche  Abbildungen  unterstützte  Darstellung  der  Ziele  und  Hilfsmittels  der
cheniischen  Technik  im  allgemeinen,  wie  der  wichtigsten  Gebiete  (z.  B.:  Schwefelsäure,  Soda,
Chlor,  Salpetersäure,  Teerdestillation,  Farbstoffe)  im  besonderen.
Kgrikutturchemie.  von  vr.  p  Itrische.  Mit  27  Abbild,  (Bd.  374.)
Line  allgemeinverständliche  Übersicht  über  Geschichte,  Aufgaben,  Methoden,  Resultate  und  Erfolge ­
  dieses  volkswirtschaftlich  so  wichtigen  Zweiges  der  angewandten  Chemie.
Themis  und  Technologie  der  Sprengstoffe.  Von  Geh.  Reg.-Nat
Prof.  vr.  And.  Biedermann.  Mit  75  §ig.  (Bd.  286.)
Gibt  eine  allgemeinverständliche,  umfassende  Schilderung  des  Gebietes  der  Sprengstoffe,  ihrer
Geschichte  und  ihrer  Herstellung  bis  zur  modernen  Sprengstoffgroßindustrie,  ihrer  Fabrikation,
Zusammensetzung  und  Wirkungsweise  sowie  ihrer  Anwendung  auf  den  verschiedenen  Gebieten.
Photochemie.  vonprof.vr.  Gottfried  llümmell.  Mit25Abb.  (Bd.227.)
Erklärt  in  einer  für  jeden  verständlichen  Darstellung  die  chemischen  Vorgänge  und  Gesetze  der
Einwirkung  des  Lichtes  auf  die  verschiedenen  Substanzen  und  ihre  praktische  Anwendung,  besonders ­
  in  der  Photographie,  bis  zu  dem  jüngsten  Verfahren  der  Farbenphotographie.
Elektrochemie,  von  Prof.  vr.  Kurt  Hrnöt.  mit  38  Kbb.  (Bö.  234.)
Eröffnet  einen  klaren  Einblick  in  die  wissenschaftlichen  Grundlagen  dieses  modernsten  Zweiges
der  Chemie,  um  dann  seine  glänzenden  technischen  Erfolge  vor  Augen  zu  führen.
Die  Naturwissenschaften  im  Haushalt.  von  vr.  Johannes  Bongardt.
  In  2  Bänden.  Mit  zahlreichen  Abbildungen.  (Bd.  725.  126.)
I.  Teil:  wie  sorgt  die  Hausfrau  für  die  Gesundheit  der  Familie?  Mit  31  Abb.  (Bd.  125.)
II.  Teil:  wie  sorgt  die  Hausfrau  für  gute  Nahrung?  Mit  17  Abb.  (Bd.  126.)
Selbst  gebildete  Hausfrauen  können  sich  Fragen  nicht  beantworten  wie  die,  weshalb  sie  z.  v.
kondensierte  Milch  auch  in  der  heißen  Seit  in  offenen  Gefäßen  aufbewahren  können,  weshalb
sie  hartem  Wasser  Soda  zusetzen,  weshalb  Dbst  im  kupfernen  Ressel  nicht  erkalten  soll.  Da
soll  hier  an  der  Hand  einfacher  Beispiele,  unterstützt  durch  Experimente  und  Abbildungen,
das  naturwissenschaftliche  Denken  der  Leserinnen  so  geschult  werden,  daß  sie  befähigt  werden,
auch  solche  Fragen  selbst  zu  beantworten,  die  das  Buch  unberücksichtigt  läßt.
Chemie  in  Rüche  und  Haus.  von  weil.  Prof.  vr.  Gustav  Abel.  2.  Aufl.
von  vr.  Joseph  Ulein.  Mit  einer  mehrfarbigen  voppeltafel.  (Bd.  76.)
Gibt  eins  vollständige  Übersicht  und  Belehrung  über  die  Natur  der  in  Rüche  und  Haus  sich
vollziehenden  mannigfachen  chemischen  Prozesse.
hierzu  siehe  ferner:
Unger,  wie  ein  Buch  cntstshi.  s.  7.  Bruns,  vis  Telegraphie.  S.  15.  Graetz,  Das  Licht
und  dis  Farben,  s.  20.  Mt,  Die  Physik  der  Nälte.  s.  21.  Bavinki,  Natürliche  und  künstliche ­
  Pflanzen-  und  Tierstofse.  S.  21.  Uaisor,  Der  Lnftsticksioff.  S.  21.
        <pb n="167" />
        29

VERLAG  VON  8.  G.TEÜBNER  IN  LEIPZIG  UND  BERLIN

DIE  KULTUR  DER  GEGENWART
IHRE  ENTWICKLUNG  UND  IHRE  ZIELE
HERAUSGEGEBEN  VON  PROFESSOR  PAUL  HINNEBERG
In  4  Teilen.  Lex.-8.  Jeder  Teil  zerfällt  in  einzelne  inhaltlich  vollständig
in  sich  abgeschlossene  und  einzeln  käufliche  Bände  (Abteilungen).

Teil  i:  Die  geisteswissenschaftlichen ­
  Kulturgebiete,  i.  Hälfte.
Religion  und  Philosophie,  Literatur,
Musik  und  Kunst  (mit  vorangehender
Einleitung  zu  dem  Gesamtwerk).
Ten  H-  Die  geisteswissenschaftlichen ­
  Kulturgebiete.  -.n-ukte.  Staat
und  Gesellschaft,  Recht  und  Wirtschaft.

Teil  ni:  Die  naturwissenschaftlichen ­
  Kulturgebiete.  Mathematik,
Anorganische  und  organische  Naturwissenschaften, ­
  Medizin.
Teil  IV:  Die  technischen  Kulturgebiete.
  Bautechnik,  Maschinentechnik, ­
  industrielle  Technik,  Landwirtschaftliche ­
  Technik,  Handels-  und
Verkehrstechnik.

Die  „Kultur  der  Gegenwart“  soll  eine  systematisch  aufgebaute,  geschichtlich ­
  begründete  Gesamtdarstellung  unserer  heutigen  Kultur  darbieten,  indem  sie
die  Fandamentalergebnisse  der  einzelnen  Kulturgebiete  nach  ihrer  Bedeutung
für  die  gesamte  Kultur  der  Gegenwart  und  für  deren  Weiterentwicklung  in
großen  Zügen  zur  Darstellung  bringt.  Das  Werk  vereinigt  eine  Zahl  erster
Namen  aus  allen  Gebieten  der  Wissenschaft  und  Praxis  und  bietet  Darstellungen
der  einzelnen  Gebiete  jeweils  aus  der  Feder  des  dazu  Berufensten  in  gemeinverständlicher, ­
  künstlerisch  gewählter  Sprache  auf  knappstem  Raume.
„.  .  .  Wenden  wir  aber  unseren  Blick  zu  den  einzelnen  Leistungen,  die  hier
in  reichlichster  Fülle  geboten  sind,  dann  wissen  wir  in  der  Tat  nicht,  was  wir
herausgreifen  und  nennen  sollen.  Aus  jedem  der  angedeuteten  Gebiete  hat  ja
ein  Meister  seines  Faches  das  Wichtigste  kurz  und  übersichtlich  gegeben,  bald
aus  seiner  Geschichte  das  Wesen  des  behandelten  Gegenstandes  erläuternd,
bald  ihn  in  mehr  prinzipieller  und  schematischer  Form  vor  dem  Leser  ausbreitend.
Abgesehen  von  dem  Wert  der  hervorragenden  Einzelleistungen  erhält  das  ganze
Unternehmen,  zu  dem  es  gehört,  seinen  besonderen  Wert  dadurch,  daß  es  versucht, ­
  unser  Wissen  und  Können  zu  einer  möglichst  systematischen  Einheit  zu
verarbeiten.  Damit  wird  es  einem  gebieterischen  Bedürfnis  unserer  aus  der
seelischen  Zerklüftung  zur  Einheit  strebenden  Zeit  gerecht  und  steht  SO  da  als
ein  bedeutsames  Zeichen  der  Zeit.“  (Deutschs  Zeitung.)

Probeheft  und  Sonder-Prospekte  über  die  einzelnen
——  Abteilungen  (mit
Auszug  aus  dem  Vorwort  des  Herausgebers,  der  Inhaltsübersicht
des  Gesamtwerkes,  dem  Autoren-Verzeichnis  und  mit  Probestücken
aus  dem  Werke)  werden  auf  Wunsch  umsonst  und  postfrei
vom  Verlag  versandt.
        <pb n="168" />
        DIE  KULTUR  DER  GEGENWART

Bisher  sind  erschienen:
Die  allgemeinen  Grundlagen  der  Kultur  der  Gegenwart.
(1,1.)  (XV  u.  671S.]  Lex.-8.  1906.  Geh.  M  16.—,  in  Leinwand  geb.  Jt  18.—.
Inhalt;  Das  Wesen  der  Kultur:  W.  Lexis.  —  Das  moderne  Bildungswesen:  Fr.
Paulsen.  —  Die  wichtigsten  Bildungsmittel.  A.  Schulen  und  Hochschulen.  Das  Volksschulwesen; ­
  G.  Schöppa.  Das  höhere  Knabenschulwesen:  A.  Matthias.  Das  höhere
Mädchenschulwesen:  H.  Gaudig.  Das  Fach-  und  Fortbildungsschulwesen:  G.  Kersch  enstein ­
  er.  Die  geisteswissenschaftliche  Hochschulausbildung;  Fr.  Paulsen.  Die  naturwissenschaftliche ­
  Hochschulausbildung:  W.  v.  Dyck.  B.  Museen.  Kunst-  und  Kunstgewerbe-Museen:
  L.  Pallas.  Naturwissenschaftlich-technische  Museen:  K.  Kraepelin.  C.  Ausstellungen. ­
  Kunst-und  Kunstgewerbe-Ausstellungen;  J.  Lessing.  Naturwissenschaftlichtechnische ­
  Ausstellungen;  0.  N.  Witt.  D.  Die  Musik:  G.  Göhler.  E.  Das  Theater:
P.  Schlenther.  F.  Das  Zeitungswesen;  K.  Bücher.  G.  Das  Buch:  R.  Pietschmann.
H.  Die  Bibliotheken:  F.  Milkau.  —  Die  Organisation  der  Wissenschaft:  H.  Di  eis.
Die  Orientalischen  Religionen  mit  Einleitung  „Die  Anfänge  der
Religion  und  die  Religion  der  primitiven  Völker“.  (1.  III.  I.)  (VII  U.  267  S.J
Lex.-8.  1906.  Geh.  Jt  7.—,  in  Leinwand  geb.  Jt  9.—.
Inhalt:  Die  Anfänge  der  Religion  und  die  Religion  der  primitiven  Völker:  Edv.
Lehmann.  —  1.  Die  ägyptische  Religion:  Adolf  Erman.  —  11.  Die  asiatischen  Religionen.
Die  babylonisch-assyrische  Religion:  C.  Bezold.  Die  indische  Religion:  H.  Oldenberg.
Die  iranische  Religion:  H.  Oldenberg.  Die  Religion  des  Islams;  J.  Goldziher.  Der
Lamaismus:  A.  Grünwedel.  Die  Religionen  der  Chinesen:  J.  J.  M.  de  Groot.  Die  Religionen ­
  der  Japaner:  a)  Der  Shintoismus;  K.  Florenz,  b)  Der  Buddhismus:  H.  Haas.
Diß  Christliche  Religion  mit  Einschluß  der  israelitisch-jüdischen
Religion.  (!.  4.)  [X  u.  752  S.J  Lex.-8.  1906.  Geh.  Jt  16.—,  in  Leinwand
geb.  M  18.—.  Auch  in  zwei  Hälften:
I.  Geschichte  der  christlichen  Religion.  Geh.  Jt  9.60,  geb.  Jt  11.—.
Inhalt:  Die  israeliiisch-jfldische  Religion;  J.Wellhausen.  Die  Religion  Jesu  und
die  Anfänge  des  Christenlums  bis  zum  Nicaennm  (325):  A.  J  ü  1  i  c  h  e  r.  Kirche  und  Staat  bis  zur
Gründung  der  Staalskirche:  A.  Harnack.  Griechisch-orthodoxes  Christentum  und  Kirche  in  i
Mittelalter  und  Neuzeit:  N.  Bonwetsch.  Christentum  und  Kirche  Westeuropas  im  Mittel-  I
alter;  K.  Müller.  Katholisches  Christentum  und  Kirche  in  der  Neuzeit:  F.  X.  Funk.  Protestantisches ­
  Christentum  und  Kirche  in  der  Neuzeit:  E.  Troeltsch.
II.  Systematische  christliche  Theologie.  Geh.  Jt  6.60,  geb.  Jt  8.—
Inhalt:  Wesen  der  Religion  und  der  Religionswissenschaft:  E.  Troeltsch.  Christ-  j
lich-katholische  Dogmatik:  J.  Pohle.  Christlich-katholische  Ethik:  J.  Mausbach.  Christlich-katholische ­
  praktische  Theologie:  C.  Krieg.  Christlich-protestantische  Dogmatik:  W.  ?
Herrmann.  Christlich-protestantische  Ethik:  R.  Seeberg.  Christlich-protestantische
praktische  Theologie:  W.  Fab  er.  Die  Zukunftsaufgaben  der  Religion  und  der  Religionswissenschaft: ­
  H.  J.  Holtzmann.
Allgemeine  Geschichte  der  Philosophie,  (i.s.)  (vni  u.572  sj
Lex.-8.  1909.  Geh.  Jt  12.-,  in  Leinwand  geb.  Je  14.—.
Inhalt:  Einleitung.  Die  Anfänge  der  Philosophie  und  die  Philosophie  der  primitiven
Völker;  Wilhelm  Wunds.  I.  Die  indische  Philosophie:  Hermann  Oldenberg.  II.  Die
islamische  und  die  jüdische  Philosophie:  Ignaz  Goldziher.  III.  Die  chinesische  Philosophie: ­
  Wilhelm  Grube.  IV.  Die  japanische  Philosophie;  Tetsujiro  Inouye.  V.  Die
europäische  Philosophie  des  Altertums:  Hans  von  Arnim.  VI.  Die  europäische  Philosophie
des  Mittelalters:  Clemens  Baumker.  VII.  Die  neuere  Philosophie:  Wilh.  Windelband.
Systematische  Philosophie,  (i.  e.)  2.,  durchgesehene  Aufi.  (Xu.
435  S.|  Lex.-8.  1908.  Geh.  Jt  10.—,  in  Leinwand  geb.  Jt  12.—.
Inhalt:  Allgemeines.  Das  Wesen  der  Philosophie:  Wilhelm  Dilthey.  Die  einzelnen ­
  Teilgebiete.  1.  Logik  und  Erkenntnistheorie;  Alois  Riehl.  II.  Metaphysik:  Wilhelm
Wandt.  111.Naturphilosophie:  Wilhelm  Ostwald.  IV.Psychologie;  Hermann  Ebbinghaus. ­
  V.  Philosophie  der  Geschichte:  Rudolf  Eucken.  VI.  Ethik;  Friedrich
Paulsen.  VII.  Pädagogik:  Wilhelm  Münch.  VIII.  Ästhetik:  Theodor  Lipps.  —  Die
Zukunitsaufgaben  der  Philosophie:  Friedrich  Paulsen.
        <pb n="169" />
        DIE  KULTUR  DER  GEGENWART

n

Die  orientalischen  Literaturen  mit  Einleitung  „vis  Anfänge  der
Literatur  una  die  Literatur  der  primitiven  Völker“.  (I.  7.)  [IX  u.  419  S.J
Lex.-8.  1906.  Geh.  M  10.  —  ,  in  Leinwand  geb.  M  12.—.
Inhalt:  Die  Anfänge  der  Literatur  und  die  Lit.  der  primitiven  Völker:  E.  Schmidt.  —
Die  ägyptische  Lit.:  A.  Erman.  Die  babylonisch-assyrische  Lit.:  G.  Bezold.  Die  israelitische ­
  Lit.:  H.  Gunkel.  Die  aramäische  Lit.:  Th,  Nöldeke.  Die  äthiopische  Lit.:  Th.
Nöldeke.  Die  arabische  Lit.:  M.  J.  de  Goeje.  Die  indische  Lit.:  R.  Fischel.  Die
altpersische  Lit.:  K.  Geldner.  Die  mittelpersische  Lit.:  P.  Horn.  Die  neupersische  Lit.:
P.  Horn.  Die  türkische  Lit.:  P.  Horn.  Die  armenische  Lit.:  F.  N.  Finck.  Die  georg'sche
Lit.:  F.  N.  Finck.  Die  chinesische  Lit.:  W.  Grube.  Die  japanische  Lit.:  K.  Florenz.
Die  griechische  und  lateinische  Literatur  und  Sprache.
(i.  8.)  2.  Auflage.  [VIII  u.  494  S.J  Lex.-8.  1907.  Geh.  Ji  10.—,  in  Leinwand ­
  geb.  JI  12.—.
Inhalt:  i.  Die  griechische  Literatur  und  Sprache.  Die  griechische  Literatur  des  Altertums:
U.  v.  Wilamowilz-Moellendorff.  Die  griechische  Literatur  des  Mittelalters:  K.  Krurabacher.
  Die  griechische  Sprache:  J.  Wackernagel.  II.  Die  lateinische  Litera'ur  und
Sprache.  Die  römische  Literatur  des  Altertums:  F  r.  Leo.  Die  lateinische  Literatur  im  Übergang
vom  Altertum  zum  Mittelalter:  E.  Norden.  Die  lateinische  Sprache:  F.  Skutsch.
Di6  osteuropäischen  Literaturen  und  die  slawischen  Sprachen.
(1.  9.)  [VIII  U.  396  S.j  1908.  Geh.  Ji  10.—,  in  Leinwand  geb.  Jt  12.—,
Inhalt:  Die  slawischen  Sprachen:  V.  v.  Jagid.  —  Die  russische  Literatur:  A.
Wesselovsky.  Die  polnische  Literatur:  A.  Brückner.  Die  böhmische  Literatur:  J.
Mächal.  Die  südslawischen  Literaturen:  M.  Murko.  Die  neugriechische  Literatur:
0.  Thumb.  Die  ungarische  Literatur:  Fr.  Riedl.  Die  finnische  Literatur:  E.  N.  Setälä.
Die  estnische  Literatur:  G.  Suits.  Die  litauische  Literatur:  A.  Bezzenberger.  Die
lettische  Literatur:  E.  Wolter.
Die  romanischen  Literaturen  und  Sprachen  mit  Einschloß
des  Keltischen.  (1.  xi.  l.)  [VII  u.  499  S.]  Lex.-8.  1909.  Geh.  Ji  12.—,  in
Leinwand  geb.  Ji  14.—.
Inhalt:  !.  Die  keltischen  Literaturen.  1.  Sprache  und  Literatur  der  Kelten  im  allgemeinen: ­
  Heinrich  Zimmer.  2.  Die  einzelnen  keltischen  Literaturen,  a)  Die  irischgälische
  Literatur:  Kuno  Meyer,  b)  Die  schottisch-gälische  und  die  Manx-Lileralur.
c)  Die  kymrische  (walisische)  Literatur,  d)  Die  komische  und  die  bretonische  Literatur:
Ludwig  Christian  Stern.  —  II.  Die  romanischen  Literaturen.  I.  Frankreich  bis  zürn
Ende  des  15.  Jahrhunderts.  2.  Italien  bis  zum  Ende  des  17.  Jahrhunderts.  3.  Die  kastilische
  und  portugiesische  Literatur  bis  zum  Ende  des  17.  Jahrhunderts.  4.  Frankreich  bis
zur  Romantik.  5.  Die  übrige  Romania  bis  zur  Romantik.  6.  Das  19.  Jahrhundert;  Heinrich ­
  Mors.  —  Hl.  Die  romanischen  Sprachen:  Wilhelm  Meyer-Lübke.
Staat  und  Gesellschaft  der  neueren  Zeit  (bis  zurfraazös.
Revolution).  (II.  V.  I.)  Bearb.  v.  F.  v.  Bezold,  E.  Gothein  und  R.  Koser.
[VI  u.  349  S.J  Lex.-8.  1908.  Geh.  M  9,-,  in  Lwd.  geb.  JC  11.-.
Inhalt:  I.  Staat  und  Gesellschaft  des  Reiormationszeitalters.  a)  Sfaalensystem  und
Machlverschiebungen.  b)  Der  moderne  Staat  und  die  Revolution,  c)  Die  gesellschaftlichen
Wandlungen  und  die  neue  Oeisteskultur;  Friedrich  von  Bezold.  II.  Staat  und  Gesellschaft ­
  des  Zeitalters  der  Gegenreformation:  Eberh.  Gothein.  111.  Staat  und  Gesellschaft  zur
Höhezeit  des  Absolutismus,  a)  Tendenzen,  Erfolge  und  Niederlagen  des  Absolutismus,  b)  Zustände ­
  der  Gesellschaft,  c)  Abwandlungen  des  europäischen  Staatensystems:  Rein  h.  Roser.
Allgemeine  Verfassungs-  und  Verwaltungsgeschichte
des  Staates  und  der  Gesellschaft.  (11.2.)
Inhalt:  I,  Anfänge  der  Verfassung  und  der  Verwaltung;  Verfassung  und  Verwaltung
der  primitiven  Völker:  A.  Vierkandt.  II.  Orientalische  Verfassung  und  Verwaltung  des
Altertums,  Mittelalters  und  der  Neuzeit.  1.  Altertum  ;  L.  Wenger.  2.  Mittelalter  und  Neuzeit,
a)  Nordafrikanische  und  westafrikanische  (islamische)  Verfassung  und  Verwaltung:  M.  Hartmann.
  b)  Ostasiatische  Verfassung  und  Verwaltung:  0.  Franke.  HL  Europäische  Verfassung ­
  und  Verwaltung.  1.  Altertum:  L.  Wenger.  2.  Mittelalter:  A,  Luschin  v«
Ebengreuth.  3.  Neuzeit:  0.  Hintze.
        <pb n="170" />
        DIE  KULTUR  DER  GEGENWART

Staat  und  Gesellschaft  des  Orients,  (ii.  3.)
Inhalt:  I.  Anfänge  des  Staates  und  der  Gesellschaft.  Staat  and  Gesellschaft  der
primitiven  Völker:  A.  Vierkandt.  —  II.  Staat  und  Gesellschaft  des  Orients  im  Altertum,
Mittelalter  und  der  Neuzeit.  A.  Altertum.  G.  Maspero.  B.  Mittelalter  und  Neuzeit.
1.  Staat  und  Gesellschaft  Nordafrikas  und  Westasiens.  (Die  islamischen  Völker):
M.  Hartmann.  2,  Staat  und  Gesellschaft  Ostasiens,  a)  Staat  und  Gesellschaft  Chinas:
0.  Franke,  b)  Staat  und  Gesellschaft  Japans;  K.  Ralhgen.
Systematische  Rechtswissenschaft,  (ii.  8 .)  [x,  lx  «.  526  s.j
Lex.-8.  1906.  Geh.  JC  14.—,  in  Leinwand  geb.  JC  16.—.
Inhalt:  Allgemeines  Wesen  des  Rechtes  und  der  Rechtswissenschaft:  R.  Stammler.
Die  einzelnen  Teilgebiete:  Privatrecht.  Bürgerliches  Recht:  R.  S  0  h  m.  Handels-  und  Wechsel-Tech!
  :  G.  Gar  eis.  Versicherungsrecht:  V.  Ehrenberg.  Internationales  Privatrecht:  L.  v.
Bar.  Zivilprozeßrecht;  L.  v.  Seuffert.  Strafrecht  und  Strafprozeßrecht:  F.v.  Liszt.  Kirchenrecht: ­
  W.  Kahl.  Staatsrecht:  P.  Lab  and.  Verwaltungsrecht.  Justiz  und  Verwaltung:  G.
Anschütz.  Polizei  und  Kulturpflege:  E.  Bernatzik.  Völkerrecht:  F.  v.  Martitz.  Die  Zukunftsaufgaben ­
  des  Rechtes  und  der  Rechtswissenschaft:  R.  Stammler.
Allgemeine  Volkswirtschaftslehre,  (ii.x.  1.)  vonw.Lexis.
Geh.  M.  ,  in  Leinwand  geb.  M.  9.—.
Inhalt.  Einleitung.  —  Der  Kreislauf  der  Volkswirtschaft.  I.  Der  Wert.  II.  Die  Nachfrage. ­
  111.  Die  Produktion.  IV.  Kapitalvermögen  und  Unternehmung.  V.  Das  Angebot.
VI.  Die  Preisbildung.  VII.  Handel  und  Preise.  VIII.  Das  Geld.  IX.  Kredit-und  Bankwesen.
X.  Der  Wert  der  Geldeinheit.  XI.  Das  Einkommen.  XII.  Näheres  über  Arbeitseinkommen
und  Kapitalgewinn.  XIII.  Die  Grundrente.  XIV.  Produktion  und  Einkommen.  XV.  Krisen,
XVI.  Die  Konsumtion.  XVII.  Produktion  und  Verteilung.  XV1JI.  Zukunftsaussichten.

In  Vorbereitung  befinden  sich:
Aufgaben  und  Methoden  der  Geisteswissenschaften.  (I.  2.)  —  Europäische
Seligion  des  Altertums.  (I.  m.  2.)  —  Deutsche  Literatur  und  Sprache.  (I.  io.)
—  Englische  Literatur  und  Sprache,  skandinavische  Literatur  und  allgemeine ­
  Literaturwissenschaft.  (I.  XI.  2.)  —  Die  Musik.  (I.  12.)  —  Orientalische ­
  Kunst.  Europäische  Kunst  des  Altertums.  (!.  13.)  —  Europäische
Kunst  des  Mittelalters  und  der  Neuzeit.  Allgemeine  Kunstwissenschaft,
(1.  14.)  —  Völker-,  Länder-  und  Staatenkunde.  (11.1.)  —  Staat  und  Gesellschaft ­
  Europas  im  Altertum  und  Mittelalter.  (II.  4.)  —  Staat  und  Gesellschaft ­
  der  neuesten  Zeit.  (II.  v.  2.)  —  System  der  Staats-  und  Gesellschafts-Wissenschaft. ­
  (ii.  6.)  —  Allgemeine  Rechtsgeschichte  mit  Geschichte
der  Rechtswissenschaft.  (II.  7.)  —  Allgemeine  Wirtschaftsgeschichte  mit
Geschichte  der  Volkswirtschaftslehre.  (II.  9.)
        <pb n="171" />
        KNuG  naturtD.

Verlag  von  B.  G.  Teubner  in  Leipzig  und  Berlin

HIMMEL  UND  ERDE
Illustrierte  naturwissenschaftliche  Monatsschrift
unter  ständiger  Mitwirkung  von
Geh.  Reg.-Rat  Prof.  Dr.  Aron,  Berlin,  Prof.  Dr,  Donath,  Berlin,  Geh.  Reg.-Rat
Prof.  Dr.  Foerster,  Berlin,  Prof.  Dr.  Franz,  Breslau,  Prof.  Dr.  Heck,  Berlin,  Geh.
Reg.-Rat  Prof.  Dr.  Hellmann.  Berlin,  Geh.  Reg.-Rat  Prof.  Dr.  Neesen,  Berlin,
Geh.  Reg.-Rat.  Prof.  Dr.  Nernst,  Berlin,  Prof.  Dr.  Plate,  Berlin,  Prof.  Dr.  Ristenpart,
  Santiago,  Prof  Dr.  Scheines,  Potsdam,  Prof.  Dr.  Spies,  Posen,  Prof.  Dr.
Süring,  Berlin,  Dr.  Theslng,  Leipzig,  Geh.  Bergrat  Prof.  Dr.  Wahnschaffe,  Berlin,
Prof.  Dr.  Walther,  Halle
redigiert  von
Dr.  P.  Schwahn
Direktor  der  Urania
XXII.  Jahrgang  1910.  Jährlich  12  Hefte  mit  Tafeln  und  Abbildungen
Preis  vierteljährlich  M.  3.60.
Sich  fernhaltend  von  einer  seichten  Popularität,  die  nur  der
Halbbildung  dient,  unterrichtet  „Himmel  und  Erde“  in  wissenschaftlich ­
  einwandfreier,  aber  dennoch  jedem  Gebildeten  verständlicher ­
  Weise  den  Leser  über  alle  Fortschritte  auf  dem  Gebiete  der
Naturwissenschaft  und  Technik.  Seit  den  mehr  denn  zwei
Dezennien  ihres  Bestehens  erfreut  sich  die  Zeitschrift  der  ständigen ­
  Mitarbeit  der  besten  Namen  aus  allen  Fachgebieten.  Der
reiche  Bilderschmuck,  der  jedem  Hefte  beigegeben  ist,  und  die
gediegene  Ausstattung  machen  das  Blatt  zu  einem  Schmuck  für
jede  Bibliothek.  Jedes  Heft  enthält  eine  Anzahl  reich  illustrierter
größerer  Aufsätze  von  namhaften  Fachgelehrten,  die  entweder
fundamentale  Fragen  der  Naturwissenschaft  und  Technik  oder
biographische  Würdigungen  schöpferischer  Geister  auf  dem
Gebiete  moderner  Naturerkenntnis  behandeln.  An  die  größeren
Aufsätze  schließen  sich  Mitteilungen  über  wichtige  Entdeckungen
und  Erfindungen,  über  naturwissenschaftliche“und  technische
Kongresse,  über  die  jeweiligen  Himmelserscheinungen,  außerdem ­
  Besprechungen  der  hervorragendsten  neuen  Werke  auf
naturwissenschaftlichem  Gebiete  sowie  eine  sorgfältig  durchgearbeitete ­
  Bücherschau.  So  wird  es  dem  Leser  gewährleistet,
daß  er  den  Überblick  nicht  verliert  und  einerlei,  ob  er  selbst
forschend  tätig  ist  oder  mitten  im  praktischen  Leben  steht,  Fühlung
mit  den  Errungenschaften  unseres  naturwissenschaftlichen  Zeitalters ­
  behält.

Probehefte  auf  Verlangen  umsonst  u.  postfrei  vom  Verlag
        <pb n="172" />
        was  spricht  in  unserem  heim  mehr  zu  uns  als  dessen  Vildschmuck?
Und  doch  wie  gedankenlos  wird  er  oft  gewählt!  wir  wollen  gar  nicht  von  Öldrucken
schlimmster  Art  reden!  Auch,  die  Reproduktion  eines  berühmten  Gemäldes,  oft  undeutschen
Gmpfindungsgehaltes,  an  der  wand  verschwindend,  das  Veste  des  Runjtwerkes  durch
RIeinheit  und  Zarblosigkeit  vernichtend,  was  vermag  sie  uns  als  Wandschmuck  in  unserem
yeim  zu  sagen,  wenn  wir  nach  des  Tages  verwirrendem  Getriebe  Sammlung  in  ihm  suchen  ?
welcher  Art  soll  vielmehr  ein  Bild  im  deutschen  Hause  sein?
vor  allem  muh  ckeutkckes  Empflncken,  ckeutkcke  Innigkeit,  ckeutkcke  Deimar-Uede
  darin  zum  Ausdruck  kommen.  Nur  so  vermag  es  zu  uns  zu  sprechen,  nur  so
wird  es  aus  unerschöpflichem  üfuell  immer  Neues  zu  sagen  wissen.
Darum  darf  ein  vild  vor  allem  auch  Keine  alltäglicken  sUattKeiten  unck  SiiblkcKKeiten
bieten,  deren  wir  als  ernsthafte  Menschen  in  kurzer  Zeit  überdrüssig  sind.  Ls  mutz  uns
sodann  nicht  nur  durch  seinen  Inhalt,  sondern  auch  durch  die  Kunst  cker  Darstellung  des
Geschauten  immer  aufs  neue  fesseln.  Vas  vermag  eine  Reproduktion  nun  überhaupt
kaum,  das  kann  nur  sin  originalkunktwerk.  Vas  Bild  endlich  mutz  eine  gewisse  Kraft
derDarstellung  besitzen,  es  mutz  den  Raum,  in  dem  es  hängt,  durchdringen  und  beherrschen.
Teubners  Nünstler-Zteinzeichnungen
(Original-Ilithographien)  bieten  all  das,  was  wir  von  einem  guten  (Handbild
  im  deutschen  ßause  fordern  müssen.  Sic  bieten  Werke  großer,  ursprünglicher,
farbenfroher  Kunst,  die  uns  das  Schöne  einer  Welt  von  Formen  und  Farben  mit  den
Augen  des  Künstlers  sehen  lassen  und  sie  in  dessen  unmittelbarer  Sprache  wiedergeben.
In  der  Original-Lithographie  führt  der  Künstler  eigenhändig  die  Zeichnung  auf  dem
Stein  aus,  bearbeitet  die  Platten,  bestimmt  die  Wahl  der  Farben  und  überwacht  den
Druck.  Das  Bild  ist  also  bis  in  alle  Einzelheiten  hinein  das  Werk  des  Künstlers,  der
unmittelbare  Ausdruck  seiner  Persönlichkeit.  Keine  Reproduktion  kann  dem  gleichkommen
an  künstlerischem  wert  und  künstlerischer  Wirkung.
Ceubners  Künstler-Steinzcichnungen  sind  Merke  echter  Bcimatfcunst,  die
stark  und  lebendig  auf  uns  wirken.  Das  deutsche  Land  in  seiner  wunderbaren  Mannigfaltigkeit, ­
  seine  Eier-  und  Pflanzenwelt,  seine  Landschaft  und  sein  Volksleben,  seine
Werkstätten  und  seine  Fabriken,  seine  Schiffe  und  Maschinen,  seine  Städte  und  seine
Denkmäler,  seine  Geschichte  und  seine  Helden,  seine  Märchen  und  seine  Lieder  bieten
vor  allem  den  Stoff  zu  den  Bildern.
Sie  enthalten  eine  große  Auswahl  verschiedenartiger  Motive  und  -färbenstimmungen
in  den  verschiedensten  Größen,  unter  denen  sich  für  jeden  Kaum,  den  vornehmsten
wie  das  einfachste  Wohnzimmer,  geeignete  Blätter  finden.  Neben  ihrem  hohen  künstlerischen
wert  besitzen  sie  den  Vorzug  der  Preiswürdigkeit.  All  das  macht  sie  zu  willkommenen
Geschenken  zu  Weihnachten,  Geburtstagen  und  Hochzeiten  und  macht  sie  zum  besten,  zu
dem  künstlerischen  Wandschmuck  für  das  deutsche  Haus!
Die  grasten  Blätter  im  Format  100x70,  70x53  und  60x50
kosten  M.  6.—,  bzw.  ITT.  5.—  und  Tlt.  3.—.  Die  Blätter  in  dem
Format  41x30  nur  M.  2.50  und  die  Bunten  Blätter  gar  nur  M.  I.—.
preiswerte  Rahmen,  die  auch  die  Anschaffung  eines  gerahmten
Bildes  ohne  nennenswerte  Mehrkosten  gestatten,  liefert  die  Verlagshandlung ­
  in  verschiedenen  Ausführungen  und  Holzarten  für  das
Bildformat  100x70  in  der  Preislage  von  M.  4.50  bis  M.  16.—,  für
das  Format  75x55  von  M.  4.—  bis  M.  12.—,  für  das  Format
41x30  von  M.  1.75  bis  M.  4.50.
        <pb n="173" />
        örteile  über  ß.  6.  üeubners
farbige  Küb  stler-Steinzeicbmmgen.
......  Doch  wird  man  auch  aus  dieser  nur  einen  beschränkten  Teil  der  vorhandenen ­
  Bilder  umfassenden  Aufzählung  den  Reichtum  des  Dargebotenen  erkennen.
Indessen  es  genügt  nicht,  daß  die  Bilder  da  sind,  sie  müssen  auch  gekauft  werden.  Sie
müssen  vor  allen  Dingen  an  die  richtige  Stelle  gebracht  werden.  Für  öffentliche  Gebäude ­
  und  Schulen  sollte  das  nickt  schwer  halten,  wenn  Lehrer  und  Geistliche  wollen,
werden  sie  die  Mittel  für  einige  solche  Bilder  schon  überwiesen  bekommen.  Dann  sollte
man  sich  vor  allen  Dingen  in  privaten  Kreisen  solche  Bilder  als  willkommene  Geschenke
zu  Weihnachten,  zu  Geburtstagen,  Hochzeitsfesten  und  allen  derartigen  Gelegenheiten
merken.  Line  derartige  große  Lithographie  in  den  dazu  vorrätigen  Rahmungen
ist  ein  Geschenk,  das  auch  den  verwöhntesten  Geschmack  befriedigt,  ctn  den
kleinen  Blättern  erhält  man  für  eine  Ausgabe,  die  auch  dem  bescheidensten  Geldbeutel
erschwinglich  ist,  ein  dauernd  wertvolles  Geschenk."  (Türmer-Jahrbuch.)

Versteinerte  farbiae  Wiedergabe  der  Original--Lithographie.

„Von  den  Bilderunternehmungen  der  letzten  Jahre,  die  der  neuen  'ästhetischen
Bewegung'  entsprungen  sind,  begrüßen  wir  eins  mit  ganz  ungetrübter  Freude:  den
'künstlerischenWandschmuck  fürZchule  und  Haus',  den  die  Firma  B.G.Teubner  in  Leipzig
herausgibt....  wir  haben  hier  wirklich  einmal  ein  aus  warmer  Liebe  zur  guten
Sache  mit  rechtem  Verständnis  in  ehrlichem  Bemühen  geschaffenes  Unternehmen  vor
uns  —  fördern  wir  es,  ihm  und  uns  zu  Nutz,  nach  Kräften!"  (Kun  stwart.)
„Alt  und  jung  war  begeistert,  geradezu  glücklich  über  die  Kraft  malerischer
Wirkungen,  die  hier  für  verhältnismäßig  billigen  Preis  dargeboten  wird.  Endlich
einmal  etwas,  was  dem  öden  Hldruckbilde  gewöhnlicher  Art  mit  Erfolg  gegenübertreten
  kann."  (Die  ßilfe.)
„Es  läßt  sich  kaum  noch  etwas  zum  Ruhme  dieser  wirklich  künstlerischen  Steinzeichnungen ­
  sagen,  die  nun  schon  in  den  weitesten  Rreisen  des  Volkes  allen  Beifall
gefunden  und  —  was  ausschlaggebend  ist  —  von  den  anspruchvollsten  Kunstfreunden
ebenso  begehrt  werden,  wie  von.  jenen,  denen  es  längst  ein  vergeblicher  Wunsch  war,
das  beim  wenigstens  mit  einem  farbigen  Original  zu  schmücken,  was  sehr  selten  vorkommt: ­
  hier  begegnet  sich  wirklich  einmal  des  Volkes  Lust  am  Beschauen  und  des
Kenners  Freude  an  der  künstlerischen  Wiedergabe  der  Außenwelt."  (KunstfürHUe.)
„...  (Es  ist  unseres  Erachtens  wertvoller,  an  dieser  originalen  Kunst  sehen  zu  lernen,
als  an  vielen  hundert  mittelmäßigen  Reproduktionen  das  Auge  zu  verbilden  und  totes
wissen  zu  lernen,  statt  lebendige  Kunst  mitzuerleben."  (XUustrierte  Zeitung.)
        <pb n="174" />
        ing  Scan  Reference  Chart  TE263  Serial  No.

Die  philosophischen  Systeme.

49

o
ro

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ich  andere  zur  richtigen  Erkenntnis  führen  und  damit
Der  Ysäanta  lehrt,  daß  Opfer  und  andere  fromme
ösung  beitragen,  macht  also  die  äußere  Werkheiligi
  nach  Erlösung  ringenden  verbindlich.  Das  Samkhya
mt  ausdrücklich  die  Darbringung  von  Opfern  und
:  gute  Werke  die  Erreichung  der  richtigen  Erkenntnis
-  vndern  hindern.  Es  legt  gar  kein  Gewicht  auf  die
&amp;gt;as  ist  der  große  Unterschied  zwischen  ihm  und  dem
Buddha  legte  im  Gegensatz  dazu  den  größten  Wert
moralisches  Leben  und  hat  gerade  diese  Seite  seiner
rnswert  ausgebildet.  Und  noch  in  einem  andern
seidet  sich  der  Buddhismus  scharf  vom  Sämkhya.
fordert  Gleichgültigkeit  gegen  alle  weltlichen  Dinge,
ing  mit  ihnen  lenke  den  Geist  ab,  und  die  Bet
  nicht  gestillt  durch  den  Genuß.  Das  Lärpkbya
aß  der  Erlösungsbedürftige  allem  weltlichen  Treiben
age,  und  zwar  freiwillig,  da  jeder  Zwang  Kummer
:  empfiehlt  das  Lämkbya,  die  Einsamkeit  aufzusuchen
hliche  Gesellschaft  möglichst  zu  meiden,  also  der  Gedem
  Wege  zu  gehen,  sich  zu  zerstreuen  und  neuen
Zerfallen.  Angestrengtes  Nachdenken,  Konzentraüon
zur  richtigen  Erkenntnis  nötig.  Der  Yoga  des
Diese  Lehre  weiter  ausgebildet.  Er  legt,  wie  schon
Hauptgewicht  auf  die  geistige  Versenkung  und  die
:se,  und  das  jüngere  Läipkbya  ist  ihm  gefolgt.  Daese
  Lehre  notwendig  auf  einen  engen  Kreis  Ausklinkt ­
  bleiben.  Denn  die  ganze  Maschine  des  menschwürde ­
  ins  Stocken  geraten,  wenn  ein  großer  Teil
äesen  Anschauungen  folgen  wollte.  Der  Sämkhyao
  ein  philosophisches  System  für  wenige  Erlesene,
r  Erlösung  war  für  die  große  Masse  unbrauchbar;
i&amp;gt;eorie,  wie  unzählige  andere,
ieden  davon  verfuhr  Buddha.  In  den  Wäldern
--iatte  er  nicht  nur  die  Wertlosigkeit  aller  Askese  erauch,
  daß  kein  einzelnes  philosophisches  System  zur
-  jt,  die  Philosophie  überhaupt  kein  Heilmittel  für
:  ichenden  ist.  Dafür  gibt  es  im  Kanon  viele  Be--
  ;e  am  meisten  charakteristischen  finden  sich  im  Suttani-:
  )ff.).  Dort  wird  ausgesprochen,  daß  es  nicht  leicht
en  vielen  Systemen  das  richtige  auszuwählen.  Der
schel,  Leben  und  Lehre  des  Buddha.  2.  Stuft.  4
        <pb n="175" />
        ﻿
      </div>
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