Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. 31 Nutzwerte des Bodens beachtet und der Bauer, welcher günstigeren Boden bebaute, höhere Abgaben dafür zu zahlen hatte, war natürlich. Aber im großen und ganzen kann man sagen, daß der Bezug dieser Grundrente in jenen Zeiten, wenn auch durch die Hand der Lehnsherren, der Allgemeinheit zu Gute kam. Als im späteren Mittelalter das Ansehen der kaiserlichen Macht sank, der Adel mit den Städten in blutigen Fehden rang, wurde auch das Lehnrecht zu einer schalen Form ohne lebenskräftigen Gehalt. Nicht allein, daß der Bauer der Prügelknabe beider Lager wurde, die Ausbeutung der Herren war so rücksichtslos, daß er bald nichts mehr sein eigen nannte. Schwer seufzten die Bauern und murrten gegen ihre Peiniger. Geheime Verschwörungen bildeten sich, es sei nur an den „armen Konrad“ und den „Bundschuh“ erinnert. Jener große Kampf, welcher den Namen des Bauernkrieges führt, war ja mehr ein Ringen um die Exi stenz als um religiöse Wahrheiten. Blutig wurde er nieder geschlagen, und unser Vaterland hat bis zur Neige des vorigen Jahrhunderts seine Bauern unter dem schweren Drucke der Mißhandlung und Ausbeutung als Leibeigene geknechtet gesehen. Es war unter solchen Zuständen natürlich, daß andere Formen des Bodenbesitzes in die Erscheinung treten mußten, um die Bauern zur Betreibung ihres Gewerbes anzuregen, denn von den Herren wurden sie immerfort schlechter be handelt und ausgezogen. Schon im 16. Jahrhundert trat die freie Belehnung, Kauf und Pacht des Bodens, auf, die aber erst durch die Erschütterungen der französischen Revolution zum allgemeinen Durchbruch kam und sicher als solche ein wichtiges Mittel gewesen ist, den Gewerbe- Heiß in ungeahnter Weise zu heben. Aber der freie Handel mit Grund und Boden ist nur eine Durchgangsstufe gewesen, sofern er als Ablagerungsstätte des Kapitalismus gedient hat.