Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. 53 sind die, denen die heutige Ordnung erlaubte, sich durch den Schweiß anderer zu bereichern, die so klug waren, ihre Besitzung auf dem Lande recht teuer zu verkaufen und nun Rentner geworden sind. Die Besitz- und Schuldverhältnisse entwickeln sich nun in den Städten in analoger Weise wie auf dem Lande. Der freie Handel und Schacher mit Grund und Boden führt zur Konzentrierung desselben in wenigen Händen. Auch hier gibt es Latifundienbesitzer, wenn auch weniger durch direkten Besitz, als vermittelst des Hypothekenzinses. Neben freien Hausbesitzern, die ruhig das Fallen und Steigen der Bodenpreise abwarten können, erscheint jene große Zahl von Eigentümern, welche ihren letzten Heller in die Wohnung resp. den Boden gesteckt haben, oder durch Über ladung mit Hypotheken ihres Lebens nicht froh werden. Man kann den meisten nicht einmal den Vorwurf machen, daß sie nur der Spekulation wegen gekauft hätten, so gewiß sich auch kleine Leute auf diesen mühelosen Erwerb legen. Sie sind als Geschäftsleute gezwungen, eine feste Wohn stätte zu haben, da ihnen sonst beliebig die Miete gesteigert oder sogar gekündigt werden kann. Daß der Hausbesitz, wenn man von derjetztzumStillstandgekommenengünstigeren Konjunktur absieht, nicht auf Rosen gebettet ist, weiß jeder mann. Dazu kommen noch die hohen Kommunalsteuern als Zuschläge von oft veralteten Staatssteuern. Von der Entwickelung der Grundrente und der Hypotheken verschuldung in Berlin, der die in anderen Städten ceteris panbus analog verläuft, sei es gestattet, folgendes Bild zu geben, welches der Schriftführer des „Bundes der Berliner Grundbesitzervereine“ und Inhaber der Hypothekenstube des Bundes, also gewiß ein unverfänglicher Gewährsmann, von den betreffenden Verhältnissen entworfen hat.