Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. 63 so fällt auch der Zins, der nichts als ein Rentenkauf (Rod- bertus) ist, hin. Daß Rente und Zins dasselbe sind, ist eine alte Wahrheit, die schon Kalvin bekannt war, wenn er sagt: „Das Geld erzeugt nicht Geld, das ist unbestritten; aber mit Geld kauft man Land, welches mehr als den Gegenwert der Arbeit, die man ihm widmet (durch die Naturkräfte), erzeugt und dem Eigentümer ein Mehreinkommen läßt, nachdem alle Ausgaben für Handarbeit usw. bezahlt sind. Mit Geld kauft man ein Haus, das Mieten einbringt. Die Sache, mit der man Gegenstände kaufen kann, die aus sich selbst Einkommen erzielen, muß aber als selbst Einkommen erzeugend betrachtet werden.“ Auch der berühmte Anhänger der physiokratischen Schule- Turgot, war sich völlig klar über den Ursprung des Zinses: „Das Geld der Kapitalisten ist der Wertausdruck für ein Grundstück; der Zins des Geldes geht hervor aus dem Ein kommen eines Gutes oder aus dem Gewinn eines Geschäftes. Alles aber geht hervor aus dem Reinertrag der Ländereien, d. h. der Arbeit der Naturkräfte.“ Wie Lassalle an der vollen Erkenntnis der wahren Ursachen der sozialen Not unserer Tage vorüberging, ist aus seinem „Bastiat-Schulze von Delitzsch“ bekannt. Schulze recht fertigt ganz richtig den Zins damit, daß es dem Kapitalisten möglich sei, für sein Kapital Land zu kaufen, dessen Ernte, welche dem Acker „entkeimt“, ein ansehnliches Mehr an Getreide über Samen und Arbeit hinaus liefert. Wie Lassalle die Lösung des großen Rätsels nicht fand, da er auf Verstaatlichung der Produktion hinzielte, so ent gingen Henry George, da ihm die wesentlich deutschen Vorarbeiten nicht bekannt waren, die Stellung des Zinses in der Volkswirtschaft als eines ausbeuterischen Elementes. Es ist von Interesse, die Versuche zur Erklärung des Zins problems aus Böhm-Bawerks „Geschichte und Kritik der Kapitalzinstheorie“ aufzuführen. Wir geben die Aufzählung nach dem Handbuch von Schönberg wieder.