Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. 67 dem Arbeiter. Bei gerechter Auferlegung der naturalen Grund rentensteuer wird niemand mehr Ackerland haben können, als er bebaut; die Latifundien müssen verschwinden, das Land wird wieder bevölkert: der Zins verschwindet, die Arbeiter werden wohlhabend; die Zollmauern sinken, dadurch ist ein Steigen der Grundrente verhindert, welche unter dem Schutze der heutigen Zölle von der Monopolrente befreit wird. Die „Lage“ in den Städten ist übrigens auch zum Teil nur das Resultat der zunehmenden Verarmung in den Städten selbst. Die verarmte Bevölkerung wohnt in ihren Quartieren, die reiche in den ihren. In den armen Quartieren werden große Geschäfte nicht errichtet. Die anderen Bedingungen der „Lage“ sind so auffällig aus der wirtschaftlichen und sozialen Misere herausgegangen, daß ich sie füglich nicht zu erwähnen brauche. Das ist meine Anschauung: Die Reform hat zu erreichen, die heute krankhafte „Monopolgrundrente“ -— wie ich sie nenne — auf die „Naturalgrundrente“ zu bringen, welche der natürlichen Leistung des Bodens entspricht. Damit weiche ich von den Anschauungen vieler Genossen ab, und ich bin der Meinung, daß es bei solchen schweren, zumal taktischen Differenzen nicht angeht, da gerade jetzt, die neu in Fluß kommende Freihandelsbewegung ein Darüber- hingleiten unmöglich macht, die Redaktion von „Frei Land“ weiter zu führen. In unbemerkter Weise kann der Rücktritt bis zum 1. Juli erfolgen, bis wohin ich „parteilos“ das Blatt leiten will. Es wird sich schon gern ein Genosse bereit finden. Aber wichtiger für mich ist, ob die Genossen ferner meine Zugehörigkeit zum Vorstande für möglich erachten, was ich selbst bezweifele. Es liegt nicht in meiner Natur, Statist zu sein. Die Wahr heit aber, soweit sie jeder zu erkennen vermag, geht mir über Freundschaft und alles.“ So war auch leider unser zu früh verstorbener Freund Dr. Stöpel der Ansicht, daß auch heute der selbst arbeitende Bauer keine Grundrente beziehe, zumal nicht im Reform staate ; einer ähnlichen Anschauung huldigt Dr. Hertzka in seinem schönen Buche „Freiland“, wo er den Grund und Boden als ein freies Gut betrachtet, Anschauungen, welchen wir uns nicht anzuschließen vermögen. Bei höherer Kultur und steigenden Bedürfnissen tritt bei sich mehrender Bevölkerung Teilung der Arbeit ein. Waren früher alle Einwohner Hirten, Fischer, Jäger, so widmet. 5*