74 Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. fallen, und damit die Anhäufung der ungeheueren Ver mögen, die Möglichkeit der Unterkonsumtion, ausgeschlossen wäre. Aber kein Bauer würde mehr, als zum Leben not wendig, erarbeiten, da doch alles genommen würde. Denn das wenige, das bei der Verteilung wieder auf ihn fiele, wäre nicht nennenswert. Es ist auch falsch, zu behaupten, die Vorteile höherer Kultur kämen nur den Besitzern des Erdbodens zugute; sie kommen ebenso den industriellen Arbeitern zugute durch Erhöhung ihrer Leistungen. Daß heute alle Errungen schaften der Grundrente zu Teil werden, ist nicht eine der Grundrente immanente Eigenschaft, sondern liegt an der falschen Gesetzgebung über Grundeigentum und an den Zöllen. Derartige Ideen, daß ungeheuere Summen von 30 Milliarden dem Staatsschätze zufließen, würden einer wüsten Ochlokratie zur Herrschaft verhelfen, denn leider spielen neben dem berechtigten Gefühle verletzter Menschen rechte Neid und Habsucht eine große Rolle. Wie wir überzeugt glauben, daß in späterer Zeit bei gleichmäßigerer Gesittung selbst ohne Störung in individuellen Leistungen und Bedürfnissen das größere Kapital bei der Gesellschaft als bei den Privaten sein wird, so entschieden müssen wir uns gegen jede überstürzte Nivellierung in unseren Tagen erklären. Und da steht gerade uns die materialistische Geschichtsauffassung zur Seite: ruhige, stete Entwickelung, nur — um einen Ausdruck von Marx zu gebrauchen — kein „jähes Umschlagen“. Schutzzoll Originell und bemerkenswert ist jedenfalls schon an sich oder Frei- 0 handei? ^ie Bemerkung, durch Schutzzölle, ja durch Prohibitivzölle, das soziale Elend lösen zu wollen. Schon dieser Weg, den der Bund für Bodenbesitzreform vertritt, ähnelt der sozialdemokratischen. Weltanschauung, und das Ziel würde in Wahrheit der reine Kommunismus werden. Neben dem Bunde für Bodenbesitzreform bestand früher der „Allwohls-