Die Bodenreform im Lichte des Dreihandels. 79 Staaten einen furchtbaren Stoß gegeben, und die Störungen im nationalen Güterleben sind durch den Wettbewerb der jungen Länder so akut geworden, daß allerorten nach Heil mitteln gesucht wird. Wie wir bei Erkrankungen des mensch lichen Körpers neben denkenden Ärzten die erbärmlichsten Kurpfuscher finden, so sind auch hier allerlei Ratgeber ernster und komischer Natur aufgetreten, deren Spuren zu folgen uns durch den Rahmen unserer Arbeit versagt ist. Daß die staatliche Gesetzgebung gegenüber dem drohenden Zusammenbruche der nationalen Wohlhabenheit resp. Pro duktion sich nicht müßig verhalten konnte, ist einleuchtend, und so sehen wir seit 10—12 Jahren Bemühungen, der Ge fahr erfolgreich zu begegnen. Unter anderen Staaten hat auch Deutschland die Bahnen des manchesterlichen Frei handels verlassen und unter dem Stichworte „Schutz der nationalen Arbeit“ dem Schutzzoll die Förderung der Ge setzgebung zugewandt. Und insofern dieser Entschluß dazu dienen soll, dem akuten Zusammenbruch zu steuern, ein Moratorium zur Anbahnung gründlicher und wirklicher sozialer Reformen zu bieten, sind wir völlig mit ihm ein verstanden. Aber ein Heilmittel, welches nur für sich die soziale Notlage bannen könnte, ist nicht darin zu erblicken. Schon die einfache Erwägung, daß die Not in allen Ländern dieselbe ist, einerlei, ob sie dem Freihandel oder dem Schutz zoll anhängen, kann zum Beweise genügen. Wie sehr der alte, mechanische Freihandel an Ansehen verloren hat, kann man daran sehen, daß bis jetzt jeder Versuch, eine tief gehende Bewegung gegen die Schutzzölle mit den Argu menten des reinen laisser faire, laisser passer zu erreichen, völlig ins Wasser gefallen ist. Instinktiv fühlt selbst das Volk, daß es bei reiner Aufhebung der Zölle durch die über mächtige Konkurrenz des Auslandes seine Arbeit verlieren würde. So ist es in der Tat der Fall, daß unter der verkehrten