80 Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. wirtschaftlichen Ordnung unserer Tage der Schutzzoll zeit weise für die Produzenten (im weitesten Sinne des Wortes) ein größerer Segen sein kann als der Freihandel, da er den akuten Zusammenbruch vermeidet. Leider wird aber durch den Schutz die Produktion auf Zweige geleitet, welche weder der natürlichen Beschaffenheit des Landes noch der Ge schicklichkeit der Einwohner entsprechen: Die Güter produktion nimmt durch Ausschluß der Konkurrenz weiter ab. Das Schlimmste aber ist, daß sich im geschützten Ge biete die Grundlagen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung immer weiterentwickeln: Grundrente und Zins nehmen den Vorteil, den der Zoll nach außen gewährte, mehr als fort. Der Bauer hat keinen Vorteil von ihm, da die Preise und Pachten des Bodens steigen, der Industrielle muß infolge dessen teuere Rohstoffe kaufen. Dabei nimmt der Konsum der Massen relativ immer mehr ab, obwohl sie die Ver teuerung der notwendigsten Unterhaltsmittel durch Erhöhung der Löhne zum Teil wett machen können. Wenn auch Lebensmittel, Wohnungen usw. im Preise steigen, soviel, als die Arbeiter zum Leben gebrauchen, muß ihnen der Unternehmer zahlen, da sonst der wildeste Ausbruch der Verzweiflung drohen würde. Mehr aber haben sie auch vorher nicht gehabt, das eherne Lohngesetz hat ihnen nie mehr als das Existenzminimum gelassen. Die Konzentration der großen Vermögen geht, mag auch der Zinsfuß sinken, immer weiter vor sich; die Reichen werden reicher, die Armen immer ärmer. — Wir glauben übrigens nicht, daß es der Gedanke des Vaters der Schutzzölle — welche bekanntlich durch den berühmten Dezemberbrief Bismarcks inauguriert wurden — gewesen ist, die Krisis endgültig durch dieses Mittel zu heilen. Wir halten ihn für einen vaterlandsliebenden, ziel bewußten Staatsmann, der klaren Blickes weitere Reformen im Auge gehabt hat. Wenn es freilich wahr wäre, daß er