Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. 81 sich von dieser augenscheinlichen symptomatischen Be handlung endgültigen Erfolg versprochen hätte, dann würden seine Feinde recht haben, und auf ihn könnte das Wort des schwedischen Kanzlers Oxenstierna angewandt werden: „Mein Sohn, du weißt nicht, mit wieviel Dummheit die Welt regiert wird.“ Gerade für die industriellen Unternehmer könnten die Vorgänge des vergangenen und dieses Jahres eine lehr reiche Mahnung sein, da die Steigerung der Rohstoffpreise eine solche geworden ist, daß sie nicht nur schwer auf Produzenten und Konsumenten lastet, sondern beinahe den Export von Fabrikaten unmöglich gemacht hat. Nationales Eigentum wie unterirdische Mineralschätze hat man der Privatspekulation überlassen, damit diese die Nation aus- beuten darf. Vor allem hat die Kohle eine Preissteigerung erfahren, welche mit einer willkürlichen Plünderung des Volkes zu vergleichen ist. Da bei diesem Artikel wegen seiner Masse die genügende Konkurrenz fehlt, so sind die Eigentümer der Gruben wie die Großhändler in der Lage, jeden beliebigen Preis, den die Abnehmer noch zu zahlen gewillt sind, zu fordern. Mit den Kohlenpreisen stiegen weiter die Preise für Eisen, vom Erz bis zur weiteren Verarbeitung, so daß sich die Ganz fabrikate in einer Weise verteuerten, daß trotz der durch Zölle bewirkten Steigerung der Inlandpreise für Fabrikate ein lohnendes Geschäft nicht mehr möglich ist. Bezeichnend für die Wirkung der Zölle ist beispielsweise, daß im August 1890 der Bochumer Gußstahlverein in Rumänien Stahl schienen pro 128,80 Frks. frei Galatz lieferte, während die deutsche Eisenbahnverwaltung dem Schienenkartell bei den Verdingungen rund 145 Mark ab Werk hat zahlen müssen. Das ist unter Berücksichtigung der Eisenbahnfracht ein Unterschied von 65 Mark. Das deutsche Kartell soll den fremden Werken für ihr Fortbleiben von der Konkurrenz Wehberg, Die Bodenreform. 6