Die Wohnungsfrage. 167 faßt? Almosen wollen unsere Arbeiter, welche aus dumpfem Knechtesschlafe erwacht sind und an den Segnungen der industriellen Epoche Teil zu nehmen wünschen, nicht; sie wollen nur Gerechtigkeit. Niemand brauchte zu darben im Angesichte des Überflusses; aber Grundrente, Zins und Unternehmerprofit nehmen den Löwenanteil für sich in Anspruch. Mögen staatliche und kommunale Behörden, wie Arbeiter und private Gesellschaften Häuser bauen; diese Maßnahmen bedeuten nicht die Lösung der Wohnungs frage. Wir halten es im Gegenteil für verderblich, wenn man glaubt, die Arbeiter zu beruhigen, indem man ihnen die Sorge um eigene Wohnungen abnehmen will, wie das die Erfahrung allerwärts gelehrt hat. Immer freilich werden auch in Zukunft Bürger sein, welche das Mietshaus dem Eigentum vorziehen werden, aber im großen und ganzen kann man sagen, daß wir die wirtschaftlichen Grundlagen so legen müssen, daß jeder Fleißige ohne Mühe und Ent behrung seine eigene Wohnstätte besitzen kann. Das aber muß erstrebt werden durch fundamentale und zum Teil rücksichtslose Reformen. Wenn aber die Zeit gekommen, wo unsere Bürger statt in elenden Spelunken in hellen, traulichen Räumen weilen werden, wenn ihnen die Heimat wieder die „liebe, süße Heimat“ sein wird, dann werden auch Geschlechter empor wachsen, welche, versöhnt mit den wirtschaftlichen und sozialen Zuständen ihrer Zeit, ein frohes und glückliches Dasein in der Erfüllung ihrer Pflichten führen werden. Wir stehen an der Schwelle des 20. Jahrhunderts, des Jahr hunderts der Arbeiter. In ihm werden Millionen und wieder Millionen von Brüdern auf eine höhere Stufe der Lebens haltung gelangen, und die nach Beseitigung des arbeitslosen Einkommens vervielfachte Produktion wird ehrlicher und treuer Arbeit den reichlichsten Lohn sichern.