8 Erstes Kapitel. Methodologie. Vielleicht wird es dem Verfasser gestattet sein, sich kurz darüber zu äußern, in welcher Art beispielsweise ein zweck mäßiges Studium der Geldtheorie vor sich gehen könnte. Wer, ohne etwas von der früheren Literatur zu kennen, Knapps »staatliche Theorie des Geldes« eingehend studiert, der wird zwar allein davon niemals einen Überblick über die dogmengeschichtliche Bedeutung der einzelnen Probleme er halten, ihre theoretische Struktur aber wird ihm bei einem jahrelangen Durchdenken schließlich so klar werden, daß selbst ein ergänzendes Studium vieler anderer Werke diese Einsicht kaum noch vertiefen kann. Von jenem einen einzigen Punkte aus lassen sich mindestens alle Formen des »stati schen« Geldproblems durchdenken. Liegt doch die Bedeutung von Knapps Werk wesentlich in der Konsequenz seiner Ge dankenführung wie in der Eigenart der Form begründet. Diese Form aber ist trotz ihrer Schwierigkeit diejenige, die dem nationalökonomischen Denken eines Lebenden vielleicht am besten entspricht, und deshalb erscheint es zweckmäßiger, von Knapp auszugehen als etwa von Adam Müller, was vom dogmenhistorischen Standpunkte aus korrekter wäre. Nicht als ob wir also jene oben gerügte Unbekümmertheit in Hinsicht der älteren Literatur nachträglich wieder sank tionieren wollten; oder als ob wir es für entschuldbar hielten, wenn jemand, der über das Wesen des Geldes schreiben will, weder die Grundzüge seiner Geschichte noch die Entwicklung der Geldtheorien kennte. Nicht als ob die Bedeutung des Wissens überhaupt unterschätzt werden sollte. Aber der Stoff bleibt begrenzt. Und was uns allein weiterbringen kann, ist doch wohl nur ein konsequentes Nachdenken über den gegebenen historischen Stoff, insbesondere auch ein müh sames, immer wieder von neuem, aufgenommenes Sichvor- stellenwolien der »metaphysischen« Natur des Geldes, wie man es nennen könnte.