18 Erstes Kapitel. Methodologie. dem Edelmetalle Wert verleihe, daß der Stempel wichtiger als das Metall, daß das Geld eine bloße Marke, daß nur die juristische Eigenschaft des Geldes Bedeutung habe, der staat liche Befehl schlechthin Geld schaffen könne. Zu dieser Auf fassung gelangt man noch auf einem anderen Wege: Unter sucht man nämlich, worin denn eigentlich der Gebrauch des Geldes besteht, so wird man zu dem bekannten Satze ge langen, daß das Geld stets nur als Mittel zum Zweck, nicht als Selbstzweck dient, während die Waren — keineswegs immer, aber häufig, — zu unmittelbarer Konsumtion be stimmt sind. In diesem Sinne erscheint das Geld nur als Mittel, Waren zu erlangen, als Anweisung auf Waren und Dienste, als bloßes Zeichen, das man selbst nicht konsu mieren kann. Und von diesem Gesichtspunkte aus erscheint Metall- und Papiergeld, vollwertiges und unterwertiges Geld wesensgleich. Gegen die Behauptung, daß diese Geld arten auch sonst wesensgleich seien, wird der kritische Nati onalökonom von vornherein ein gewisses Mißtrauen haben. Wir werden zu zeigen versuchen, wie diese Skepsis zu einer nochmaligen Prüfung beider Lehren und zu einer dritten Auffassung führt, die beide Gegensätze zu versöhnen sucht. Man kann dies auch so ausdrücken. Schon die altbekannten und berühmten Problemstellungen »physei oder nomo«, Sub stanzwert oder Funktionswert sind nicht glücklich gewählt. Nicht aut-aut, sondern et-et sollte es heißen, nämlich Substanz und Funktion, Stoffwert und Proklamation, Kosten und Nutzen müssen zusammengehalten werden, um die Phäno mene des Geldes zu erklären. Und bei aller Zurückhaltung hinsichtlich summarischer Kritik früherer Leistungen darf doch gesagt werden: Die Diskussion über unser Problem würde weit fruchtbarer sein, wenn man nicht meistens davon ausginge, daß es sich um schroffe Gegensätze handelte.