22 Erstes Kapitel. Methodologie. lang über das Wesen des Oeldes nachgesonnen hat, unterscheidet ­ sich von dem des Kollegen, der das »Geld« stets nur nebenbei erledigt hat. Wer sich vorzugsweise mit dem dynamischen Problem befaßt hat, der wird einen anderen Begriff haben als der, für den die statische Grundfrage im Mittelpunkte des Interesses steht. Ein Bankbeamter wird selten den gleichen Geldbegriff haben wie ein Theoretiker. Juristen denken sich das Geld anders als Nationalökonomen, und untereinander scheinen die juristischen Begriffe wieder so verschieden zu sein wie die wirtschaftlichen. Beim Kaufmann ­ bildet sich ein anderer Begriff als beim Juristen. Aber denken wir uns selbst einmal zwei Gelehrte, die genau den gleichen Studiengang durchgemacht hätten, die gleiche Zahl von Jahren mit gleicher Intensität über »das Geld« nachgedacht ­ und genau die gleiche Auswahl von Schriften gelesen hätten, — eine fast unmögliche Voraussetzung —: Es ist nicht einmal wahrscheinlich, daß diese zwei Individuen denselben ­ Geldbegriff haben würden, da die ihren Begriffen zugrunde ­ liegenden Vorstellungen individuell differieren könnten. ­ Wir dürfen annehmen, daß es, theoretisch gedacht, unzählige ­ Geldbegriffe gibt, und, praktisch genommen, mehrere. Keiner dieser Begriffe ist »der richtige«. Der Streit um den Geldbegriff ist daher keineswegs ein Streit um Worte, wie man zuweilen gemeint hat, wohl aber ein Streit um die Richtung des Denkens und die Eigenart der Vorstellungen. Es ist zuweilen ein Streit der Neigungen und Begabungen, in welchem jeder behauptet, seine Neigung und Begabung sei die einzig berechtigte. Zuweilen ist es ein Streit zwischen Juristen und Nationalökonomen, bei dem jeder meint, seine Wissenschaft habe recht, ohne sich bewußt zu werden, daß man von ganz verschiedenen Voraussetzungen ausgeht. Geld aber ist nicht Materie, nicht Funktion; Geld ist weder cpvaei noch vp/xy. Geld ist kein Produkt der Wirtschaft und kein